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KSD 2030 von KS Digital: Klangeindruck

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Um gleich einmal mit der Tür ins Haus zu fallen: Die KS Digital 2030 bietet fürs Geld verdammt viel – aber es muss, wie so oft, zu den Hörgewohnheiten und dem -raum passen. Stehen Livekonzertpegel und grobdynamische Kampfkraft, absoluter KSD 2030Tiefgang und physisch erfahrbarer Bassschub ganz oben auf der Wunschliste, wird man sich wohl eher bei anderen Lautsprecherkonzepten umschauen. Die untere Grenzfrequenz wird mit 38 Hz angegeben – das ist realistisch, und darunter kommt dann nicht mehr so viel. Zwei Sechszöller in überschaubarem Volumen müssen den Bassbereich stemmen, und da die KSD 2030 ein Aktivling ist, kommt dabei dennoch erstaunlich viel heraus – vor allem qualitativ. Aber es gibt eben auch physikalische Grenzen.

Okay: Ich habe die KSD 2030 in einem 30-Quadratmeter-Altbauzimmer mit einer Deckenhöhe von 3,4 m gehört, ihr natürliches Habitat dürfte in kleineren Räumen mit geringerem Volumen zu finden sein, dann wirkt so ein Klangbild noch mal anders. Gleichwohl, das hier ist keine Partybox, mit der man regelmäßig die Kuh fliegen lassen wird, sondern ein Speaker für audiophile Feingeister, denen Natürlichkeit, Kohärenz des Klangbilds und Nuanciertheit der Wiedergabe ganz, ganz wichtig sind. Doch die Extreme einmal beiseite: Mein persönlicher Wohlfühlpegel liegt so zwischen 80-85 dB am Hörplatz, was als deutlich über Zimmerlautstärke liegend angesehen werden darf und nicht von jedem Ohrenarzt und Nachbarn empfohlen wird. Natürlich können die KSD 2030 solche Lautstärken problemlos und völlig selbstverständlich bereitstellen. Der Grenzbereich liegt deutlich darüber.

KSD 2030

Also … wie anfangen mit der Beschreibung? Die KS-Digital-Säule macht es dem hifidelen Chronisten nicht ganz leicht, stellt sie sich doch in erster Linie als „charakterlos“ dar – im ganz und gar positiven Sinn. Das gilt zunächst einmal tonal, wobei man hier, dank der High- und Lowshelf-Filter, die zwischen 120-150 Hz und bei 5 kHz ansetzen und je +/- 6 dB Spielraum eröffnen, letztlich auch „Wünsch dir was“ spielen kann: Von „britisch extrem“ bis zu „ätherisch-blutarm vor sich hinflötend“ ist alles drin. Lässt man die Filter aber beiseite, findet man sich im komplett ebenen Gelände wieder, tonal sind das die Niederlande, nichts sticht heraus, nichts läuft unter der Grasnarbe.

Binnen 20 Minuten zappe ich mich mittels Audiodatas Musikserver durch unterschiedlichste Gesangsstimmen: von Cat Power und Heather Nova, über Howe Gelb, Leonard Cohen zu Laurie Anderson und Tori Amos – und dann wieder zurück. Fazit? Da wird nichts im Grundton angeschoben oder gestrafft, nichts durch Präsenzbetonung nach vorne gemogelt oder – umgekehrt – Cat Power/What would the community think?verschüchtert beziehungsweise auf „Langzeittauglichkeit“ schielend, zurückgedimmt. Es gibt keinen Glitter im Brillanzbereich, um eine offene Stimmung zu suggerieren, die eigentlich nicht da ist, doch wenn massiv Bandrauschen auf einer Aufnahme drauf ist (wie bei Cat Power/What would the community think?, auf Amazon anhören) gibt’s genau das um die Ohren. Unterschiedliche Stimmen (und Aufnahmen) klingen mit der KSD 2030 auch sehr unterschiedlich, eine Tendenz zur sei’s auch nur leichten Homogenisierung des eingehenden Signals wird als Sounddesign zurückgewiesen, wer dergleichen möchte, muss die Filter bedienen. Wir sind im Studio.

Ein guter Prüfstein für den tonalen Bereich sind Instrumente mit einem großen Frequenzumfang, zum Beispiel Klavier oder – warum mal nicht? – Konzertharfe. Wenn man einmal davon absieht, dass der Sub-40-Hz-Stoff nicht vollumfänglich weitergereicht wird, lässt sich nur sagen: alles da, und vor allem in sich stimmig und in keine Geschmacksrichtung verschoben. Das gilt nicht nur fürs tonale Untergeschoss, welches enorm strukturiert und trocken durchgezeichnet rüberkommt, sondern auch für den Obertonbereich, der für eine differenzierte Darstellung klangfarblicher Zwischenwerte ja sehr wichtig ist. Wie noch minimalstes Changieren des Timbres beim Verklingen einer Joanna Newsoms „en Gallop“ auf The Milk-Eyed MenderHarfensaite (zum Beispiel bei Joanna Newsoms „en Gallop“ vom Album The Milk-Eyed Mender, auf Amazon anhören) völlig unbelegt, hochgenau und dabei ganz selbstverständlich-natürlich weitergereicht wird, ist echt ein audiophiler Traum. Wer zu Ton, Timbre und Textur möglichst alles erfahren möchte, kommt mit der KSD 2030 nicht nur fürs Geld verdammt weit, sondern auch absolut. Entsprechend begnadet wird einem akustische Musik dargeboten, die „Echtheit“ von Jazzquartetten, Kammermusikalischem und Singer/Songwriter-Material kann einen wirklich umhauen. Hierzu trägt natürlich auch die gute Feindynamik ihr Scherflein bei, denn die kleinen, feinen Lautstärkeschwankungen, die Musik erst zu etwas Lebendigem werden lassen, verschleift die KSD 2030 keinesfalls.

