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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Die wollen doch nur rocken!
  2. 2 Nubert nuBoxx B-30: Hörtest & Vergleiche

fairaudio's favourite Award 2026In der fairaudio-Redaktion bin ich offenbar der Mann für die kleinen Monitore. Und ich bin es gerne. In der letzten Zeit hatte ich unter anderem die Elac BS 312.2 (1.800 Euro) und die Neat Iota 2 (1.400 Euro) im Hörraum. Beide zählen zu den ultrakompakten, aber sehr ernstzunehmenden Schallwandlern mit audiophilen Ambitionen. Auch meine eigene Replik der BBC-Legende LS3/5a zählt zu den Scheinzwergen. Auf den zweitkleinsten Lautsprecher aus der nuBoxx-Serie von Nubert, die nuBoxx B-30 (456 Euro | https://www.nubert.de/), war ich daher natürlich sehr gespannt. Mal hören, ob die Spannung in Ernüchterung oder in Begeisterung umschlägt …

Unboxxing oder die Sache mit dem Ω

Fangen wir ganz vorn an, beim Auspacken, neudeutsch „Unboxing“. Man öffnet den Karton und legt die Bedienungsanleitung achtlos beiseite. Aber Achtung: Das wäre ein Fehler, denn ein etwas längerer Blick in die Bedienungsanleitung vermittelt einen sehr lebhaften Eindruck davon, wieviel Herzblut man in Schwäbisch Gmünd in den Lautsprecherbau und -vertrieb investiert. In der Bedienungsanleitung steht alles drin, was der Stereo-Laie beachten sollte, mit launigen, teils etwas schnurrigen Formulierungen. Ein Absatz trägt den Titel „Impedanz oder die Sache mit dem Ω“. So muten selbst Bedienungsanleitungen launig an.

Die Nubert nuBoxx B-30 von vorne

Die kleine Nubert nuBoxx B-30 wiegt vergleichsweise stattliche 6,4 Kilogramm

Weiter geht’s: Wer die beiden Kompaktlautsprecher dem soliden Karton entnimmt, wird sich spontan über eines wundern: das hohe Gewicht! Die Nubert nuBoxx B-30 misst gerade einmal 28 x 17 x 25 cm (H x B x T), lässt sich also durch ein DIN-A-4-Blatt abdecken, wiegt aber immerhin 6,4 kg. Hätte ich bei einer Low-Budget-Serie erst einmal nicht erwartet. Und wirft die Frage auf, woher das vergleichsweise stattliche Gewicht herrührt. Muss ich mir anschauen.

You never get a second chance to make a first impression

Erster Eindruck? Klar, bei einem Preis von 456 Euro – das Paar! – wird man realistischerweise keine Großtaten des Schreinerhandwerks erwarten können, keine geschwungenen Lautsprecher-Kabinette, kein Klavierlack-Finish. Trotzdem: Was der Direktversender aus Schwäbisch Gmünd hier abliefert, wirkt an keiner Stelle so, als hätte man übertrieben den Sparstift angesetzt. Der kantige MDF-Korpus ist akkurat mit einer matten Kunststoff-Folie bezogen, wahlweise in Schwarz oder Weiß erhältlich.

Bei mir steht die Ausführung in Weiß. In Verbindung mit den beiden schwarzen Lautsprecher-Chassis gibt das einen markanten Kontrast, der sich gut in jeden Hörraum einfügt. Wer mag, bringt etwas optischen Schwung hinein, indem er eine der farbigen Abdeckungen verwendet. In der Korrespondenz mit Nubert dazu merkt man, dass auch die günstige nuBoxx-Serie viel Aufmerksamkeit erfährt.

Die Abdeckungen der Nubert nuBoxx B-30 in verschiedenen Farben

Schick: Die Frontblenden für die Nubert nuBoxx B-30 gibt es neben neben Schwarz und Weiß wahlweise auch in Blau, Rot oder Grün

Stramme Jungs: die Treiber

Betrachten wir zunächst die beiden Treiber der nuBoxx B-30, die sauber und wirklich fest (!) in das Gehäuse eingefasst sind, als da wären: ein kleiner Hochtöner mit 26-mm-Seidengewebekalotte sowie ein 150-mm-Tieftöner mit einer Polypropylen-Membran. Das ist ein bewährter Werkstoff im Lautsprecherbau: leicht, formstabil, beständig, gut zu verarbeiten und von hoher innerer Dämpfung.

