Test: NAD C 3030 | Vollverstärker
Bjørns Vermächtnis
Im Test: NAD C 3030 | Vollverstärker
UVP zum Testzeitpunkt: 999 Euro
Web: https://nad.de/
Zum 50. Firmenjubiläum, das 2022/23 begangen wurde, beschenkte NAD (https://nad.de/) sich selbst und die hifidele Kundschaft mit den Vollverstärkermodellen C 3050 LE („Limited Edition“, 2022) und C 3050 (Serienmodell ab 2023). Moderne Technik, verpackt im gelungenen Vintage-Look der Anfangsjahre mit Holzfurniergehäuse, hinterleuchteten VU-Metern und geschwungenem „New Acoustic Dimension“-Schriftzug auf der klassisch grauen Frontplatte.
Jetzt, etwas mehr als drei Jahre später, legt das Unternehmen mit dem optisch ähnlichen, jedoch nur knapp 36 Zentimeter breiten NAD C 3030 nach. Der verzichtet auf Holzfurnier, die Hälfte an Ausgangsleistung und ein paar Hundert Euro beim Preis, ähnelt ansonsten aber frappierend seinem „Großvater“ von 1978. Schon damals gab es einen NAD 3030 – ohne „C“ –, und auch er kam im Midsize-Gehäuseformat, das heutzutage ungewöhnlich anmutet, aber auch einen besonderen Reiz hat.

Bei allem Retrocharme, den der NAD C 3030 optisch zur Schau stellt, ist er in technischer Hinsicht selbstverständlich ein Amp auf der Höhe der Zeit. Digitale Quellen finden über einen optischen Toslink-Eingang, einen HDMI-eARC-Port zur Verbindung mit dem Fernseher sowie über Bluetooth 5.0 (aptX-Codec) Gehör. Für analoge Zuspieler steht ein Line-Terminal (Cinch) und ein Phono-Anschluss für Vinylfreunde parat – der ist für MM-Systeme vorgesehen und beileibe kein Alibifeature, darauf werde ich im Hörtest noch näher eingehen.

Wer mag, kann einen aktiven Subwoofer anschließen, der Amp verfügt über einen entsprechenden Vorverstärkerausgang. Mittels Schiebeschalter auf der Geräterückseite lässt sich ein Highpass-Filter zuschalten, der den Betrieb des Subwoofers bei 80 Hertz begrenzt. Mit einem weiteren Schiebeschalter lässt sich der Anzeigemodus der beiden VU-Meter auf der Front wählen. Im Modus „Signal In“ zeigen sie – eigentlich logisch – den Pegel des Eingangssignals, im Modus „Speakers Out“ den momentanen Ausgangspegel. Im Ernst: Die Wahrhaftigkeit, beziehungsweise Anzeigegenauigkeit der beiden Nadelinstrumente mag ich überhaupt nicht bewerten. Und ich glaube auch nicht, dass es darum in der Praxis geht. Damit die beiden Nadeln wunderschön im Takt der Musik zucken, habe ich stets den „Speakers Out“-Modus gewählt. Sieht halt cooler aus …

Der NAD C 3030 befeuert ein Lautsprecherpaar. So weit, so pragmatisch. Wer – vor allem in digitaler Hinsicht – mehr Vielfalt wünscht und obendrein streamen möchte, kann zum Modell C 3030S greifen. Hier ist ein BluOS-Modul inkludiert, was den Aufpreis von 300 Euro rechtfertigt. Zum „S“ aufrüsten lässt sich ein C 3030 übrigens nicht. Hier gilt das Motto „entweder – oder“.
Erwartungsgemäß steckt der NAD C 3030 in einem wertig und routiniert gebauten Gehäuse, bei dem es außer der gelungenen Vintage-Optik keine Extravaganzen zu vermelden gibt. Alle Taster und Drehregler – der C 3030 verfügt über ein klassisches Klangregelwerk (Balance, Bässe und Höhen) – sind sauber eingepasst, vor allem der Lautstärkesteller lässt sich mit angenehm straffem Widerstand bedienen. Kleines Gimmick doch noch: Unterhalb des Volumereglers zeigt eine LED-Kette den Status der Wiedergabelautstärke. Das konnte auch der große Bruder C 3050 schon. Fein, dass NAD dies übernommen hat. Zum Lieferumfang gehört eine im Vergleich auch zu vielen teureren Wettbewerbern recht schick und wertig gemachte Fernbedienung. Gedanken über die Installation irgendwelcher Remote-Apps auf Ihrem Smartphone, mit deren Hilfe sich noch unzählige weitere wundersame Funktionen aufrufen lassen, brauchen Sie sich bei diesem Verstärker nicht zu machen – es gibt keine. Ich finde sowas in der heutigen oft so überfrachteten Zeit ja richtiggehend sympathisch.
Wer sich wundert, dass der NAD C 3030 mit nur knapp sechs Kilogramm Gewicht so ein Bruder Leichtfuß ist, den man sich locker unter den Arm klemmen kann, der werfe einen Blick ins Innere und registriere die Abwesenheit von platzraubenden Transformatoren und Kühlkörpern – braucht er alles nicht.

