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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Geradliniges aus Pisa
  2. 2 Manunta Classic Integrated Amplifier: Hörtest & Vergleiche

Über viele Jahre war M2Tech aus Pisa als Anbieter digitaler Audiotechnik etabliert: D/A-Wandler, USB-Interfaces, Streaming-Module – kompakt konstruiert, technisch ambitioniert, klar auf digitales Signalmanagement fokussiert. Seit einigen Jahren firmiert das Unternehmen unter dem Namen „Manunta“. Der bisherige Markenname wird auf der neuen Website nicht mehr verwendet, auch das Logo wurde angepasst. Mit dem Namenswechsel geht eine strategische Erweiterung des Portfolios einher: Ergänzend zur digitalen Linie entwickelt Manunta nun auch klassische Analogtechnik – diskret aufgebaut, orientiert an klassischen Hi-Fi-Konzepten, aber mit modernem Anspruch an Linearität, Effizienz und Servicefähigkeit. Die Digitaltechnik bleibt Bestandteil des Programms, wird aber ergänzt durch eine neue Produktfamilie, die traditionelle Hi-Fi-Ansätze mit heutiger Konstruktionslogik verbinden soll: Vor mir steht jetzt der Manunta Classic Integrated Amplifier für rund 4.800 Euro (https://www.audiodomain.de/).

Klassisch intuitiv

Das äußere Erscheinungsbild spricht mich sofort an: schnörkelloses, gediegenes Design mit klassischem Charme. Rechts und links zwei große Drehregler für Quellenwahl und Lautstärke. Wer das Design von AVM oder Musical Fidelity schätzt, wird den italienischen Auftritt mögen: aufgeräumt, sachlich, funktional. Und intuitiv bedienbar.

Dr Lautstärkeregler des Manunta Classic Integrated Amplifier

Schön schnörkellos: Das gilt auch für den Laustärkeregler des Manunta Classic Integrated Amplifier

Der mittig platzierte Metallschalter nimmt den Verstärker in Betrieb, rechts daneben befindet sich der Kopfhörerausgang. Das Bedienkonzept ist selbsterklärend und verzichtet auf digitale Spielereien – eine Designentscheidung, die das gesamte Gerät prägt.

Mit seinen Maßen von 420 x 120 x 310 mm (B x H x T) passt der Manunta Classic Integrated Amplifier in jedes klassische Hi-Fi-Rack, das Gewicht von knapp 16 Kilo unterstreicht den soliden Aufbau. Das Gehäuse ist tadellos verarbeitet und vermittelt eine hochwertige Anmutung. Für meinen Geschmack könnten lediglich die Regler etwas geschmeidiger und geräuschloser laufen.

Auch technisch gibt sich der italienische Vollverstärker klassisch: vier Hochpegeleingänge – drei unsymmetrisch, einer symmetrisch. Dazu ein Pre-Out-Ausgang für optionale Endstufen sowie ein integrierter Phonoeingang für MM- und MC-Systeme. Die Auswahl zwischen MM und MC erfolgt rückseitig per Kippschalter (klein, aber solide). Wer auf Vinyl verzichten möchte, kann den Phono-Eingang alternativ als weiteren Hochpegeleingang nutzen – ebenfalls per Schalter.

Die rückseitigen Schnittstellen des Manunta Classic Integrated Amplifier

Die Rückseite des Manunta Classic Integrated Amplifier: Phono (MM/MC), dreimal Cinch, ein XLR-Doppel, ein Pre Out, ein Satz Polklemmen für die Lautsprecher. That’s it – fast: Der Phonoeingang lässt sich zu einem Hochpegeleingang umschalten. Und: Wer will, kann den Amp auch per Smartphone fernbedienen

Der symmetrische Eingang wird im Gerät über einen Operationsverstärker entkoppelt, das interne Design ist durchgehend Single-Ended. Marco Manunta erklärte mir im Dialog, dass dies dem puristischen Grundkonzept des Verstärkers folge. Überdies seien die Schaltungen nach guter alter Väter Sitte vollständig diskret aufgebaut – mit Ausnahme des Eingangspuffers für den XLR-Zweig.

Doch eine Spur digital

Aber halt – eine neumodische Spielerei gibt’s dann doch: Die Bedienung des Manunta Classic Integrated Amplifier kann alternativ zur eher schmucklosen Plastikfernbedienung auch via Smartphone erfolgen. Eine kostenlose App für iOS und Android steht zur Verfügung und lässt sich über eine eigens dafür integrierte WLAN-Schnittstelle auf der Rückseite des Verstärkers koppeln. Die Funktionalität beschränkt sich auf Grundfunktionen, die Konzeption bleibt analog geprägt und auf Usability ausgelegt.

