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Marantz Flaggschiff-Duo im Soundcheck

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Marantz Flaggschiff-Duo im Soundcheck

Womit starten, wenn gleich zwei Komponenten zu testen sind? Am besten mit den Gemeinsamkeiten. Das Erste, was einem da ins Ohr fallen dürfte, ist die „freundliche“ Tonalität.

Marantz PM-10

Die Marantz-Flaggschiffe: Gemeinsamkeiten

Natürlich lassen sich bei solchen Top-Produkten keine echten Schlagseiten oder gar Ungereimtheiten ausmachen – aber das ein oder andere Tendenzchen eben schon. So wird beispielsweise der absolute Tiefbassbereich nicht komplett straight durchgezogen, sondern minimal defensiver behandelt. Ein Musical Fidelity Nu-Vista 600 oder B.M.C. Audio CS3 gehen ganz untenrum substanzieller vor als der Marantz-Verstärker – und ähnlich verhält sich das beim CD-Player/DAC SA-10. Vergleiche ich ihn beispielsweise mit meinem Standard-Set-up aus Audiodata Musikserver MSII und dem D/A-Wandler Luxman DA-06, so wirkt dieses ein klein wenig durchsetzungsfähiger in der untersten Oktave.

Daran muss nun nichts Verkehrtes sein, vor allem auch deshalb nicht, weil der Tiefton der Marantz-Gerätschaften insgesamt alles andere als knochig oder substanzlos daherkommt – nein, eher wird hier eine Fingerbreite mehr als zu wenig ausgeteilt. Und je nach Anlagenkonstellation und Hörgeschmack kann solcherart Quantität eben auch einen qualitativen Unterschied machen. Mal ein Beispiel: Ich kann ich mir durchaus vorstellen, dass oben erwähnter Nu-Vista 600 (6.500 Euro) unter gewissen Bedingungen (der Raumakustik, der zu betreibenden Lautsprecher) für manche Hörer etwas Basspower missen lässt – wird dann der PM-10 von Marantz eingewechselt, ist das Problem gelöst. Der bringt Schmackes in die Bude und damit gute Laune. Etwas definierter und trockener agiert allerdings der Musical Fidelity, der Marantz geht eher „halbtrocken“ vor. Analog verhält sich das auch beim CD-Player SA-10.

Rückseite des Marantz PM-10

Die Rückseite des Marantz PM-10

Hoch- und Mittelton

So wie unten ist‘s auch (ganz) oben im Frequenzschrieb. „Abgerundet“ wäre ein viel zu starkes Wort, „minimalst gedimmt“ ist schon besser, auch wenn’s sich blöd liest. Der Effekt ist, dass der Hochton gefühlt immer komplett da ist, doch niemals mit Tamtam auf sich aufmerksam macht, kein Eigenleben führt – eigentlich lässt er sich auch gar nicht gesondert analysieren, so homogen, wie er ans Mittenband angebunden ist. Viele Hörer dürften der Ansicht sein: Genau so ist das richtig. Angenehmer Nebeneffekt: Dünnere, knochigere Aufnahmen bleiben zwar mager, werden aber auch nicht derart gnadenlos ausgeleuchtet, dass einem der Spaß daran vergeht.

Was auch daran liegen dürfte, dass die mittleren Lagen ebenfalls eher auf der leicht wärmeren, grundtonbetonteren Genussseite liegen denn auf der allzu kargen. Ob ich schon Komponenten gehört habe, die Gitarrenpicking und Klavieranschläge härter herausmodellierten, Männer- und Frauenvocals etwas offener, energischer vortrugen? Sicherlich. Doch ist das hier natürlich immer noch meilenweit von „brühwarm“ entfernt – es handelt sich vielmehr um etwas unterschwellig Mitschwingendes, um eine subtile tonale Note. Das Marantz-Duo besitzt einfach ein Faible für einen körperreichen, harmonisch gesättigten Tonfall und weniger fürs gnadenlos ehrliche Rapportieren von Sibilanten und eine Transientenwiedergabe in Lichtgeschwindigkeit.

