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Norddeutsche HiFi-Tage

Klang McIntosh MA5200 (Teil I)

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  1. 2 Klang McIntosh MA5200 (Teil I)

McIntosh ist für HiFi-Equipment ungefähr das, was Harley-Davidson für Motorräder und Cadillac fürs Automobil darstellt beziehungsweise darstellte: eine US-Design-Ikone. Nun könnte man – vorurteilsgeleitet – vermuten, dass es auch akustisch breitspurig und ausladend zugehen wird. Was nichts Schlechtes sein muss. Allein, das Klischee greift nicht, zumindest nicht im Fall des MA5200. Der kleine McIntosh spielt eher feinfühlig-charmant und ausgeglichen. Keinesfalls gibt er den Haudrauf, zieht keine Show ab, die zehn Minuten lang beeindruckt und dann bald nervt. Der McIntosh MA5200 besitzt ein harmonisches Naturell, verfügt aber über genug Pep und Kraft, um keine Langeweile aufkommen zu lassen.

McIntosh MA5200

Die generelle tonale Perspektive ist ausgeglichen. „Warm“, wie es McIntosh häufiger unterstellt wird, würde ich so nicht unterschreiben wollen. „Im Grundton minimal mehr, ab Übergang Mitten/Hochton minimal weniger“ – okay, darauf können wir uns einigen. Wobei ich das Wörtchen „minimal“ betont wissen möchte, denn echte Schlagseite geht ganz anders.

Blick ins Innere: an den Seiten sitzen die Endtransistoren
Blick ins Innere: an den Seiten sitzen die Endtransistoren

Woran ich das festmache? Ein Beispiel sind Frauenstimmen, die angenehm offen, aber eben auch körperhaft/geerdet dargestellt werden. An manchem Zungenschlag, mancher Lippenbewegung war ich gleichwohl schon mal „gefühlt näher dran“, und wäre es Ofri Brin auf On Shore Remainmit dem MA5200 wohl auch, so die Vermutung, wenn der Präsenzbereich auf „Normal Null“ angesiedelt wäre. Dieser zwar genaue, aber nicht entblößende Blick ist ein recht geschickter Schachzug: Beispielsweise kann die Stimme der Sängerin Ofri Brin auf On Shore Remain durch die sehr nahe Mikrofonierung zwar regelmäßig faszinieren, auf manchen wirkt es aber auch „pornografisch nah“ und damit unnatürlich. Mit dem McIntosh ist man nun immer noch sehr eng dran, aber es mutet wie in etwas milderes, günstigeres Licht getaucht an. Nuancen wie diese sind fürs auditive Glück zuweilen entscheidend – und dieser Ami geht ziemlich nuanciert vor.

Blick ins Innere: an den Seiten sitzen die Endtransistoren

Was ist mit Männerstimmen? Die kommen angenehm volltönend, rund und mit Zeichnung rüber. Aber eben auch nicht gleich supersonor oder gar aufgepumpt. Die Tonalität des McIntosh MA5200 wirkt sich eher ganz leicht mildernd obenrum aus denn als richtiggehende (von „unten“ kommende) Wärmewelle. Einen weiteren Beleg dafür gaben mir die Akustikgitarren-Pickings zu This Mortal Coil, Album: BloodBeginn des Stücks „You And Your Sister“ (This Mortal Coil, Album: Blood) ab, die ich durchaus schon härter, zackiger, straffer gehört habe. Doch offen und klar wirkt es mit dem MA5200 eben auch und darüber hinaus wird das Instrument angenehm körperhaft nachgezeichnet. Für viele Hörgeschmäcker wird das als ziemlich optimaler Balanceakt durchgehen, nicht zuletzt auch deshalb, weil dieser dafür Sorge trägt, dass mittelprächtige Aufnahmen nicht noch „vorsätzlich“ bloßgestellt werden, tolle Aufzeichnungen ihren klanglichen Charme gleichwohl versprühen können – auch wenn da in Sachen Transientenauflösung und Detaildarstellung sicherlich noch Steigerungspotenzial bleibt. Hey, hier geht es um den kleinsten Integrierten der amerikanischen Traditionsmarke. Natürlich gibt’s noch Luft nach oben.