Beschildertes Innenleben

Der Manunta Classic Integrated Amplifier von innen

Der Manunta Classic Integrated Amplifier ist komplett diskret aufgebaut, ein wichtiges Augenmerk bei der Entwicklung war die Stromversorgung

Das technische Innenleben zeigt ein durchdachtes Layout: Netzteil, Vor- und Endstufe sowie Steuerung sind sauber voneinander getrennt. Der große Ringkern-Transformator mit Marken-Logo sitzt links außen, mechanisch und elektromagnetisch abgeschirmt. Alle Baugruppen sind eindeutig beschriftet und somit selbst für Laien nachvollziehbar.

Die Lautsprecherklemmen sind solide verschraubt und für klassischen Stereobetrieb ausgelegt – Bi-Wiring oder Bi-Amping sind nicht vorgesehen. Wer externe Endstufen verwenden möchte, nutzt den vorhandenen Pre-Out.

Laut Marco Manunta basiert die Endstufe auf einem konventionellen Class-AB-Design. Class-D-Module oder Chip-Endstufen wären bei einem audiophilen Konzept auch fehl am Platz. Zu den entscheidenden Entwicklungslösungen des Manunta Classic Integrated zählt der Fokus auf die Verarbeitung dynamischer Spitzen, so Manunta: Die Stromversorgung liefert Energie vor allem dann, wenn sie gebraucht wird. Bei Dauerbelastung wird die Versorgungsspannung gezielt reduziert, was dem typischen Dynamikverhalten von Musik entgegenkommt.

Der Quellwahlschalter am Manunta Classic Integrated Amplifier

Außen ganz klassisch: der Eingangswahlschalter am Manunta Classic Integrated Amplifier. Innen wird aber elektronisch geschaltet

Ein weiteres technisches Detail: Der Verstärker verzichtet auf Strombegrenzungsschaltungen in der Endstufe. Dadurch entstehe – so Manunta – eine direkte Kontrolle über den Lautsprecher, besonders bei Transienten. Das Ziel: ein eher straffes, kontrolliertes Klangbild mit hoher Dynamik.

Die Lautstärkeregelung erfolgt über ein motorisiertes ALPS-Potentiometer, klassisch analog mit Spannungsteilung. Dynamikauflösungsverluste im Leisen, wie sie bei manchen digitalen Regelungen vorkommen können, bleiben außen vor.

Ein maßgeblicher Qualitätsaspekt der Verstärker-Topologie des Manunta Classic Integrated Amplifier: Der gesamte Aufbau kommt ohne modulare Stecksysteme samt Verbindungskabeln aus – laut Manunta minimiere das Kopplungsverluste und mechanische Fehlerquellen. Zudem sei die gesamte Endmontage in wenigen Minuten möglich.

Kein bloßes Alibi

Der Phono-Eingang des Manunta Classic Integrated Amplifier

Der Phono-Eingang des Manunta Classic Integrated Amplifier lässt sich manuell zwischen MM und MC umschalten

Die integrierte Phonostufe unterstützt sowohl MM- als auch MC-Systeme. Mit einem Signal-Rausch-Abstand von 85 dB (MM) bzw. 75 dB (MC) ist sie rauscharm genug für hochwertige Tonabnehmer. Manunta berichtete mir von erfolgreichen Vorführungen mit anspruchsvollen MC-Tonabnehmern wie dem Ortofon SPU – auch das spricht für die Leistungsfähigkeit dieser Sektion. Für ihn war klar: Wenn eine Phonostufe eingebaut wird, dann nicht als Alibi-Baugruppe, sondern als audiophil taugliche Lösung.

Ein paar Specs …

Die technischen Eckdaten zeigen einen Verstärker, der bewusst konservativ ausgelegt wurde: 60 Watt pro Kanal an acht Ohm, 100 Watt an vier Ohm im Dauerbetrieb. Bei transienten Anforderungen liefert der Manunta bis zu 155 Watt an acht Ohm bzw. 240 Watt an vier Ohm. Die Stabilität reicht laut Herstellerangabe bis zwei Ohm, wenngleich die Leistungseffizienz unterhalb von vier Ohm abnimmt. Auch hier zeigt sich: Der Verstärker bleibt auf Linie – konstruktiv solide, ohne Spezifikationsshow.

