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Klang Neat Motive SX1 (Teil I)

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Klang Neat Motive SX1 (Teil I)

Normalerweise schreibe ich gerne Teile eines Berichts, während die zu testende Komponente Musik macht. Das ist bei der Motive SX1 nicht so ganz einfach. Es läuft gerade eine ältere Rounder-Records-Compilation, die mal als Beilage einer Zeitschrift beigefügt war (für die, die’s genau wissen wollen: 1997, Blue Rhythm/JazzThing). Diese Compilation enthält diverse New Orleans/R&B/Soul/Zydeco-Klassiker; über die SX1 macht das jede Menge Spaß, egal ob ich gerade eine Ballade der großartigen Irma Thomas (I count the teardrops) oder eine mindestens ebenso großartige Piano-Tour-de-Force von Davell Crawford (Gumbo Piano) höre. Der Grund, warum ich diese CD rausgekramt habe, ist aber James Booker mit seinem Piano-Stück „Malaguena“, eine Live-Aufnahme, die mir immer wieder hilft, dem Timing von HiFi-Geräten nachzuspüren.

Neat Motive SX1

Booker („The Piano Prince of New Orleans“, siehe hier) spielte einige Jahre einen regelmäßigen Gig in einer Bar in New Orleans, auf einem nicht sonderlich guten Klavier, und wurde glücklicherweise regelmäßig dabei aufgenommen, so dass Rounder posthum zwei Alben veröffentlichen konnte. „Malaguena“ ist ein Traditional, aber Booker spielt es anders als alle anderen Versionen dieses Stücks, die ich je gehört habe (siehe hier). Der Chorus des Stücks hat eine mit der linken Hand schnell gespielte, vorwärtstreibende Figur, über der die rechte Hand eine Melodie spielt. Über eine sauber timende Anlage baut sich zwischen dem, was die beiden Hände spielen, eine subtile, aber deutliche Spannung auf, die dann in den langsamen Zwischenteilen aufgelöst wird, nur um wieder über Stück und Zuhörer hereinzubrechen. Die kleine Neat macht das richtig gut, das Stück packt den Zuhörer und reißt ihn mit. Die Rhythmus-Figur bleibt problemlos nachvollziehbar, egal was die rechte Hand macht, und umgekehrt. Die tonale Abstimmung der Motive SX1 – LaBrassBandamit einem gut ausgebauten Bassbereich – kommt der Aufnahme durchaus entgegen. Kurz: Das passt. Und zwar so gut, dass ich jede Konzentration aufs Schreiben verliere und erst mal die CD abstellen muss, um diese Zeilen in den Rechner zu tippen. Nach einer kurzen Pause geht’s mir bei der nächsten CD – Übersee von LaBrassBanda – nicht besser.

Neat Motive SX1Damit ist eigentlich die wesentlichste Charaktereigenschaft der Motive SX1 schon erfasst. Das hier ist eine Spaßmaschine, die den Hörer in die Musik hineinzieht und ihn zwingt, ihr Aufmerksamkeit zu schenken. Für Hintergrundberieselung würde ich mich woanders umsehen.

Aber der Reihe nach. Die Neat Motive SX1 klingt ganz anders, als man es nach ihrer physischen Statur erwarten würde. So klein und schmal, wie sie sich unauffällig in den Raum einfügen, hätte ich auch einen eher „kleinen“ Klang erwartet. Pustekuchen. Bob Surgeoner hat dem Bass eine Extra-Portion verpasst, die insgesamt zu einem eher warmen, kraftvollen Musikerlebnis führt. Bei so was werde ich dann immer sofort misstrauisch und befürchte, dass die leichte Bassprominenz zu Lasten von Tonhöhendefinition und Tabla Beat ScienceTiming gehen könnte. Nicht so bei der SX1. Bill Laswells Bass-Solo auf „Magnetic Dub“ von Tabla Beat Science (Album: Live in San Francisco at Stern Groove) ist problemlos nachverfolgbar. Das gleiche gilt für die rollende und swingende Basslinie bei Terakafts Titel „Awa Adouina“ von der CD Kel Talasheq. Die kommt mit so viel Lebensfreude und Power, aber auch mit so exaktem Timing, dass man einfach mitgehen muss. Dasselbe Phänomen bei Schlagzeug – auf dem Smog-Song „Bloodflow“ (CD: Dongs of Sevotion) gibt Smoges Momente, wo der Rhythmus langsamer wird und man quasi ungeduldig auf den nächsten Beat der Bassdrum wartet, dieser aber einen Tick später kommt als erwartet, der nächste noch später … und dann wird der Rhythmus wieder schneller und wir kehren zurück zum Ausgangstempo. Das kommt über die SX1 absolut unzweideutig und klar herüber. Also, alles im grünen Bereich.

Oberhalb dieser Extraportion Bass weisen die Neat Motive SX1 eine weitgehend neutrale Abstimmung auf; da, wo der Hochtöner übernimmt und der obere der beiden Tieftöner noch mitläuft, nehme ich eine leichte Betonung wahr, die Frauenstimmen ein klein wenig stärker aus dem Mix hervortreten lässt, als es bei männlichen Sangeskollegen der Fall ist. Bei dem Stück „Dress sexy for my funeral“ von Smog funkeln Schlagzeugbecken und Gitarre ein bisschen mehr als der strikten Neutralität entsprechen würde. Da die Chassis aber sauber spielen, gewöhnt man sich schnell an diese Eigenheit.

Das reicht: Single-Wire-Terminal der Motive SX1Das reicht doch: ein einfaches Single-Wire-Terminal

Test: Neat Acoustics Motive SX1 | Standlautsprecher

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