Wie einige seiner Brüder arbeitet auch der C 3030 mit einem HybridDigital-Class-D-Verstärkermodul, das pro Kanal 50 Watt (an 4 und 8 Ohm) anlegt. HybridDigital-Module wandeln ein sinusförmiges Eingangssignal per Pulsweitenmodulation (PWM) in ein Rechtecksignal um. Das Einzige, was die Leistungstransformatoren mit diesem Rechtecksignal tun müssen, ist, ihre Schaltzustände zwischen „ein“ und „aus“ zu wechseln. „Zwischenzustände“ gibt es nicht. Vorteile dieser Technologie sind eine deutlich höhere Effizienz durch klar definierte Schaltzustände bei nur minimaler Wärmeentwicklung – und so wird dann auch eine kompaktere Bauweise möglich.
NAD C 3030: Hörtest und Vergleiche
Lassen Sie mich gleich mit einer klaren Abgrenzung des NAD C 3030 zu seinem größeren Bruder C 3050 einsteigen. Wer meint, der 3030er sei lediglich ein fast identischer Amp mit weniger Leistung, liegt falsch. Die klangliche Abstimmung des neuen Midsize-Vollverstärkers ist eine andere als die des „Jubiläums-3050“. Wer sich also für einen der beiden Vintage-NADs entscheiden möchte, sollte sich unbedingt beide anhören. Im folgenden Klangvergleich werde ich auf signifikante Unterschiede eingehen. Um die Vergleichbarkeit zwischen den Brüdern herzustellen, habe ich im Hörtest unter anderem die gleiche Musik benutzt.

Der Bass: agil, knackig, trocken
Die sehr präzise gespielte Kombination aus E-Bass und Bassdrum in „Break Free“ (Album: Walk around the moon) der Dave Matthews Band bringt der C 3030 genauso knackig, zackig und straff zu Gehör, wie man es in diesem Stück der Kombo aus New Orleans erwartet. Dabei spielt der Midsize-Amp mit Nachdruck und ziemlich tief, jedoch neutraler als der NAD C 3050 in den Basskeller hinunter, ohne die allerletzte Oktave nach unten hin mitzunehmen. Was absolut verzeihlich erscheint, verleiht er seiner Basswiedergabe dafür doch ein sehr gut strukturiertes Profil. Das erinnert ein wenig an seinen – sagen wir mal „Cousin“ –, den Streaming-Verstärker NAD C 700, der mit seiner schlanken und aufrechtstehenden Bauweise eine völlig andere Formensprache spricht und auch etwas teurer ist. Preislich liegt der NAD C 3050 mit knapp 1.500 Euro nochmals höher – er zeigt sich im Hörtest bassmäßig voluminöser, fülliger und somit nicht ganz so kernig-präzise wie der C 3030. Letztlich entscheidet hier wohl der individuelle Hörgeschmack, der meine tendiert eher zum straff-trockenen Duktus des NAD C 3030.
In Sachen Tiefgang geht, bei sonst vergleichbarer Performance, ein Leak Stereo 230 tatsächlich noch etwas weiter, dieser ebenfalls auf einem berühmten Vorgänger der späten Siebzigerjahre basierende und im Retrolook gestaltete Britenamp traut sich am unteren Frequenzende doch noch ein halbes Treppchen tiefer in den Keller hinab – aber angesichts des nicht unerheblichen Preisabstands (circa + 50 %) darf, ja, sollte er das auch.
Die Mitten: griffig, plastisch, effektfrei
Seit jeher stehen bei mir britische Musiker, die etwas zu sagen haben, hoch im Kurs. Kein poppiges Lalala und Lululu, sondern in intelligent arrangierte Rockmusik verpackte Gesellschafts- und Sozialkritik oder schlicht gut erzählte Geschichten. Meine Favoriten Ben Howard und Sam Fender fehlen daher auch bei kaum einem Test. Nicht zuletzt, weil man ihre Gesangsstimmen im Idealfall so schön plastisch greifen kann und das virtuose Gitarrenspiel eines Ben Howard jede HiFi-Komponente gekonnt auf die Probe stellt.
Damit Gesang und Gitarre in „Small Things“ (Album: I forgot where we were) so fühlbar präsent vor dem Hörplatz steht, darf ein Verstärker keine „Schmeichelsoße“ über die Musik kippen. Er muss sich auf das Wesentliche, auf die Seele und den Körper konzentrieren, dies in Einklang bringen und effektfrei präsentieren – eine Sternstunde für den NAD C3030! Wie vollkommen sicher er tonal auf der ganz leicht charmanten, minimalst warmen und doch zugleich schlackenlosen Seite von „neutral“ wandelt, ist für mich in dieser Klasse schon echt großes Kino. Erst besagter Leak Stereo 230 (um 1.500 Euro) kommt an diesen „Mittenband-Grip“ heran, toppt ihn aber nicht um wesentliche Längen. Sam Fenders „People Watching“ (Album: People Watching) entwickelt über den großen Bruder NAD C 3050 durch dessen noch wärmer temperiertes Mittenband einen durchaus charmanten Reiz, weil der Gesang hier eine etwas „wohligere“ Aura verströmt – meiner Ansicht nach korrekter, weil neutraler, setzt ihn aber der C 3030 den Briten in Szene. Der „Kleine“ schlägt den „Großen“? Na, es sind mal wieder eher Geschmacksfragen, die jeder für sich entscheiden muss.

