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Moon 371: Streaming-Verstärker im Test bei fairaudio
HiFi-Test

Test: Moon 371 | Streaming-Verstärker

Auf Kurs

Im Test: Moon 371 | Streaming-Vollverstärker

UVP zum Testzeitpunkt: 6.800 Euro

Web: https://simaudio.com/en/

Zugegeben: Auf die Testobjekte mancher Hersteller warte ich mit leichter Unruhe, weil sie mich klanglich und qualitativ in der Vergangenheit schon überzeugen konnten – und auch noch schön anzusehen und gut verarbeitet waren. Zu diesem Kreis gehört die kanadische Marke Moon des Unternehmens Simaudio (https://simaudio.com/), die bereits mehrfach bei mir zu Gast war. So hatte ich vor einigen Jahren viel Vergnügen mit der leihweise zur Verfügung gestellten Vor-End-Kombi 390/330A, aber auch mit dem Moon Neo Ace. Als mir nun ein Test des Streaming-Verstärkers Moon 371 angeboten wurde, schnipste ich sofort mit den Fingern: Her damit, pronto!

Der Streaming-Verstärker Moon 371 von vorne
Der Streaming-Verstärker Moon 371 ist die erste Komponente der neuen Compass-Serie der Kanadier, die unterhalb der Top-Linie „North Collection“ angesiedelt ist

Was mir bei Moon gefällt, ist die Tiefe, mit der das Unternehmen das Thema HiFi durchdringt: Man entwickelt allerlei proprietäre Technologien und setzt auf eine eigene Streamingplattform – und zudem werden alle Geräte „daheim“ in Kanada gefertigt, was eine gewisse Stabilität in der Lieferkette mit sich bringen dürfte. Da verzeiht man dann auch die kleine Schrulligkeit, dass der Markenname „Moon“ etwas Poetisch-Träumerisches mitbringt, während die Geräte selbst eher prosaisch benannt werden. „371“ – das lässt wenig Raum für die Fantasie, daher lassen Sie uns am besten einfach auf die Fakten schauen.

Der Moon 371 (Preis: 6.800 Euro) eröffnet die noch junge Geräteserie „Compass Collection“, die preislich merklich unterhalb der Topserie „North Collection“ angesiedelt ist. Weitere Geräte sollen folgen, mehr mag der Hersteller derzeit aber noch nicht verraten (einzig die Tasten der Systemfernbedienung könnten spoilern, dass da zumindest noch ein CD-Player in Planung ist, mal sehen!). Es handelt sich beim 371 um einen Streaming-Vollverstärker mit – logisch – DAC-Sektion, der eine ebenso praxisgerechte wie umfangreiche Konnektivität mitbringt. Zentraler Beritt ist natürlich das Streaming: Hier bietet der Moon 371 eine hauseigene Plattform für die relevanten Dienste wie Qobuz oder Tidal (auch in der Connect-Variante), die sich auch auf DLNA/UPnP versteht – und zudem die Option, via Bluetooth 5.0, Roon oder AirPlay 2 zuzuspielen. Ebenso lässt sich die DAC-Sektion (hier kommt der ESS Sabre ESS ES9039Q2M zum Einsatz) von außen ansteuern, hierzu bietet der Moon 371 zwei koaxiale Eingänge und einen optischen, aber auch HDMI ARC für Freunde des gepflegten Fernsehtons. Wer mag, kann an den USB-C-Eingang Speichermedien anschließen – unterstützt werden die Formate FAT und NTFS bis zu einer maximalen Speicherkapazität von 256 Terabytes, das dürfte für die meisten Anwendungsfälle genügen.

