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Test: Kora CD140 | CD-Player

CD, s'il vous plaît

Im Test: Kora CD140 | CD-Player

UVP zum Testzeitpunkt: 6.950 Euro

Web: https://www.soreal-audio.de/

Kora? Zugegeben, den Hersteller kenne ich noch nicht lange – meine erste, indirekte Berührung mit der Marke war im Oktober 2025, als der geschätzte Kollege Fritz Schwertfeger den Integrierten Kora TB140 testete und ich im Anschluss mit Interesse seinen Bericht las. Dabei gibt es die französische Marke immerhin schon seit den 1990er Jahren. Nach einer Neuausrichtung 2017 umfasst das Portfolio der Franzosen aktuell sechs Endstufen, drei Vollverstärker, zwei Vorstufen, einen DAC – und natürlich unseren heutigen Probanden, den CD-Player Kora CD140. Als ich mir im Internet die ersten Fotos des Geräts ansah und dann den Preis erfuhr, der knapp an der 7.000-Euro-Marke kratzt, dachte ich erst mal: „Hui, das ist sportlich!“

Doch natürlich hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Danyel Rondthaler heißt dieser Wirt – und er hat mit seinem SoReal-Audiovertrieb ein spannendes High-End-Line-up aufgebaut. Als „Trüffelschwein“ im besten Sinne vertritt er zahlreiche bekannte und weniger bekannte Marken, die alle die Besonderheit eine, den bestmöglichen Klang abzuliefern, wenn auch mit zum Teil ungewöhnlichen Mitteln, so Rondthaler am Telefon. Nun gut, das sagen viele Vertriebler. Doch ich möchte schon jetzt spoilern: Beim Kora-CD-Spieler hat er jedenfalls nicht zu viel versprochen.

Unspektakulär

Von außen wirkt das gute Stück, vorsichtig gesagt, reichlich unspektakulär. Das dünnwandige Metallgehäuse ist eher simpler Machart, die Verarbeitung solide, aber alles andere als tresorhaft. Wenn ich da zum Beispiel an den Denon DCD-3000NE denke, der zum nicht mal halben Preis 17 Kilogramm Lebendgewicht auf die Gerätebasis bringt – das ist vom Aufbau und von der „gefühlten Wertigkeit“ her schon ein anderer Schnack.

Der Kora CD140 von rechts oben
Der Kora CD140 gibt sich äußerlich denkbar unspektakulär – solide, aber alles andere als tresorhaft

Doch zurück zum Kora CD140. Ein kleines, orangefarbenes OLED-Display informiert über Tracks und Betriebszustände, daneben noch ein Multifunktions-Jog-Wheel: Bis hierhin erst mal keine echte Materialschlacht. Auch die Heckpartie darf bestenfalls als puristisch durchgehen. Hinaus geht’s per Hochpegel-Cinch und nicht symmetrisch (ziemlich mutig in der Preisklasse), außerdem gibt es weder digitale Ein- noch Ausgänge. Gut, das geht wohl als „konsequent“ durch, denn mit jedem Ein- und Ausgang kann ich mir nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch Einstreuungen einfangen – und je weniger komplex eine Ausgangsstufe ist, desto weniger kann auch schiefgehen. Richtig interessant wird es sowieso erst im Inneren …

Das rückseitige Anschlussfeld des Kora CD140
Übersichtlich: Beim Kora CD140 lässt sich das gewandelte Signal über ein Cinch-Doppel abgreifen, und das war es dann auch schon, was Schnittstellen angeht