Vor dem Hochtöner sitzt ein feines Metallgitter. Das schützt nicht nur vor patschigen Fingern, sondern sorgt vor allem für eine Streuung der hohen Frequenzen, die bekanntlich stärker gerichtet unterwegs sind als die tieferen Frequenzen und den Sweetspot stark einschränken können.

Rückwärtig sind ein recht großes Bassreflexrohr und das Lautsprecherterminal eingelassen. Hier wird man angesichts des aufgerufenen Paarpreises keine Bi-Wiring-Terminals oder Anschlüsse von Edelanbietern erwarten, dennoch wirkt das Ganze höchst verlässlich und solide. Und anders als bei Schallwandlern vergleichbarer Preisgestaltung sind die Eingänge sehr gut zugänglich und nehmen jede Form der Verkabelung auf.

Die Rückseite der Nubert nuBoxx B-30

Auch die Rückseite der Nubert nuBoxx B-30 gestaltet sich klassisch, lobenswert ist der großzügige Abstand der beiden Polklemmen zueinander, auch Gabelschuhe lassen sich so ohne Frickelei anschließen

Innenschau

Genug der Äußerlichkeiten. Jetzt ein Blick ins Innere der Kompaktlautsprecher. Direkt an der Innenseite des Lautsprecher-Terminals befindet sich eine Frequenzweiche mit Nubert-Kondensatoren und drei Spulen. Die drei Spulen dienen gemeinsam mit den Kondensatoren und Widerständen als Bassfilter des unteren Chassis sowie als Tief- / Mitteltonfilter und der Entlastung des Hochtöners im unteren Hochtonbereich. Dieses Layout soll die Belastbarkeit steigern, einen ausgewogenen Übergang zum Hochtöner sichern und eine gleichmäßige Abstrahlung im Mitteltonbereich ermöglichen.

Das überraschend hohe Gewicht der Nubert nuBoxx B-30 rührt vor allem von den massiven Magneten der beiden (!) Treiber her. Auch wenn hier nicht allein die Größe zählt: Ich habe in der Vergangenheit vermeintliche High-End-Lautsprecher demontiert und dabei Chassis entnommen, die deutlich mickriger wirkten als diese beiden Nubert-Treiber.

Das Hochtöner-Chassis verfügt über eine mehrschichtig bedämpfte Rückkammer hinter dem Schwingsystem. Dadurch soll der Übergang zum Konus harmonisch und konsistent ausfallen. Der opulente Magnetsatz am Tieftöner ermöglicht Nubert zufolge größere Pegelauslenkungen (Long-Stroke) und soll die Basswiedergabe stabilisieren. Eine großzügige Lüftung der Zentrierspinne und eine optimierte Kühlung der Schwingspule sollen die thermische Belastbarkeit sicherstellen.

Der Hochtöner der Nubert nuBoxx B-30

Der nuOva B-Hochtöner verantwortet den Übertragungsbereich ab zirka 2,6 kHz, die Form der Frontplatte soll auf einen breiten Sweetspot und eine akkurate Bühnendarstellung einzahlen

Im Telefongespräch mit Nubert wurde mir mitgeteilt, dass man sich – Effizienz hin oder her – intensiv mit den Chassis beschäftigt habe. Insbesondere der Tieftöner sollte linear bis auf 50 Hz herabreichen können, ohne Pegelfestigkeit zu verlieren. Dazu hat man auf tiefgezogene Polkappen und maximalen Hub gesetzt.

Das solide Gehäuse der nuBoxx B-30-Lautsprecher ist mit Polyester-Flies bedämpft. Dabei haben die Entwickler darauf geachtet, stehende Wellen im Gehäuse zu vermeiden, ohne die Schallstrahlung zwischen Tieftöner-Membran und Bassreflexport einzuschränken. Die weitestgehende Minimierung von Strömungsgeräuschen stand ebenfalls im Pflichtenheft.

Klingt alles solide vernünftig. Klingt es auch gut? Das kommt auf den Versuch an. Auf den Hörtest also.