Das rückseitige Anschlussfeld des Moon 371
Das Anschlussfeld des Moon 371 ist dicht bestückt: Neben Netzwerk- und Digital-Eingängen hat’s auch analoge Schnittstellen, darunter sogar Phono-MM und -MC

Analog-Zuspieler kommen ebenfalls auf ihre Kosten, zur Verfügung stehen ein Phonoanschluss (MM, MC) und zwei Hochpegeleingänge (Cinch und XLR). Freundlicherweise gibt es neben einem Kopfhöreranschluss auch noch einen analogen Ausgang, sodass das Signal, auf Wunsch lautstärkegeregelt, an externe Endstufen oder Aktivlautsprecher abgegeben werden kann.

Summa summarum lässt sich sagen: Der Moon 371 verdient das Prädikat „Schaltzentrale“ nahezu uneingeschränkt, denn er lässt fast keinen Konnektivitätswunsch unerfüllt. Und die Verstärkersektion drückt 100 Watt (8 Ohm) bzw. 200 Watt (4 Ohm) in Class-AB raus, was auch bei wirkungsgradschwachen Lautsprechern für den Hausgebrauch mehr als genug sein dürfte.

Die digitalen Schnittstellen des Moon 371
Die digitalen Schnittstellen des Moon 371 – auch eine HDMI-ARC-Buchse ist mit von der Partie

Eigengewächse: MDCA und MDHP

Besonders stolz sind die Kanadier auf ihre selbst erdachte MDCA-Feedbackschaltung: MDCA steht für „Moon Distortion Cancelling Amplifier“. Anstatt sich auf herkömmliche globale Gegenkopplungsschleifen zu verlassen, die das Ausgangssignal zurück zur Eingangsstufe führen, arbeitet der MDCA mit einem parallelen, analog aufgebauten Korrekturpfad, der hinter der Eingangsstufe, aber außerhalb des eigentlichen Audiosignalwegs platziert ist. Eine spezielle Komparatorschaltung vergleicht das Eingangssignal kontinuierlich mit dem Ausgangssignal des Verstärkers, welches bekanntlich die während der Verstärkung entstandenen Verzerrungen enthält. Der Komparator subtrahiert in Echtzeit das Ausgangssignal vom Eingangssignal, sodass nur die Verzerrungskomponente übrigbleibt. Dieses verbleibende „Fehlersignal“ wird anschließend direkt phaseninvertiert in die Ausgangsstufe eingespeist, wo es die im Verstärkungsprozess entstandenen Verzerrungen aktiv auslöscht. Dadurch könne der Korrekturprozess mit höherer Präzision und zeitlicher Genauigkeit durchgeführt werden, so Simaudio, und es werde nur dann korrigiert, wenn es nötig erscheint – und nur in dem erforderlichen Ausmaß, wodurch übermäßige Eingriffe in das Signal vermieden werden sollen. Laut Simaudio reduziert dieser Ansatz Verzerrungen und Rauschen und sorgt gleichzeitig für eine stabile Linearität über unterschiedliche Ausgangspegel und Lastbedingungen hinweg. Der MDCA trägt außerdem zu einer niedrigeren Ausgangsimpedanz und einem verbesserten Dämpfungsfaktor bei, was sich direkt auf die Lautsprecherkontrolle und die Basswiedergabe auswirken soll, ohne den Charakter des Eingangssignals zu verändern.

Das Blockschaltbild zur MDCA-Schaltung
Das Blockschaltbild zur MDCA-Schaltung (Moon Distortion Cancelling Amplifier)

Auch bei der Stromversorgung setzt Moon auf eine Eigenkreation – sie heißt „Moon Hybrid Power Supply“ und soll das Beste aus beiden Welten (Schaltnetzteil und Linearnetzteil) mitbringen. Dominique Poupart, Chefentwickler bei Moon, erklärt die Funktionsweise so: Das erste Schaltungsglied, das die Steckdose (hinter der freundlicherweise von außen zugänglichen Sicherung, versteht sich) „sieht“, ist eine so genannte PFC-Stufe (Power Factor Correction). Sie hebt die 230 Volt Spannung auf 400 Volt an. Anschließend sorgt eine LLC-Schaltung unter Einsatz eines Transformators für eine galvanische Trennung und die eigentliche Wandlung in Gleichstrom. Zum Schluss sollen analoge Linearspannungsregler die Versorgungsspannungen weiter reinigen. Ziel des Ganzen sei es, den Moon 371 unempfindlich gegenüber Schwankungen der Netzspannung zu machen. Stabile 800 Watt Leistung (DC) stellt dieses ambitionierte Netzteil bereit.

