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Moon Neo Ace: Klangeindruck

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Moon Neo Ace: Klangeindruck

Moon Neo Ace - MindDie gute Nachricht (für den Tester): Der Moon Neo ACE hat ein klares klangliches Profil – es handelt sich also nicht um ein Gerät „ohne besondere Eigenschaften“, was eine Klangbeschreibung ja immer etwas herausfordernd gestaltet. Besonders positiv fällt auf, dass er sehr rhythmisch und schnell agiert: Nehmen wir „Ful Stop“ von Radiohead (Album: A Moon Shaped Pool, auf Amazon anhören). Hier gibt es als Gerüst eine Drumcomputerspur sowie eine energetisch nach vorne treibende, rhythmisch phrasierte Basslinie, die sich über weite Strecken hauptsächlich auf zwei Tönen bewegt. Im Hintergrund fliegen allerlei elektronische Effekte durch die Klanglandschaft, etwa in der Mitte des Stücks gesellt sich ein „echtes“ akustisches Schlagzeug hinzu. In der Summe ergibt sich eine flirrende, ja fast zittrige Unruhe. Der Neo ACE verschleppt hier nichts, er lässt die Nerven des Hörers im positiven Sinne vibrieren, unweigerlich beginnt das Bein rhythmisch mitzuzappeln. Die Unmittelbarkeit und Geschwindigkeit, mit der das alles geschieht, ist beeindruckend: Man kann definitiv nicht still sitzen.

Ein weiterer dicker Pluspunkt, zumindest für meinen persönlichen Hörgeschmack: Hier wird eine erstaunlich breite und tiefe Bühne aufgezogen, die in sich äußerst stabil und nachgerade „begehbar“ wirkt und überdies ein wenig vor der Boxengrundlinie startet. Das erinnert mich in der Charakteristik an typische Röhrenverstärker, die ja gerne einen großen Klangraum gestalten und den Hörer richtiggehend in der Musik baden lassen. Verantwortlich dafür ist mit ziemlicher Sicherheit der verbaute Verstärker – denn wenn ich den Song über meine Abacus-Ampollo-Endstufe (mit dem Moon als Zuspieler) höre, wirkt die Bühne in der Horizontale kompakter, wenn auch ähnlich präzise in der Tiefe durchhörbar. Möglich, dass der Bühnenaufbau des Moon Neo ACE nicht ganz der reinen Lehre entspricht – insofern, als dass er hier links und rechts noch einen halben Meter „hinzufügt“. Ich mag das aber sehr gerne, weil ich mich auf diese Weise tief ins Geschehen gebeamt fühle.

Moon Neo AceGut gefallen mir auch die Feinauflösung und saubere Durchzeichnung, insbesondere in den Mitten und Höhen. Wenn im Song „Ful Stop“ das Schlagzeug einsetzt, dann schwirren ganz schön viele Klangquellen durch den Raum – die Gefahr, dass daraus ein Soundbrei angerührt wird, ist nicht gering. Der Moon Neo ACE – und damit auch der Hörer – behält aber in erfreulichem Maße die Übersicht. Das Ridebecken setzt güldene Akzente, die Kopfstimme von Thom Yorke und die perlenden Gitarrenpickings haben hier gewissermaßen ihre eigenen „Fahrspuren“ und geraten in all dem „Verkehr“ nicht unter die Räder. Ganz untenrum hingegen spielt der Moon eher schlanker: Er ist keine echte Tiefbassmaschine, sondern konzentriert sich an dieser Stelle lieber auf Tempo und rhythmische Akkuratesse als auf schiere Substanz. Der oben erwähnte Basslauf beispielsweise setzt sich damit nicht durch absoluten Tiefgang, sondern durch seine flirrend-gehetzte Art im musikalischen Gesamtbild durch.

Moon Neo Ace

Tonale Vergleiche

Insgesamt lässt sich sagen, dass der Moon Neo ACE tonal – bis auf ein wenig Zurückhaltung im Tiefbass – über weite Strecken neutral agiert. Blicken wir mal ein wenig zur Seite: Zuletzt durfte ich für fairaudio den Perreaux Audiant DP32 und das Lindemann musicbook:25 testen. Als Endstufe fungierte mein Abacus Ampollo (2.900 Euro), der mir aufgrund seiner Neutralität seit mehr als fünf Jahren als Arbeitsgerät dient. Das Klangprofil des Moon Neo ACE im Stand-alone-Betrieb (also ohne externe Endstufe) liegt im Tonalen ziemlich genau zwischen dem Perreaux und dem Lindemann jeweils im Verbund mit dem Abacus Ampollo.

