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nuBox 101 – Desktop oder Regal-Box – Testbericht – fairaudio

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Nuberts Kleine – was darf man erwarten?

Am nächsten Tag darf dann ich. Doch zunächst ein paar Grundüberlegungen: Welche Erwartungen kann man an einen so kleinen und günstigen Lautsprecher haben?

Nubert nuBox 101

Die nuBox 101 zielt laut Nubert primär auf Hörer, die Lautsprecher für den Desktop, das Bücherregal oder eine Zweit- bzw. Kompaktanlage suchen. Eigentlich kann ein Lautsprecher dieser Preisklasse bestenfalls im Nahfeld reüssieren. Auch dürfte es sich von selbst verstehen, dass mit einem veritablen Basswunder nicht gerechnet werden kann. Meine Erwartungen hinsichtlich der Stimmwiedergabe oder einer differenzierten und natürlichen Wiedergabe akustischer Instrumente sind ebenfalls eher begrenzt.

Mars Volta / OctahedronDoch lassen wir die Lautsprecher selbst sprechen. Beginnen wir mit Mars Voltas „With Twilight As My Guide“ vom 2009er Album Octahedron. Schwermütige Gitarren, elegische Elektronik und der erst depressive, später hysterische Gesang von Cedric Bixler-Zavala – hier erwarte ich üblicherweise ein gerüttelt Maß an Emotionen und großes Theater von meinen Lautsprechern. Die NuBox enttäuscht nicht. Kristallklar sind die Akustikgitarren, nah und echt die Umgreifgeräusche, die Keyboardflächen stehen im Raum und der Gesang geht direkt ins Kleinhirn. Und obendrein wird mir ein angesichts der „Größe“ dieses Wandlers – erstaunlich erwachsenes Bassvolumen präsentiert. Hier waren offenbar Abstimmungskünstler am Werk. Ich bin spontan beeindruckt.

Weakerthans / Reconstruction Site

Als nächstes kommen die Weakerthans aus Kanada an die Reihe. Ihr Album Reconstruction Site gehört produktionstechnisch zum Erdigsten, was ich kenne. Gesang staubtrocken, die Gitarren ebenfalls, und bei Bedarf schön bluesig verzerrt, die Drums mit einer kleinen Schippe Raum, aber nicht zu viel, und untendrunter ein präziser, fetter Bass. All dies ist versammelt – inklusive einer schönen, bösen Klimax (Flanger auf dem Gesamtsignal, yeah) – auf weniger als fünf Minuten in dem Song „The Prescience Of Dawn“. Man verzeihe die Wortwahl, aber: Die Nuberts rocken. Und zwar auf eine kultivierte Weise. Kultiviert meint hier: Sie produzieren nicht einfach nur schiere Lautstärke und Gebrüll, sondern einen satten, angenehm „elektrischen“ Sound.

Wie steht es um die Kuschelqualitäten dieses Lautsprechers? Um ihre Qualitäten als Seelentröster und -wärmer? Fragen wir den ausgewiesenen Fachmann in diesem Bereich. Er heißt David Judson Clemmons und hat mit Life In The Kingdom Of Agreement ein Album geschaffen, das mindestens so gut wärmt wie ein sauber eingeschenkter Ardbeg „Almost There“. Der Song „The Shores“ ist von existenzieller Trauer, traumhafter Düsternis und hat darüberhinaus eine säuselnd-zischelnd abgemischte halboffene Hi-Hat zur Rechten. Die nuBox101 reproduziert all das mit viel Emotion, aber auch Akkuratesse und Kultiviertheit.

„Er sagt schon wieder ‘kultiviert‘“, Sir.“
„Dann treiben Sie es ihm aus!“
„Aber, äh, er sagt, das muss so, weil ein so erwachsenes Betragen von einem derartigen Winzling nun wirklich nicht zu erwarten war.“

Schauen wir, wie die nuBox mit außergewöhnlichen Klangsituationen umgeht: Thom Yorkes Soloalbum The Eraser, daraus der Song „Cymbal Rush“ wird es zeigen. Er besteht aus einer sehr perkussiven, dumpfen Sequenzer-Drumspur, zu der Thom Yorke ein Wurlitzer E-Piano spielt und herzzerreißend singt, während Johnny Greenwood sich an einem altertümlichen Gerät, Thom Yorke / The Eraserdem so genannten „Ondes Martenot“, die Finger verbiegt. Die Sequenzertöne poltern furztrocken, wie akkurate, kleine Gummiquader in den Raum, das Wurlitzer klingt glockig-perlend – und Thom Yorke ist so dermaßen nah, dass es fast weh tut. Das ist auch offen gesagt nicht ohne Ambivalenz, denn Yorke bekommt spätestens an der Stelle, wo er in die Kopfstimme übergeht, eine Präsenz, die schon als etwas auffällig zu bezeichnen ist. Dies wohlgemerkt bereits in der Flat-Stellung des Höhenanhebungs-Kippschalters. Man könnte auch sagen: Die nuBox agiert tendenziell nicht integrativ, indem sie das Gebotene zu einem „großen Ganzen“ vermischt, sondern hebt die Unterschiedlichkeit der Signale eher hervor – was ich persönlich gerne mag.

Nubert nuBox 101

Bemühen wir Elvis Costello, immer wieder ein schöner Boxentest. Auf dem Song „Tart“ vom Album When I was cruel ist seine Stimme nebengeräuschreich, der Bass pumpend-dreist, und sowohl Gitarren, als auch Klavier schlicht und einfach fett produziert. Auch hier wieder die unglaubliche Nähe der Stimme. Jedes Schniefen, jedes Einatmen des Hornbrillenträgers ist präsent. Der Bass hüpft wie ein Flummi durch den Raum und der plötzliche, gewaltsame Ausbruch bei 02‘39“ lässt die Nuberts nur lässig mit den nicht vorhandenen Schultern zucken. Mein Eindruck: Die Nubert spielt bei aller Spielfreude straff, sauber aufgelöst und ahem, kultiv … Ich sag ja gar nix mehr.

Test: Nubert nuBox 101 / AW-441 | Kompaktlautsprecher

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