Blick ins Innere des Moon 371
Blick in den Moon 371: Im vorderen Bereich residiert die hybride Stromversorgungsschaltung

Bevor wir uns den klanglichen Eigenschaften des Moon 371 widmen, möchte ich noch ein wenig zum Äußeren loswerden. Das Gerät kommt im klassischen Vollformat und zeigt die typische Moon-Formensprache. Das verwindungssteife und höchst akkurat gefertigte Gehäuse wird aus massiven Aluminiumteilen zusammengesetzt und macht durch die sanft geschwungenen Wangenstücke (wahlweise in Schwarz oder Silber bestellbar) einen edlen Eindruck – was auch durch das großformatige, eingefräste Moon-Logo auf dem Gehäusedeckel unterstrichen wird.

Das eingefräste Moon-Logo auf dem Gehäusedeckel des 371
Das eingefräste Moon-Logo auf dem Gehäusedeckel des 371 macht was her

Richtig klasse finde ich das verglaste Farbdisplay, das aufgrund seiner Größe (17-Zentimeter-Diagonale) auch noch aus der Ferne bestens abzulesen ist und die „üblichen Verdächtigen“ anzeigt, also entweder Betriebszustände oder – beim Streaming – das Albumcover samt Zusatzangaben. Sechs kleine Bedienknöpfe links neben dem Display sind mit den wichtigsten Funktionen belegt (Standby, Mute, Kanalwahl etc.), ansonsten gibt es noch einen sämig laufenden Pegelsteller, der zugleich als „Parameterschaufel“ fungiert, wenn man in den Tiefen der Menüs unterwegs ist.

Die sechs Bedienknöpfe links neben dem Display des Moon 371
Links neben dem Display finden sich sechs kleine Bedienknöpfe

Eine Fernbedienung ist dankenswerterweise auch dabei; wer jedoch wirklich alle Funktionen abrufen möchte, sollte sich die MIND-App (iOS und Android) installieren. Sie wirkt optisch zwar eher etwas in die Jahre gekommen, lässt sich jedoch intuitiv bedienen – und sie lief während der gesamten Testphase absolut stabil, was für mich am Ende immer das Wichtigste ist.

Screenshots von der MIND-App, mit der sich der Moon 371 steuern lässt
Screenshots von der MIND-App, mit der sich der Moon 371 steuern lässt

Testaufbau

Viele Anschlüsse, viele Funktionen – da darf man sich als Tester nicht verhaspeln. Daher noch ein paar Worte zu meinen Testaufbau: Zunächst hake ich das zentrale Thema ab, nämlich Streamen und Wandeln. Hier ist nach meiner Erfahrung vor allem das Zusammenspiel aus DAC-Sektion und Verstärker entscheidend, wirklich relevante Klang-Unterschiede zwischen Streaming und den anderen Digitaleingängen konnte ich nicht ausmachen.

Die Netzwerkbuchsen des Moon 371
Die Netzwerkbuchsen des Moon 371

Im zweiten Schritt widme ich mich noch der analogen Verstärkersektion – hier füttere ich den Moon 371 mit den analogen Signalen aus meinen D/A-Wandlern, die zuvor abwechselnd mit dem Quad-3CDT-CD-Transport beziehungsweise meinem Cambridge Audio CXN (V2) mit Digitaldaten beschickt wurden; ganz am Ende drehen wir dann noch eine Vinylrunde, gehen also auf die interne Phonovorstufe des Moon 371 ein.

