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Klang-Eindruck: Moon Evolution 740P/760A

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Klang-Eindruck: Moon Evolution 740P/760A

Vorab: Viele Kunden werden eine solche Verstärkerkombination als Paket kaufen und nicht auseinanderdividieren wollen – und weil das Moon-Gespann auch preislich ziemlich genau zu meiner eigenen Kombination (Octave HP300 & Musical Fidelity M8700m) passt, werde ich es als solches beschreiben. Zumal die Aussagen im Großen und Ganzen auch für die „Einzelteile“ gelten. Wo Vor- und Endstufe in Nuancen voneinander abweichen, wird im Folgenden ebenfalls klar werden.

Moon Evolution 740P und 760A

Noch etwas: Die Moon-Evolution-Kombi besitzt, wie erwähnt, ein symmetrisches Schaltungsdesign, entsprechend bin ich der Empfehlung der Kanadier gefolgt, sie auch symmetrisch zu verbinden. Was die Kontaktaufnahme der Quellen zur Vorstufe Moon 740P angeht, habe ich beide Verbindungsarten ausprobiert – symmetrisch kam es mir tonal einen winzigen Hauch milder vor und räumlich eventuell ein-zwei Zentimeter weiträumiger. Je nach Musik, die lief, fand ich mal dies, mal jenes besser. Im Grunde ist das aber nicht wirklich entscheidend. Auf zu Relevanterem.

Frühjahrsputz

Das kanadische Duo kam im Mai bei mir an, also zu einem Zeitpunkt im Jahr, an dem viele ein Bedürfnis nach Großreinemachen verspüren – und sogar ich habe just eine viertel Tonne Equipment im Hörraum herumbugsiert, um an die Fenster zu kommen und sie auf Vordermann zu bringen. Hallo Frühlingssonne, lang‘ nicht mehr gesehen! Ich schweife ab …

Dass nun aber das Klangbild meiner Anlage ein „Abstauben“ vertragen könnte, ist eine These, die ich eigentlich nicht unterschreiben würde. Die Kombination aus Horn plus 16-Zoll-Woofer an geradlinig spielender Elektronik mit zwei PS Leistung in Reserve (kein Scherz) mag vieles sein – manchem vielleicht sogar zu viel –, aber verstaubt nun wirklich nicht. Doch gleichwohl: Der erste Eindruck nach dem Wechsel der Elektronik zur Moon-Kombi hin ist der von großer Sauberkeit, die nun Einzug gehalten hat. So transparent und klar es zuvor schon war – gab’s da nicht doch noch einen kaum direkt wahrnehmbaren Dunst im Hintergrund? Dessen Existenz man erst im Nachgang erahnt, wie wenn an einem klaren Frühlingstag aus heiterem Himmel ein Platzregen einsetzt – und danach die Luft erst wirklich rein ist? Ich bin echt erstaunt.

In der Moon-760A-Endstufe stecken zwei dieser 500VA-Ringkerntrafos
In der Moon-760A-Endstufe stecken zwei solcher 500VA-Ringkerntrafos

Zunächst habe ich den Verdacht, dass dieser Eindruck am Tonalen liegen könnte, denn die Moon-Evolution-740P/760A-Kombi befindet sich – ohne dabei eine echte Schlagseite zu entwickeln – eher auf der etwas leichteren Seite von neutral. Meine eigene Verstärkung würde ich im Prinzip aber auch so einordnen – das Moon-Gespann wirkt jedoch noch etwas „lichter“. Vor allem wohl deshalb, weil in den alleralleruntersten Lagen vergleichsweise weniger kommt. Im Hochton einfach geradeaus, die Mitten klar, explizit und frei jeglicher Härten, das Untergeschoss superstrukturiert. Doch wer meint, für knapp 16.000 Euro eine richtiggehende Bass-Bugwelle erwerben zu müssen, darf sich woanders umschauen – so in etwa. Wie auch immer: Wo Licht ist, hat man ja schnell mal den Eindruck großer Transparenz und Klarheit. Doch so einfach ist die Sache hier nicht.

Moon Evolution 740P

Das große Nichts

Das, was diese Moon-Vor/End nämlich wirklich auszeichnet, ist, dass sie erst mal – nichts macht. Die virtuelle Bühne ist ein schwarzes Loch. Es ist wahrlich totenstill. Und vor so einem Hintergrund wirken die einzelnen Klänge dann einfach anders. Stellen Sie sich vor, jemand streut eine halbe Handvoll Konfetti auf eine in tiefem, tiefem Anthrazit gehaltene Fläche – und wiederholt das Ganze dann auf einer pechschwarzen. Die Schnippselchen sind die gleichen, doch der Effekt ist ein anderer, da der Kontrast sich erhöht hat. Und wer nur flüchtig schaut, könnte meinen, beim zweiten Mal leuchtenderes Konfetti zu sehen. So ähnlich kann es einem mit Moons Evolution-740P/760A-Kombination gehen.