Nubert nuBoxx B-30: Hörtest & Vergleiche

Meine Musical-Fidelity-Elektronik (M6-Baureihe) steht wieder einmal für die Teststrecke bereit. Recht mächtig für so einen kleinen Schallwandler wie die nuBoxx B-30, aber so lassen sich die Limits checken. Allerdings: Ganz praxisgerecht ist das nicht, denn die Elektronik spielt preislich in einer anderen Liga als die Box aus Schwäbisch Gmünd. Also habe ich die nuBoxx B-30 außerdem mit einem NAD C 316BEE V2 gekoppelt. Das ist gleichsam das letzte Familienmitglied der legendären Verstärker-Baureihe von NAD. Und mit 450 Euro sehr kollegial bepreist!

Ein Paar Nubert nuBoxx B-30 in Weiß

Auf in den Hörparcours …

Aus dem Stand funktioniert diese Kombination. Harmoniert, passt. Und das trotz eines herstellerseitig mitgeteilten Wirkungsgrads von 85 dB (2,83 V / 1 m) – nicht eben üppig, aber für meinen Praxistest nicht von Belang. Und auch der Budget-Amp von NAD (mit AB-Schaltung) kommt nicht ins Schwitzen. Die Datenblätter passen auf jeden Fall: Bei Impedanz und Leistung sind keine Unverträglichkeiten zu erwarten; und der NAD-Verstärker arbeitet mit verlässlichen Dynamik-Reserven (PowerDrive).

Ein Eindruck, der in der Praxis bestätigt wird: Bei typischem Wohnzimmerabstand (2-3 m) kann man mit dieser Kombination locker Pegel anspielen, die oberhalb der Zimmerlautstärke liegen. Für Partys mit sehr hoher Lautstärke, großem Raum (> 30 m²) oder kräftigem Tiefbassbedarf könnte es allerdings knapp werden für die kleine Budget-Kombi. Ansonsten gilt: Einen guten Streamer für kleines Geld (z.B. von WiiM) dazugestellt und man hat alles, was man für den audiophilen Einstieg braucht. Und bleibt mit ein wenig Glück dabei unter 1.000 Euro.

Bass erstaunt: Tiefton mit Substanz und Kontur

Bei kleinen Kompaktlautsprechern liest man in den Testberichten immer mal Sätze wie: „Angesichts seiner Größe liefert dieser Kompaktlautsprecher ein erstaunliches Bassvolumen.“ Und was soll ich sagen? Genau so ist es. Und zugleich stelle ich fest: Das ist im Falle der Nubert nuBoxx B-30 stark untertrieben. In Verbindung mit so konzentrierten Verstärkern wie dem NAD C 316BEE V2 baut die Kompakte aus Schwäbisch Gmünd ein Tiefton-Fundament auf, das in ihrer Preisklasse schier überragend ist. Quantitativ wie qualitativ. Der Tiefton wirkt gleichermaßen satt wie präzise.

In der Beherrschung der tiefen Register schließt sie zur Neat Iota 2 oder zur Elac BS 312.2 auf. Sicher, beide sind im Bass einen Tick knackiger, differenzierter, farbiger. Aber auf großen Abstand können sie die nuBoxx B-30 nicht halten, dafür liefert die einen viel zu substanziellen, prägnanten und fundierten Bass. Der bringt ausreichend Masse mit und setzt gleichermaßen auf Impuls und Volumen.

Die Nubert nuBoxx B-30 mit grüner Frontbespannung

Die Nubert nuBoxx B-30 mit grüner Frontblende

Eine ausgewogene Abstimmung der tieferen Register ist hier realisiert worden: Eine leichte Anhebung im mittleren Tiefton und Oberbass, das Ganze in überzeugender Quantität  – das schafft einen respektablen Auftritt in dieser Tonlage. Klar ist auch: Rabenschwarz tiefgründig wird es nicht, aber dafür bleiben die anvisierten Tieftonreserven auch über Zimmerlautstärke erstaunlich pegelfest und geraten nicht aus der Fassung.

Das macht vor allem bei einem Musikgenre sehr viel Spaß, bei dem ich es zunächst nicht erwartet hätte. Aber dazu später mehr.

Der wohlfundierte und gut strukturierte Bass hat allerdings ernstzunehmende Konsequenzen für den Umgang mit der Nubert nuBoxx B-30. Denn die wird offiziell präsentiert als Lautsprecher für den Schreibtisch oder das Bücherregal. Keine gute Idee!