Moon 371: Hörtest und Vergleiche

Der Moon 371 ist kein Gerät ohne Eigenschaften, das einfach überall auf der „audiophilen Mittellinie“ unterwegs ist. Das zeigt sich bereits bei der Tonalität, die im digitalen wie im analogen Zweig weniger steril-nüchtern rüberkommt, als dass sie hier und da ein gewisses Quantum an „Saftigkeit“ und einen Schuss Wärme mitbringt. Ja, wenn unser Proband ein Rotwein wäre, würde ich ihm bescheinigen: „Der ist gut ausgebaut.“ Vor allem im Untergeschoss.

Interpol / InterpolMögen Sie eine Bassdrum, die sich auch in den eigenen vier Wänden richtig nach Bassdrum anfühlt? Dann sind Sie hier richtig. „Safe without“ von Interpol beginnt mit einem kurzen Drum-Intro, bei dem man das Fell der Bassdrum geradezu vor dem geistigen Auge flattern sieht. Der Moon 371 geht richtig tief herunter und überzeugt mit Spannkraft, Druck und Vehemenz. Nicht mit Überbetonung wohlgemerkt, aber mit offensichtlich großzügig bemessenem Hubraum. Und es geht noch tiefer: In The Notwists „Run Run Run“ gibt es einen Instrumentalmittelteil, in dem punktierte Sequencer-„Blobs“ treppabwärts in den Subbassbereich hinabsteigen: Überhaupt kein Problem für den kanadischen Multiinstrumentalisten, hier wird bis ans Ende der Fahnenstange (oder der des angeschlossenen Lautsprechers) durchgereicht: Herrlich! Künstlich angedickt wirkt es im Tiefbass dabei nicht, doch man spürt, dass die Verstärkersektion des Moon ordentlich Reserven hat.

Der Moon 371 von vorne, leicht angewinkelt
Das verglaste 17-Zentimeter-Farbdisplay des Moon 371 ist auch aus der Ferne noch bestens abzulesen

Den eigentlichen, oben erwähnten Einschlag von „Wärme“ finde ich vor allem zwischen Oberbass und unterem Mittenband vor: Reichhaltige (elektro-)akustische Arrangements wie in Midlakes „A bridge to far“ zeigen sich farbstark und leicht euphonisch; Gitarren in den unteren Lagen, aber auch Bässe in oberen Lagen wirken ein Spürchen sonorer als bei anderen Geräten wie beispielsweise dem Marantz Model 10 (14.500 Euro), der meiner Erfahrung nach kein Jota von einem linealglatten Frequenzgang abweicht. Auch diese Erzneutralität hat ihre Reize – hier beim Moon 371 finde ich aber den kleinen, wohldosierten Extra-Teelöffel „Wohlklang“ ganz angenehm.

The Gun Club / Lucky JimJe weiter wir in höhere Frequenzlagen vordringen, desto neutraler wird die Gangart des Kanadiers dann wieder. Im Hochton agiert er außerordentlich durchlässig – und kein bisschen schönfärberisch. Wenn die Höhen in einer Aufnahme mal richtig beißen, wie im ausufernden Gitarrensolo von The Gun Club / „Anger blues“, dann kachelt der Moon 371 den zunehmend schroffen Gitarren-Twang unverstellt in den Hörraum – anders als mein Audio Note UK Cobra (5.500 Euro), der nach oben heraus britisch-höflich verrundet. Tonal zeigt sich „Team Kanada“ summa summarum also „links der Mitte“ bis in den Oberbass hinab minimal betont, der Rest des Frequenzbands wirkt überwiegend glatt.