KSD 2030

Freilich, wer nichts schönt oder verschweigt, sondern hochdifferenziert berichtet, ist eben auch nicht immer „höflich“. Sollte vieles aus Ihrer Musikbibliothek eher grenzwertig aufgenommen worden sein und Ihr Soundideal darin bestehen, ebenjenes maximal manierlich ans Ohr gereicht zu bekommen … nun ja, dann werden Sie sich wahrscheinlich eh nicht für die Home-Serie eines Studiomonitorherstellers interessieren und dies hier lesen, oder? Fehler im Mix macht die KSD 2030 jedenfalls kommentarlos als solche kenntlich. Ein echt schlecht produziertes Album wie The Blue God von Martina Topley Birdetwa The Blue God von Martina Topley Bird kann man mit brühwarm abgestimmten Tendenzboxen ohne Auflösungsvermögen akzeptieren – da plätschert die Musik dann halt ein bisschen öde vor sich hin, tut aber nicht wirklich weh. Wird die KS Digital angeschlossen, fragt man sich dagegen, ob es Ignoranz oder doch eher Sadismus war, was den Toningenieur umtrieb, derart lieblos wurden hier die Tonspuren zusammengepuzzelt. Man kann es wirklich nur schwer ertragen. Es sei denn, man bastelt sich schnell ein Tendenzböxchen zusammen, was mit den Höhen- und Bassreglern der KS Digital ja durchaus möglich ist. Das ist der Charme an dieser Lösung: Mit der KSD 2030 kommt ein extrem ehrlicher Reporter ins Haus, der sich aber binnen zehn Sekunden zur „freundlichen, tonalen Zensur“ überreden lässt, wenn man nicht jeden Millimeter, sondern „einfach nur Musik“ hören möchte.

Höhen- und Tiefenfilter der KSD 2030
Höhen- und Tiefenfilter der KSD 2030

Zu den zentralen Stärken der KSD 2030 gehören die sehr detaillierte Spielweise – das kam ja schon durch – und die Raumdarstellung. In Sachen Auflösung bin ich Gutes gewohnt, was wenig wundert, liegt meine Lautsprecher/Verstärker-Kombination doch ungefähr beim sechsfachen Einstandspreis der KS Digital. Natürlich bietet mir die nicht einfach nur einen höheren Grenzpegel und ein Plus an Grobdynamik, sondern auch das noch differenzierter abgestufte Klangbild. Die fast schockierende Erfahrung bei gut gemachten Aktivkonzepten besteht allerdings darin, vorgeführt zu bekommen, wie wenig dieses Mehr an Auflösung mit dem Vielfachen des Invests zusammenhängt. Oder positiv ausgedrückt: Mehr als einem die KSD 2030 in dieser Hinsicht bietet, braucht im Grunde kein Mensch. Die schlanke, aktive Säule spielt quer übers Frequenzband hinweg ungemein detailliert, insbesondere im Mittenband ist das wirklich XX / Coexistfrappierend „echt“. Beispiel: „Unfold“ von XX (auf Coexist, auf Amazon anhören). Der Gesang von Oliver Sim und Romy Croft wird mir derart naturidentisch ins Zimmer gebeamt, dass ich fast schon erschrecke. Jede kleine Phrasierung, jeder Atmer ist da, aber nicht – ganz wichtig! – in diesem leicht plakativen „Wir leuchten jetzt alles gnadenlos aus, damit der Toningenieur Bescheid weiß“-Sinne. Das Klangbild hat eher was von … nextelartiger Samtigkeit (sic!), statt „hartem“ Hochglanzlack. Ja, da ist so etwas wie „Samtigkeit“ im Spiel, doch ergibt sich die eben nicht als Folge eines tonalen Softens im Präsenzbereich und/oder Unterfütterns im Grundton, sondern ist genau das Ergebnis der hohen Auflösung: Das Klangbild wird derart feinpixelig präsentiert, das keine Säume, Ränder, Treppen und Artefakte erscheinen, um bei der Digitalfotografie-Metapher zu bleiben. Das Organisch-Geschmeidige der KSD 2030 ist quasi die Nebenwirkung der hohen Auflösung – das ist wirklich mal etwas Besonderes.

