
Test: Lotoo PAW Gold Touch 2 | Mobiler Player (DAP)
Passioniert puristisch
von Thomas Kopanz
Im Test: Lotoo PAW Gold Touch 2 - DAP (Digital Audio Player)
UVP zum Testzeitpunkt: 3.299 Euro
Lotoo ist kein Neuling mehr im mobilen High-End-Bereich, die Marke dürfte neugierigen HiFi-Enthusiasten mittlerweile bekannt sein. Der chinesische Hersteller wird hierzulande vor allem für seine edlen und mit proprietären Betriebssystemen ausgestatteten DAPs (Digital Audio Player) geschätzt und machte sich in den letzten Jahren einen Namen neben bekannten Größen wie Astell & Kern oder Cayin. Die in Peking ansässige Mutter Beijing Infomedia Electronic Technology wurde, so jedenfalls die Eigenaussage, bereits 1999 gegründet und entwickelte ursprünglich Technik für Rundfunkanstalten und Tonstudios. Der Weg zum DAP ging bei Lotoo also gewissermaßen von der professionellen Aufnahme- und Studiotechnik zur audiophilen Musikwiedergabe. Und mit Blick auf letztere haben wir heute einen DAP zu Gast, an den man hohe Erwartungen stellen darf: den Lotoo PAW Gold Touch 2 (3.299 Euro, https://www.audiodomain.de/).
Lieferumfang und Haptik

Der Lotoo PAW Gold Touch 2 kommt, anders als sein Vorgänger Lotoo PAW Gold Touch, in einer gänzlich in Schwarz gehaltenen, matt schimmernden Kartonage. Neben dem Player sind noch ein USB-C-Kabel, ein Quickstart-Guide, Garantieinformationen und wider Erwarten auch eine Schutzhülle aus Leder und gebürstetem Metall vorhanden. Damit die ohnehin aus Gorilla Glass 5 bestehende Front zusätzlich geschützt wird, sind auch zwei Panzerglasfolien mit an Bord.
Der DAP selbst ist wie von Lotoo gewohnt hochwertig verarbeitet. Das robuste, in mattem Schwarz gehaltene Gehäuse besitzt tadellose Spaltmaße und liegt trotz seiner in puncto Dicke (70,8 x 132,8 x 32,4 Millimeter, 388 Gramm) dezenten Ähnlichkeit mit einem Ziegelstein (Pardon für diesen Ausdruck!) sehr gut in der Pranke (Paw). Dass er dennoch fast ein Handschmeichler ist, liegt wohl auch an seiner nach unten hin verjüngten Form.

Das „Gold“ im Namen setzt der GT2 gekonnt mit dem prominenten, teilweise ins Gehäuse eingefassten Lautstärkeregler aus Metall in Szene. Auch die beiden Kopfhörerbuchsen – jeweils 3,5-Millimeter-unsymmetrisch und 4,4-Millimeter-symmetrisch – auf der Oberseite des Players sind vergoldet und in derselben Farbe eingefasst. Auf der rechten Seite befinden sich die Tasten für Play/Pause und das Vor- und Zurückspringen zwischen den Songs sowie ein Power-on/off-Button. Allesamt bestehen sie aus Metall, sind gut ertastbar und bieten ein angenehmes Druckgefühl.
Auf der Unterseite des Lotoo-DAPs hat‘s einen SD-Karten-Slot und eine USB-C-Buchse zum Laden des Players und zur Verbindung mit dem PC oder Mac. Der Lotoo PAW GT2 besitzt wie andere DAPs des chinesischen Herstellers keinen internen Speicher. Dafür kann er auf bis zu 2 TB große SD-Karten (SDXC) zugreifen und diese mit bis zu 300 MB/s befüllen.

Das war es dann auch schon mit den haptischen Elementen. Primär wird der Digital Audio Player natürlich über den Touchscreen bedient.
Flott & flüssig ohne Android: die Usability
Der LCD-Bildschirm misst vier Zoll in der Diagonale und löst mit 800 × 480 Pixel auf. Bei der Bedienung merkt man, dass der Lotoo PAW Gold Touch 2 auf eine flotte Arbeitsweise trainiert wurde. So ist der DAP in etwas mehr als zwei Sekunden betriebsbereit. Lotoo verwendet für den PAW Gold Touch 2 wie schon bei dessen Vorgänger sein eigenes Betriebssystem namens LTOS. Und genau davon sollen die Geschwindigkeit und die einfache Bedienbarkeit profitieren, damit man sich ganz auf die Musik konzentrieren kann. Neben der kurzen Einschaltzeit fühlt sich der Player in der Praxis auch beim Navigieren durch die Menüstruktur und beim Weiterschalten der Tracks flüssig an. Etwas, das man bei DAPs, die auf Android basieren, nicht immer erwarten kann.

