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Klang Neat Momentum SX7i

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  1. 2 Klang Neat Momentum SX7i

Schnell ist klar – die schmalen, hohen Tower sind nach meinem Geschmack. Sie klingen, so banal sich das vielleicht lesen mag, nach „großem Lautsprecher“: also locker und leicht, raumfüllend und (gefühlt) beliebig pegelfest. Klar, man kann auch schon für einen Bruchteil des Geldes Boxen bekommen, mit denen sich ordentlich Party machen lässt. Das meine ich nicht. Irgendwie Neat Momentum SX7ilaut, das geht meist. Aber zu häufig kippt das Klangbild dann tonal (es wummert oder wird zu hell) oder es wirkt nicht offen-transparent, sondern – je weiter man den Volumeregler nach rechts schraubt – verstopft und dynamisch komprimiert. Ganz anders diese Neat Momentum SX7i. Von ihr kann man sich verzerrungsfrei und mit dem Gefühl, stets noch reichlich dynamischen Headroom zu haben, richtiggehend föhnen lassen. In den allermeisten Fällen dürften die Nachbarn der Engpass sein, nicht diese Lautsprecher.

Natürlich standen bei mir auch schon Boxen, die in Sachen dynamischer Lässigkeit und unangestrengter Wiedergabe von Konzertpegeln noch etwas souveräner auftraten – zum Beispiel die Dynamikks Monitor 8.12 oder meine aktuellen Blumenhofer Genuin FS1. Aber zumindest Letztere ist wesentlich teurer, und es stellt sich natürlich auch die Frage nach der optischen Mehrheitsfähigkeit – die sich wohl eindeutig pro Neat beantworten lassen dürfte. Nicht jeder kann oder darf das Wohnzimmer mit „Klangkommoden“ bestücken.

Genau das ist für mich auch eine, wenn nicht sogar die zentrale Stärke der britischen Säule: Die Momentum SX7i steht zwar auf schlankem Fuß, spielt aber raumfüllend, mit ordentlich Hubraum und grobdynamischer Nonchalance – halt einfach richtig „groß“. Ein echter Praxisvorteil. Zumindest dann, wenn man ein solches Klangbild schätzt. Natürlich kann man für etwas weniger Geld auch die hervorragende KEF Reference 1 erwerben. Und in kleineren/normal großen Räumen wird – normalerweise – der Wunsch nach mehr Kraft, Grobdynamik und schierem Slam als diese edle Kompakte bietet kaum aufkommen. Doch sollten Ihr Raum oder Hörgeschmack hinsichtlich der Größe etwas von der Norm abweichen … nun, dann werden Sie mit Kompaktmonitoren, so gut sie auch sein mögen, wohl weniger anfangen können. Mit dieser Neat dagegen sehr viel.

Gönnen sie ihr aber auch ein wenig Auslauf, in Studentenbuden könnten sich die Lautsprecher als oversized erweisen, aber das versteht sich wohl von selbst. Und wo wir bei den Rahmenbedingungen sind: Als undersized dürften sich Amps mit lediglich einer Handvoll Watt entpuppen. Spaßeshalber habe ich ein 8-Watt-Verstärkerchen von KingRex angeschlossen – das fing schon bei Zimmerlautstärke vernehmbar an zu verzerren. Ein bisschen mehr Leistung sollte man der Neat schon bieten.

Britischer Lautsprecher. deutsche Weiche. Neat bezieht die Frequenzweichen-Bauteile von Mundorf
Britischer Lautsprecher, deutsche Weiche: Neat bezieht die Frequenzweichen-Bauteile von Mundorf

Als Basis für einen solch „großen Auftritt“ dient natürlich ein solides Bassfundament. Ohne dieses wären grobdynamische Attacken weniger souverän umzusetzen und zudem trägt der Tief- und Tiefstton ja auch entscheidend zur gefühlten Raumgröße mit bei. Tatsächlich muss die Bassperformance auch als weiterer großer Pluspunkt der Momentum SX7i angesehen werden. In Anbetracht des Konzepts (sprich der Größe dieses passiven Lautsprechers) wüsste ich nicht, was und wie man da noch mehr herausholen sollte. Die Umsetzung des isobarischen Prinzips überzeugt, und zwar in so gut wie allen Belangen, die man ans Frequenzuntergeschoss stellen kann.

