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Im Hörraum mit dem Krell Evolution 2250e

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Krell Evolution 2250e

Auf die Hörrunden war ich diesmal besonders gespannt, ist doch der 2250e quasi „mein erster Krell“ – von einigen Messeauftritten abgesehen, hatte ich zu den Amerikanern bisher noch keine nähere Tuchfühlung. Obwohl: Als der Krell S300i Vollverstärker vor knapp vier Jahren – Mensch, ist das schon wieder so lange her? – beim Kollegen Martin gastierte, hatte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, ebenfalls mal ein schnelles Ohr zu riskieren.

Die Test-Aussage „Generell zeichnet den Krell S300i aus, dass er eher ein Verstärker für Genießer als für stirnrunzelnde Analytiker ist“ konnte ich nur unterschreiben – Krells Kleinster weist ein doch recht eindeutig einzuordnendes Klangprofil aus. Was sich von der Endstufe 2250e ebenfalls behaupten lässt, wenngleich diese, soviel sei vorab verraten, klangcharakterlich doch schon etwas andere Pfade einschlägt.

Aber lassen wir unseren Probanden im Weiteren für sich selbst sprechen und konzentrieren uns dabei zunächst auf seine südlichen Frequenzgefilde. Und klar, dass ein 35 Kilo wiegender, mit 2 x 250 Watt bewehrter Endstufenklotz in Sachen Kontrolle und Tiefton-Kompetenz nichts anbrennen lässt, lässt sich erwarten – dennoch meldet sich der 2250e hier überraschend eindrucksvoll zu Wort:

the battlesAls Prüfstein für die tiefen Lagen eignet sich beispielsweise der Titel „Atlas“ des New Yorker Math-Rock-Trios The Battles (Album: Mirrored), in welchem Schlagzeuger John Stanier zunächst die Toms recht mächtig-fett in Szene setzt, um es im Verlauf des Stückes mit zusätzlichen Viertelschlägen der Bassdrum bis zum Abwinken satt und schwer grooven zu lassen.

Nun, was die dynamisch-zackige Akzentuierung der Toms angeht, liegt der Krell Evolution 2250e in etwa auf Augenhöhe mit meinen pfeilschnellen Audionet-Amp-Monos, was ihm allein schon ein erstes Häkchen auf der Habenseite meines Hörprotokolls einbringt. Die Substanz und Schubkraft, die er dabei in die Waagschale wirft, sorgen für ein zweites Häkchen – meine Audionets liefern da doch tatsächlich etwas weniger Masse, weniger Impact und scheinen aus den tiefsten Frequenzlagen weniger Power hochpumpen zu können. Ja, ein Häkchen mit Ausrufezeichen dran, ich bin schon ziemlich überrascht, „Energieprobleme“ sind schließlich auch für meine Arbeitsverstärker ein absolutes Fremdwort. Dass diese im direkten Vergleich zu unserem Probanden gar fast ein wenig verhalten, wie mit weniger Puste daherkommend wirken, als es daran geht, den Tieftönern meiner Thiel CS 3.7 ordentlich mit den Bassdrum-Vierteln einzuheizen, lässt mich schlichtweg den Hut ziehen, zumal es dem Krell auch besser gelingt, die massige Tieftonwelt zu differenzieren.

Krell Evolution 2250e

Um Missverständnissen vorzubeugen: In Sachen Tonalität ist der Krell meinen Audionets übrigens durchaus ähnlich, und gibt sich einwandfrei neutral. Obwohl der 2250e wie beschrieben in den unteren Lagen massig Energie bereitzustellen vermag, wenn die Musik dies fordert, tönt es über ihn keinesfalls betont fett oder warm. Ja, alles in allem lässt sich in der Tiefton-Suppe aus Schub, Präzision und Neutralität keinerlei Haar finden – das Ganze schmeckt zweifelsohne nach kompromissloser Haute Cuisine. Das geht ja gut los …

Tonale Neutralität lässt sich unzweifelhaft auch der Mitten- und Hochtonwiedergabe attestieren, Stimmen und Instrumente werden durchweg „richtig“ balanciert, weder zaubert der Krell Evolution 2250 hier in irgendeiner Art und Weise ein schönfärberisches Flair, indem er etwa Stimmen oder Instrumente sonderlich warm oder auch nur einen Deut abgerundet wiedergeben würde, noch lässt er es schlank oder betont frisch zugehen. Auffallend unauffällig – so scheint die löbliche Devise des Amerikaners an dieser Stelle zu lauten.

Obwohl: Halt! Bevor Missverständnisse aufkommen …

Krell Evolution 2250e

Test: Krell Evolution 2250e | Endstufe

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