Wie schaut es an den Frequenzbandenden aus? Obenrum wirkt es durchaus luftig und fein zerstäubt, natürlich geht da noch mehr, aber es sollte bis hierher keinesfalls der Eindruck entstanden sein, der McIntosh wirke beschnitten, trocken, leicht porös, wie das bei sehr verhaltenen obersten Oktaven vorkommen kann. Nein, tatsächlich spielt der MA5200 sogar ausnehmend geschmeidig und flüssig, die oberen Lagen besitzen eine fast schon samtige Note. Doch nie spielen sie sich „solo“ in den Vordergrund, sie dienen immer dem harmonischen Gesamtauftritt. Gleiches lässt sich über das Untergeschoss behaupten. Mit Nachdruck, aber ohne Blähbauch geht’s dort zur Sache und im Zweifel eher etwas saftiger als extra-dry. Vulgo: Kontur, ja – eiserner Durchgriff, nein.

McIntosh MA5200

Einen Amp der gleichen Preisklasse hatte ich im Testzeitraum leider nicht zur Verfügung. Aber ich konnte den McIntosh MA5200 nach unten und nach oben abgleichen, sprich in Relation zum nicht einmal halb so teuren Denon-Vollverstärker PMA-2010AE wie zur dreimal kostspieligeren Vor-End-Kombination bestehend aus Octave HP300 plus Musical Fidelity M8 700m hören.

Über den fürs Geld nach wie vor gut aufspielenden Denon heißt es in meinen Notizen: „Zeichnet Instrumente und Stimmen breiter und weniger randscharf / räumlich eindimensionaler, die Tiefenstaffelung ist vergleichsweise geringer ausgeprägt / tonal etwas dunkler / geringere Auflösung, insbesondere in den oberen Lagen / weniger plastisch skulptierte Klänge“ Jedes Einzelmoment mag nichtig wirken, in der Summe hat es aber zur Folge, dass der McIntosh mich deutlich mehr in die Musik hineinzuziehen versteht, überzeugender und einfach natürlicher wirkt. Es ist nicht nur preislich, sondern auch klanglich ein Klassenunterschied zum Japaner.

fernbedienung
Die Fernbedienung des MA5200

Und in Relation nach oben? Interessanterweise könnte ich da fast das Gleiche zum McIntosh wie zuvor zum Denon schreiben (plus – banalerweise – dass dynamisch mit den leistungsstarken Musical-Fidelity-Monos natürlich mehr drinsitzt). Tja, da zeigt sich wohl wieder einmal die nach oben offene High-End-Leiter. Doch zwei Anmerkungen muss ich geben: Zum einen glaube ich, dass die tonale Gesamtbalance des McIntosh für manche Hörer gefälliger, angenehmer wirkt, auch wenn nicht diese Durchzeichnung an den Frequenzextremen erreicht wird wie mit besagter Kombi; dem Kollegen Jörg Dames beispielsweise ging es genau so. Zum anderen mag ich nicht beschwören, dass die große Kombi wirklich „plastischer“ spielt. Randschärfer und präziser abbildend, das ja. Aber dieses besondere 3D-Gefühl, mit dem Klänge nachgezeichnet werden, da muss sich der MA5200 wirklich nicht verstecken. Damit liegt er auch preisklassenunabhängig ziemlich weit vorne. Ich meine mich zu erinnern, dass ein Einstein Audio Absolute-Tune-Vollverstärker in diesem Punkt zwar nochmals mehr bieten konnte (und zwar in Relation zur Kombi und zum McIntosh), die Hand würde ich dafür aber nicht ins Feuer legen wollen. Jedenfalls geht der MA5200 in diese Richtung. Sehr angenehm.

Test: McIntosh MA5200 | Vollverstärker

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