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Moon Neo 230HAD: So klingt’s …

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Moon 230HAD mit Kopfhörer

Den Beginn der Hörrunden markiert etwas Druckvolleres: The Dead Weathers Erstling Horehound (auf Amazon anhören). Der Moon Neo wird zunächst analog angeschlossen, um nur dem Verstärker an sich auf den Zahn zu fühlen. Bereits bei den ersten Tönen wird offensichtlich, dass der 230HAD ein äußerst ehrlicher und kontrollierter Verstärker ist. Damit diese Aufnahme Freude bereitet, muss ein Verstärker den Kopfhörer über den gesamten Frequenzbereich wirklich kontrollieren. Nur so werden die kleinen Details richtig herausgearbeitet und kommt die Vehemenz der Musik involvierend the dead weatherbeim Hörer an. Unser Proband leistet hier volle Arbeit und liefert meinen Ohren ein wahres Feuerwerk.

Die kleinen, aber dennoch so wichtigen Nuancen arbeitet er mühelos heraus, ohne großes Aufheben darum zu machen. Genauer: Er stellt sie nicht künstlich hervorgehoben in den Vordergrund, sondern stellt sie „lediglich“ realistisch dar. In diesem Zusammenhang zeigt sich auch keine echte Präferenz zu verschiedenen Kopfhörern. Der Moon 230HAD spielt einfach. Ist ein niederohmiger ohraufliegender Hörer wie der Alessandro MS-1 angeschlossen, hört man die Details genauso heraus wie mit einem hochohmigen ohrumschließenden Modell wie dem Sennheiser HD650.

The Dead Weather liefern häufig ein intensives Gegenspiel aus Schlagzeug und Gitarre. Mit keinem der beiden Hörer wirken Bass oder Höhen übermäßig betont oder hervorgehoben. Der Moon 230HAD stellt sich hier als Werkzeug in den Dienst der Wiedergabe und tritt absolut in den Hintergrund. Naja, eigentlich stimmt das doch nicht. Denn diese Spielweise ist – im positiven Sinne – schon auffällig in Relation zu anderen Verstärkern. Wer den Moon als Upgrade zu einem typischen internen Verstärker einsetzt, wird einen großen Sprung in der Wiedergabequalität erleben. Im direkten Vergleich zum integrierten Verstärker meines Sony SCD-XB790 spielt der Moon deutlich luftiger und losgelöster. Die Instrumente haben den nötigen Raum um sich herum und die Töne können sich schön plastisch ablösen. Im Kontrast mit den typischen integrierten Kopfhörerlösungen stellt er mit Sicherheit ein großes Upgrade dar. Doch auch verglichen mit anderen Kopfhörerverstärkern zeigt der 230HAD seine Stärken. Der Sprung in puncto Kontrolle gegenüber einem sehr guten Einsteigerverstärker wie dem Corda Jazz ist deutlich zu erleben, speziell mit anspruchsvolleren Kopfhörern. Hier macht sich unter anderem das überdimensionierte Netzteil bemerkbar. Für Fans der klaren, kontrollierten Spielweise ist der Moon eine kleine Offenbarung.

Moon 230HAD Kopfhörerverstärker seitlich

Manchmal sind es nicht zuletzt die kleinen Dinge, die einem Freude machen. Im Falle des Moon bin ich begeistert über das extrem geringe Grundrauschen, welches nur in Verbindung mit sehr sensiblen Kopfhörern bei voller Stellung des Potis überhaupt auszumachen ist. So muss eine moderne Verstärkerschaltung ausgelegt sein. Ebenfalls gefällt mir der Regelbereich des Moon Neo 230HAD sehr gut. Bei angenehmer Lautstärke befindet man sich außerhalb des unteren Regelbereichs des Potis, so dass eine hohe Gleichlaufsicherheit unterstützt wird – und dennoch bleibt nach oben genug Luft, um auch anspruchsvolle Treiber zu befeuern. Viele dieser Kleinigkeiten sind keine unbedingen „Must-Haves“, unterscheiden aber einen günstigen Verstärker mit sehr guter Leistung von den wirklich durchdachten Geräten. Der Moon bietet hier für seinen Preis eine klare Mehrleistung.

rebecca pidgeonDas sehr gute Auflösungsvermögen des Moon 230HAD zeigt sich auch bei einem der Standardsongs für viele Audiotests: „Spanish Harlem“ von Rebecca Pidgeon (auf Amazon anhören) im Chesky Mastering. Gewählt habe ich diese Aufnahme, da sie mir in den verschiedensten Dateiformaten vorliegt. Zunächst wird der Moon analog gefüttert: Per SACD über die Wandler des kleinen Sony sowie mittels PCM-Signal vom Sony und weiter über meinen D/A-Wandler Musical Fidelity X-DACv3. Die einzelnen Nuancen zum Beispiel der Chimes geraten in beiden Fällen sauber aufgelöst und differenziert. Diese Stärke wohnt bereits den analogen Verstärkerzügen des 230HAD inne, sprich sorgt bei Nutzung der analogen Cincheingänge für Zufriedenheit, erstreckt sich jedoch auch auf den digitalen Bereich.

