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Klang Naim CD-Spieler CD5si (Teil II)

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Wojciech KilarZeit für großes Orchester. Der 1932 geborene polnische Komponist Wojciech Kilar hat viele sehr spannende und avantgardistische Werke geschaffen. Cineasten wird er auch durch seine Filmmusikkompositionen (Der Pianist/Polanski, Bram Stoker’s Dracula/Francis Ford Coppola u.v.m.) ein Begriff sein. Sein Orchesterstück „Krezsany“ ist eine Hommage an die gewaltige Gebirgswelt der Tatra und changiert zwischen rhythmisch vertrackten Streicher-Clustern, strahlenden Blechpiksern und rührend-feinsinniger Hirtenmusik. Hier kommt unter anderem auch mächtig viel Schlagwerk zum Einsatz. Der CD5si bringt eine packende, mitreißende Vorstellung. Das Orchester wirkt sauber aufgestellt und auch in der Bühnentiefe realistisch.

Naim CD5si

Tonal zeigt sich der Player mit einem gefühlt glatten Frequenzgang, ich kann keinerlei Betonungen oder Färbungen erkennen, wobei ihm der Bassbereich, wie gesagt, eher flink als mächtig gerät. Gerade beim Einsatz der Kesselpauken zeigt sich diese Abstimmung deutlich: Beim CD5si zuckt man zusammen, weil die Pauken so akzentuiert und flott daherkommen, beim Audiolab-Spieler, der mit 1.600 Euro in einem ähnlichen Preisumfeld antritt, fahren sie tiefer in die Magengrube, kommen aber nicht ganz so schnell, sondern eher locker aus der Hüfte. Wir sprechen hier von Nuancen, wohlgemerkt, beide Player legen hier einen absolut mehrheitsfähigen Auftritt hin.

Naim CD5si - CD-Schublade im Detail

Von natürlicher zu synthetischer Musik: Das Musikerkollektiv Archive ist bekannt für seine hoch emotionalen Songs mit erheblicher musikalischer und instrumenteller Bandbreite. „Conscience“ vom Album Noise enthält auf den ersten Blick neben einem stark verhallten Gesang fast nur weite Keyboard-Klangflächen und Drumcomputer-Sounds. Doch wenn man genauer achtgibt, sind feine Details zu hören, so zum Beispiel ein leises Archiverhythmisches, im Stereopanorama wanderndes „Klickern“ wie von einem gesampelten Shaker. Auch an diesem Stück zeigt sich wiederum das Talent des CD5si, innerhalb eines großen Ganzen noch Feininformationen herauszuarbeiten. Rein vom Pegel her gehen die Shaker-Sounds im Gesamtmix gnadenlos unter – eigentlich, aber der CD5si macht sie hörbar, ohne dabei den dominierenden Klangflächen die Wucht zu nehmen. Als das Stück kurz nach dem Mittelpunkt mit einer stark verzerrten und komprimierten E-Gitarre in die grobmotorische Gangart überschwenkt, erfreut die Schubkraft, mit der der CD5si agiert. Schubkraft meint hier vor allem: das Durchhalten (und nicht nur das Anklingen) lauter, stehender Bass- und Gitarrentöne, aber auch den enorm schnellen Umgang mit krassen Laut-leise-Kontrasten. Im Verbund mit dynamisch aufspielenden Lautsprechern wie meiner Neat Momentum 4i kann es hier richtig abgehen.

Vorne Naim und hinten Neat ...

Mit Lou Reeds Album Songs for Drella möchte ich abklopfen, wie sich der Naim-Dreher bei kleiner Besetzung so gibt. Der Song „Style it Takes“ besteht aus Synthi-Flächen, einer cleanen Gitarre und Lou Reeds Sprechgesang. Der bereits beschriebene Effekt der detaillierten Abbildung kommt natürlich auch hier wieder zum Tragen. Ich mag das sehr gerne, weil es mich beim Musikhören „wach“ hält und mitreißt. Aber ich stelle auch fest, dass ich mich etwas weniger als sonst auf den gesprochenen Text konzentriere, weil ich mich eben auf alle jene Details stürze, die der CD5si mir auf dem Tablett darreicht. Daher – und das soll weniger eine Kritik am Gerät, sondern eher ein Hinweis für Sie, liebe Leser sein – kann gesagt werden, dass der Naim-Player nicht zu den „einlullendsten Vertretern“ seiner Gattung zählt.

SpainWer Musik auch bewusst mal einschaltet, um sich in den Schlaf zu wiegen, der könnte sich mit dem CD5si quasi einen als HiFi-Komponente verkleideten doppelten Espresso einhandeln. Stille Stücke, die einen komplett erden und zur Ruhe bringen sollen, so zum Beispiel Spains Interpretation von Johnny Cashs Song „Spiritual“, gefallen mir über meinen Marantz-Player je nach Gemütszustand einen Hauch besser, weil sie dort ein wenig mehr „Ruhe“ erhalten. Ich höre da eher auf die rauchige Stimme von Josh Haden und das, was er mir dort inhaltlich sagen möchte – und weniger darauf, ob die Akustikgitarre kurz vor Schluss (Timecode für Pedanten: 06’06“) noch einen kleinen, aber entscheidenden falschen Ton spielt. Sie verstehen, was ich meine? Ähnlich auch der Audiolab-Dreher: Bei ihm habe ich – zumindest bei manchen der angebotenen Digitalfilter-Optionen – ein Quäntchen mehr Gelassenheit im Vortrag.

Naim CD5si

Doch all dies lässt sich natürlich durch die Wahl der mitspielenden Kettenglieder feintunen. So stelle ich mir die Verbindung zwischen dem CD5si und einem Röhren-Amp ganz vielversprechend vor, könnte sich doch der Detailreichtum des Naim mit der leicht schönzeichnenden Milde vieler Röhren ganz gut vertragen. Wie dem auch sei, ich hatte sehr viel Freude mit dem Gerät und kann ihm inzwischen auch die Demütigung verzeihen, dass ich erstmals nach langer Zeit wieder zu einer Bedienungsanleitung greifen musste …

Test: Naim CD5si | CD-Player

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