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Test: La Rosita Tender | Endstufe

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  1. 1 Test: La Rosita Tender | Endstufe

November 2015 / Ralph Werner

„Was heißt eigentlich Understatement auf Französisch?“, frage ich mich, nachdem ich die beiden Monoblöcke „Tender“ der südfranzösischen Manufaktur La Rosita (www.larosita.fr) ausgepackt habe. Ein schlichteres Gewand habe ich bei Endstufen dieser Preisklasse wohl noch nie gesehen. Klar – mit Featurereichtum kann die Geräteklasse generell nicht punkten. Aber die meisten Hersteller versuchen durch ein imposantes Metallkleid oder schieres Kampfgewicht zu beeindrucken. Die Tender dagegen wiegen gerademal zwölf Kilo das Stück, und ihr Gehäuse ist vom Prinzip her das gleiche wie das vom DAC/Streamer „BetaNew“, wenn ich’s richtig sehe.

La Rosita Tender

Nicht, dass wir uns missverstehen: Die Verarbeitung ist picobello – aber das Kleid an sich ist schlicht. Wer nun wegen des moderaten Gewichts darauf schließt, es handele sich wohl um ein Class-D-Design, der irrt. Die La Rosita Tender sind in Class-AB, Push-Pull, mit je vier bipolaren Ausgangstransistoren pro Kanal, die 2 x 150 Watt an 8 Ohm bereitstellen, aufgebaut. Die Leistungsaufnahme im Leerlauf ist mit circa 10 Watt pro Block aber angenehmerweise auch nicht wirklich höher als bei Schaltverstärkern. Finde ich gut. Vor allem deshalb, weil es Gründe gibt, sie erst mal nicht auszuschalten. Später mehr dazu.

Angesprochen auf die dezente Optik der Monos gibt Dan Bellity – Chef und Mastermind bei La Rosita – frank und frei zu, dass er es nachgerade für einen Witz hält, wie die Aufwandsrelation von Verpackung und Inhalt bei vielen High-End-Marken ausfällt. Wer gerne eine Skulptur anschauen möchte, der solle doch einfach eine kaufen – statt eines Verstärkers im Edel-Dress. Bei seinen Produkten jedenfalls fließe der Aufwand ins Innere, damit sie gut klingen, statt nur hübsch auszusehen. Als Indizien führt er an: sündhaft teure Edel-Kondensatoren aus Japan, Shinkoh Tantalum Resistors für 20 Euro das Stück statt Widerstände für ein paar Cents, handgewickelte und entsprechend wertvolle Luftspulen – dergleichen würde in seinen Tender-Monoblöcken selbstverständlich Verwendung finden.

Doch nicht nur die Bauteile seien kostspielig – auch finde die komplette Produktion in Handarbeit von Fachkräften in Frankreich statt. Und eben nicht in Billiglohnländern. Die komplette Schaltung wird Punkt-für-Punkt mittels Wickeltechnik (sehen Sie sich das mal in der Wikipedia an), also komplett ohne Platine manuell aufgebaut. Denn nur so ließen sich parasitäre Kapazitäten ebendieser vermeiden – und zudem könne der Signalweg kürzer gehalten werden, gibt sich Bellity überzeugt.

Motiviert von dieser Info, öffne ich einen Mono, um mir das „Point-to-Point-Wiring“ mal genauer anzuschauen und ein paar Fotos zu machen, ist das doch der feuchte Traum so manchen Highenders, insbesondere solcher aus der Glaskolbenfraktion. Spannend, das dann mal mit Transistoren realisiert zu sehen. Nachdem das U-Blech, das als Deckel dient, abgezogen ist, entdecke ich – leicht amüsiert wie verwirrt – genau mittig ein weiteres Abdeckblech, das mir deutlich aufwendiger erscheint als die äußere Schale. Lustiger Ansatz, genau dort Marken- und Produktname reinzufräsen, wo man es nicht sieht.

La Rosita Tender

Unter dieser Abdeckung findet man nun wiederum zweierlei. Zum einen den Topf, in dem der Ringkerntrafo seine Behausung findet – ein 500-VA-Kamerad, schon ganz anständig, aber die Größenordnung alleine haut mich in der Liga, in der wir uns befinden, nun auch nicht gleich um. Und dann das viereckige Kästchen, in dem die eigentliche Audioschaltung steckt.

La Rosita Tender

Hm – das mit dem kurzen Signalweg scheint zu stimmen, so klein wie das ist. Natürlich hat auch dieses Kästchen einen Deckel, also weg mit dem, um dann endlich …

La Rosita Tender

… ausgehärtetes Epoxidharz zu sehen!

Die komplette Audioschaltung der Tender-Endstufen wird vergossen
Die komplette Audioschaltung von La Rositas Tender-Endstufen steckt in diesem vergossen Kasten

Nicht einmal die nerdige Freude daran, auf ein kunstvoll verknüpftes Arrangement diskreter Bauteile zu glotzen, lässt er einem! Aber dafür sorge das Epoxid eben für perfekt stabile Temperaturbedingungen und halte Vibrationen aller Art erfolgreich davon ab, auf die Schaltung einzuwirken, was für die Minimierung von Mikrofonieeffekten ganz wesentlich sei, so Dan Bellity. Seine Verstärker seien in erster Linie zum Anhören, nicht zum Ansehen gedacht. Stimmt, ließe sich spöttisch beipflichten, schließlich sieht man außen ziemlich wenig und innen fast noch weniger. Aber gut – entscheidend ist ja aufm Platz. Also schnallen wir die Tender jetzt mal an.

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