Die Höhen: vollständig und detailreich
Bei NAD darf man sich stets auf ein ziemlich vollständiges und detailreiches Höhenbild verlassen, das die Gratwanderung zwischen Klarheit und hartkristalliner Reinheit sicher beherrscht. Heißt in diesem Fall: Zischeln und Brizzeln sind dem NAD C 3030 selbst bei grenzwertig gemischten Aufnahmen fremd, zugleich bringt er aber ein Blechblasinstrument mit dessen natürlicher Schärfe und eine Klarinette mit ihrer obertonreichen Leichtigkeit umfassend zu Gehör. Der gnädigere, leicht verrundende Duktus eines NAD C 3050 ist ihm allerdings fremd, er spielt allenfalls einen Hauch milder als es hundertprozentig neutral wäre. Und er bringt in seiner Höhenabbildung so manche subtile Rauminformation unter, damit ist er wiederum dem Leak Stereo 230 charakterlich recht ähnlich.
Der Raum: Der Realität verpflichtet
In Sachen Raumabbildung ist man sich bei NAD serien-, preisklassen- und komponentenübergreifend einig: Es wird nix weggenommen, was da hingehört. Und es wird nix hinzugefügt, was da nicht hingehört. Punkt.
Die Darstellung der Verhältnisse auf der virtuellen Bühne fällt bei den Gerätschaften des Hauses also weder zu groß noch zu kompakt aus. Der NAD C 3030 unterscheidet sich in dieser Disziplin weder von seinen Ahnen noch von seinen aktuellen Geschwistern. Die Bühnenabbildung orientiert sich in Tiefe und Breite so weit wie möglich an der Realität – zumindest an der, die man „auf Konserve“ zu hören glaubt. Nichts wirkt künstlich aufgebläht oder zu eng. Die Entfernung von der Bühnengrundlinie zum Auditorium entspricht einem als natürlich empfundenen Abstand, der musikalische Ereignisse weder in zu großer Distanz präsentiert noch einen bedrängt. Und die Musiker sowie deren Relationen zueinander sind hervorragend zu lokalisieren. Auch dafür kennt und schätzt man die „New Acoustic Dimension“.