Angesichts ihrer Reserven im Tiefton und angesichts des nach hinten gerichteten Bassreflexrohrs braucht die nuBoxx B-30 nämlich einigen Abstand zur Rückwand. Zwischen Büchern sollte man sie schon gar nicht einklemmen, da ihre Energie in den tieferen Lagen die Umgebung zu stark anregt. Ich hab’s versucht: Der Bass wird schwammig und diffus. Die einzelnen Frequenzbereiche werden regelrecht „pauschalisiert“ und verlieren an Transparenz.

Erwachsener, als man denkt

Die Sicke des Tiefmitteltöners der Nubert nuBoxx B-30

Der Tieftöner der der Nubert nuBoxx B-30 mit B²-Technologie: Ein leistungsstarkes Magnetsystem sowie ein ausgedehnter Hub sollen für pegelfeste Basswiedergabe sorgen

Und es kommt noch „schlimmer“. Aus audiophiler Sicht: besser. Denn das ideale Biotop für diesen klanglich überraschend ausgewachsen tönenden Lautsprecher sieht folgendermaßen aus: Positioniert auf Ständern, Hochtöner auf Ohrhöhe, etwa 40 Zentimeter von der Wand entfernt. Aber ganz ehrlich: Wen wundert’s? Sobald ein kompakter Lautsprecher gewisse klangliche Ambitionen hat, gibt es zu einer solchen Aufstellung keine ernsthaften Alternativen. Für Räume zwischen 12 und 25 m² eignet sich die Aufstellung ideal.

Löblich zudem: Der Lautsprecher muss nicht mit dem Geodreieck austariert auf den Hörer eingewinkelt werden: Die Nubert nuBoxx B-30 ist da toleranter als viele andere Lautsprecher und schafft eine hinreichend breite, eher rund nach vorn gewölbte als spitz modellierte Hörfläche. Der Sweet Spot wird zur Sweet Area.

Präsent, aber nicht vorlaut: Mitten und Stimmen

Mitten und Stimmen sind in der Darstellung der Nubert nuBoxx B-30 von einer ganz leichten Präsenz getragen. Und damit meine ich keine Verfärbungen. Das verzeiht dieser sensible Frequenzbereich nicht. Nein, Stimmen und Mitten treten tonal ganz leicht aus dem Klangspektrum hervor, werden zugleich aber stabil getragen von den konturierten tiefen Frequenzen.

Carla Bruni Carla BruniSo erhalten Mitten und Stimmen ein schönes, atmosphärisches, körperhaftes Kolorit. Das kommt intimen Hör-Erlebnissen mit Ambiente sehr zugute, kleinen Barock-Ensembles etwa, Jazz-Trios oder Folk-Duos. Carla Brunis sprödes Timbre (auf ihrem Album Carla Bruni von 2020) wirkt plastisch, nahbar, volltönend. Die nuBoxx B-30 taugt zum Schöngeist. Mit ein wenig Schmelz in der Stimme und trotz der minimalen Präsenz zugleich mit runderer, leicht vollmundiger Basis; ja, der Mittelton weist unterm Stich eine eher warme Note auf.

Im Vergleich mit meiner Replik der LS3/5a – ein reinrassiger Monitor – oder der analytisch aufspielenden Elac BS 312.2 strebt die Nubert nuBoxx B-30 mittenseitig zwar nicht perfekte Neutralität an, aber sie bringt Charisma und Atmosphäre in den Hörraum.

Dabei legt sie Brunis jugendlich-herber Stimme keine Fesseln an – es reicht ja, wenn Nicolas, ihr Ehemann, da schon gewissen Beschränkungen unterliegt –, die Durchhörbarkeit wirkt gleichwohl etwas sanfter als bei den beiden zuvor genannten Lautsprechern. Unterm Strich resultiert eine geschlossene, angenehme Stimmabbildung mit nachvollziehbarer Tiefe und schöner Ausstrahlung.

Die Schallwand der Nubert nuBoxx B-30

Entfesselt Stimmen: die Nubert nuBoxx B-30

Eleganz vor Brillanz: Der Hochton

Im Hochton liefert die nuBoxx B-30 sauber und ordentlich ab, tut sich aber nicht hervor. Da fehlt nichts Greifbares, aber der kleine Lautsprecher aus Schwäbisch Gmünd meidet das Scharfe oder Grelle. Sibilanten werden mit einer dezent gutmütigen Tendenz dargestellt, die nuBoxx B-30 steht für vornehmen Glanz im hohen Ton, nicht fürs Funkeln und Brillieren in den höchsten Tönen.