Von der Quantität zur Qualität

Ich erwähnte es schon: Das Klangbild des Moon 371 wirkt trotz des kleinen Extraquantums Wärme zu keiner Zeit „gemütlich“. Nein, er ist flink unterwegs und unterlegt den überwiegend neutralen Teil des Frequenzbands mit sehr viel Transparenz und Auflösung feiner Details. Nehmen wir die gut abgehangene Nummer „Wouldn’t it be good“ von Nik Kershaw, hier ertönen in der zweiten Strophe halblinks im Panorama kleine, abgezirkelte „Pinselstriche“ mit dem Synthesizer. Diese lassen neben der eigentlichen Tonhöheninformation auch ein kleines, heiser-grissliges Rauschen vernehmen, ähnlich dem Anblasgeräusch einer Querflöte. Dieses Detail arbeitet der Moon 371 perfekt heraus, es „säuft“ nicht neben den recht wuchtigen Drums und dem quengeligen Organ von Kershaw ab. Ebenso gut hört man in „Through the Barricades“ von Spandau Ballet (jaja, ich hatte mal wieder eine 80-er-Jahre-Phase beim Hören), dass bei den Vocals im Intro nicht gerade ein Hallgerät erster Güte zum Einsatz kommt: Insbesondere die S-Laute zischeln ordentlich und wirken, als wären deren Hallfahnen länger als die anderen – gerade letzteres habe ich in dieser Deutlichkeit beispielsweise bei der Streamer-Endstufen-Kombi Gold Note DS-10 / PA10 Evo Line (5.200 Euro) nicht wahrnehmen können. Ja, es ist wohl diese Mischung aus milder Euphonie bei gleichzeitigem Detailreichtum, die den besonderen Reiz des Moon’schen Klangbildes ausmacht.

Lautsprecherterminal des Moon 371
Das Lautsprecherterminal des Moon 371: Ein Klemmen-Paar pro Kanal reicht, ist offenbar die Devise der Kanadier

Dynamik und Tempo

Notwist / News from Planet ZombieDarauf zahlt auch ein, wie der Moon mit den Bereichen Dynamik und Tempo umgeht. Fest steht: Der Moon 371 ist ein flinkes Kerlchen, das über das ganze Frequenzband hinweg sehr schnell und durchzugsstark agiert. Ich erwähnte ja schon die kraftvollen Bassdrums und die Synthie-Blobs, die nicht nur mit ordentlich Druck, sondern auch sehr flott in den Raum gestellt werden. Stakkatoartiges Spiel auf Hi-Hat und Snare wie in The Notwists „The Turning“ vom neuen Album News from Planet Zombie wird ebenfalls mit maschinengewehrartiger Präzision abgeliefert. Plötzliche Lastwechsel aus dem Nichts heraus lassen den Moon 371 komplett kalt, die werden einfach durchgereicht.

Doch auch wenn wildes Getöse herrscht, werden dynamische Feinheiten mit beeindruckender Präzision modelliert. So herrscht in Interpols „All of the ways“ eine absolut sinistre Grundstimmung, mit wuchtigen Basstönen, scheppernder Gitarre und einer ganz nach vorne gemischten Stimme. Trotzdem kann man zugleich halbrechts einen recht leise aufspielenden Synthesizer vernehmen, dessen Klangbild wabert, ja, fragil zu zittern scheint. Man hat mit dem Moon 371 stets das Gefühl, dass selbst in sturmumtoster See noch das schwache Glimmen einer beleuchteten Boje ausgemacht werden kann. Ziemlich cool – auch angesichts der Preisklasse, denn eine ähnliche „Gutsortiertheit“ und gleichzeitige Zackigkeit erhält man fürs Geld längst nicht immer. Qualitativ erinnert mich das Gebotene in der Verstärkersektion durchaus an meine Valvet A4-MK2-Monoblöcke (circa 6.000 Euro damals), Respekt.

