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Blumenhofer Acoustics

Klangliches zum NAD M12

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Klangliches zum NAD M12

Im Grunde stehen hier drei Geräte zum Test an, denn die einen sehen im NAD M12 vornehmlich einen DAC, die anderen eine Vorstufe – und dann ist da noch der Endverstärker M22. Beginnen möchte ich mit dem M12 …

NAD M12 - Display

… als D/A-Wandler:

Zu diesem Zweck habe ich mich zunächst in die Tiefen des Systemmenüs des NAD vorgewagt, um den Fixlevel-Output zu aktivieren – der sich vorab natürlich auch justieren lässt. Ich habe ihn auf das Level des primären Vergleichsgerätes (des Luxman D-05) getrimmt und dann fixiert. Während des Surfens durchs M12-Menü lernte ich den NAD dann noch etwas besser kennen – und auch wenn ich die Bedienungsanleitung jetzt nicht abschreiben möchte, da geht schon einiges mehr als bei vielen anderen: neben Bass, Treble, Balance auch das Umschalten von Stereo in Mono, Kanäle vertauschen, die Polarität des Signals umdrehen, Inputs umbenennen und deren Eingangsempfindlichkeit festlegen, dem/n Subwoofer/n bestimmte Frequenzbereiche zuweisen oder es sein lassen, Auto-Standby etc. pp.

Klar – weder funktional noch preislich lassen sich der NAD und der Luxman wirklich miteinander vergleichen: Der eine ist ein Vorverstärker, der andere ein SACD/CD-Player mit D/A-Wandler-Funktion, und Letzterer gut einen Tausender teurer als unser Proband. Aber für eine klangliche Einsortierung ist die Betrachtung dennoch nützlich. Den Player habe ich via koaxialem S/PDIF angesteuert, den NAD M12 ebenfalls – sowie alternativ über USB. Erkenntnis Nummer eins: Die Digitanlinputs des M12 sind gleichwertig, pauschal lässt sich nicht sagen, dass der eine dem anderen überlegen ist (und das gilt auch für die USB-Typ-B-Buchsen).

Hübsche Detailarbeit: die Lüftungsöffnungen des NAD M12
Hübsche Detailarbeit: die Lüftungsöffnungen des NAD M12

Erkenntnis Nummer zwei: Natürlich gibt’s klangliche Unterschiede zwischen den Geräten zu vermelden. In einer transparenten Kette (in meinem Fall: Octave HP300MKII, Musical Fidelity M8700m und Dynamikks Monitor 8.12) kommen die klar zum Tragen, auch wenn sie nicht weltbewegend sind. Doch was ist schon „weltbewegend“ bei Digitalquellen annähernd ähnlichen Preisniveaus?

MelphiGleichwohl: Tonal gibt sich der NAD M12 im Hochton etwas defensiver und untenrum ganz, ganz leicht saftiger als es reine Lehre wäre. Oder besser formuliert: Das Wenige, was er im Bereich Mittel-/Ober-Bass und Grundton drauflegt, zieht er ganz, ganz unten ab – der Nettoeffekt ist so, dass ich gar nicht mal pauschal sagen kann, ob er nun insgesamt wirklich substanzieller spielt als der Luxman-DAC. Bei „Slow Motion“ der niederländischen Band Melphi (Album: Through The Looking Glass) habe ich den Eindruck, dass der D-05 etwas mehr zulangt – bei „Revolver“ von Isobel Campbell & Mark Lanegan (Album: Ballad Of The Broken Seas) hingegen geht’s mir genau umgekehrt, da wirkt der NAD M12 Isobel Campbell & Mark Lanegankräftiger. Das wird wohl einfach daran liegen, dass im ersten Fall mehr Tiefstton im Spiel ist, während im zweiten die Bass-Energie „höher liegt“, nämlich im Oberbass.