Die Eingangsimpedanzen liegen laut Manunta bei praxisgerechten 47 Kiloohm (Cinch) bzw. 20 Kiloohm (XLR). Der Signal-Rausch-Abstand am Line-Eingang beträgt 105 dB(A) gemäß Datenblatt – ein ausgezeichneter Wert, der für Dynamik und „Ruhe“ steht.

Der Ringkerntrafo des Manunta Classic Integrated Amplifier

Der Manunta Classic Integrated Amplifier ist laut Hersteller laststabil bis hinunter zu 2 Ohm

Gruß in die goldene Hifi-Ära

In Summe steht hier ein Verstärker, der auf moderne Weise klassisch entworfen worden ist: traditioneller Aufbau, hohes technisches Niveau. Oder wie Marco Manunta es formuliert: „Unsere Classic-Linie verbindet die Qualitäten der goldenen HiFi-Ära mit heutiger Performance und Reparaturfreundlichkeit. Drei Prinzipien stehen im Zentrum: realistische Performance, langfristige Zuverlässigkeit und Umweltbewusstsein.“ Mal hören, wie das klanglich funktioniert.

Manunta Classic Integrated Amplifier: Hörtest & Vergleiche

Vor der Berichterstattung zur Klangqualität vielleicht noch zwei Hinweise für die Praxis: Ich empfehle immer, einen neu erworbenen Verstärker nicht sofort ans Netz zu nehmen. Witterungsabhängig kann sich im Inneren ein feiner Film Kondenswasser bilden. Und den sollte man nicht unter Strom setzen. Also stets eine kurze Akklimatisierung mindestens von einigen Stunden vorsehen, von Winterwetter „tiefgekühlte“ Geräte zur Sicherheit einen Tag lang „auftauen“ und trocknen lassen.

Überdies sind fünfzig bis sechzig Stunden Einspielzeit häufig eher das Minimum, um das klangliche Potenzial von neuer Elektronik auszureizen. Gerade hochwertige Komponenten sind „dankbar“ für dieses überschaubare Maß an Umsicht. Dann können wir uns jetzt hineinstürzen in den Hör-Parcours.

Unaufgeregt präzise: der Hochton

Die Frontpartie des Manunta Classic Integrated Amplifier

Äußerlich sehr „angezogen“ wirkend, erinnert der Manunta Classic Integrated Amplifier klanglich durchaus an ein Studiotool

Wir starten obenrum – bei Lea Birringer und ihrer aktuellen Einspielung für Violine solo und Orchester: Sibelius, Szymanowski, Järnefelt. Klingt nordisch, ist aber alles andere als unterkühlt. Die Aufnahme legt viel Wert auf Atmosphäre, Raumabbildung und dynamische Finesse – also genau das Material, bei dem sich ein Verstärker nicht hinter Wattzahlen verstecken kann. Der Manunta Classic Integrated bleibt in solchen Momenten ganz bei sich. Die Geige steht fein gezeichnet im Raum, mit klarer Textur und eleganter Bogenführung. Der Tonfall wirkt differenziert und gleichzeitig geschmeidig. Anders ausgedrückt: Die Hochtonwiedergabe des Verstärkers hält die Spannung, führt souverän durch komplexe Passagen, löst tadellos auf – und zahlt dennoch auf eine unaufgeregte Geschlossenheit des Klangbilds ein.

Luftigkeit? Ist da. Blendwerk? Fehlanzeige. Unbotmäßige Zischeleien? Gänzlich abwesend. Sibilanten behalten Form, Transienten sitzen, dennoch wirkt das Klangbild ruhig, langzeittauglich. Ich fühle mich angesichts dieser Ehrlichkeit – auch tonal empfinde ich den Hochton als neutral – und der Durchhörbarkeit an ein Studiogerät erinnert. Und das mit dem Studiogerät, ich greife ein wenig vor, gilt auch für die Gesamtabstimmung, die für mich eine Tendenz zur trockenen Seite hat – das meine ich positiv: kein Polster, keine Färbung, einfach Substanz. Das ist alles sehr fein und dokumentiert eindrucksvoll, welcher Preisklasse der Verstärker aus Pisa angehört.

Ruhe bewahren!