So erlebe ich im Digitalbetrieb (in diesem Fall per koaxialem S/PDIF aus dem CD-Player direkt in den Moon) die gleiche hohe Auflösung wie ich sie von meinem Musical Fidelity X-DAC v3 mit PSU kenne. Der Digitalbereich des Moon Neo 230HAD ist auf keinen Fall eine Engpassstelle. Im Gegenteil: Möchte man ihn als Komplettlösung unmittelbar an eine digitale Datenquelle anschließen, verschenkt man bezüglich der Detaildarstellung keinerlei Qualitäten. DAC und Verstärker weisen das gleiche sehr hohe Auflösungsniveau auf.

Moon 230HAD Kopfhörerverstärker Klinke

Um dem DAC des Moon Neo 230 HAD noch etwas mehr auf den Zahn zu fühlen, verbinde ich ihn als nächstes per USB an den PC und füttere ihn mit verschiedenen Formaten von „Spanish Harlem“, die sich auf der Platte befinden (dazu zählen 44,1 kHz/16 Bit Redbook, 44,1 kHz/32 Bit und 176,4 kHz/24 Bit Flac und DSD dff). Zunächst sei erwähnt, dass alle problemlos und ohne Murren verdaut werden. Die Formaterkennung und entsprechende Umschaltung erfolgt erstaunlich schnell und stört so den Musikfluss nahezu gar nicht. Da sind mir schon deutlich wählerische Geräte untergekommen. Es können also Dateien diverser Formate bunt durcheinander abgespielt werden. Der Moon-Wandler akzeptiert generell sowohl PCM bis zu 384 kHz/24 Bit als auch DSD 256.

Beim Durchhören weiterer verschiedener Dateien per USB fällt mir außerdem die „Gutmütigkeit“ des Wandlers auf. Zwar zeigt er komprimierter Musik eindeutig deren Grenzen auf und speziell die zuvor erwähnte Luftigkeit geht verloren, dennoch gerät die Darstellung nie übertrieben abwertend. Fehler, seien sie im Master oder aber in der Komprimierung vorhanden, werden mit dem 230HAD klar und deutlich dargestellt, jedoch nicht in den Vordergrund gerückt. Die Freude am Hören bleibt komplett gewahrt. Wechselt man jedoch zu höherwertigem Quellmaterial, ist die Aufwertung klar nachvollziehbar. Der Moon erweist sich daher auch als exzellentes Gerät, um Quellen oder Kopfhörer zu testen oder zu vergleichen.

Moon 230HAD Kopfhörerverstärker Anschlüsse hinten

Dank dieser Charakteristik gibt er einen hervorragenden Spielpartner für meinen AKG K701 bei Klassikaufnahmen ab. Dieser AKG spielt eher nüchtern und reißt einen wenig mit. Er verlangt nach guter Kontrolle, um wirklich aufzuleben. Die Requiem-Einspielung unter Barenboim in der Scalahat (auf Amazon anhören) bereitet mir im Zusammenspiel mit dem 230HAD große Freude. Bei „Dies Irae“ werden die Pauken mit absolut glaubwürdiger Vehemenz dargestellt, und das bei einem Hörer, welcher nicht gerade für seinen Bassdruck bekannt ist. Diesen angenehmen Zug kenne ich bereits von meinem HeadAmp GS-1. Ein Verstärker mit hervorragender Kontrolle und Luftigkeit vermag durch den Kontrast zwischen ruhigen Stellen und den Bassschlägen auch mit einem Kopfhörer, der keinen hohen Bassdruck aufbauen kann, die nötige Tiefton-Glaubwürdigkeit zu erzeugen. Dank der hohen Impulstreue des Moon im Analog- wie Digitalbetrieb wird dieses Verhalten noch weiter unterstützt. Auf der anderen Seite tönt die gleiche Passage mit einem basskräftigen Hörer wie dem Sennheiser HD650 nicht überladen. Die hohe Kontrolle unterbindet hier einen ausufernden Bassbereich effektiv.