Das Quantitative mal außen vor, lässt sich qualitativ aber schon unterscheiden: Der NAD M12 gibt sich konturiert im Untergeschoss, spielt dabei aber eher auf der runden denn übertrockenen Seite. Der Japaner wirkt vergleichsweise straighter, was Vorteile bieten kann – bei den australischen Elektronikern PVT und deren Album Church With No Magic etwa wirken die bösartigen Bassattacken bissfester –, aber nicht muss: Beispielsweise kann, je nach Aufnahme, ein Kontrabass zwar informationsreich, aber durchaus auch mal zu „verkopft“ PVTrüberkommen, während der NAD da schon eher Gewähr für eine schön runde und körperlich glaubwürdige Präsentation bietet – und immer noch meilenweit von Wischiwaschi entfernt ist.

„Gefälliger“ ist hier das richtige Wort, und mehr noch gilt dies fürs Mittenband, welches leicht wärmer temperiert dargeboten wird. Der schon angesprochene etwas mildere Vortrag in den obersten Oktaven in Kombination mit dem gut ausgebauten Grundton sorgt dafür, dass auch nicht ganz so toll eingefangene Alben genießbar bleiben, natürlich ohne gleich richtiggehend tonal nivelliert zu werden. Auffällig ist dies etwa bei der Violine im Song „Screaming Angles Dancing In Your Garden“ von Lisa Germano (Album: On The Way Down From The Moon Palace) – Lisa Germanodie kratzt einem deutlich weniger im Ohr als mit dem Luxman, der vielleicht neutraler agiert; aber diesen „Preis der Ehrlichkeit“ muss man dann eben auch zahlen wollen (etwas dramatisch gesagt). Und da alles mit allem zusammenhängt, wirken auch die sich durch den Song hindurch ziehenden Drumschläge unterschiedlich über die beiden Komponenten. Wohl dem Umstand geschuldet, dass sich der Hochton eher freundlich denn offensiv gibt, kommen die über den NAD nämlich nicht ganz so hart/impulsiv (eben weil die Attackphase „runder“ wirkt) wie mit dem Luxman, der dafür aber – siehe oben – ganz leicht „akademischer“ wirken kann.

Das Gesagte gilt auch in Relation zu anderen Digitalquellen, die ich in letzter Zeit hören konnte. Definitiv spielt etwa ein Moon Neo 380D um einiges heller als der NAD M12, ein Electrocompaniet ECM 2 beziehungsweise ECD 2 ebenfalls, wenngleich die Unterschiede hierbei nicht ganz so ausgeprägt sind – tonal ähnlich ist eher ein Streamer wie der La Rosita Alpha New, dem wir neulich unseren Award an die Brust hefteten.

NAD Masters-Stereokombi
Kein Witz: Für die Fernbedienung gibt es ein eigenes Kapitel in der Bedienungsanleitung

Als Stärke des NAD M12 darf die Raumdarstellung durchgehen, jedenfalls finde ich die musikalisch sehr glaubwürdig und involvierend. Das liegt auch daran, dass der NAD sich durchaus eher nach vorne öffnet – nein, „frontal“ gerät das nie, aber eben nicht reserviert, sondern einladend. Zudem modelliert er Klänge ausnehmend plastisch, ähnlich wie der Luxman, und bei ihm halte ich das schon für eine Tugend. Sehr schön. Was mich auch involviert ist der Umstand, dass die einzelnen Stimmen auf der Bühne etwas größer gezeichnet werden als von vielen anderen Komponenten. Wohlgemerkt: etwas. Aber das kann ja durchaus schon Spaß machen, jedenfalls ist mir das lieber als so ’ne Micky-Maus-Nummer. Richtig ist zwar auch, dass in Sachen Tiefenstaffelung noch etwas mehr ginge und als Nebenwirkung der tendenziell großzügigeren Abbildung der Einzelklänge zwischen ebendiesen etwas weniger Abstand eingehalten wird – aber das sind für mein auditives Glück dann doch eher Nebensächlichkeiten. Da würde ich mir eher noch ein wenig mehr Auflösung und noch „gnadenlosere“ Dynamik wünschen. Doch bei Lichte betrachtet sind diese Klangkriterien preisklassenbezogen ebenfalls völlig in Ordnung.

