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Klang: Nubert nuJubilee 40

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  1. 2 Klang: Nubert nuJubilee 40

dredgErstes Stück im Hörparcours: „Matroshka“ von der Band Dredg (Album: Catch Without Arms). Ich ziehe diesen Song ganz gerne beim Testen von Komponenten aus meiner Musiksammlung, weil er recht anspringend gemischt und gemastert ist und vor allem an den Frequenzgangenden auch durchaus Herausforderungen für eine gute Anlage bereitstellt. Wir hören eine Delaygitarre, die auch „The Edge“ gut zu Gesicht stehen würde, ein alert gespieltes Schlagzeug mit reichlich Beckeneinsatz – und nicht zuletzt eine ebenfalls recht weit nach vorn gemischte, akustische Rhythmusgitarre. Und der Bass schiebt sehr schön.

Nubert nuJubilee 40 hinten rückseite

In den Refrains kacheln die Gitarren mit dem Schlagzeug um die Wette – und der Drummer bedient sich eines ganz netten Tricks: Er erzeugt nämlich mit punktiert gespielten Crashbecken eine rhythmische Verschachtelung mit dem grundlegenden, eher simplen Beat, den er mit Bassdrum, Snare und Ridebecken über die Strophe hinweg aufbaut und auch im Refrain beibehält. Das alles hört – beziehungsweise goutiert – man aber nur, wenn die Wiedergabekette im Hochtonbereich sehr klar und sauber auflöst, denn ansonsten geht das im allgemeinen Refraingerassel unter.

Die Nubert nuJubilee 40 kriegt das hervorragend hin; die halblinks im Panorama platzierten Crashbecken bilden tatsächlich noch einmal so etwas wie eine eigene, leicht „bremsende“ Rhythmuseinheit gegenüber dem halbrechts positionierten Ridebecken. Ich erinnere mich daran, dass ich bei anderen Kompaktlautsprechern hier schon wesentlich genauer hinhören musste, um diesen Effekt ebenso deutlich vor Augen – bzw. Ohren – geführt zu bekommen. Das betrifft beispielsweise die von mir ansonsten recht geschätzte Sonus Faber Venere, die gut doppelt so viel kostet und „obenrum“ etwas handzahmer zu Werke geht. Schön bei der Nubert nuJubilee 40 ist natürlich, dass man – falls gewünscht – über den Schalter an der Rückseite auch den Hochtonbereich noch ein wenig absenken kann, falls man es lieber etwas „goldgelb“ als „silbrig-hell“ mag.

Nubert nuJubilee 40 treiber

Und untenrum? Die Nubert-Lautsprecher langen tatsächlich erstaunlich tief runter und liefern einen angesichts ihrer Größe geradezu phänomenalen Bass, der sich durchaus auch mit größeren Vertretern der Kompaktklasse messen kann; ich denke da beispielsweise an die Quadral Rondo, welche quasi hauptberuflich als Monitore an meinem Digitalpiano hängen. Deren Tieftöner haben der nuJubilee 40 immerhin zwei Zentimeter Membrandurchmesser voraus – wirken aber keinesfalls körperlicher oder „satter“ im Bass.

Der Song bringt außerdem nach dem vornehmlichen Schlussakkord (bei Timecode 03‘47“) so etwas wie eine Coda mit sich. Auf beiden Lautsprechern hören wir ein leicht zeitversetztes, punktiertes „Puckern“ eines Drumsequenzers, dazwischen liegen breite, verhallte Klavier- und Gitarrenklangflächen. Das läuft noch gut anderthalb Minuten so weiter, schließlich gesellt sich dann noch eine auf „2 und 4“ getretene Hi-Hat hinzu. Dieses „Nachfließen“ des Songs bringen die Nuberts ungemein stimmig, mit einer beeindruckend tiefen und breiten Räumlichkeitsillusion. Diese entsteht hauptsächlich durch den Studiotrick, die Sequenzerlinien des rechten und linken Kanals um ein paar Millisekunden zeitzuversetzen – das zeigt aber auch, wie „schnell“ (Stichwort: Impulsantwort) die Nuberts spielen. Also offenbar auch dynamisch auf Zack.