Der Lautstärkeregler des Moon 371
Etwas „Grundpegel“ tut dem Klangbild des Moon 371 gut

Eine grundsätzliche Erfahrung möchte ich Ihnen aber nicht verschweigen: Der Moon 371 braucht ein kleines bisschen „Auslauf“. Mir kam es jedenfalls so vor, dass er bei ausnehmend leiser Betriebsart ein wenig von seiner Dynamik und Spannkraft einbüßt. Sollten Sie also in einem winzigen Hörraum unterwegs sein, ausschließlich bei Nacht Musik hören und dabei nicht die Nachbarn stören wollen: Könnte schon sein, dass der 371 nicht der optimale Amp für Sie ist. Ab dezenter Zimmerlautstärke sind Sie auf der sicheren Seite, optimal wird’s weiter aufwärts, da spielt der Amp die vorgenannten Talente kompromisslos aus.

Die Bühne

Beim Bühnenbild zeigt sich der Moon 371 auf einem praxisnahen Kompromisskurs – weder pragmatisch-nüchtern noch über Gebühr ausladend. Die Bühne geht nicht allzu sehr auf den Hörer zu, es liegt aber auch kein Orchestergraben zwischen Hörplatz und Lautsprecher – irgendwo in der Mitte liegt die Wahrheit.

Der Moon-Streamingverstärker 371, leicht rechts angewinkelt

Erfreulich ist die sehr plastische Modellierung der Schallquellen; bei Phasenverschiebungs-Effekten kann das Klangbild auch schon mal etwas seitlich an den Boxen vorbeiziehen, im Großen und Ganzen spielt es sich aber in einer organisch-natürlich wirkenden Sphäre ab. Das ist solide Kost, befindet sich aber nicht ganz in der „3D-Liga“ anderer mir bekannter Verstärker wie zum Beispiel der des erwähnten Audio Note Cobra, dem ich diesbezüglich fast schon Referenzstatus verleihen möchte – der im Gegenzug jedoch deutlich weniger Leistung aufs Tapet bringt und dynamisch nicht so auf Zack ist wie der Kanadier. Streamen kann der Röhren-Amp ebenfalls nicht.

Exkurs: Analogeingänge – Hochpegel und Phono

Ich hatte es ja versprochen. Wir lassen auch nochmal analoge Quellgeräte ran. Hier ist sehr Positives zu vermelden. Ohne dass der Moon 371 seine zuvor beschriebene grundsätzliche Gangart verleugnen würde, zeigt er sich doch hinreichend durchlässig für Quellen, die von außen kommen, er kann Unterschiede recht deutlich herausarbeiten.

Ich habe derzeit zwei DACs am Start: Den farbstarken, kraftvollen und nach vorne spielenden HenryAudio DA256 – und den unglaublich rein und sehr analog, aber dynamisch etwas zurückgenommen klingenden Denafrips Enyo 15th, mein Preis-Leistungs-Geheimtipp im Bereich Ladder/R2R-Konzept. Keine Frage: Diese Klangunterschiede kann der Moon 371 mit hohem Wiedererkennungswert aufzeigen, was für seine Feinzeichnung, seinen Detailreichtum und seine gute Auflösung spricht.

Die Rückseite des Moon-Verstärkers 371
Anschlussfreudig: Auch die analogen Eingänge des Moon 371 zeigen sich von der transparenten, durchlässigen Seite – und der verbaute Phono-Pre ist richtig gut

Und der Phonoeingang ist richtig super: Zwar bietet er keine Einstellung von weiteren Parametern (außer der Anwahl von MM und MC, versteht sich), doch er harmoniert ganz ausgezeichnet mit meinem MM-Tonabnehmer Rega-Nd5. Derzeit habe ich die FONO MM MK5 von Rega als Phonovorstufe zu Gast, die qualitativ deutlich oberhalb ihrer Preisklasse (300 Euro) aufspielt; hier indes kann der Moon 371 nicht nur mithalten, er gefällt mir sogar einen Zacken besser, weil er gerade an den Frequenzgangenden die erstaunlichen Potenziale des Nd5 deutlicher heben kann, mithin breitbandiger und auch anmachender aufspielt. Keine Frage: Die verbaute Phonovorstufe ist keine Alibi-Lösung, die kann was!