Blick auf die Endstufenmodule des Marantz PM-10

Blick auf die Endstufenmodule des Marantz PM-10

Dynamik & Flow

Kommen wir zum Thema Dynamikverhalten. Der SACD/CD-Player Marantz SA-10 sortiert sich hier sauber in seine Preisklasse ein, es gibt flottere Vertreter der Zunft und fußlahmere. Beim Vollverstärker PM-10 habe ich mir zwar manchmal schon mehr Attacke gewünscht, aber mein Klanggeschmack ist ja nun auch nicht jedermanns Maßstab. Zudem ist es ja schon so, dass grobdynamische Aufschwünge ziemlich souverän behandelt werden, der PM-10 ist ausnehmend stabil. So lässt er sich auch von üppig orchestrierten Tutti-Passagen nie aus dem Konzept bringen. Aber diese initiale Härte bei der Impulswiedergabe, dieser Kick in den Hintern, den manche Amps mitbringen, die bzw. den mildert er etwas ab. Wenn der Marantz eine Bassdrum wiedergibt, kommt mir eher das Wort „wuchtig“ in den Sinn als „knallig“. Sie wissen, was ich meine? Wie dem auch sei – es scheint mir sowieso keine Frage des Könnens, sondern des Wollens zu sein: Ich müsste mich schon sehr täuschen, wenn in Marantz‘ Klang-Pflichtenheft „gesamtmusikalischer Flow“ und „substanzielle Tonalität“ nicht weiter oben stünden als „maximale Attacke“.

Langzeittauglichkeit, saturierte Klangfarben, eher Fluss als Haudruff – in gewisser Weise passt dazu auch die Art der Raumdarstellung des Vollverstärkers PM-10. Die ist zunächst einmal: unauffällig. So wie mein Röhren-Amp Unison Triode 25, wenn er auf Triodenbetrieb und geringstmögliche Gegenkopplung eingestellt wurde? Also raumgreifend, mit üppiger, wenngleich etwas ätherischer Abbildung der einzelnen Klangquellen? Nein, der Marantz geht fokussierter vor. Etwa so plastisch und präzise wie der Musical Fidelity oder der B.M.C. Audio CS3 (6.000 Euro), die neulich im Test waren? Auch nicht, Stimmen und Instrumente wirken mit ihm nämlich etwas üppiger dimensioniert als über die beiden – und wie mit weicherem Stift gemalt. Der Marantz PM-10 schlägt gewissermaßen den Mittelweg ein und spricht damit eher diejenigen Hörer an, die ein organisch-rund nachgezeichnetes Bühnenbild als natürlich empfinden als jene, die regelmäßig das komplette Orchester einzeln durchzählen wollen.

Marantz SA-10 – ein besonderer Player

zappa-yello-sharkDas mit dem Durchzählen klappt dagegen mit dem Player/DAC SA-10 hervorragend, etwa bei „Dog Breath Variations“, intoniert vom Ensemble Modern auf Frank Zappas letztem Werk The Yellow Shark (auf Amazon hören). Die Separation der Instrumente kann kaum noch klarer geschehen, präzise umrissen werden Bläser, Streicher, Percussion etc. in den Raum gestellt – doch nie besteht hier die Gefahr, dass das leicht artifiziell, „mathematisch“ statt musikalisch exakt rüberkommt; was schon mal passieren kann, wenn die Randschärfe der Abbildung zwar hoch ist, den einzelnen Tönen aber kein glaubhafter Körper verliehen wird. Doch derart griffig wie beim Marantz skulptiert kaum eine andere Digitalquelle die Klänge in den Raum.

Meinen D/A-Wandler Luxman DA-06 (5.000 Euro) habe ich nicht zuletzt deshalb erstanden, weil er räumlich so überzeugend spielt. Was aber fokussierte Abbildung, Plastizität und Tiefenstaffelung angeht, findet er im Marantz SA-10 seinen Meister. Der ist zwar nur einen „Hauch“ besser, wir befinden uns ja auf sehr audiophilem Niveau, da geht es um Nuancen, zumal bei Digitalquellen, aber eben – besser. Ich kann mich damit trösten, dass der Luxman einen insgesamt weitläufigeren Raum aufspannt, er geht etwas mehr nach vorne und in die Breite – das dürfte unter anderem daran liegen, dass er in den obersten Lagen etwas offener tönt. Aber trotzdem, diese 3-D-Nummer, die der Marantz abzieht, ist schon enorm beeindruckend. Auch im Hochton gelingt ihm das, beispielsweise bei angeschlagenen Becken, die sonst gern‘ mal räumlich zerfasern. Der CD-Player B.M.C. BDCD 2 (5.000 Euro), den ich neulich im Test hatte und dem ich ebenfalls ein sehr plastisches Vorgehen attestierte, kann so etwas auch – aber er ist in diesen Belangen eben auch nicht besser als der Marantz. Nebenbei bemerkt: Der Luxman ist ein reiner DAC, der B.M.C. ein reiner CD-Player – der Marantz vereint dagegen beide Funktionen und kann darüber hinaus SACDs abspielen.

