Billboard
Phonosophie

Nubert nuPro A-300 – Kirsch Audio Studio Q5 MK II – Testbericht fairaudio

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Nubert nuPro A-300 - Kirsch Audio Studio Q5 MK II - Testbericht fairaudio

Nubert nuPro A-300

Apropos laut und Pegel: Beim Titel „Ballad E“ des bereits erwähnten Magnus Öström wird mir das erste Mal bewusst, wie „rein“ die Nubert spielen. Der Titel beginnt mit einer vorsichtig gezupften Akustikgitarre. Ansonsten zu hören ist auch bei weiter aufgedrehtem Volume-Hahn … rein gar nichts: Rauschen und ähnlicher Unbill glänzen durch Abwesenheit. Bei Aktivboxen – gerade in dieser Preisklasse – zählt ein schwarzer Hintergrund nicht zu den unbedingten Selbstverständlichkeiten.

Wahrscheinlich bietet das volldigitale Verstärkungskonzept der A-300 in dieser Hinsicht tatsächlich systemische Vorteile.
Was ja eigentlich auch den Kriterien Auflösung und Feindynamik zugutekommen könnte: Beim von Kode 9 aggressiv-treibend inszenierten „Am I“ wird der kurze Hall der Stimme, die sich anhört, als ob der Sänger in einer Telefonzelle oder Ähnlichem steht, deutlich herausgearbeitet – prima. (Gesang, das sei an dieser Stelle en passant erwähnt, servieren die 300er tonal übrigens generell vorbildlich ausgewogen.)

Die in Goran Kaifjes „Sand Boogie“ (Album: X/Y) zu hörende Melange aus Hi-Hat, Snare und Saxophon und einem wahrscheinlich von den Anschlägen eines Ridebeckens herrührenden „Ticken“ gerät feindynamisch sauber akzentuiert, zum Verrunden oder Aufweichen tendieren die Schwaben in keiner Weise. Wenngleich die „Einzelteile“ der Melange über meine Referenzanlage schon merklich differenzierter/abgegrenzter und leichter nachverfolgbar vermittelt sowie die einzelnen Klangelemente mit noch feinerer Textur versehen werden.
Aber auch die passiven Quadral Megan (ohne Aktivelektronik in der gleichen Preisklasse wie die 300er) lassen die oberen Lagen potenziell (freilich abhängig von der zugrundeliegenden Verstärkung) noch durchhörbarer und feiner ertönen, nicht zuletzt weil einzelne Klänge von ihnen räumlich eindeutiger/trennschärfer gefasst werden.

Goran Kaifjes

Viel wichtiger als solche schon mit einem Bein im Reich der Erbsenzählerei stehenden Vergleiche finde ich aber, dass die Nubert nuPro A-300 dabei eben auch auf jegliche künstliche Hochglanzauflösung verzichten, was das Klangbild angenehm ehrlich und schlüssig erscheinen lässt: So werden die Sibilanten in Beiruts „Sunday Smile“ (Album: The Flying Cup) über die 300er keineswegs verschluckt oder geschönt, klingen aber weniger artifiziell-aggressiv und mithin natürlicher als selbst über meine großen Thiel CS 3.7. Solide Auflösung meets Langzeittauglichkeit – was will man, zumal in dieser Preisklasse, eigentlich mehr verlangen?

Hm, vielleicht eine Schippe mehr Akkuratesse bei der Bühnenabbildung, einen Tick mehr Dreidimensionalität beziehungsweise Plastizität – gerade kleinen Zweiweglern wie den nuPro A-300 werden in dieser Hinsicht ja häufig besondere Stärken nachgesagt. Klar, kann man fragen: Was jucken mich BeirutKriterien wie Lokalisationsschärfe beziehungsweise die illusorische Spielerei, einzelne Instrumente mehr oder weniger „körperlich“ im Hörraum verorten zu können? Eine Meinung, die etwa Kollege Markus Sauer vertritt: „Mich interessiert nicht, wo die Musiker auf der Bühne stehen, sondern warum sie auf der Bühne stehen.“ Allerdings sind auch innerhalb unserer Autorenteams die Geschmäcker durchaus verschieden: Für den Kollegen Jochen Reinecke beispielsweise zählt die Bühnenabbildung zu den wichtigsten Kriterien überhaupt, wie ich kürzlich erfuhr, als er mir vorwarf, deren Beschreibung in einem Bericht etwas vernachlässigt zu haben.