Die Luftigkeit und spritzige Frische einer Elac BS 312.2 oder einer BBC LS3/5a erreicht sie nicht, aber sie bleibt frei von Schärfen auch bei höheren Pegeln, ohne Anzeichen von Kompression oder Härte. Dieser Charakter sorgt für einen entspannten, klaren Hochton, der sich selbst dann kontrolliert zeigt, wenn die Lautstärke zulegt.

So wirkt die nuBoxx B-30 luftiger als etwa die JBL Stage 250B – ebenfalls vor kurzem bei mir im Hörraum –, die in den oberen Lagen stärker abmoderiert und ein geringeres Spektrum an Brillanz serviert.

Sicher, Lautsprecher wie die Elac BS 312.2 oder Neat Iota 2, mit Air-Motion-Transformer bzw. Bändchen-Hochtöner ausgestattet, liefern in den hohen Lagen mehr Transparenz, mehr Farbigkeit, mehr Differenzierung als die nuBoxx B-30 ab, aber die sind anders ausgelegt und eben in anderen Preisklassen zu finden.

Mit Blick auf die Gesamtabstimmung der nuBoxx B-30 erscheint eine besondere Brillanz in den höheren Registern auch nicht zielführend; das hätte an ihrer Homogenität gezerrt. So aber ist die Zigarrenschachtel aus Schwäbisch Gmünd auf unangestrengtes Langzeithören und die Entgegennahme vieler Genres ausgelegt.

Fast ein Monitor: Auflösung und Räumlichkeit

Hochtöner und Tiefmitteltöner in der Nubert nuBoxx B-30

Mit Blick auf die Tonalität liegt die nuBoxx B-30 also weniger auf der brillant-analytischen als ganz leicht auf der euphonischen Seite.

Geht das zu Lasten der Auflösung? Eine etwas defensivere Anlage im Hochton und eine Tendenz zur Wärme im Klangbild könnten das vermuten lassen. Aber: Bei der Abbildungspräzision von Klangspuren und -artefakten agiert die nuBoxx B-30 ohne Fehl und Tadel. Ihre Detailzeichnung muss man mit Blick auf ihre Preisklasse als mustergültig bezeichnen: kontrastreich, durchhörbar, sie fühlt sich stimmig an. Kein Hörer wird hier greifbare Details vermissen.

Chet Baker Chet Baker SingsBei „Someone To Watch Over Me“ aus Chet Baker Sings zeigt sich die Detailzeichnung der nuBoxx B-30 darin, dass sie die feinen Atemakzente in Bakers Phrasen klar herausarbeitet und zugleich die leisen Akzente des Klaviers mit schön präziser, natürlicher Kontur platziert. Aber logo: Größere und deutlich teurere Kompakte wie meine ATC SCM 11 (2.400 Euro) punkten mit noch mehr Raum zwischen den Klangelementen, mit mehr Oberton-Facetten oder Nachhall-Signalen. Trotzdem: Für nicht einmal 500 Euro erhält man einen Schallwandler, der in puncto Auflösung, Klarheit und Detailreichtum fast an Monitor-Qualitäten heranreicht.

Und auch in Sachen Räumlichkeit gibt es nichts zu mäkeln. Die nuBoxx B-30 baut eine in Höhe, Breite und Tiefe gut vermessene Bühne auf und reproduziert das musikalische Geschehen ohne signifikante Kompressionen in der Tiefenschärfe. Im Vergleich beispielsweise zu meiner Replik des BBC-Monitors LS 3/5a (von Harwood Acoustics, 1.500 Euro) bleibt die Bühne etwas kleiner, aber die Relationen sind stimmig. Auch die Ablösung vom Lautsprecher gelingt der BBC-Replik eindrucksvoller, aber die kleine Box aus Schwäbisch Gmünd schafft eine spannende Phantom-Mitte. Hier profitiert die kleine nuBoxx von ihrer Toleranz in Sachen Aufstellung: Die räumliche Illusion gelingt nicht so perfekt wie bei Referenz-Kompakten, logisch. Aber dafür gelingt die Illusion auch jenseits eines exakt mittigen Sweet-Spots.

Die grüne und rote Frontabdeckung der Nubert nuBoxx B-30

Interessant ist der Effekt, wenn einzelne Signale produktionsseitig an den einen oder anderen Kanal gebunden sind. Dann lokalisiert die nuBoxx B-30 stärker als andere Kompakte. Das etwas höhere Maß an räumlicher Präzision wird allerdings erkauft um den Preis einer etwas geringeren Ablösung vom Lautsprecher. Im Ergebnis also: eine feine, aber „kleinere“ Räumlichkeit.