MasakichiGeradezu beispielhaft erlebe ich das beim Song „Spring“ der jungen Londoner Band Masakichi. „So klangen die Neunzigerjahre“, kommt einem in den Sinn, zumindest wenn man Indie-sozialisiert ist. Nur dass deren Debüt Hummingbird vom September dieses Jahres ist. Einerlei. Was den Track zu einem Prüfstein werden lässt, ist dieser Mix aus donnernden Drums und fettem Basslauf – wenn dann noch die Wall-of-Sound-mäßig arrangierten E-Gitarren losbrechen, na, da ist im Bass/Grundtonbereich dann wirklich schon so einiges los. Und es kann dann schnell auch etwas „verschüttgehen“. Ist eine Box zu satt im Bass abgestimmt, wird die Stimme der Frontfrau Hannah Cartwright aller Wahrscheinlichkeit nach akustisch verdeckt – Gleiches kann passieren, wenn es einfach an Kontrolle im Untergeschoss mangelt. Nur dass es dann auch noch rhythmisch aus den Fugen gerät, wenn das Nachschlabbern des letzten Impulses den Start des aktuellen überlagert. Da ist’s wohl besser, einen straffer abgestimmten Lautsprecher zu nehmen. Was wiederum die Nebenwirkung zeitigen kann, dass dieser Song nicht so rüberkommt, wie er eigentlich gemeint ist, nämlich inadäquat verkopft …

Erykah BaduMit der Neat Momentum SX7i muss man sich um all das keine Sorgen machen – die donnert, wenn es sein muss, hält dabei aber alles so unter Kontrolle, dass das Mittenband nie überlagert wird und rhythmisch alles im Lot bleibt. Die Balance macht den Unterschied, auch im Untergeschoss: Substanz und Kontur, nicht Power oder Trockenheit um ihrer selbst willen. Wirklich toll, wie die Neat das hinkriegt. Und wie musikalisch passend: Soll ein Basslauf untenrum richtig satt-saftig durch den Raum wabern, wie oft der Fall bei einem Soulalbum wie Baduizm, geschieht ebendas: Jetzt bloß nicht aus audiophilem Kontrollzwang der Musik den Sexappeal rauben! Tatsächlich war Erykah Badus Debüt eine der ersten Platten, die ich mit der Neat hörte. So beeindruckt ich von mancher Basswelle war, es meldeten sich auch Zweifel, ob das hier nicht alles eine Spur zu satt rüberkommt. Also Ben Ben HarperHarpers „Fight for your Mind“ (Album: Live (1999)) angesteuert – und nun nicht schlecht gestaunt ob der eisenharten Darstellung des prominenten E-Bass‘ in diesem Track. Mit ordentlich Fleisch am Knochen das Ganze, ja, aber ohne ein Gramm Fett. Die Neat weiß echt zu differenzieren. Sie setzt das, was auf der Aufnahme drauf ist, kommentarlos um.

Doch nur weil sie eine erstklassige Basswiedergabe ins Werk setzt, sollte man nun nicht meinen, sie sei wohl ein Haudrauf und ließe Feingefühl im Mittel- und Hochton vermissen. Nein, das tut sie nicht. Es ist nur so, dass dergleichen nicht als erstes auffällt – in diesem Feld wird ein grundanständiger Job gemacht, aber zentrale Charakterzüge wie die großräumige Abbildung, grobdynamische Souveränität und eben der tolle Tiefton stechen „aufs erste Ohr“ mehr hervor.

Die Bassreflexöffnung der Neat Momentum befindet sich auf der Rückseite
Die Bassreflexöffnung der Neat befindet sich auf der Rückseite

Insgesamt darf man die Momentum SX7i tonal als sehr neutral ansehen. Zunächst dachte ich, die Neat gehe im Mittenband etwas heller vor, doch das lag daran, dass ich von der etwas wärmeren Blumenhofer zu ihr wechselte und zudem Duke Garwood, Heavy LoveFrauenstimmen lauschte. Die kommen dann schon sehr klar, deutlich und transparent rüber. Aber Männerstimmen wie die von Duke Garwood auf „Heavy Love“ (übrigens ein toller Soundtrack zur Winterdepression) überzeugen eben auch mit grundtonstarken, sonorem Auftritt, dito die von Leonard Cohen, Howe Gelb o. ä. Na gut, wem der Sinn nach einer kleinen Extraportion romantischer Wärme steht, der muss sich die wohl woanders besorgen. Dafür ist die Neat einfach zu neutral. Andererseits, zur Einordnung, vielleicht haben Sie ja den einen oder anderen Test von mir gelesen: Relativ schlanker als die Neat, wenngleich auch nur minimal, waren so unterschiedliche Lautsprecher wie die KEF Reference 1, BMC PureVox oder auch die aktive Dynaudio Focus 600 XD. Denen gegenüber spielt die Momentum SX7i also wiederum einen Tick wärmer.

Der Hochton schließt sich diesem neutralen Duktus an. Unverschüchtert – ja. Und auch im Luftband, also in den allerhöchsten Lagen, noch mit voller Energie da. Aber Gott sei Dank ohne störende Härten oder sonstige Unbill, die die Langzeittauglichkeit trüben könnten. Auch bei hohen Pegeln, bei „straighter“ Elektronik nicht.