Die Rückseite des Marantz SA-10

Die Rückseite des Marantz SA-10

Bühnendimensionen

keren-ann-nolitaWo genau die virtuelle Bühne beginnt, legt übrigens die Aufnahme fest und nicht der Marantz. Was ich ihm hoch anrechne – da scheint mit der akustischen Phase was grundsätzlich richtig zu laufen, wofür meiner Erfahrung nach ja auch schon die tolle Fokussierung und Plastizität sprechen. Bei genannter Zappa-Platte beispielsweise öffnet sich der Klangraum erst ab der Lautsprecher-Grundlinie, während der Luxman-DAC etwas mehr auf den Zuhörer zukommt, bei „L’onde Amère“ von Keren Ann (Album: Nolita, auf Amazon hören) dagegen ist es genau umgekehrt: Die Dame steht jetzt einen guten Schritt vor dieser Linie, weiter vorne als mit dem Luxman, obwohl der vergleichsweise präsenter intoniert, was häufig mit einem etwas frontaleren räumlichen Eindruck einhergeht. Nun, hier nicht. Was die Dimensionen der Bühne angeht, so lässt sich sagen, dass der Marantz weder auffällig breit noch kompakt abbildet, sondern einfach normal. Was aber nicht, wie oben angedeutet, für die Staffelung nach hinten gilt – die ist, wenn‘s die Aufnahme hergibt, schon enorm tief.

Von diesem echt starken Raumeindruck profitieren nicht nur Orchesterwerke, sondern im Grunde alle Musikgenres, wenn man mal von hartem Rock, Hip-Hop, Techno etc. absieht, wo diese Klangdimension einfach nicht so wichtig ist. Wunderbar, wie wirklichkeitsgetreu Jazz-Kombos ins Hörzimmer gebeamt werden, toll das Wechselspiel zwischen Backing-Vocals und Center, das mir Howe Gelb und der Gospel-Chor im Hintergrund auf dem Album ‘sno Angle Like You (auf Amazon anhören) bieten. Und bei der schon erwähnten Karen Ann beziehungsweise ganz generell bei gut eingefangenen Frauenstimmen: Da errötet man ja schon fast, so direkt und intim und greifbar ist das.

Der galante Analyst

Was aber natürlich auch an der zweiten großen Stärke dieser Digitalquelle liegt: die Kombination aus extrem guter Auflösung UND oben erwähnter „freundlicher“ Tonalität. Das bekommt man nicht alle Tage serviert: Ist der Detaillierungsgrad sehr hoch, so hat man es häufig mit einem neutral bis etwas schlanker aufspielenden Gerät zu tun – und tönt eine Komponente im Präsenzbereich etwas milder bzw. im Grundton leicht ausgebauter, so geht das umgekehrt doch oft etwas zulasten der Auflösung. Ein gängiger Trade-off bei HiFi-Equipment, wie ich finde. Und jetzt: Vergessen Sie den einfach.

Der Marantz macht tatsächlich beides, er geht geradezu als Klanglupe mit etwas wärmerem Touch durch, wenn Sie so wollen. Okay, an den Frequenzextremen bieten andere sehr gute Produkte bisweilen noch etwas mehr Informationen – aber im großen Bereich dazwischen wüsste ich nicht, was man noch mehr verlangen sollte: Sei es das Aufdröseln von Klangtexturen und -farben, sei es das akkurate Nachverfolgen des Verklingen einer Note oder die Darstellung von Raum-Rückwürfen und -Hall – ich fühle mich vollumfänglich „gebrieft“.

Diese Mischung aus sonorer Tonalität plus Auflösung ist keine spektakuläre Eigenschaft, aber vielleicht gerade deshalb eine um so wertvollere. Als mir aufging, dass ich mich nie langweile, obwohl er doch etwas wärmer tönt, aber auch nie „auditiven Stress“ verspüre, obgleich er Details ohne Ende serviert, wurde mir erst richtig klar, was für eine Rarität unter den Digitalquellen dieser Marantz SA-10 doch eigentlich darstellt.

Test: Marantz SA-10 und PM-10 | CD-Player, Vollverstärker

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