Testfazit: Moon 371

Der Moon 371 ist ein Paradebeispiel dafür, wie überzeugend ein moderner Streaming-Verstärker heute ausfallen kann. Die Kanadier verbinden eine geradezu vorbildliche Ausstattung mit hoher Fertigungsqualität, praxisgerechter Bedienung und einem Klangbild, das Eigencharakter besitzt, ohne sich in Effekthascherei zu verlieren.

Blick auf die Front und das Display des Moon Streaming-Verstärkers 371
Der Streaming-Verstärker Moon 371 überzeugt mit vorbildlicher Ausstattung, hoher Fertigungsqualität – und einem Klangbild mit Charakter: Tonal etwas sonor gehalten, punktet er insbesondere dynamisch und mit hoher Auflösung

Besonders stark ist der Moon 371 dort, wo manch ein Komplettgerät schwächelt: im Bassfundament, in der dynamischen Spannkraft und in der Fähigkeit, Übersicht, Detailreichtum und Musikalität unter einen Hut zu bringen. Der Klang ist nicht knochentrocken-neutral, sondern gönnt sich im unteren Frequenzbereich und Grundton einen kleinen Schuss Wärme und Saftigkeit. Das macht den Vortrag körperhaft, farbig und involvierend, ohne in Richtung Weichzeichner abzudriften, denn zugleich bleibt der Moon schnell, transparent und sauber aufgelöst. Auch funktional gibt sich der 371 kaum eine Blöße: Streaming, DAC, Analog-Eingänge und selbst die Phonostufe sind auf bemerkenswert hohem Niveau. Gerade Letztere ist weit mehr als ein Pflichtprogramm und erhöht den praktischen Wert des Geräts zusätzlich.

Der Moon 371, perspektivisch angeschnitten

Ganz kritiklos fällt das Bild dennoch nicht aus. Die Raumabbildung ist gut und plastisch, aber nicht spektakulär dreidimensional/weitläufig. Zudem scheint der Verstärker ein wenig Pegel zu mögen: Bei sehr niedrigen Lautstärken wirkt er nicht ganz so souverän und „spannkräftig“ wie im optimalen Arbeitsbereich. Unterm Strich ist der Moon 371 aber ein außerordentlich gelungener Streaming-Verstärker mit echter Schaltzentralen-Begabung. Wer ein hochwertiges, klangstarkes und vielseitiges Komplettgerät sucht, das Kraft, Feinsinn und Alltagstauglichkeit überzeugend vereint, sollte ihn weit oben auf die Liste setzen.

Steckbrief Moon 371:

  • Die Tonalität ist über weite Strecken ausgewogen, jedoch nicht kühl-analytisch. Im Bass- und Grundtonbereich mit einem wohldosierten Plus an Wärme, Saftigkeit und Körper. Nach oben hin zunehmend neutraler.
  • Bass: eine große Stärke. Tiefreichend, druckvoll und spannkräftig, mit sehr guter Kontrolle und klarer Hüllkurventreue. Kein übertriebenes Andicken, sondern hörbare Leistungsreserven.
  • Die Mitten zeigen sich farbkräftig, leicht euphonisch und angenehm substanziell. Stimmen und Instrumente profitieren von der satten, aber nicht verhangenen Abstimmung.
  • Der Hochton wirkt durchlässig, sauber und unverstellt. Keine Schönfärberei, sondern ehrliche Wiedergabe mit Offenheit und Attacke.
  • Auflösung und Detailgrad sind hoch und der Preisklasse mehr als angemessen. Feine Texturen, kleine Nebengeräusche und produktionstechnische Eigenheiten werden klar hörbar, ohne das Klangbild zu sezieren.
  • Dynamik & Tempo: sehr stark. Schnelle Lastwechsel, präzise Impulse und hohe Durchzugskraft gehören klar zu den Talenten des Moon 371. Auch bei komplexem Material bleibt er sortiert. Klingt mit etwas „Grundpegel“ am besten: Bei sehr niedrigen Lautstärken etwas weniger zupackend als im mittleren oder oberen Arbeitsbereich.
  • Die Räumlichkeit ist preisklassentypisch solide bis gut. Plastische Schallquellenmodellierung und organische Abbildung, insgesamt praxisnah und natürlich, aber nicht von der spektakulär-ausladenden Sorte.
  • Hochwertig verarbeitetes Aluminiumgehäuse, sehr gutes Display, gelungene Haptik. Die MIND-App wirkt optisch nicht ganz auf der Höhe der Zeit, lief im Test aber ohne einen einzigen Patzer stabil und intuitiv. Schön auch, dass für Streamingdienste die jeweiligen Connect-Varianten implementiert sind, was den vorgenannten (kosmetischen!) Kritikpunkt zu nivellieren vermag.