Die Lautsprecherpolklemmen des Manunta Classic Integrated Amplifier

Gerade im dritten Satz von Sibelius’ Violinkonzert wird das hochtonseitig deutlich: Wenn das Orchester zurücktritt und die Violine in die hohen Lagen aufsteigt, behält der Manunta die Ruhe. Kein Überstrahlen, kein nervöses Nachzeichnen – stattdessen eine fein abgestimmte Präsenz mit natürlichem Verlauf. Das Zusammenspiel aus Streicherteppich und Solostimme bleibt transparent, ohne ins Technische zu kippen.

Zum Vergleich: Der Primare I35 (3.940 Euro) agiert mit größerer Geste, wirkt analytischer, fast schon chirurgisch. Die Geige steht näher, wirkt schlanker, technischer, kühler. Das ist präzise, aber auch distanzierter – wie unter Laborlicht. Der Manunta verfolgt einen anderen Ansatz: Ein Verstärker, der trotz Präzision nichts betont herausstellt, sondern die Musik zusammenhält.

Ich habe mich mit Marco Manunta darüber ausgetauscht. Mein Eindruck, dass hier im Eingangsteil oder in der Spannungsverstärkung gezielt abgestimmt wurde, hat sich bestätigt. Man habe, so seine Auskunft, vor allem mit selektierten Würth-Kondensatoren gearbeitet – und damit genau jene Klarheit erzielt, die sich durch den gesamten oberen Frequenzbereich zieht. Audiophil im besten Sinne.

Einfach da: die Mitten

À sa guitare Philippe Jaroussky Thibaud GarciaNächstes Stück im Hörtest: das Album À sa guitare mit Philippe Jaroussky und Thibaud Garcia. Reduziert bis auf die Essenz: Stimme, Gitarre, Raum. Keine Klangkulisse, kein Beiwerk, nur zwei Musiker. Hochkonzentriert. Ein ideales Setup für einen Verstärker, der im Mittenband wirklich was kann.

Und der Manunta? Nimmt das Setting an, bleibt auf Linie und liefert ab. Schon beim titelgebenden Poulenc zeigt sich, wie souverän er mit Stimmen umgeht. Jarousskys Countertenor steht stabil im Raum, leicht nach vorn gezogen, tonal sauber zentriert. Präsenzbereich? Kein Schub, kein Schimmern, sondern ein schlanker, ausdrucksstarker Stimmkörper mit klarer Mitte. Der Manunta Classic Integrated „verstärkt“ die filigrane Aufnahme sehr akkurat, gibt der Stimme Raum zum Atmen, lässt Modulation und Dynamik präzise, aber nie steril fließen.

Garcias Gitarre fügt sich mit feiner Körnung ins Klangbild. Die Anschläge kommen präzise, der Nachhall bleibt durchhörbar. Nichts wird überzeichnet, alles wirkt stimmig. Gerade in leisen Passagen zeigt sich, dass der Manunta selbst filigrane Details zuverlässig trägt. Saitenansprache, Nachklang, Körper, alles mutet greifbar ab. Keine Auflösung mit Lupenästhetik, keine Betonung. Einfach: da.

Die Mittenwiedergabe wirkt auf mich geschlossen, tonal stabil, durchhörbar, ohne Ausbrüche bei komplexen Parts. Passend dazu wirkt auch der Grundton straff geführt, er bringt Substanz, ohne aufzublähen. Unterm Strich sind die Mitten ähnlich wie der Hochton abgestimmt. Ergebnis: ein ausgewogener Mix aus Fokus und Gelassenheit, natürlichem Ausdruck und Kontrolle.

LED-Leuchte am Eingangswahlschalter des Manunta Classic Integrated Amplifier

Das „Denken in Zusammenhängen“ könnte man als große klangliche Stärke des Italieners bezeichnen

Und nein, der Manunta Classic Integrated läuft bei aller studiohaften Akkuratesse nicht Gefahr, zu hart oder zu sachlich zu klingen. Ganz im Gegenteil: Seine besondere Stärke – auch in seiner Preisklasse – ist die Anlage dazu, in musikalischen Zusammenhängen zu agieren und stimmige klangliche Bilder herzustellen.

Denken in Zusammenhängen: der Tiefton

Ben Frost The Centre Cannot HoldSchwere Kost für den Tiefton: Ben Frosts „Secant“ vom Album The Centre Cannot Hold – düster, wuchtig, durchzogen von massiven Subimpulsen. Genau das Richtige, um einem Verstärker quantitativ wie qualitativ auf den Zahn zu fühlen.