Analog- und Digitalsphäre sauber getrennt
Ein weiterer Grund, warum der neue Player von Lotoo dicker als die alte Version ist, liegt im dualen PCB-Design. Analog- und Digitalpfad sind auf zwei separaten Platinen untergebracht.
Auf einer findet die Digital-Analog-Wandlung statt mithilfe eines AKM-Chip-Gespanns aus AK4137EQ-Upsampling-Chip und AK4191EQ sowie jeweils einem AK4499EX-DAC-Chip pro Kanal. Der GT2 und die Chips verstehen sich mit PCM-Signalen bis zu 32 Bit Bittiefe und 768 kHz Samplingrate und können maximal DSD512 entgegennehmen. Auf der zweiten Platine ist die Analogverstärkung mit vier schnell schaltenden BUF634A-Verstärkerchips von Texas Instruments untergebracht. Und ja, die haben es in sich. Der Lotoo PAW Gold Touch 2 (PGT2) stemmt eine Ausgangsleistung von bis zu 1.000 Milliwatt an den symmetrischen Ausgang (210 mW bei 300 Ohm). Auch für hochohmige Kopfhörer ist also genügend Saft vorhanden, um es mal ordentlich krachen zu lassen.
Over- oder In-Ears?

Wer jedoch In-Ears benutzen will, kann den Player bequem mithilfe des softwareseitigen Gain-Settings an deren geringeren Leistungsbedarf anpassen. Dieses lässt sich übrigens für die beiden Ausgänge separat einstellen. Sprich: Man kann zum Beispiel den unsymmetrischen 3,5-Millimeter-Ausgang für In-Ears auf Low Gain schalten und die symmetrische Pentaconn-Buchse im High-Gain-Modus für leistungshungrige Over-Ears verwenden. Beide lassen sich ebenfalls zwischen Kopfhörerausgang und Line-out umschalten. Der DAP kann dann auch als reiner Digital-Analog-Wandler dienen und zum Beispiel einen (Vor-)Verstärker mit hochwertig gewandeltem Audiomaterial versorgen.
Gut abgeschirmt!
Überdies hat sich Lotoo generell für eine kompromisslose Trennung der Audiokomponenten von den übrigen Chips für Prozessor und Wireless-Konnektivität entschieden. Jeder Subprozessor wird über eine eigene Stromversorgung gespeist, um die Störanfälligkeit zu minimieren – auch die Analog- und Digitalplatinen sind abgeschirmt. Das erklärt wohl zum Teil den mit 133 Dezibel sehr hoch angegebenen Signal-Rausch-Abstand. Zwischen den beiden Platinen befindet sich zudem der mit 8.300 mAh im Vergleich zum ersten Gold Touch fast doppelt so große Akku. Damit lässt sich bequem über den Tag kommen, ohne dass der Player an die Steckdose muss. Im Praxistest bestätigt sich das mit einer 16-prozentigen Restladung am Ende des Tages.

Wie die erste Generation des Gold Touch bietet der GT2 einen Bluetooth-Sender. Hier ist man auf die Codecs SBC, AAC und LDAC beschränkt. Qualcomms aptX-Format muss außen vor bleiben. Musste der PAW Gold Touch noch ohne jegliche Streamingmöglichkeit auskommen, so ist das bei Version zwei nun zumindest eingeschränkt möglich. Lotoo bietet nämlich seit 2025 sein eigens entwickeltes Übertragungsprotokoll LTTP (Lotoo Tele-Transport Protocol) an, um mithilfe eines Adapters (WT1 LTTP, 129 Euro, nicht im Lieferumfang des Players enthalten) Musik vom Smartphone oder Tablet an den Player weiterzuleiten. Das soll verlustfrei bis 48 kHz/24 Bit und 1.500 kBit/s funktionieren. Ich habe das Feature kurz ausprobiert und konnte weder Verbindungsabbrüche noch eine generell hörbar schlechtere Audioqualität im Vergleich zum direkten Abspielen der Dateien vom Player feststellen. Auch DLNA-Support ist diesmal mit an Bord – auf native Android-Streaming-Apps muss man aber weiterhin verzichten.
Soundtuning mit Filtern und Equalizer
Für die Klanganpassung stehen wieder diverse Filter und parametrische Equalizer-Modi zur Auswahl. Neben den acht vorgefertigten PMEQ-II-Filtern gibt es natürlich auch noch einen neunbändigen Equalizer zum Selbstbasteln. Die fünf DSP-gesteuerten ATE-Filter (Acoustic Timbre Embellisher) sind ebenfalls wieder an Bord und erlauben ein sanftes Eingreifen in die Klangcharakteristik, ohne den gesamten Frequenzgang zu verzerren. Das User Interface ist übersichtlich aufgebaut und bietet einen einfachen Zugriff auf die Musik, die nach Album, Interpret, Songtitel oder Ordnername aufgelistet und durchsucht werden kann. Das Firmwareupdate erfolgt wie beim „alten“ PAW GT mittels WLAN OTA (Over-the-Air) oder über die auf der Website verfügbare Firmwaredatei auf der SD-Karte.