Hoch, die Pommes-Gabel! Die Dynamik

In Sachen Dynamik indes ist die Nubert nuBoxx B-30 nichts Geringeres als eine Wucht! Weit über ihre Preisklasse hinaus. Und damit meine ich die Grobdynamik.

Ja, Feindynamik kann sie, die Schwäbin hat ihre feingeistigen, ihre feinstofflichen Qualitäten: Sie setzt auch subtilere Pegelbewegungen mit einer lässigen Selbstverständlichkeit um, bei der kleine Nuancen im Mittel- und Hochton sauber reproduziert werden. Feine Transienten, Atemdetails oder sanfte Ausklingvorgänge wirken dadurch präzise eingefangen und behalten selbst in komplexeren Passagen ihre entspannte Klarheit. Alles ohne Fehl und Tadel.

Detail der Schallwand der Nubert nuBoxx B-30

Wesentlich teurere Monitore wie meine Replik der BBC-Legende oder die Elac BS 312.2 stufen selbstredend noch akkurater und nuancierter ab. Trotzdem: Feindynamisch macht mir persönlich auch die nuBoxx B-30 hinreichend Spaß, alles ordnungsgemäß für diese Preisklasse.

DGM DreamlandGrobdynamisch langt die Nubert nuBoxx B-30 hingegen voll zu und zeigt in ihrer Preis- und Größenklasse, wer der Leitwolf ist. Eigentlich sollte Nubert eine Judas-Priest-Sonder-Edition der nuBoxx B-30 mit Lederbezug und Nieten auf den Markt bringen. Klar, Jazz, Klassik oder Folk kann die Kleine, sicher! Aber Krawall im Stil der Kult-Metaller aus Birmingham zelebriert sie: Zufällig bin ich beim Zappen durch die Streamingdienste auf die italienische Prog-Metal-Band DGM gestoßen. Und schon die ersten Takte ihres 2001er-Albums Dreamland modellieren ein Grinsen in mein Gesicht, ein breites Grinsen!

Da sitzt jedes metallische Riff, jeder Hook, jeder Drum-Kick. Mit der richtigen Portion an Aggressivität, Schärfe, Volumen, mit der richtigen Abstufung zwischen Laut und „Spinnst-Du-ist-das-laut!“. Hier rentiert sich das Konzept der Entwickler aus Schwäbisch Gmünd:

In puncto Grobdynamik kommt die nuBoxx B-30 so souverän rüber, weil Impuls und Geschwindigkeit genau die richtige Portion Substanz aus dem Tieftonbereich an die Seite bekommen. Der Antritt ist zackig, aber – von wirklichem Tiefbass abgesehen – mit genug Masse im Rücken, damit größere Pegelsprünge beeindruckend wirken. So entsteht ein grobdynamischer Auftritt, der kräftig zupackt und dabei trotzdem sauber organisiert bleibt.

In dieser Disziplin lässt die Nubert ihre Preisklasse hinter sich und zieht an deutlich höher bepreisten Schallwandlern wie meiner BBC-Replik oder der Ultrakompakten von Neat vorbei. Einigermaßen erstaunlich. Erst das Multitalent von Elac, die BS 312.2, stoppt den „Siegeszug“ der nuBoxx B-30, deklassiert sie aber nicht – die Differenzen bleiben marginal.

Und: Die nuBoxx B-30 hält auch höhere Lautstärken locker aus – Hardrock hört man nicht bei Kaffee und Kuchen –, und bleibt dabei pegelseitig völlig entspannt, ohne Kompressionen oder schiefe Artefakte durchzuwinken. Freilich, hier bitte nicht übertreiben: Zur andauernden Partybeschallung großer Hörräume taugt die nuBoxx B-30 nicht. Gleichwohl: Ihre grobdynamischen Talente und ihre Pegelfestigkeit liegen oberhalb ihrer eigentlichen Liga.

Zwei Nubert nuBoxx B-30 übereinandergestellt

Mehr Wumms, als man denkt: Nubert nuBoxx B-30

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Test: Nubert nuBoxx B-30 | Kompaktlautsprecher

  1. 1 Die wollen doch nur rocken!
  2. 2 Nubert nuBoxx B-30: Hörtest & Vergleiche

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