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Manchmal stößt mein Vokabular an seine Grenzen: „Was zur Hölle soll das sein?“, entfuhr es mir, als ich zum ersten Mal im Internet den Marantz Horizon (3.800 Euro | www.marantz.com/de-de) erblickte. Die Antwort lautet: ein runder, reifenförmiger, aktiver Wireless-Lautsprecher der Superlative. Man könnte das gute Stück auch für einen vergoldeten Luxusventilator aus einem Prinzenpalast in Abu Dhabi halten, aber – ich hab’s ausprobiert – hier dreht und wirbelt nichts. Nur unsere Hündin hat nach dem Auspacken kurz hyperventiliert, weil sie es für einen XXL-Ball hielt. Aber mit 12,5 Kilo Kampfgewicht ist das Ding zu schwer zum Apportieren.
Okay, jetzt mal ernsthaft: Vor einem halben Jahr wurde noch über die wilden wirtschaftlichen Fahrwasser diskutiert, durch die Marantz, Denon und B&W glitten, aber die Marantz-Entwickler scheinen sämtliche Zustände und Spekulationen kein bisschen gekratzt zu haben, schließlich brachten sie zwischenzeitlich unter anderem eine amtliche High-End-Linie auf den Markt, etwa den Vollverstärker Marantz 10 für 14.500 Euro oder den SACD 10 für 11.000 Euro. Auch der an einen Reifen erinnernde Marantz Horizon passt in diese Schublade, schließlich kostet das gute Stück stolze 3.800 Euro. Das ist extrem viel Geld für einen einzelnen Streaming-Lautsprecher. Freilich kann man sich auch zwei davon anschaffen oder gleich einen ganzen Michelin-Mann bauen, doch dann landen wir bei mindestens 7.600 Steinchen und einem traumatisierten Hund. Aber eigentlich empfiehlt ihn der Hersteller eher als Einzelkind. „Sehr praktisch für Leute, die nur ein Ohr haben“, merkt meine Frau dazu an, und das Bild vor meinem geistigen Auge bringt mich zum Lachen.

Das edle Äußere mag täuschen: Der Marantz Horizon kann ziemlich laut werden, wenn sein Besitzer es will. Dafür sorgen sorgen insgesamt sechs Treiber im Verbund mit der Marantz-Mirage-Verstärkertechnologie: Ein von einem DSP flankierter, 310 Watt leistender Schaltverstärker neuster Generation, der mit Galliumnitrid-Feldeffekttransistoren arbeitet. Insgesamt soll sich ein besonders räumliches Klangerlebnis entfalten, zudem agiere der Amp „sehr schnell und präzise“
Purer Luxus
Wer will, kann sich auch noch einen speziellen Marantz-Dreibeinständer aus Walnussholz und Gusseisen bestellen, um den Horizon entsprechend edel und prominent auf Ohrhöhe zu positionieren. Das schlägt mit zusätzlich 750 Euronen zu Buche, aber hey: Wir nächtigen ja hier nicht in der Jugendherberge, sondern im Hotel Sacher oder Hilton. Wer noch mehr möchte, kann auch zum Marantz Grand Horizon greifen, der noch mal deutlich größer und schwerer ist (21,3 Kilo!) und das Konto mit 6.000 Euro belastet. Das hohe Gewicht bei beiden liegt vor allem auch am massiven Marmorsockel, auf dem man locker den Champions-League-Pokal oder eine Litfaßsäule orkansicher befestigen könnte.
Marantz empfiehlt unseren Horizon für kleine bis mittelgroße Räume, der Grand Horizon soll sich auch für große Zimmer eignen. Die ohrenbetäubende Maximallautstärke, die schon der „kleine“ Horizon schaffen soll (in der Spitze laut Hersteller bis zu 114,5 dB), reicht mehr als locker auch für große Wohnzimmer, wenn die Angabe stimmt. Ich habe es meinen und den Hundeohren nicht zugemutet, ans absolute Pegellimit zu gehen, aber Fakt ist: Es geht sehr laut! Farblich stehen Interessenten vor drei Varianten: Midnight Sky (wie unser Testexemplar), Moon Ray oder Marantz Champagne. Alle drei sehen geschmackvoll aus, hier sollte jeder fündig werden. Selbst das Auspacken des Wireless-Lautsprechers ist ein Erlebnis: Die Verpackung entblättert sich wie eine Blume, wenn man den edle blauen Karton nach oben wegzieht. Dazu passt die Tragetasche mit Schlaufen, in die der Marantz Horizon perfekt reinpasst – oder wahlweise auch eine Bowlingkugel oder der Ballon D’or. Alles sehr, sehr edel gemacht und praxistauglich gestaltet. Die Verarbeitung ist makellos und über jeden Zweifel erhaben, das Design mit dem schimmernden Stoffüberzug aus recyceltem Ozeanplastik wirkt außergewöhnlich.