Lotoo PAW Gold Touch 2: Hörtest & Vergleiche
Für die Klangeinschätzung bleiben alle Filter und Klangveränderungen ausgeschaltet, um den Vergleich mit anderen Playern etwas objektiver zu gestalten.
Herrlich bodenständig: der Hochton
Beginnen wir doch mit einem klassischen Jazztrio, und fühlen zunächst dem Hochton auf den Zahn. Die österreichische Jazzpianistin Anna Maurer ist mit ihrer Trioformation gerade in aller Munde und auf den Konzertbühnen des Landes unterwegs – nicht nur wegen der kurz bevorstehenden Veröffentlichung ihres neuen Albums On Her Mind (August 2026). Ihr 2019 erschienenes Studioalbum Visionariness verknüpft gekonnt Modern Jazz mit Popelementen.

Gleich zu Beginn des ersten Songs fällt mir auf, dass der symmetrisch angeschlossene, hochpräzise tönende Sennheiser HD 800 S (1.600 Euro) über den Lotoo PAW GT2 besonders natürlich und organisch rüberkommt. Der Hi-Hat-Anschlag bei „Skjabin“ wird feinfühlig und detailliert wiedergegeben, ohne gegenüber dem Klavier zu aufdringlich zu wirken. Der Ausklang sämtlicher Instrumente gelingt dem Lotoo sehr realistisch und bricht auch nicht ab, bevor die letzte subtile Information auf der Aufnahme verklungen ist.
Die Obertöne der Klaviersaiten verleihen dem Instrument ein natürliches Timbre, das für meine Ohren weder zu hell noch zu dunkel gefärbt ist. Allenfalls eine minimale Wärme fällt mir gegenüber dem Cayin N6III mit ESS-Modul (1.698 Euro) und auch gegenüber der ersten Generation des PAW Gold Touch auf. Diese geht aber keinesfalls zulasten der Detailtreue. Im Gegenteil: Der neue High-End-Player aus China schürft auch den letzten Rest an klanglichen Feinheiten aus der Aufnahme, etwa das Scharren über das Becken oder den Luftstrom des Saxofons. Der Lotoo vermag auch leise Lautstärkewechsel dynamisch-zackig und ohne Detailverlust wiederzugeben. So ist selbst ein sanfter Beckenanschlag klar und definiert aus der Gesamtaufnahme herauszuhören und geht nicht schwammig unter. Für den Preis erwartet man hier aber auch eine tadellose Performance – und der PAW GT2 liefert so anstandslos ab, dass er preisklassentypisch auf höchstem Niveau spielt.

Gleichwohl ist dem Player ein allgemein „bodenständiger Charakter“ zu attestieren. Im Hochton waltet nämlich schlichtweg Realismus anstelle effektheischenden Glitzerns oder eines erhöhten Superhochtonpegels. Dass hier ganz oben etwas fehlt oder zu früh abgerollt wird, kann ebenfalls nicht behauptet werden. Ein Astell&Kern SE200 zum Beispiel zeichnet Obertöne und Schlagzeug über den ESS-DAC-Ausgang zwar etwas heller und betonter, der GT2 tönt trotz moderaterer, weil ausgeglichener Klangabstimmung, dennoch ebenso detailliert.
Ein Hauch von Wärme: die Mittenwiedergabe


Die schon beim Hochton erwähnte hohe Detailwiedergabe mit seidigem Touch bleibt mit beiden, preislich sehr unterschiedlichen, Over-Ears erhalten. Mit dem Sennheiser vermag der GT2 freilich auch sein volles Auflösungspotenzial auszuspielen, und Lotte kann mit ihren Balladen so richtig mein Gemüt erreichen. Und: Man kann mit dem Lotoo PAW Gold Touch 2 über mehrere Stunden ermüdungsfrei hören. Unnatürliche Zischlaute bleiben Lottes Stimme fremd, natürliche werden aber auch nicht abgerundet, wie sich etwa auch der Präsenzbereich und die Grundtöne der Akustikgitarre die Waage halten. Apropos Grundtonwiedergabe: Diese verleiht sowohl der Stimme als auch den Saiteninstrumenten wie Gitarre und Klavier einen angenehm vollen Klangkörper, ohne dabei aufzudicken.
High Gain & Low Gain
Wechselt man nun von der potenten High-Gain-Einstellung in das für In-Ears angenehmer zu regelnde Low-Gain-Setting, so kann der DAP auch mit einem Audiofly AF160 mehr als nur umgehen. Der Lotoo PAW Gold Touch 2 lässt dem In-Ear aus Australien geradezu freien Entfaltungsspielraum. Hier kommen die hochauflösenden Mitten des recht neutral zu Werke gehenden In-Ears voll zur Geltung. Einzelne Gitarrensaiten sind auch bei leisen Pegeln noch deutlich genug herauszuhören und verschwinden nicht im Einheitsbrei.
Laut und leise