Im Hochton gibt sich der Moon ebenso ehrlich. Ein typischer Test für mich ist hier Katie Meluas Erstling Call Of The Search (auf Amazon anhören). Die Höhen sind bei diesem Album leider etwas übersteuert, was auch mit dem 230HAD sofort ins Ohr fällt. Dennoch gelingt es ihm, katie meluasowohl den Weg der ehrlichen als auch dem Musikgenuss dienlichen Darstellung einzuschlagen: Die Fehler werden nicht übermäßig in den Vordergrund gerückt und fallen beim Hören keinesfalls alle paar Sekunden erneut negativ auf, so dass man sich aufs musikalische Geschehen emotional einlassen kann. Der DAC im Moon geht hier noch etwas sachlicher zu Werke als mein X-DACv3. Während letzterer ganz leichte Wärme in den Hochton bringt und das Klangbild so noch etwas gefälliger und grundtonverbundener werden lässt, gibt sich der Moon-Wandler tonal minimal kühler und ist hier näher an der Wahrheit, so dass man den puren Mikrofonklang mit ihm besser ausloten kann.

Moon 230HAD Kopfhörerverstärker LEDs

Im wichtigen Mitteltonbereich setzt sich die Neutralität fort. Stimmen mit echtem Fundament wie Thomas Quasthoff auf seinem Popalbum Tell It Like It Is (auf Amazon anhören) fehlt es nicht an Substanz. Im Gegenteil – es ist mit dem Moon sogar relativ gut möglich, eine quasthoffnatürliche direkte Aufnahme wie die Quasthoffs zu identifizieren oder aber eine künstliche softwareseitige Stimmanpassung, wie sie bei moderner Popmusik gern gemacht wird, zu entlarven. Bei der natürlichen Aufnahme erlebt man das Zusammenspiel von Stimme und Volumen, wie man es etwa von der Opernbühne kennt: Das durch den Körper vermittelte Fundament variiert abhängig von der Tonlage. Bei vielen „Studioarbeiten“ hingegen wird einfach nur pauschal Volumen hinzugeführt. Dies sorgt bei den hohen Tonlagen für ein Volumen, welches vom Sänger eigentlich nicht erzeugt wurde.

Die große Stärke des Neo 230HAD im Mitteltonbereich liegt in der Tatsache, dass der Verstärker trotz dieser realistischen Substanz die bereits angesprochene nötige Luft um Stimmen oder Instrumente darstellen kann. Häufig findet die Substanz lediglich durch eine künstliche Aufdickung der Mitten mittels Anhebung des Grundtons Einzug ins Klanggeschehen – im Prinzip sehr ähnlich der klanglichen Softwaretrickserei, die ich zuvor beschrieben habe, jedoch diesmal per Verstärkerschaltkreis. Was häufig einhergeht mit einem Verlust an Luftigkeit und auch Kontrolle über den Hörer. Die hohe Kontrolliertheit des Moon im Zusammenspiel mit den verschiedensten Hörern verleiht Stimmen/Instrumenten aber stets das nötige Volumen, ohne diese aufzudicken. Wer diese Klangcharakteristik einmal erlebt hat, wird wissen, was ich meine – im direkten A-B-Vergleich ist das leicht nachzuvollziehen.

Moon 230HAD Kopfhörerverstärker Trafo

Die Bühnendarstellung des Moon befindet sich auf sehr hohem Niveau. Im Analogbetrieb ist er nahe an meiner persönlichen Referenz, dem Headamp GS-1. Auch dank der Luftigkeit steht allen Instrumenten genug Raum zur Verfügung und die absolute Ausdehnung der dargestellten Bühne variiert ebenfalls hervorragend mit der Aufnahme. Der Neo 230HAD kann sowohl kleine Studios als auch große Hallen. Im Digitalbetrieb bleiben zwar die Größendarstellungen einzelner Instrumente erhalten, jedoch ist die Raumdarstellung als Ganzes etwas weniger klar umrissen. Die Größenunterschiede zwischen verschiedenen Studioräumlichkeiten sind dadurch etwas weniger eindeutig herauszuhören. Ich möchte aber betonen, dass es sich hier um Nuancen handelt. Insgesamt bewegt sich der Moon 230HAD auf einem absolut hohen Niveau.

Moon 230HAD Kopfhörerverstärker Front

Test: MOON Neo 230HAD | D/A-Wandler

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