Eigensinnig

Die vom solide wirkenden Laufwerk abgegriffenen Rohdaten werden erst einmal von AKM-Chips hochgesampelt, und zwar auf 32 Bit/768 kHz. Sodann werden sie an eine ambitionierte DAC-Sektion mit Wandlern der Marke ROHM weitergereicht – ein Hersteller mit sehr gutem Ruf, auf den beispielsweise auch Luxman vertraut. Zu guter Letzt durchläuft das gewandelte Signal eine Röhrenausgangsstufe, die nach dem selbst entwickelten „Square-Tube-Konzept“ aufgebaut wurde. In Kürze: Die nach dem Push-Pull-Prinzip konzipierte Röhrenstufe ist so beschaltet, dass sie sich – so heißt es bei Kora – selbst stabilisiert. Dadurch sollen die Röhren auch bei Alterung oder Fertigungstoleranzen stets optimal und verzerrungsfrei zusammenarbeiten, da etwaige Fehler oder Abweichungen symmetrisch ausgeglichen würden. Ein Grund, warum man bei Kora auch wenig vom Tuberolling (also dem Austausch der Röhren durch „höherwertige“) hält, denn – salopp gesagt – würde man sowieso keine nennenswerten Unterschiede bei dieser speziellen Art der Beschaltung hören. (Wer noch mehr technische Details erfahren möchte, kann auf der Kora-Website Zusatzinformationen bekommen.)

Blick ins Innere des Kora CD140
Blick ins Innere des Kora CD140: Auf der rechten Seite sieht man die Hauptplatine mit der „Square Tube“-Röhrenausgangsstufe

Ich finde das bemerkenswert, denn Kora geht mit dieser Topologie (Upsampling, ROHM-DAC, spezielle Röhrenausgangsstufe) einen recht eigenständigen Weg. Fast das Gegenteil kennt man von Audio Note UK: Bei den Briten gilt Upsampling wie Reclocking als Teufelszeug, man möchte den Strom der Bits zwischen Leseeinheit und Wandler so wenig wie möglich „anfassen“ und überlässt nicht selten die eigentliche Wandlung echten Vintage- und/oder NOS-Chips aus der Kreidezeit der DACs. Hat natürlich wiederum den Vorteil, dass man dem Rattenrennen um die stets neuen Chips bequem und achselzuckend vom Ohrensessel aus zugucken kann. Wie auch immer: Offenbar führen viele Wege nach Rom, aber nicht alle zu ROHM. Okay, zwei Euro in die Kalauerkasse und weiter!

User Experience

Das Jog-Dial-Bedienelement am Kora CD140
Das Jog-Dial-Bedienelement am Kora CD140

Bevor wir in den Hörparcours einsteigen, muss ich noch ein kleines bisschen mosern. Die Bedienung des CD-Spielers über das Multifunktions-Knöpfchen macht offen gestanden so gar keinen Spaß. Das ist zu fipsig und von der Funktionsbelegung aus meiner Sicht auch nicht gerade intuitiv. Zum Glück wird eine sehr stilvolle Fernbedienung mitgeliefert, die gut in der Hand liegt. Aber: Sie wartet mit kleinen Tasten und recht wabbeligem Druckpunkten auf. So richtig die optimale User Experience ist das nicht, da sieht man schon ein paar Preisklassen drunter angenehmer zu bedienende Geräte. Das muss jetzt alles über den Klang rausgeholt werden. Schafft der Kora CD140 das?

Kora CD140: Hörtest und Vergleiche

Ich greife den Spoiler aus dem Intro wieder auf: Und ob er es schafft! Ja, ich würde mich sogar dazu versteigen wollen, dass diese Komponente „Gamechanger“-Status hat.

Der Kora CD140 mit ausgefahrener CD-Lade und CD
Dass einen ausgerechnet ein CD-Player so überraschen kann

Sie kennen das: Man schleift testhalber ein neues Gerät in die Anlage ein und denkt: „Och ja, warum nicht?“ – Es ergeben sich ein paar klangliche Änderungen, hier wird was besser, dort vermisst man was, am Ende verständigt man sich auf ein „Geschmackssache“ oder eine inkrementelle Verbesserung. Beim Kora CD140 ging es mir komplett anders: Ich hatte gar nicht mehr Lust, mit meinen Hörsessions aufzuhören, und vernachlässigte dabei sogar die Nahrungsaufnahme. Was passiert da jetzt genau?