Dee Dee BridgewaterAber das Moon-Duo schärft die Transienten eben nicht künstlich an oder taucht alles in ein gleißendes Licht. So habe ich bei dem charakteristischen perkussiven Klacken zu Anfang des Songs „Slow Boat To China“ von Dee Dee Bridgewater (Album: Live At Yoshi’s) denn auch nicht den Eindruck, das nun wirklich härter, energiegeladener oder „schneller“ als sonst serviert zu bekommen. Herausgeschälter, fokussierter und besser abgesetzt vom Umfeld wirkt es dagegen schon. Dieses „Klack!“ fadet sozusagen an den Rändern nicht aus, es bleibt kompakt-klar umrissen, im Nichts namens Hintergrund hängend. Und noch etwas profitiert von diesem tiefschwarzen, ruhigen Background – die Schellen des Tambourins werden geradezu zum Durchzählen genau herausmodelliert. Noch deren leisestes Ausklingen wird akkurat nachgezeichnet.

Vier Ausgangstransistoren pro Kanal sorgen beim Moon 760A für die finale Verstärkung
Vier Ausgangstransistoren pro Kanal sorgen beim Moon 760A für die finale Verstärkung

Überhaupt: diese Genauigkeit bei leisen Signalen! Eine Triangel ist eine Triangel? Denkste. Klar, da tut sich wohl Relevanteres auf der Bühne der Londoner O2-Arena, auf der Leonard Cohen sein „Hey, That’s No Way To Say Goodbye“ singt (Album: Live in London), als ausgerechnet dieses kleine „Pling“, dessen Ausklingen mir die Test-Kombi klarer herausarbeitet – und gefühlt eine halbe Sekunde länger präsentiert – als ich es gewohnt bin. Aber gerade drum: Noch vermeintlich Nebensächliches parallel zu lauteren Ereignissen auf Leonard Cohender Bühne akkurat und wie nebenbei à la „das passiert hier übrigens auch noch gerade im Song, nicht so wichtig, ich weiß, aber schon bemerkt?!“ zu vermitteln – also unangestrengt ein Füllhorn an Details auszuschütten –, das ist doch der echte highendige Stoff, den wir wollen, oder nicht? Die Moon-Kombi macht so was richtig klasse.

Was haben wir bisher? Hervorragendes Auflösungsvermögen der ungezwungenen Art, feinsinnige Transparenz könnte man es auch nennen. Klangtexturen werden sehr schön aufgedröselt, scheinbare Nebensächlichkeiten locker und doch sehr klar präsentiert – hinzu tritt diese sehr genaue Abbildungspräzision, eine sehr fokussierte Darstellung von Instrumenten und Stimmen. Das sind sicherlich die Stärken der Moon-Evolution-Verstärkerkombination. Und hier bietet sie auch mehr als man in dieser Klasse gemeinhin erwarten darf. Und da darf man ja so einiges erwarten.

Das Anschlussfeld der Moon-Evolution-Endstufe
Das Anschlussfeld der Moon-Evolution-Endstufe

Auftritt und Antritt

Wo wir schon das Thema Raumdarstellung berührt haben: Was die Plastizität der Abbildung angeht, darf man zufrieden sein, wenngleich es noch körperhafter vorgehende Vertreter der Gattung gibt. Wo ich eben von Stärken sprach – ist das jetzt also eine Schwäche? Nein. Mit der Moon-Kombination wirkt das alles andere als flach und eindimensional. Es ist nur so, dass der „3-D-Effekt“ eben auch nicht als ausgemachte Spezialtugend der Evolutions durchgeht wie der erwähnte tiefschwarze Hintergrund, die Auflösung, die hochfokussierte Abbildung.

Moon Evolution 740P

Ähnliches lässt sich von den schieren Dimensionen der virtuellen Bühne berichten. Zunächst einmal: Die Moons „machen“ keinen Raum, dafür sind sie zu ehrlich. Sie geben realistisch das wieder, was auf der Aufnahme steht. Und weiter: Ja, es gibt in dieser Klasse noch größere Bühnen aufziehende und diese noch tiefer ausleuchtende Amps – meine eigene Verstärkerkombi etwa. Das mag zum Teil an der etwas „auratischeren“, weitläufigeren Gangart meiner Röhren-Hybrid-Vorstufe liegen, wesentlicher scheint mir aber die Fähigkeit der Leistungsboliden von Musical Fidelity zu sein, noch so grenzwertige subsonische Schwingungen ungerührt hervorzuholen – gerade die tiefsten Lagen kommunizieren „Raumgröße“. Aber egal: Die besondere Stärke des einen Endverstärkers übersetzt sich ja nicht als Schwäche des anderen. Der Moon Evolution 760A macht das für seine Preisklasse gut.