An Anschlussmöglichkeiten mangelt's dieser vor/End-Kombi nicht
Anschlussmöglichkeiten satt

Der NAD M12 als Vorstufe:

Im Grunde gilt das, was ich über den NAD M12 als D/A-Wandler geschrieben habe, auch für den Vorstufenzweig. Seine Talente liegen hier ebenfalls in der leicht wärmer temperierten Tonalität, welcher Geschlossenheit der Darstellung wichtiger ist als der letzte Durchzug an den Frequenzextremen, einer hohen Plastizität der Abbildung sowie einer involvierenden Bühnendarstellung. Vergleiche ich das mit dem Klangbild meiner deutlich teureren, rein analogen Vorstufe von Octave, ist der Erkenntnisgewinn nicht wirklich groß: Klar, tonal ist’s sehr verschieden, eben auch, weil der Vorverstärker aus Baden im Bass eher leichtfüßig vorgeht und in den obersten Lagen ausnehmend luftig, also quasi das Inverse vom NAD darstellt. Und dass das kostspieligere Gerät noch mal ein Mehr an Auflösung und Raumgröße bieten kann, verwundert nicht wirklich. Wenn Sie ein Faible für länderspezifische Vorurteile haben: Der NAD spielt eher britisch, der Octave eher deutsch. Auch das verblüfft kaum.

Durchdacht bis ins Detail: den Spike-Gerätefüßen ...
Durchdacht bis ins Detail: Den Gerätefüßen liegen …

Dass der NAD M12 als Vorverstärker im Großen und Ganzen so klingt wie als DAC, dürfte auch dem Konzept geschuldet sein, wie mir aufgeht, als ich den Vergleich Luxman D-05 am Analogeingang des M12 vs. NADs internem D/A-Wandler anstelle. Okay, die weiter oben beschriebenen klanglichen Differenzen bleiben hörbar, aber die Unterschiede gleichen sich doch vernehmlich an. Ist das ein Wunder? Man hört nicht lediglich dieselbe Ausgangsstufe des M12, sondern das ganze Gerät, denn die analogen Signale vom CD-Player werden ja digitalisiert und fortan so behandelt, wie originär digitale Signale. Man hört also prinzipbedingt immer auch den DAC des NAD M12, denn die Vorstufenfunktion lässt sich nicht von ihm trennen.

... liegen unterlagenschonende Tellerchen bei. Und da der Fuß magnetisch ist, geht beim Verrücken/Aufstellen der Komponente kein Tellerchen verloren. Da freut sich der Tester ...
… möbelschonende Spike-Aufnahmen bei. Und da der Fuß magnetisch ist, geht beim Verrücken/Aufstellen der Komponenten kein Tellerchen verloren

Mein Zwischenfazit zu den Analogeingängen des NAD M12: Fürs Geld sind die Hochpegel-Inputs erstklassig und der Phonoeingang sehr ordentlich – aber ich glaube, dass potenzielle Kunden trotzdem überwiegend die (unterm Strich einen Hauch besser klingenden) Digitaleingänge nutzen werden, und sei es aus rein praktischen Gründen. Entscheidender ist also die Frage: Was taugt die Lautstärkeregelung dieses DAC?

Lautstärkeregler beim NAD M12

Nun, die ist ebenfalls erstklassig. Was nicht immer Standard bei D/A-Wandlern ist. Beim Electrocompaniet ECD-2 etwa empfand ich die Pegelregelung nicht wirklich als Stärke des ansonsten toll aufspielenden Gerätes. Positiv ist mir dagegen die Regelung des Moon Neo 380D in Erinnerung geblieben, die allerdings – im Gegensatz zu der des NAD – rein analog arbeitet. Der NAD beweist insofern, dass eine digitale Lautstärkeregelung klanglich ebenfalls ganz hervorragend funktionieren kann.

Test: NAD Masters M12 und M22 | D/A-Wandler

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