Das Auspacken des Marantz Horizon macht durchaus Spaß, das Verpackungskonzept wirkt jedenfalls ziemlich durchdacht
Stellplatzsuche: Wohin damit?
Die Einrichtung und das Integrieren des Wireless-Lautsprechers ins Heimnetzwerk geht mithilfe der HEOS-App leicht und schnell von der Hand, wobei der Standort des Speakers beim Einrichten die wichtigste Rolle spielt. Denn dieser beeinflusst maßgeblich die Basswiedergabe. Ich habe lange überlegt, wo ich das gute Stück in meinem Maharadschapalast hinstellen soll: Ins Wellness-Spa? Neben die Bowlingbahn? Oder doch lieber in eines meiner 27 Schlafzimmer? Ich hab’s: In den Salon! Dort steht er zunächst wandnah auf einem Schränkchen zwischen Buddha und Klangschale, weshalb ich in der App „In der Nähe einer Wand oder auf einem Regal“ auswähle.
Die HEOS-App ist aus vielen Denon- und Marantz-Produkten bekannt und erledigt ihren Job auf dem iPad in Kombination mit meinem TIDAL-Account zuverlässig, obwohl die Suchfunktion manchmal ziemlich störrisch ist. Die Quellen und die Lautstärke kann man nicht nur per App, sondern auch am Marantz Horizon selbst regeln, der über einen Annäherungssensor verfügt. Tritt man nah ans Gerät, leuchten kleine, ringförmig angeordnete LEDs auf („Marantz AuraControl“). Nach rechts bedeutet: mehr LEDs leuchten – lauter. Nach links: weniger LEDs – leiser. Anfangs versuchte ich, wie beim Smartphone durch Wischen beziehungsweise Nachfahren über den Ring den Pegel einzustellen, doch das klappte kaum oder gar nicht. Dann merkte der Maharadscha: Der Ring reagiert nicht auf Streichbewegungen, vielmehr muss mit einem Finger auf die Stelle drücken, an der sich die gewünschte Lautstärke befindet. Unten am Ring befindet sich zudem eine Art Pause-Touch-Funktion. Es dauert allerdings ein paar Sekundenbruchteile, bis das Gerät die Befehle per Touch-Funktion übernimmt. Wer möchte, kann auch Sprachassistenten wie Alexa zur Steuerung der Lautstärke oder Musikauswahl verwenden. Eine klassische Fernbedienung liegt nicht bei.

Ring of Fire: Mit dem LED-Ring lässt sich der Pegel hochfahren (und wieder runter). Marantz nennt dieses schicke Konzept AuraControl
Technik & Anschlüsse
Der 165-mm-Tieftöner versteckt sich hinter der frontseitigen Abdeckung des Marantz Horizon mit goldenem Marantz-Schriftzug. Wer seitlich hineinlinst, erkennt eine wulstige Sicke, die optisch bereits anzeigt, dass hier im Tiefton einiges geht. Laut Marantz geht es bis 30 Hertz hinunter in den Basskeller. Die restlichen Treiber – drei 50-mm-Breitbänder fürs Mittenband und zwei 25-mm-Seidenkalotten-Hochtöner – stecken ebenfalls gut versteckt im Korpusring aus extrem festem Kunststoff und sollen durch ihre Anordnung eine extrem räumliche Darstellung von Musik ermöglichen. Wir werden hören. Die beiden Hochtöner sitzen links und rechts im Ring, die drei Mitteltöner oben, links schräg unten sowie rechts schräg unten. Diverse Dolby-Decoder und die intelligente Mirage-DSP-Steuerung der insgesamt sechs Treiber verstärkten laut Hersteller die 3D-Wirkung des Sounds zusätzlich. Man kann in der App drei Optionen wählen: „Auto“, „Sound Master“ (abgestimmt für kritisches Hören) und „MyMirage“. Bei Letzterem beeinflusst der Besitzer den Klang nach seinem eigenen Geschmack, indem er die drei Parameter „Wärme“, „Räumlichkeit“ und „Klarheit“ zwischen jeweils -50 und +50 einstellt.