Nik-BärtschDynamisch, insbesondere feindynamisch und was die Transientenwiedergabe betrifft, geht’s angenehm zur Sache mit dem verstärkenden Duo aus Kanada. Interessant fand ich dabei folgende Beobachtungen zum Nik-Bärtsch-Stück „Modul 15“ (Album: Randori). Dieses beginnt mit einem hart gezupften E-Bass, der sich stoisch durch das ganze Werk zieht, nach und nach gesellt sich etwas Percussion hinzu, und im Grunde war’s das fast schon – da darf man mit Recht von Minimalismus-Groove sprechen. Doch gerade, weil so wenig passiert, treten die Unterschiede der Verstärker deutlich hervor.

Über die Moon-Kombi Evolution 740P/760A wirkt der Moment, in dem die Saite des E-Bass‘ über die Finger schnappt, etwas härter als gewohnt – gleichzeitig kommt der Basston „skulptierter“ rüber, fokussierter und prägnanter umrissen im Raum hängend. Das ist sportlich, sehnig, auf den Punkt. Zur Rückversicherung des gerade Gehörten wechsele ich schnell zur Octave/MF-Verstärkerkombi: Ja, stimmt schon. War zuvor härter im Anriss und wurde schärfer abgebildet. War aber auch „leichter“. Sprich: Jetzt tönt dieser Bass satter und sonorer, breitet sich üppiger im Raum aus, und ganz, ganz unten ist eben auch noch etwas, was die Moon-Kombi eher en passant erwähnte, nun aber nachdrücklicher in den Raum geschoben wird. Ein wenig so, als wäre der E-Bass etwas tiefer gestimmt worden. Hat definitiv auch seinen Charme.

Moon Evolution 740P/760A

Bäumchen wechsele dich

Gleicher Song, anderes Setting: Ich probiere den Moon-Vorverstärker an den Musical Fidelitys aus – und umgekehrt die Octave-Vorstufe am Moon-Endverstärker.

Zuerst genanntes Gespann wirkt im Vergleich zu meinem gewohnten tatsächlich etwas härter bei der Transientenwiedergabe, wofür ich die Moon-Vorstufe verantwortlich mache. Aber das „scharf Herausskulptierte“ des Basslaufs – wie zuvor beim reinrassigen Moon-Duo –, das gibt’s so leider nicht. Dafür mehr Tiefe und Substanz im Bass. Klare Sache, hier hört man die Musical-Fidelity-Monos raus, die schieben in den tiefsten Lagen noch mehr Energie in den Raum. Deshalb kommt dieser Bass jetzt insgesamt etwas größer und substanzieller, tiefer – und weicher rüber. Die drahtig-sehnige Bassperformance, die das Moon-Gespann vermittelt, rührt also auch daher, dass das letzte Wort in den allertiefsten Regionen nicht ausgesprochen wird. Das ist so etwas wie ein positiver Nebeneffekt. (Übrigens, was letzte Worte angeht: Moon selbst hat noch drei kräftigere, größere Endstufen im Evolution-Line-up, wenn’s jemandem wirklich nicht reichen sollte.)

Moon Evolution 740P und 760A

Und die andere Kombination, Octave plus Moon? Nun, im Grunde lässt sich das auch sehr gut an. Aber wenn man gerade die anderen Verstärkerpaarungen durchgehört hat, fehlt einem hier und da schon etwas. Die Octave-Vorstufe gibt Transienten in Relation etwas milder/geschmeidiger wieder, die Basskontrolle ist gut, aber steigerungsfähig – und die Moon-Endstufe geht im Untergeschoss, wie gesagt, drahtig vor, aber nicht final tiefreichend. In Summe kommt ein Basslauf heraus, der im Vergleich zur reinrassigen Moon-Kombi etwas „Snap“ im Anriss vermissen lässt – sowie das Skulpturale, Herausgeschälte. Im Vergleich zu meiner Endverstärker-Stammbesetzung dagegen ein wenig Substanz und Tiefsttonautorität – und damit Größe und Üppigkeit sowohl des Basslaufs selbst wie des gesamten Klangbildes. C’est la vie. Diese Verstärkerkombination kostet auch so um die 4.500 – 9.000 Euro weniger als die anderen. Was die Preis/Leistungsrelation angeht, liegt sie vorn.

Die Fernbedienung des Moon Evolution 740P
Die Fernbedienung des Moon Evolution 740P

Trotzdem, wenn ich mich entscheiden müsste – ich würde weitersparen, um mir auch den Moon-Evolution-740P-Vorverstärker erlauben zu können. Die markenreine Paarung klingt einfach um einiges besser.

Test: Moon Evolution 740P und 760A | Vor-End-Kombi

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