Leider stehen mir weder die aktive Genelec 8260 (circa 9.000 Euro) noch die Dynaudio Focus 600 XD (circa 10.000 Euro) für Direktvergleiche zur Verfügung, aber ich habe beide Lautsprecher lange genug gehört, um mir sehr sicher zu sein: Diese charmante, hochaufgelöst-samtige Gangart im Mittenband der KSD 2030 können die beiden in dieser Qualität nicht bieten. Gut, die Dynaudio hat im Untergeschoss deutlich mehr drauf, KSD 2030damit auch grobdynamisch und in Sachen Maximalpegel – kein Wunder, hat sie doch die deutlich üppigere Treiberbestückung und mehr Verstärkerpower zu bieten. Aber mit Blick auf die Mitten geht es in Relation zur KS Digital ein kleines Stückchen profaner (und auch schlanker) zu. Noch mehr gilt das für die Genelec – die dafür wohl noch etwas tiefer den Raum ausleuchtet als die KSD 2030 und Schallquellen geradezu mathematisch exakt verortet. Aber die Feinsinnigkeit bei der Stimmwiedergabe, die der Saarländerin zu Eigen ist – nein, die schafft sie so nicht ganz.

Apropos Raum: Ich schrieb oben, dass hier eine weitere Stärke der KSD 2030 liegt. Ganz entscheidend auch deshalb, weil sie so frei abbildet, wie es sonst vielleicht sehr gute Kompaktmonitore tun. Akustisch verschwinden diese Aktivlautsprecher komplett aus der virtuellen Bühne. Wie überzeugend das passiert, fiel mir abermals bei XXs „Unfold“ auf: Nach einiger Zeit setzt rechts die Stimme von Romy Croft ein – doch auch, wenn sie ganz nah beim rechten Lautsprecher steht, sie steckt eben nicht „in ihm drin“, eher so ’ne Handbreit davor und zwei links daneben. Haben Sie nicht auch manchmal den Verdacht, das sich Lautsprecher „magnetisch“ verhalten? Dass wenn eine Schallquelle nicht 100%ig in der Mitte steht, sie quasi von links oder rechts angezogen wird? Exakt das passiert mit der KSD 2030 nicht. Alle Orte auf der Horizontalen vor dem Hörplatz sind gleichberechtigt, der körperlich-solide Eindruck der Phantomschallquellen ist nicht nur an den drei Orten Links/Mitte/Rechts gewährleistet, sondern eben auch in den Zwischenbereichen. Das halte ich in dieser Güte für sehr selten. Das letzte Mal, dass mir das so richtig positiv auffiel, war bei der passiven Diapason Adamantes, was Jahre her ist. Vermutlich hängt das Phänomen mit dem Thema Zeitrichtigkeit zusammen, welches KS-Digital-Chef Siegler so wichtig ist.

Körperhaftigkeit und Plastizität der Abbildung sind auch die Bereiche, bei denen die KSD 2030 der Genelec 8260 etwas voraushat. Die Finnin mag die einzelnen Stimmen und Instrumente noch exakter und randschärfer abgrenzen, die Saarländerin gefällt mit natürlich wirkender Rundung der einzelnen Klänge, es wirkt organisch-griffig mit ihr. Wenn denn – und dieser Vorbehalt gilt bei ihr immer – die Aufnahme es hergibt. Gleiches gilt auch für die Dimensionen der virtuellen Bühne, die können von klein/intim bis weitläufig und üppig ausfallen, auch in diesem Feld gibt sich die KSD 2030 als Studiomonitor zu erkennen. Weder macht sie’s stets in XXL, noch kommt sie – was ja durchaus involvierend wirken kann – notorisch einen Schritt auf mich zu. Nein, man hat bei ihr das Gefühl, dass sie bei der Aufnahme „nachschaut“, was denn ansteht, und dann vorlagengetreu die Zappa/Yellow SharkBühne mal bei der Grundlinie der Lautsprecher, mal davor und mal dahinter beginnen lässt. Dito was die Bühnentiefe angeht: Flache Aufnahmen bleiben flach, wird Raumtiefe aber im Studio hergestellt (wie bei XX/Coexist oder Andrea Schröder/Where The Wild Oceans End besonders deutlich) oder real im Konzertsaal eingefangen (zum Beispiel bei Zappa/Yellow Shark, auf Amazon anhören), kommt das sehr überzeugend rüber, die Fernsicht ist dann famos.

Um es einmal einzuordnen: Was realistische Bühnenausdehnung und Lokalisationsschärfe angeht, bietet die KSD 2030 dem Hörer jede Menge fürs Geld, andere sauber konstruierte Aktivboxen können das aber auch. Was die KS Digital zu etwas Besonderem werden lässt, liegt am akustischen Verschwinden des Lautsprechers aus dem Klangraum und an der griffig-plastischen Abbildungsqualität, gerade im Mittenband. Während man bei anderen monitorhaften Lautsprechern manchmal denkt „exakt, aber auch ein bisschen technisch-überscharf“ hat man bei ihr den Eindruck „sehr präzise, aber dabei natürlich-rund“. Was übrigens hervorragend zu ihrer samtig-feinpixeligen, hochaufgelösten Gangart passt, von der weiter oben schon die Rede war.

Test: KD Digital KSD 2030 | Aktivlautsprecher, Standlautsprecher

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