Marantz setzt bei dem Drei-Wege-System seines Wireless-Lautsprechers auf die eigene Class-D-Verstärkerarchitektur namens „Marantz Rise“, bei der sogenannte Gallium-Nitrid-FETs (GaN-FETs) zum Einsatz kommen. Diese sollen extrem schnelle Schaltzeiten, geringere Verzerrungen und eine bessere Impulswiedergabe bewirken. Auf der Rückseite verstecken sich hinter einer abnehmbaren Blende diverse Anschlussmöglichkeiten: Neben einem optischen Digitaleingang gibt es ein analoges Cinch-Buchsen-Pärchen, eine USB-C-Schnittstelle für Speicher sowie einen Netzwerkeingang. Außerdem lässt sich der Fernseher per HDMI eARC einbinden, während drahtlose Bluetooth-Wiedergabe selbstverständlich auch möglich ist. Streaming gelingt über Airplay 2 oder die HEOS-App, in die Tidal, Amazon Music, Spotify, Soundcloud oder Deezer integriert sind. Auch Qobuz ist neuerdings am Start. Ach ja: Im Betrieb leuchtet nicht nur der Ringe vorne, sondern auch die Rückseite – und Roon ready ist unser Prachtstück auch.

Die Anschlüsse auf der Rückseite des Marantz Horizon beinhalten einen optischen Digitaleingang, eine USB-C-Schnittstelle für Speichermedien, HDMI eARC, Ethernet sowie ein Analog-Cinch-Doppel. Mit Bluetooth und AirPlay 2 ist dem Wireless-Lautsprecher ebenfalls beizukommen
Marantz Horizon: Hörtest & Vergleiche
Ich habe mich oft dabei ertappt, wie ich meinen Arbeitsbereich per Laptop in den Salon verlagert habe, um mich vom Marantz Horizon auf seinem Schränkchen beschallen zu lassen. Natürlich habe ich den Horizon auch mal an den Salon-Fernseher angeschlossen, schließlich verfügt er ja über einen HDMI-eARC-Anschluss. Klanglich macht das mit dem mitgelieferten HDMI-Kabel einiges her: Es entsteht eine breite Klangbühne, die sich zwar nicht mit einer guten Stereoanlage messen kann, aber doch erstaunlich räumlich klingt (mehr dazu später). Mir kommt eine highendige Soundbar in den Sinn, was kein Wunder ist: Der Horizon beherrscht Dolby Atmos, Dolby TrueHD, DSD Dolby Digital+ und Dolby Digital. Filmdialoge kommen klar verständlich rüber, Effekte wirken realistisch – und dank Lipsync laufen Bild und Ton zeitgleich ohne Verzögerungen. Nur optisch passt das Ganze nicht so recht zusammen, da ich leider keinen runden oder zumindest eiförmigen Fernseher besitze.

Ob im Salon oder im umliegenden Schlossgarten, in dem der Gärtner sich nebenbei gleich um die jeweils richtige Lautstärke kümmern kann: Der Marantz Horizon bietet stets einen distinguierten Auftritt
Ran an die Musik
Grundsätzlich geht es in diesem Test aber um die Musikwiedergabe dieses Wireless-Lautsprechers – und auf die wollen wir uns nun konzentrieren. Die folgenden Klangbeschreibungen gelten grundsätzlich für die neutrale „Auto“-Einstellung, die auch am ausgewogensten klingt. Hier fällt mir als erstes der Bass auf – sehr tief für ein Gerät dieser Art, außergewöhnlich sauber – auch bei hohen Pegeln. Kein Dröhnen, Schwabbeln oder unerwünschtes Mitschwingen des Gehäuses. Sprich: trotz aller Tiefe schön straff, sauber konturiert und stets ganz easy durchhörbar. Der Bass klingt im Vergleich zum ebenfalls sehr tieftonkompetenten Sonoro Meisterstück Gen. 2 (1.499 Euro) konturierter und definierter, und erzielt einen ähnlich guten Tiefgang. Das zeigt sich zum Beispiel bei „By Your Side“ vom brandneuen VNV-Nation-Album Construct. Das rein elektronische Stück weist einen sehr tiefen Bass auf, der schnell ins Schwammige kippen kann, wenn es an Präzision mangelt. Der Marantz Horizon stellt das Geschehen trotz seines immensen Tiefgangs mit klaren Konturen dar, ohne sich dabei unbotmäßig aufzuplustern.