Die Auflösung: Kein Detektiv, aber …
Es ist mal wieder Zeit für meine Auflösungs-Geheimwaffe Fear Inoculum von Tool. Ich kann nicht umhin, dieses Kunstwerk des Metal immer und immer wieder zum Testen zu nutzen. Es ist halt sehr schnell heraushörbar, welche Komponenten sich etwa bei „Pneuma“ oder „Descendant“ schwertun, die dicht verwobenen musikalischen Handlungsstränge zu lokalisieren und so darzustellen, dass man sie mit den Ohren verfolgen kann.
Der tonal fülliger abgestimmte NAD C 3050 lies für meinen Geschmack ein paar zu viele Details in der Gemengelage unbeachtet. Anders der „kleine“ C 3030, dem seine neutralere Gesamttonalität gleichsam die schärfere Brille auf die Nase setzt, mit deren Hilfe er in der wabernden Soundwolke Strukturen erkennen und herauslösen kann, die sich der 3050er zugunsten einer insgesamt leicht homogeneren, „runderen“ Gesamtabbildung spart. Die man ja durchaus mögen kann. Ich persönlich höre gern etwas tiefer unter die klangliche Oberfläche, schätze es aber gleichwohl, wenn sich ein Verstärker nicht als „Oberdetektiv“ versteht, der jeden Stein umdreht. Angenehm: Der NAD C 3030 macht das nicht.
Dynamik: Mit Attacke und Punch
Ungeachtet der auf dem Datenblatt eher überschaubar anmutenden Leistung von 50 Watt pro Kanal ist der NAD C 3030 ein agil und dynamisch aufspielender Amp, der unter anderem mit Nu-Metal-Krachern wie „The Emptiness Machine“ von Linkin Park (Album: From Zero) hörbar umzugehen weiß. Abrupte Laut-Leise-Laut-Passagen beeindrucken ihn so wenig wie ansatzlose Attacks und Punches etwa einer ambitioniert bedienten Bassdrum bei hoher Wiedergabelautstärke. Das kann er mitunter so gut, dass man sich fragt, woher der C 3030 diese Reserven holt.
Mein in Ehren ergrauter „Kraftkönig“ Magnat RV-3 – natürlich als Röhrenhybrid ein technisch anderes Konzept verfolgend – reibt sich da ebenfalls verwundert die Augen über diese „halbe Portion“, nur um dann beim nächsten dynamisch fordernden Titel seine noch immer beeindruckenden Muskeln anzuspannen und „den Lukas wegzuhauen“. Okay, da geht doch noch mehr – ein ungleicher Kampf. Aber ein ehrenvoller, und zwar für den NAD C 3030, der grobdynamisch nur im direkten Vergleich gegen den dreimal so teuren Magnat den Kürzeren zieht, sonst aber ganz erstaunlich attackig und punchy auftreten kann. Die gepflegten leisen Töne, das „akustische Kaminfeuer“, beherrscht er ebenfalls, ohne dass ihm bei gemäßigtem Pegel die dynamische Bandbreite der musikalischen Darbietung zusammenbräche.

Phono-MM: Kein Alibifeature
Es ist heute nicht mehr unbedingt selbstverständlich, dass Vollverstärker mit einem eingebauten Phono-Vorverstärker zum Anschluss eines Plattenspielers kommen. Wenn doch, sind diese qualitativ häufig so fragwürdig, dass man sie im Prinzip auch hätte weglassen können. Nun hat NAD in Sachen „externe Phonostufen“ eine lange Tradition – der preiswerte PP2 (aktuell heißt er PP2e) wird seit vielen Jahren angeboten – und könnte den Kunden ja auch sagen: „Wenn Ihr Schallplatte hören wollt, nehmt doch den.“ Aber nö, der Hersteller spendiert dem C 3030 ein integriertes Phonomodul, das für den Anschluss von MM-Tonabnehmern abgestimmt ist. Und das muss sich klanglich keineswegs verstecken.

Ich habe meinen Technics SL-1210GR angestöpselt und kann zusammenfassend sagen, dass auch die Wiedergabe von Vinyl über den NAD C 3030 sehr flüssig, griffig und agil rüberkommt. An beiden Frequenzenden – oben wie unten –, wirkt der Vortrag zwar mitunter dezenter, weibliche Gesangsstimmen tönen nicht ganz so klar wie mit digitalen Zuspielern. Und klar: Schließt man den Technics-Dreher über einen externen Phono-Pre – etwa einen Lehmann Audio Black Cube Statement – an, ist der Zugewinn an tonaler Farb- wie Strahlkraft und Präsenz ohrenfällig. Aber: Hier reden wir dann ja auch über eine zusätzliche Investition (von circa 400 Euro) in ein externes Gerät. Wer hin und wieder Schallplatten genießen möchte, kann mit dem integrierten Phono-Pre wirklich gut leben.
PREMIUM-HÄNDLER, die NAD führen
Leserbrief