Wenn man dem Mitten-/Hochton-Band eine Schwerpunktsetzung unterstellen will, dann nicht in tonalen Belangen, sondern eher in etwas „Qualitativem“: Mein Gefühl sagt mir, dass die Neat Momentum SX7i eher jenen Hörertypus anspricht, der besonderen Wert auf Rhythmus und Timing legt, als den passionierten Klangfarben-Schwärmer. Was wiederum nicht heißt, dass man in diesem Bereich kurzgehalten würde, das ist schon okay so. Nur fällt eben mehr auf, dass die Neat nicht nur grob-, sondern auch feindynamisch klasse ist. Gerade bei Saiteninstrumenten weiß sie durch ihr unmittelbares Ansprechverhalten und feinsinniges Nachzeichnen noch kleinster Lautstärkevariationen zu überzeugen. Vielleicht kein Wunder bei einem Entwickler, der Gitarre, Bass und Klavier spielt.

Die Traversen gehören zum Lieferumfang, die Antispikes von Audioplan zum Redaktionsbestand. Neat liefert Spikes dazu
Die Traversen gehören zum Lieferumfang, die Antispikes von Audioplan zum Redaktionsbestand. Neat liefert Spikes

Gibt es denn was für die Meckerecke? Nun, echte Schwächen kann ich nicht ausmachen. Dafür spielt die Neat auf zu hohem Niveau und zu stimmig über alles. Aber Bereiche, die nicht als Stärke, sondern eher als „anständig fürs Geld“ durchgehen, gibt’s schon.

Beispiel eins: die Hochtonauflösung. Da bei der Momentum SX7i viel Geld im Spiel ist, meint obiges „anständig“ hier allerdings ein so hohes Niveau, dass einem – ohne direkte Vergleiche mit anderen Modellen – nicht wirklich etwas fehlt. Gleichwohl: Als jemand, der seit Jahren horngestützte Hochtöner kennt, weiß ich, dass in diesem Feld schon noch mehr Detailzeichnung möglich ist. Der Kontrast zur Blumenhofer scheint ob des enormen Preisunterschieds müßig, aber eine in der gleichen Liga spielende Dynamikks löst obenrum ebenfalls etwas besser auf. Doch ist das in erster Linie auch gar nicht so sehr eine Preisfrage, sondern eine des Konzepts: Die BMC PureVox mit ihren gleich zwei AMT-Tweetern beispielsweise ist halb so teuer und gibt sich hochauflösender. Ob der Detaillierungsgrad eines Folienhochtöners jeden Hörgeschmack trifft, ist eine andere Frage – aber nur für sich betrachtet ist dieses Klang-Charakteristikum eben eine besondere Stärke der BMC, nicht der Neat.

Die Schaumstoff-Einfassung des Hochtöners soll harte Refelxionen von der Schallwand minimieren
Die Schaumstoff-Einfassung des Hochtöners soll harte Reflexionen der Schallwand minimieren

Beispiel zwei: Wenn Sie Freund von messerscharfer Abbildungspräzision und höchster Plastizität sind, werden Sie sich von der Neat Momentum SX7i wahrscheinlich etwas mehr wünschen als sie anbietet. Das ist bei ihr zwar auf wirklich guten Niveau, doch ebenfalls kein Schwerpunktthema. Die schon genannte kompakte KEF Reference 1 kann in der Hinsicht etwas mehr, mein lange verflossener Standlautsprecher Ascendo System F ebenfalls. Erwähnte Dynamikks Monitor 8.12 dagegen weniger – was mich persönlich nicht die Bohne störte und vom Kauf nicht abhielt. Aber wie auch immer: So wie die Neat das macht, darf man es eher als organisch gestaltet als mit dem Laser in den Raum gebrannt bezeichnen. Der eine wird sich etwas mehr Randschärfe bei der Abbildung wünschen, der andere sagt, dass es musikalisch so genau richtig ist, da nicht so artifiziell überscharf und typisch hifimäßig. Ihr Geschmack entscheidet.

Warum mir die Art, wie diese britischen Säulen das Klangpanorama aufziehen, sehr zusagt, liegt dementsprechend weniger an der reinen Lokalisationsschärfe, die man so oder ähnlich von vielen Lautsprechern geboten bekommt, sondern an der Größe und Perspektive der Darstellung. Das raumgreifende Naturell der Momentum SX7i habe ich ja schon eingangs mehrfach erwähnt – und ich habe es größer einfach lieber als kleiner. Ebenfalls positiv nehme ich wahr, dass die Neat die Bühne etwas nach vorne, vor die Grundlinie setzt, was zu ihrer dynamisch-involvierenden Gangart hervorragend passt. Und – last but not least – sie bildet tendenziell eher etwas höher ab, was schlicht an ihrer recht stattlichen Größe von 1,2 m liegen dürfte. Jedenfalls muss ich ein kleines bisschen weiter nach oben schauen als sonst, um dem Sänger/der Sängerin „ins Auge zu schauen“. Finde ich gut so, es kommt mir natürlicher vor, auf eine Bühne hinauf statt hinunter zu sehen.

Test: Neat Acoustics Momentum SX7i | Standlautsprecher

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