Wie steht es um die Tonalität? Dafür bediene ich mich unter anderem gerne des Songs „For Martha“ der Smashing Pumpkins (Album: Adore). Denn da gibt es im Grunde alles, was das Herz begehrt: Ein elegisches Klavierintro, an dessen Ende ein sich smashing pumkinslangsam aufbauender Beckenwirbel sanft „von oben einfliegt“. Dann in recht trockener, unverhallter Atmosphäre diverse Gitarren, ein erdiges Schlagzeug mit profundem Bass als siamesischen Zwilling – und nicht zuletzt die kehlige, poröse Stimme von Billy Corgan. Die Strophe sanft und trist und der Refrain mit Wucht und Vehemenz. Natürlich darf auch ein Gitarrensolo nicht fehlen, bei dem ein Transistorverstärker massiv in die Verzerrung getreten wird – was an ungefähr 2.500 gleichzeitig erklingende Elektrorasierer gemahnt.

Die Nubert nuJubilee 40 stellt sich diesen mannigfaltigen Herausforderungen mit Würde. Gerade die akustischen Instrumente werden unverfälscht und klar wiedergegeben, das Klavier klingt reif und erwachsen, der trockene Raumhall auf den Drums richtiggehend nach „Massivholz“ – also nach der Akustik eines mit Parkett ausgekleideten Tonstudioraums und nicht nach einer Effektgerätsimulation. Die nuJubilee 40 verfolgt die sich Schritt für Schritt aufschichtenden Steigerungen des Songs artgerecht mit – einzig und allein beim direkt ins Hirn fräsenden Gitarrensolo treten die anderen Klangquellen etwas unklar in den Hintergrund.

Vielleicht haben an dieser Stelle doch 3-Wege-Konstruktionen einen Heimvorteil – und ja, meine Arbeitsgeräte, die Tannoy Turnberry GR, lassen sich da beispielsweise deutlich weniger (eigentlich gar nicht) aus der Ruhe bringen. Toll allerdings das oben erwähnte „Einschweben“ des Beckenwirbels: Dieses scheint absolut aus dem Nichts zu kommen und baut sich herrlich klar auf – und man meint es tatsächlich von „links oben“ herab einfliegen zu hören. Und zwar weder gleißend noch muffig, sondern gerade so richtig.

Nubert nuJubilee 40 Front

Bleiben wir beim Thema Räumlichkeit, denn das ist etwas, was der nuJubilee 40 bei kleinen Besetzungen sehr gut gelingt. Lee Ranaldo, vielen besser bekannt als (Co-)Sänger und Gitarrist der Band Sonic Youth, hat mit „Between The Times And The Tides“ anno 2012 ein fantastisches Album hingelegt, das alle denjenigen stark ans Herz gelegt werden sollte, die den Sonic-Youth-Sound lieben, aber Kim Gordons Gesang als etwas zu hysterisch empfinden.

Der Song „Tomorrow Never Comes“ kommt mit einem raffinierten Produktionstrick daher, den man nur mit einer Wiedergabekette „spürt“, die eine ausgewiesen saubere und klare Raumdarstellung pflegt. Der Gesang ist nämlich mit allerlei Effekten behaftet (Frequenzgangverzerrung, Phasenverschiebungen auf dem lee ranaldoHallsignal, eine Art milder Flanger scheint mir auch drauf zu sein) und verschwindet „nach hinten“ im virtuellen Raum, während die Drums „vorne“ sind. Das liest sich vielleicht komisch, aber es hört sich tatsächlich so an. Es scheint, als ob der Gesang wirklich „in der Tiefe des Raumes“, also hinter der Lautsprecherachse positioniert sei, während die Hi-Hat sehr klar ganz vorne im Mix liegt. Im Refrain ändert sich aber diese Gewichtung: Plötzlich scheint der Gesang näher – und ebenso die Gitarre. Ich habe schon Lautsprecher gehört, die diesen Effekt nicht so sauber reproduzieren konnten – wie zum Beispiel die oben bereits erwähnte Quadral Rondo, welche vom Kollegen Jörg immerhin für ihre „hervorragende räumliche Abbildung und Lokalisationsschärfe“ gelobt wurden.

Wenn es um etwas größer besetzte „Podien“ geht, zum Beispiel um Orchesterwerke, dann ist allerdings qualitativ auch noch ein wenig Luft nach oben hinsichtlich der exakten Platzierung der Schallquellen. Die Sonus Faber Venere beispielsweise schaffte es gemäß meiner Erinnerung, die Akteure im Orchester noch exakter und fester im Stereopanorama zu platzieren als die nuJubilee 40. Im Gegenzug wirkt der schwäbische Wandler aber neutraler in Sachen Tonalität – bei Sonus Faber hatte man der Venere eine leichte Oberbassbetonung angedeihen lassen. Damit klingt sie auf den ersten Blick etwas körperlicher, ja „saftiger“, aber eben auch leicht gefärbt.

Test: Nubert nuJubilee 40 | Kompaktlautsprecher

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