Feines und Grobes
Auch die Grobdynamik überrascht für einen Streaming-Single-Lautsprecher positiv: Der Horizon packt ordentlich zu und geht explosiv zur Sache, wenn es die Musik hergibt. Zum Beispiel beim Rage-Against-The-Machine-Klassiker „Killing In The Name“ aus dem Jahr 1992, der die Crossover-Band aus Los Angeles über Nacht ins Rampenlicht rückte. Nachdem Zack de la Rocha gegen Ende sein „Fuck you, I won’t do what you tell me“ erst geflüstert und dann gebrüllt hat, explodieren Bassgitarre und Schlagzeug regelrecht – es wird unheimlich viel Energie frei. Der Marantz Horizon bringt diesen Pegelsprung nahezu ansatzlos und schön zackig rüber und lässt dabei vergessen, dass es sich hier im Prinzip nur um einen einzigen Lautsprecher handelt. Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte ich mit geschlossenen Augen fast meinen, es mit einer kleinen Stereoanlage zu tun zu haben. Er agiert hier auch zackiger und schneller als Sonoros Meisterstück – und meinen schon etwas älteren Bluesound Puls Mini (1. Generation, damals circa 600 Euro) steckt er grobdynamisch sowieso locker in die Tasche.
Feindynamisch zeigt der schicke Japaner einen angenehm geschmeidigen, fließenden Charakter – besonders bei geringen Pegeln. Statt jedes kleinste Detail analytisch herauszuschälen, formt er das musikalische Geschehen zu einem harmonischen Ganzen, das organisch wirkt. Wer die Lautstärke etwas anhebt, wird mit zunehmend klarer gezeichneten Abstufungen und feinerer Kontur belohnt. Das offenbart sich beispielsweise bei „Black Swan“, dem aktuellen Album der deutschen Post-Punk- und Wave-Helden Pink Turns Blue um Frontmann Mic Jogwer. Das einleitende Klavier lässt der Marantz Horizon atmosphärisch in den Raum treten – weniger sezierend als vielmehr einladend, mit einem feinen Schimmer im Ton. Die sanft gerundete Darstellung des Horizon hat ihren eigenen Reiz: Sie betont den musikalischen Fluss und sorgt für ein entspanntes, elegantes Klangbild. Sonoros Meisterstück der zweiten Generation geht feindynamisch übrigens etwas zackiger vor, was für mein Empfinden weder besser noch schlechter, sondern Geschmackssache ist.
En détail
Bei der Feinauflösung glänzt der Marantz Horizon mit einer ebenfalls angenehm natürlichen Balance: Er zeigt viele kleine Details, ohne sie überzubetonen oder die Musik in ihre Einzelteile zu zerlegen. Statt analytischer Schärfe steht – ähnlich wie bei der Feindynamik – der musikalische Zusammenhang im Vordergrund: Instrumente und Stimmen fügen sich zu einem organischen Ganzen. Die dreiminütige, synthesizerlastige, teilweise an eine Sirene erinnernde Eingangssequenz („Open Your Heart Or Die Trying“) des neuen Arcade-Fire-Albums Pink Elephant weist zum Beispiel gegen Ende hin eine Art Windpfeife auf. Der Marantz-Wireless-Lautsprecher zeichnet das deutlich nachvollziehbar nach – aber nicht messerscharf, sondern etwas weicher, was dem Ganzen eine gewisse Wärme und Sanftheit verleiht. Das erinnert mich – Kompliment – vom Fluss und Feeling her tatsächlich ein bisschen an meinen leicht warmen und erdigen McIntosh-Vollverstärker MA8950 AC in Kombination mit den edlen Standboxen Sonus Faber Olympica Nova 3, mit denen ich die meiste Zeit Musik höre.