Mein Musical Fidelity M6si (1.800 Euro) geht frontal rein: viel Substanz, breite Flächen, tiefer Schub. Der Bass rollt an, füllt den Raum, bringt ordentlich Druck mit – leicht gesoftet im Antritt, aber voller Energie. Eine Bassabstimmung mit Fokus auf Massetransport, atmosphärisch dicht, wirkungsvoll.

Der Manunta Classic Integrated verfolgt einen anderen Weg. Er zündet keine Basslawine, sondern setzt statt auf Quantität auf Qualität: Ihm geht es um ein neutrales, präzises und stets durchhörbares Fundament. Impulse wirken punktgenau gesetzt. Tieffrequente Ereignisse erscheinen definierter. Keine Überhöhungen, kein Nachfedern – der Verstärker gibt sich auch untenrum neutral und bleibt vorbildlich akkurat, selbst wenn’s grob wird. Gerade bei „Secant“ zeigt sich, wie durchdacht dieser Ansatz funktioniert: Die brachialen Bassflächen behalten ihre Struktur, statt sich ineinanderzuschieben. Der Manunta trennt die Schichten sauber voneinander, hält Attacke und Nachklang im Gleichgewicht und bringt dabei ein Maß an Übersicht ein, das der Komposition gutsteht. So entsteht Spannung nicht durch schnöde Wucht, sondern durch Präzision.

Was dabei wieder auffällt – und das zieht sich durch alle Frequenzbereiche: Der Manunta Classic denkt in Zusammenhängen. Er behandelt den Bass nicht als Spezialeinheit, sondern integriert ihn in die musikalische Gesamtform. Wo andere im Tiefton bloßen Raum bauen, schafft er Struktur. Das sorgt selbst bei komplexen Arrangements für Übersicht und verleiht dem unteren Spektrum eine klare Richtung. Der Verstärker bleibt dynamisch souverän, spielt zackig-impulsiv, vermeidet aber jedes Übersteuern ins Effektive und wahrt gleichzeitig eine durchgehende Kohärenz mit den Mitten und dem Hochton.

Typenbezeichnung auf der Frontplatte des Manunta Classic Integrated Amplifier

Präzise und ausgewogen statt wuchtig – so scheint die Devise des Manunta Classic Integrated Amplifier bei der Basswiedergabe zu lauten

Nicht zuletzt bei höheren Lautstärken zeigt sich, wie stabil die Basis gelegt ist, nichts gerät ins Schlingern. Was zunächst zurückhaltend wirken mag, erweist sich im Langzeithören als Stärke: Der Manunta verzichtet auf Show, liefert aber genau die Präzision, die Sensitivität, die komplexe Musik braucht – mit Tiefgang, aber ohne künstliche Dramatik. Der Bass nicht als eindrucksheischende Kulisse, sondern als tragende Kraft im Dienst der Musik.

Diese Disziplin zeichnet den Manunta auch in seiner Preisklasse aus. Noch immer herrscht bei hochwertiger Audio-Elektronik teilweise eine etwas krude Erwartungshaltung: Je teurer das Gerät desto mehr Ausgangsleistung und Basswumms. Der Verstärker aus Pisa geht diesen Weg nicht mit und bleibt im Bass ansprechend kultiviert und beherrscht. Hier gibt es nicht mehr Bass fürs Geld, sondern präziseren.

Auf der Spur: Fein- und Grobdynamik

Strawinsky Le Sacre du Printemps Minnesota Orchestra Eiji OueJetzt mal etwas mit Karacho: Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ in der Aufnahme mit dem Minnesota Orchestra unter Eiji Oue – klanglich ein Schwergewicht, dynamisch anspruchsvoll, orchestriert mit maximalem Zugriff auf alles, was ein Verstärker leisten kann. Präzision im Leisen, Attacke im Fortissimo, Durchzeichnung über das gesamte Spektrum hinweg. Wer hier ins Schleudern gerät, fliegt aus der Kurve.

Der Manunta Classic Integrated bleibt auf Spur. Vom zarten Flirren der Flöten über das Einsetzen der tiefen Streicher bis hin zu den rhythmischen Entladungen im „Danse de la terre“: Der Verstärker zeigt erneut Präsenz ohne Pose. Die feindynamische Modulation wirkt organisch, nicht segmentiert, keine Zersplitterung, stattdessen modelliert der Verstärker kleine wie große Spannungsbögen in einer schlichtweg ausgewogen-realistischen Dramaturgie. Gerade im Mittelteil, wenn das Orchester kurz durchatmet und sich die Dynamik verdichtet, zeigt sich: Schlagwerk, Hörner, Holzbläser – Dynamik wirkt hier nicht wie ein Effekt, sondern wie eine musikalische Konsequenz. Kein Funkenflug, sondern organisches Spannungsfeld.