Moon Neo AceÜber das Lindemann musicbook:25 gibt es bei hochauflösendem Material ein Quäntchen mehr Feinauflösung, was vor allem bei schlagzeug- beziehungsweise beckenlastiger Kost auffällt: Hier werden die teilweise sehr filigranen klanglichen Konturen eines Ridebeckens, das ja – je nach Anschlagpunkt – eine große Vielfalt an Schattierungen bietet, noch etwas konsequenter und klarer durchgereicht. Der Perreaux Audiant wiederum wirkt in den obersten Lagen ein Gran weniger präsent. Im Mittenband, aber auch in den oberen und mittleren Basslagen hingegen würde ich alle drei Geräte als sehr ähnlich klingend bezeichnen.

U2Noch einmal zur Fähigkeit des Moon Neo ACE, rhythmisch und flink zu agieren: Das ist insofern bemerkenswert, als dass dadurch selbst qualitativ mittelmäßige Aufnahmen noch zu einem schönen Klangerlebnis werden. Das Album October von U2 (auf Amazon anhören) beispielsweise gehört musikalisch sicherlich zu den ganz wichtigen Alben der Achtziger Jahre. Klanglich hingegen ist deutlich spürbar, dass seinerzeit mit begrenztem Budget gearbeitet wurde: Die Aufnahme klingt etwas verhangen und fängt auch mit Sicherheit nicht die ganze Dynamik des damals noch sehr schroffen und ungeschliffenen Band-Sounds ein. Nichtsdestotrotz: Ein Song wie „Gloria“ macht mit dem Moon Neo ACE große Freude, insbesondere vor und während des Instrumentalparts. Die hochpräzise, minimal punktierte Hi-Hat-Arbeit von Larry Mullen Jr., aber auch die mit sägend-beißenden Attacks versehene Delaygitarre von The Edge: Beides kommt mit dem Neo ACE so packend, schnell, knackig, aber auch tonal so fein differenziert, dass einem kaum was entgeht.

Die gute Mischung aus „Raum und Rhythmus“ wird auch bei einem anderen Track nochmal richtig deutlich: Bootsy Collins‘ „Don’t let em“ (auf Amazon anhören) ist eine herrlich funkig-knackige Rap-Midtempo-Nummer, die vordergründig entspannt-schleppend daherkommt, aber zahlreiche rhythmische Extra-dry-Feinheiten parat hält, die das Stück packend und involvierend machen. Die außerordentlich scharf knallende, hoch gestimmte und komplett hallfreie Snaredrum wird ergänzt durch halbrechts im Panorama platzierte Handclaps, die eben nicht exakt gleichzeitig mit der Snaredrum „gespielt“ werden, sondern bewusst mit einem minimalen Versatz: Diese kleine Ungereimtheit deckt der Moon Neo ACE gnadenlos auf, was dem Stück aber erst Recht dieses Extraquantum Funkyness gibt. Und noch etwas: Neben dem komplett furztrockenen, ohne jeden Hall gespielten Schlagzeug sowie der ebenso gesoundeten Rhythmusgitarre werden immer wieder Klavierarpeggien gespielt: Diese wiederum haben einen fast übertrieben wirkenden, tiefen Klangraum im Mix erhalten. Der Moon Neo ACE schafft es, beides komplett unabhängig voneinander wiederzugeben. Gewissermaßen vorne am Bühnenrand die knackige Rhythmussektion – und in der Tiefe des Raums die mit dem Haltepedal des Klaviers gespielten, lang ausklingenden Einzeltöne.

Moon Neo AceEin kleines „Allerdings“ will ich nicht verschweigen: Wenn wir mal richtig aufdrehen, hat der Moon Neo ACE bei diesem Track mit dem reichlich fett gemischten Bass zu kämpfen. Der Titel ist, man merkt es deutlich, für den Vor-Ort-Einsatz auf dem Dancefloor gemixt. Was in der Disco mit einer dicken PA-Anlage so richtig schön in die Magengruppe fährt, kann im heimischen Hörraum ins Schwimmen geraten, wenn die Kette nicht über erhebliche Leistungsreserven und Schub verfügt. Solange wir in Zimmerlautstärke bleiben, ist alles gut; geht es merklich darüber hinaus, dann beginnt der Moon Neo ACE den Bass doch ein wenig zu „verschlabbern“. Nun, man kann eben auch für den aufgerufenen Kurs nicht alles haben.