Raumdeuter

Monolithisch: Hier sieht man gut, was Marantz mit dem Feature „Seamless Fabric“ meint: Das akustische Gewebe legt sich wie eine Haut um den Lautsprecher und soll mit dafür bürgen, dass eine gleichmäßige, unverstellte Schallverteilung in alle Richtungen resultiert (Radiance-360°-Technologie)
Was mich hingegen immer wieder erstaunte – und zwar unabhängig davon, wo der Marantz Horizon stand –, sind seine räumlichen Fähigkeiten. Nein, dieser solitäre Streaming-Lautsprecher kann ein Stereo-Set-up nicht komplett vorgaukeln, aber er kommt teilweise nahe heran. Vor allem mit geschlossenen Augen verblüfft mich seine räumliche Darstellung immer wieder, und nach dem Abschiedsspiel von Thomas Müller in der Münchner Arroganz-Arena schwebt immer mal wieder der Begriff „Raumdeuter“ durch mein Resthirn. Dabei fällt mir besonders die ungewöhnlich breite Bühne auf, die unser Einzelkind aufspannt, als ich den Horizon im Musikzimmer ins Rack stelle und mich in zweieinhalb Meter Entfernung mittig auf die Couch setze. Beim Arcade-Fire-Titeltrack „Pink Elephant“ bietet er annähernd ein Stereopanorama, nur nach oben hin wirkt die Bühne begrenzt, wenn man den Horizon auf Ohrhöhe platziert. Die Instrumente lassen sich erstaunlich genau orten und weisen eine schöne, wenn auch nicht überragende Dreidimensionalität und Trennschärfe auf, während die Tiefenstaffelung zwar vorhanden, aber doch relativ eingeschränkt ist. Hier muss man sich aber immer wieder vor Augen halten, dass wir es mit einer einzelnen Klangquelle zu tun haben, die in räumlicher Hinsicht insgesamt wirklich Erstaunliches leistet. Die Abbildung beginnt auf der Basislinie und erstreckt sich weit zum Hörer hin, wobei der Horizon sich dank seiner Anpassungsmöglichkeiten sowohl fürs Nahfeld als auch für größere Distanzen bis vielleicht vier Meter eignet. Bei der Aufstellung erweist er sich ohnehin als äußerst flexibel.
Versöhnen statt spalten
Anstrengend – weil zu hell oder zu analytisch – empfinde in den Marantz Horizon nie, was auch an seinen Höhen liegt. Die klingen in der neutralen „Auto“-Einstellung zu keinem Zeitpunkt aufdringlich oder gar aggressiv, sondern eher minimal zurückgenommen und stets langzeittauglich. Ihnen haftet eine gewisse Luftig- und Seidigkeit an, etwas Schwebend-Müheloses und Selbstverständliches. Dieses Maß an Offenheit verschafft Stimmen und Instrumenten genügend Raum zum Atmen, ohne ins Grelle zu kippen. Hinzu kommt eine seidige Textur, die Becken, Saiten und Hallfahnen mit einem feinen Glanz versieht – nicht scharf konturiert, sondern zart und fließend. Diese Abstimmung nimmt auf Dauer ziemlich anstrengendem Noise-Rock der Marke Mclusky (neues Album: The World Is Still Here And So Are We) mit seinen grell verzerrten Stromgitarren (besonders hervorstechend im Opener „Unpopular Parts Of A Pig“) etwas Schärfe, wenngleich es auch bei diesem Track irgendwann schmerzt. Mit Blick auf die Hochtonpegeldosierung ähnelt der Marantz Horizon dem Sonoro Meisterstück Gen.2, das es obenherum auch eher auf Versöhnung als auf Spaltung absieht. Der Horizon ist halt nicht der Todesstern aus „Star Wars“ und auch kein giftiger Kugelfisch.
Bei den Mitten setzt er auf eine weitgehend neutrale Gangart, die Klangfarben geraten weder besonders üppig noch zu dünn, wobei ich gelegentlich einen leichten, aber wirklich nur leichten Hang zum Warmen höre. Stimmen klingen authentisch und klar, also weder nach Schmusewolle noch distanziert oder gar dünn. Darüber hinaus besticht zum Beispiel das kraftvolle Organ von Beth Ditto (Gossip) im 2009er-Gassenhauer „Heavy Cross“ (Album: Music For Men) durch eine nicht zu überhörende Transparenz.
Womit wir auch schon bei der Gesamttonalität angekommen sind: weder hell noch dunkel, dennoch minimal der wärmeren Seite zugeneigt, was auch am starken, tiefen Bass liegt. Der Marantz Horizon zählt also nicht zu den gesoundeten Wireless-Speakern, wenngleich man ihn durch die weiter oben beschriebenen Klangregelungsoptionen durchaus in eine bestimmte Richtung trimmen kann.
Test: Marantz Horizon | Streaming-Lautsprecher