Nun, die Jochen Reineckes dieser Welt werden mit den Nubert nuPro A-300 womöglich ein wenig hadern. Gibt es doch Lautsprecher, ich erinnere mich da beispielsweise an eine Kirsch Audio Studio Q5 MK II (passiv, um 1.800 Euro), die ich vor kurzem intensiver hören durfte, welche einzelne Instrumente räumlich derart definiert in den Hörraum stellen, dass man meint, nach diesen greifen zu können. Nun, solche Greifreflexe lösen die Nuberts weniger aus, dazu sind sie zu wenig auf Ortungsschärfe und Plastizität getrimmt.

Nubert nuPro A-300

Allerdings: Bisweilen erlebt man, dass von „unordentlichen“ Bühnen eine gewisse Nervosität ausgeht, weil das Klangbild inkonsistent oder instabil wirkt. Das ist bei den Nuberts eindeutig nicht der Fall. Das Klangbild bleibt eingängig beziehunsgweise gut verdaulich, weil auf gewisse Weise doch natürlich: Ein bisschen ist’s so, als wenn man bei einem Konzert weiter hinten sitzen würde – je mehr man sich von der Bühne entfernt, desto stärker „verschmilzt“ oder „vereinheitlicht“ sich das Gebotene aus räumlicher Sicht ja ebenfalls. Entsprechend suggerieren die A-300 eine durchaus natürlich wirkende, aus räumlicher Sicht eben nur weniger „intimere“ oder „greifbare“ Draufsicht aufs Geschehen.

Wer mit den Nubert’schen Aktivlingen unbedingt noch intimer werden will, kann versuchen, mittels der S/PDIF-Schnittstelle auf verstärkte Tuchfühlung zu gehen. Ich selbst habe via Cinch mal meinen Silberscheiben-Dreher Fonel Simplicitè angeleint:

EyotUnd so tönt das Piano im Titel „Coils“ des serbischen Jazz-Quartetts Eyot (Album: Drifters – für alle, die zum Beispiels e.s.t. mögen, ein echter Tipp) plastischer und wie ein bisschen weiter nach vorne gerückt, auch die E-Gitarre und einzelne Schlagzeugtransienten wirken räumlich profilierter, wodurch summa summarum ein etwas involvierenderes „Bühnengefühl“ resultiert. Nun, dass es über den Fonel Simplicitè beziehungsweise S/PDIF etwas anders tönt als via Laptop/USB, bin ich auch von anderen Vergleichen gewohnt, den – nicht dramatischen, aber merklichen – Zugewinn an Räumlichkeit würde ich allerdings in den Verantwortungsbereich unserer Probanden, sprich deren unterschiedliche Schnittstellencharakteristika legen.

Nubert nuPro A-300

Der Vollständigkeit halber abschließend kurz ein paar Worte zu analogen Ansteuerung – das Signal hat hierbei aufgrund der notwendigen A/D-Wandlung eine Hürdenstation mehr zu überwinden, was man tatsächlich auch ein bisserl heraushören kann, mutet das Klangbild insgesamt doch etwas verhaltener, mit einem Deut weniger „Drive“ daherkommend an: „Die Transparenz/die Strahlkraft in den oberen Lagen nimmt tendenziell ab, die Bühnenausdehnung geht leicht zurück“, ist dazu in meinen Hörprotokollen vermerkt. Die grundsätzlichen Meriten wie Neutralität, Basspotenz und Langzeittauglichkeit bleiben aber auf dem beschriebenen hohen Niveau. Die analoge Fütterung geht also durchaus als wertige Alternative durch, wenngleich man das Potenzial der Nubert nuPro A-300 mittels digitaler Ansteuerung noch stärker ausreizt.

Test: Nubert nuPro A-300 | Aktivlautsprecher, Kompaktlautsprecher

  1. 3 Nubert nuPro A-300 - Kirsch Audio Studio Q5 MK II - Testbericht fairaudio
Billboard
Input Audio