Das Tonale

Kruder & Dorfmeister The K&D SessionsFangen wir mal mit dem Tonalen an. Ich würde sagen: Das Gebotene ist nicht hundertprozentig reine Lehre, also durchgehend auf Normal-Null oder „Frequenzgang mit Fineliner und Wasserwaage gezogen“, wie ich es von meinem C.E.C. CD5 (circa 4.400 Euro) kenne, oder auch vom Streamingplayer Gold Note DC-10 Evo Line. Nein, ich meine, ein geringes, aber spürbares Extra-Quantum Wärme und Saftigkeit im Grenzbereich zwischen mittlerem und oberem Bass (also roundabout 80 – 120 Hertz) zu spüren. Sicherlich nicht so deutlich betont wie beim MEF Tube DAC SE (3.990 Euro), der diesen Bereich geradezu lustvoll-sonor rausdrückt. Eher ein dezentes „Plus“, aber doch spürbar. Zugleich ist der Bassbereich des französischen CD-Spielers konturiert und flink, also zu keiner Zeit „schlabbrig“. Wenn in Kruder & Dorfmeisters Nummer „Speechless“ (Album: The K&D Sessions) der ebenso tiefe wie drahtige Viersaiter ertönt, dann reicht der Kora CD140 das schlackenlos durch, schiebt mit Kraft und Wonne, aber mit klar nachvollziehbaren Hüllkurven – und kann auch grobdynamisch zulangen.

Bill Callahan Sometimes I Wish We Were An EagleMitten und Höhen wiederum wirken vollständig neutral, zeichnen dabei sehr natürlich wirkende Klangfarben und lassen eine Fülle von Details durch; auch hier geht es wie im Bass flink und Attack-freudig zu. Erst im Superhochtonbereich wird’s wieder eine kleine Nummer zahmer. Bill Callahans Stück „Rococo Zephyr“ (Album: Sometimes I Wish We Were An Eagle) beispielsweise beginnt recht gemütlich mit Akustikgitarre, Violine und Cello, dann kommt Callahans Bariton dazu – und erst im ersten Refrain (Timecode 01‘00“) erklingt ein einsamer Ridebecken-Schlag. Obwohl der eher leise und alles andere als exponiert im Mix ist, erschrickt man fast, weil das Ridebecken sich fast sichtbar manifestiert und „sofort da ist“.

Zusammenfassend könnte man zur Tonalität also sagen: Insgesamt ausbalanciert, aber da gibt es ein kleines Extra-Schäufelchen irgendwo zwischen Ober- und Mid-Bass, was die Sache schön sonor macht, während es ganz obenrum wieder etwas milder wird.

Zentrale Talente

Die zentralen Talente des Kora CD140 sind aber sowieso andere: Sie betreffen sowohl die Auflösung und den Detaillierungsgrad als auch die räumliche Darstellung und Feindynamik, wobei es bei diesen Kategorien natürlich gewisse Schnittstellen gibt – man sehe mir also nach, wenn ich im folgenden Teil diesbezüglich ein wenig „springe“.

Blick auf die vier Röhren der Ausgangsstufe des Kora CD140
Blick auf die vier Röhren in der Ausgangsstufe des Kora CD140

Diese Präsenz!

Es ist wirklich frappierend, wie unmittelbar man mit dem Kora CD140 am Geschehen ist und wie realistisch es sich im Hörraum manifestiert. Nehmen wir nochmal Bill Callahans Stimme: Wenn sie über den CD140 erklingt, dann muss man nicht mal die Augen schließen, um Callahan im Raum zu wähnen. Er steht dort mit einer derartigen Stabilität und Präsenz, dass es fast schon etwas unheimlich ist. Ja, man mag es kaum glauben, denn die beiden Lautsprecher stehen nun mal links und rechts, doch der Kora erzeugt eine derart solide Phantomschallquelle in der Mitte, dass man sie selbst dann nicht realistischer darbieten könnte, wenn man einen Centerlautsprecher benutzen würde. Das ist fast schon eine cineastische Erfahrung. Wenn ich danach auf meinen C.E.C. CD5 umschalte, der nun wirklich kein schlechter CD-Spieler ist, dann scheint es so, als ob man von „Livekonzert“ wieder in Richtung „Konserve“ unterwegs ist. Wohlgemerkt, nicht im dynamischen Sinne, sondern dahingehend, dass ich beim Kora CD140 tatsächlich so etwas wie die Präsenz, die Anwesenheit des Musikers im Raum spüre. Sehr speziell!