Das unterstützt natürlich auch die exzellente Lautstärkeregelung, die selbst bei kleinen Volume-Settings die Kanalbalance hält und trotz digitaler Ansteuerung dynamisch noch einiges zu bieten hat. So werden auch feinste Lautstärkeabstufungen noch impulstreu und detailliert wiedergegeben. Neben der exzellenten Eignung für kleine Jazz-Formationen oder Singer/Songwriter-Pop, kann der Player auch bei härterer Gangart durchaus überzeugen, wie im Folgenden gelesen werden kann.
Black Metal und schwarzer Hintergrund


Der untere Mittenbereich verleiht den sechssaitigen Instrumenten so wichtige Vollmundigkeit – ohne, dass der Lotoo-DAP nur die Spur als Schönfärber durchginge. Auch bei höherer Lautstärke stellt der Player, sofern der Kopfhörer mitmacht, ein auffallend reines Klangbild zur Verfügung. Besonders das selbst bei Maximalpegel quasi nicht vorhandene Hintergrundrauschen bei pausierter Wiedergabe beeindruckt mich. Der Signal-Rausch-Abstand wird also nicht nur auf dem Papier versprochen, sondern sorgt auch in praxi für einen auffallend „schwarzen“ Hintergrund. Alles das trägt zu einem homogenen und sehr durchhörbaren Klangerlebnis bei, der die Wiedergabekette schnell in Vergessenheit gerät und man sich auf die Musik fokussieren kann.
Originalgetreu: die Räumlichkeit
Der Lotoo PAW Gold Touch 2 überzeugt mich auch bei der Bühnendarstellung. Und zwar nicht deshalb, weil er etwa einen übergroßen Raum zeichnet oder Instrumente überdimensioniert und pompös wiedergibt, sondern weil er sich auch hier eher ganz klar als Realist und nicht als Blender zeigt. Instrumente sind im Raum dort anzutreffen, wo man sie vermutet, und vorbildlich klar voneinander abgegrenzt. Die Tiefenstaffelung gelingt dem Player ebenso anstandslos und authentisch wie die Bühnenbreite. Das gilt sowohl für das kleine Jazztrio als auch für größere Orchester – natürlich immer gute Aufnahmen vorausgesetzt. Selbstverständlich hängt die Raumdarstellung auch größtenteils vom verwendeten Kopfhörer ab. Der GT2 lässt den angeschlossenen Modellen hier freien Entfaltungsspielraum. Aus einem Sennheiser HD 650 wird also auch über den Lotoo kein Raumwunder.

Ganz schön tiefgründig: die Basswiedergabe
Schon die erste Generation des Lotoo PAW Gold Touch war für ihre punchige und qualitativ hochwertige Basswiedergabe bekannt. Der zweite Wurf stellt hier keine Ausnahme dar. Im Gegenteil: Der GT2 legt besonders im Tiefbass noch eine Schippe drauf.

Der Lotoo PAW Gold Touch 2 bietet im Tiefton aber nicht nur tonal einen Mehrwert. Qualitativ wächst er selbst über die hervorragenden Basskünstler N6III mit ESS-Modul und Astell&Kern SE200 hinaus. Das Impulsverhalten gestaltet sich mit dem neuen Lotoo zweiter Generation sogar nochmals eine Spur kontrollierter als beim Erstling. Grobdynamisch lässt der Gold Touch 2 nichts anbrennen und kann mit einem steilen Flankenanstieg und schnellem Abklingen der Impulse einen Impact bei Bassdrums erzeugen, von dem andere Geräte nur träumen.
Ja, die „trockene“ Wiedergabe liegt auf einem Niveau mit meiner preisunabhängigen Bassreferenz NuPrime HPA-9 (799 Euro). Was man aber auch beim High-End-Player aus China berücksichtigen muss: Aus einem im Bassbereich eher schwachbrüstigen Kopfhörer wie dem AKG K701 kann der PAW Gold Touch 2 natürlich kein Bassmonster machen. Der Fabs Fabulous Dual Basic (440 Euro) hingegen fühlt sich im Low-Gain-Setting am schwarz-goldenen Player sichtlich wohl und kann seine Energie frei entfalten. Auch elektronische Musik oder Jazz lassen sich am GT2 über längere Zeit genießen – ein weiterer Pluspunkt gegenüber Playern, die mit ESS-DAC oft etwas analytischer auftreten.

PREMIUM-HÄNDLER, die Lotoo führen
Leserbrief