Fakten:

  • Modell: Moon 371
  • Konzept: Streaming-Vollverstärker
  • Preis: 6.800 Euro
  • Analogeingänge: 2 x Hochpegel (XLR, Cinch), 1 x Phono (MM/MC)
  • Digitaleingänge: HDMI ARC, Toslink, 2 x S/PDIF koaxial, Streaming via Netzwerk (LAN) und USB-C Host (Speichermedien), Bluetooth 5.0
  • Ausgänge: 1 x Lautsprecherterminal, 1 x Pre Out
  • Ausgangsleistung: 100 Watt an 8 Ohm
  • Maße & Gewicht: 429 x 87 x 385 mm (BxHxT), 9 kg
  • Garantie: 10 Jahre
  • Weitere Informationen auf der Webseite des Herstellers

Vertrieb:

Dynaudio Germany GmbH
Ohepark 2 | 21224 Rosengarten
Telefon: +49 (0)4108 – 4180-0
E-Mail: info@dynaudio.de
Web: https://simaudio.com/en

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    Über die Autorin / den Autor

    Profilbild von Jochen Reinecke Jochen Reinecke

    Equipment

    • Analoge Quellen:
      • Plattenspieler: Rega Planar 3 RS-Edition mit NEO PSU Mk2
      • Tonarm: RB330-Tonarm
      • Tonabnehmer: Rega Nd5 (MM), Rega Ania (MC)
    • Digitale Quellen:
      • D/A-Wandler: Denafrips ENYO 15TH, HenryAudio DAC256
      • CD-Player: Rotel CD11 Tribute, QUAD 3 CDT
      • Streamer: Cambridge Audio CXN (V2)
      • Sonstiges: Farad Power Supplies Super3 (PSU)
    • Vollverstärker:
      • Audio Note Cobra, Marantz PM7000N
    • Vorstufen:
      • Hochpegel: Khozmo Passive ZFoil-Ladder-Vorstufe, Tsakiridis Alexander (Röhre), Vincent SA-32 AE (Hybrid)
      • Phonoverstärker: Tsakiridis Alexander (Röhre)
    • Endstufen:
      • Valvet A4 MKII Monos, Abacus Electronics Ampollo Dolifet
    • Lautsprecher:
      • Audes Maestro 116, Fyne Audio Classic VIII SM, Harbeth P3ESR XD
    • Kopfhörer:
      • Sennheiser HD 800S, Cambridge Audio Melomania A100
    • Kabel:
      • Lautsprecherkabel: Analog Tools CU-Line, StudioConnections Reference
      • NF-Kabel: Boaacoustic Evolution Black.xlr und Black.rca2
      • Digitalkabel: Oehlbach XXL Series 7 MKII (Coax), Oehlbach XXL Serie 80 (Toslink)
    • Zubehör:
      • Stromfilter: Adam Hall AHPCS10 Power Conditioner/Netzfilter
      • Sonstiges: bFly Pure Absorber, bFly Talis, Auralex Subdude Lautsprecherbasen, Creaktiv SC 440 Gerätebasen
    • Größe des Hörraumes:
      • Grundfläche: 18 m²
      • Höhe: 2,70