Lautsprecherterminal des Moon Neo Ace

Lautsprecherterminal des Moon Neo ACE

Das Klangprofil des im Moon Neo ACE verbauten DACs erinnert mich übrigens ausnehmend an meinen C.E.C. CD5. So ergibt sich beispielsweise kein hörbarer Unterschied, wenn ich den Track von der CD statt digital analog über einen Hochpegeleingang des Neo ACE einspeise. Ähnlich ist es auch, wenn ich mein Notebook als Zuspieler nutze und es per USB mit dem Moon Neo ACE als externer Soundkarte verbinde: Einzig und allein der Bass scheint hier noch etwas mehr Kontur und Griffigkeit hinzuzugewinnen – nicht aber „Tiefgang an sich“.

Ein paar Worte zur Dynamik

Art BlakeyFeindynamisch spielt der Neo ACE sehr weit vorne: Art Blakeys „Moanin“ (gleichnamiges Album, auf Amazon anhören) verwöhnt den Hörer mit einer sehr realistischen Live-Darbietung: Sanft zischelnde Anblasgeräusche des Saxophons, das vorsichtig mit den Fingern abgestoppte Ridebecken im Intro, aber auch alle Nebengeräusche (Schnarren, Umgreifen, Ausatmen des Bassisten) im Basssolo – hier wird wirklich jedes Detail wiedergegeben und die Aufnahme ist im Hörraum erfreulich präsent. Grobdynamisch würde ich ein ähnlich gutes Zeugnis ausstellen, allerdings mit einer Einschränkung: So lange das wiedergegebene Material nicht allzu viel Tiefbassanteil enthält, packt der Moon richtig gut zu. Die in „Moanin“ teils recht schroff und direkt einsetzende Trompete hat richtig Biss, die Snare-Kantenschläge knallen mit Verve – so weit, so gut. Wenn die Musik allerdings richtig Wumms hat und einen abgrundtiefen Bass mitbringt, wie beispielsweise „Subbacultcha“ der Pixies (Album: Trompe le Monde), gelingen die Lastwechsel und plötzlichen „Alles auf die Eins!“-Knalleffekte nicht mehr ganz so dynamisch beziehungsweise in die Magengrube fahrend. Das kommt beispielsweise über meinen Accustic Arts Power I MK4 noch einmal mit einer deutlich krasseren Tieftongrundierung, da wird auch seitens der Lautsprechermembranen nochmal ein anderes Pfund Luft bewegt. Aber der Vergleich ist natürlich ungerecht: Das gute Stück kostet knapp doppelt so viel wie der Moon Neo ACE und ist ein reinrassiger Vollverstärker.

Eine Extra-Erwähnung möchte ich noch dem Phonoeingang widmen: Man könnte ihn angesichts des Leistungsumfangs und der vermuteten Zielgruppe des Moon Neo ACE als freundliche, aber nicht besonders highfidele Dreingabe ansehen, meine Erwartungen an den Klang waren jedenfalls nicht allzu hoch. Weit gefehlt jedoch: Im Verbund mit meinem Rega Planar 3 (mit Rega Exact Tonabnehmer) war freudiges Staunen angesagt. Auch hier wieder eine schöne, breite Bühne mit gut lokalisierbaren Akteuren, aber auch sehr viel Farbenreichtum im Mittenband und eine helle, freundliche, zu keiner Zeit scharfe Höhenwiedergabe – und eben auch wieder die gute Antrittsgeschwindigkeit und Timingfestigkeit. Ich wage die Behauptung, dass der Phonoeingang des Moon Neo ACE sich in der Qualität mit separaten Phonovorstufen im Preisbereich bis um die 400-500 Euro absolut messen kann. Respekt.

Moon Neo AceUnd was ist nun, wenn man den Moon Neo ACE an eine separate Endstufe anschließt? Nun, das ist zum Glück schnell erzählt: Sowohl als Streamer wie auch als Vorstufe agiert der Moon mustergültig neutral. Hier wird alles im positiven Sinne weitergereicht, nichts gesoundet. Mit anderen Worten: Wer den Neo ACE erwirbt und vielleicht nach einiger Zeit das Bedürfnis verspürt, doch noch „untenrum“ mehr Tiefgang und Vehemenz zu erfahren – der kann eine entsprechend potente Endstufe ankabeln und damit noch einmal ein etwas sonoreres Klangprofil erzielen.

Test: Moon Neo ACE | All-In-One-Lösung

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