Apropos Spannungsfeld: Man kann ein solches auch vom  Musical Fidelity M6si und dem Primare I35 aufziehen lassen. Wo der Manunta strukturiert, schiebt der Brite: mit breitem Pinsel, dunkler Tönung, viel Substanz. Besonders in den Tutti-Stellen liefert der M6si Punch und Druck – mit etwas runderer Kontur, aber auch mit spürbarem Nachdruck. Dabei geraten feindynamische Details etwas ins Hintertreffen. Der Brite zeigt Größe und Kraft, der Italiener hingegen das Verhältnis zwischen Piano und Fortissimo, zwischen filigranen Stimmen und mächtigem Orchesterklang.

Der Primare I35 gibt sich analytischer. Hier wird technisch gezeichnet, nicht modelliert. Jedes Geräusch, jede perkussive Bewegung erscheinen klar umrissen – aber weniger integriert, mehr als Einzelinformation. Für Liebhaber maximaler Transparenz ist das beeindruckend, mir persönlich fehlt mitunter der musikalische Zusammenhang.

Die Lautsprecherklemmen des Manunta Classic Integrated Amplifier in der Nahaufnahme

Der Manunta Classic Integrated Amplifier spielt dynamisch energetisch, ist aber kein Haudrauf

Der Manunta Classic Integrated positioniert sich genau zwischen diesen Polen. In „Glorification de l’élue“ demonstriert er, dass sich Kontrolle und Emotion nicht ausschließen müssen. Die Energie baut sich organisch auf, die rhythmische Präzision wird mit Eifer, aber ohne Übereifer vermittelt. Dynamische Impulse grummeln nicht wabernd heran; sie stehen aber auch nicht als einzelne Signale losgekoppelt im Raum, sondern sie gestalten und akzentuieren die musikalischen Etappen in Strawinskys irrwitziger Frühlingsweihe.

Räumlichkeit und Auflösung

Das Beste zum Schluss: Rachmaninovs Zweite Sinfonie, in der Einspielung mit André Previn und dem London Symphony Orchestra von 1975 (EMI / Warner) – meine Aufnahme für die einsame Insel.

Der Primare I35 kommt gut ins Spiel. Er zieht die Bühne ostentativ präzise auf. Instrumentengruppen stehen klar separiert, die Platzierung ist messerscharf. Vor allem die Holzbläser: wie freigestellt, fast solistisch eingeblendet. Das hat Übersicht, aber weniger Atmosphäre. Die Tiefenstaffelung ist da, fast wie mit dem Putzlicht ausgeleuchtet. Der Hallraum tritt zurück, Zusammenhänge wirken dadurch wie skizziert.

Der Pre-Out-Anschluss des Manunta Classic Integrated Amplifier

Über den Pre Out lässt sich mit externen Endstufen experimentieren

Und der Manunta? Geht aufs musikalische Ganze: Die Bühne öffnet sich strukturiert, mit klarer Tiefe, sauberer Breite und stabiler Ordnung. Hier stimmen die räumlichen Verhältnisse. Keine Showstaffelung, keine überzogenen Trennlinien. Instrumentengruppen stehen differenziert, aber musikalisch eingebunden. Der Raum wirkt nicht streng aufgeteilt, sondern gegliedert.

In langsamen Passagen – etwa zu Beginn des dritten Satzes, wenn die Klarinette das Thema übernimmt – fällt auf, wie ruhig und stabil die Raumordnung bleibt. Nichts drängt, nichts kippt, alles hält. Die Solostimme steht klar im Raum, aber ohne Überzeichnung – integriert, nicht herausgestellt. Die Perspektive ist leicht zurückversetzt, nicht distanziert, eher lässig. Der Hörer sitzt nicht auf dem Dirigentenstuhl, sondern hat den Überblick. Und behält ihn während der Vorstellung.

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Test: Manunta Classic Integrated Amplifier | Vollverstärker

  1. 1 Geradliniges aus Pisa
  2. 2 Manunta Classic Integrated Amplifier: Hörtest & Vergleiche

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