Auflösung

Doch das ist noch nicht alles: Der Franzose schafft es, aus der hauseigenen CD-Bibliothek so viele feine Details herauszuarbeiten, dass man die eine oder andere Aufnahme tatsächlich nochmal neu entdecken kann. Man hört beispielsweise das feine Hi-Hat-Ticken in Bill Callahans Stück „Jim Cain“ in all seiner feindynamischen Körnigkeit, aber auch mit leichten Unebenheiten im Takt – selbst dann, wenn eine laute Snare oder ein tiefer Bass parallel erklingt. Oder: Es gibt im ersten Track der K&D Sessions („Heroes“) ein ziemliches Soundchaos aus Synthie-Klängen mit WahWah, Flughafendurchsagen und Drumtracks – und trotzdem kann man über den Kora CD140 winzige perkussive Schwebungen im Hintergrund wahrnehmen. Im Track „Speechless“ wiederum haben die Drums einen recht billig wirkenden, flatternden Hall. Diese sehr feinen, flirrenden Details werden über den CD140 fast schon „sichtbar“, das geht für mich ein wenig in Richtung Synästhesie – und sorgt für ein immersives Erlebnis.

Der Kora CD140 und seine Fernbedienung
Der Kora CD140 und seine Fernbedienung

Räumlichkeit

Trotzdem gehört die Auflösung des Franzosen jetzt nicht zu den Dingen, die den Kora-Player als „Wundermaschine“ auszeichnen. Wenn wir nur vom Detaillierungsgrad als Einzeldisziplin sprechen, schlägt sich der oben erwähnte Denon DCD-3000NE beispielsweise ebenfalls sehr wacker. Nein, es ist die Räumlichkeit, die mich beim Kora so besonders begeistert. Was hier geboten wird, ist für meinen Geschmack schlicht und einfach „Weltklasse“ – und lässt qualitativ alles hinter sich, was ich aus dem Standalone-CD-Player-Bereich bisher kenne.

Chill Out The KLFGrundsätzlich geht die Bühne erst einmal einen Schritt weit auf den Hörer zu, es gibt hier also keinen Orchestergraben. Und: Sie fächert sich sowohl in der Breite als auch in der Tiefe mit einer Präzision und Klarheit auf, die ich dem guten alten Redbook-Format nicht zugetraut hätte. Wobei ich zwei Dinge klarstellen muss: Der Kora CD140 „macht“ keinen unrealistisch großen Raum auf – alles wirkt glaubhaft –, und zugleich gelingt es ihm, mit messerscharfer und hyperexakter Platzierung der Schallquellen zu punkten, ohne dass es seziererisch oder statisch klänge. Im Gegenteil: Es wirkt so real, dass eine Kammermusikbesetzung wirklich glaubhaft im Raum entsteht, verrückte Studio-Effekte aber eben auch zu verrückten Erlebnissen führen können: Hören Sie mal das surreale, an einen LSD-Trip gemahnende Meisterwerk „Chill Out“ von The KLF über den Kora CD140. Ich garantiere Ihnen, Sie springen vor Schreck aus dem Hörsessel, wenn die Güterzüge mit lautem Signalhorn quer durch den Raum brettern oder wenn bellende Hunde und eine blökende Schafherde um Sie herumspringen. Ganz ehrlich, mit so einer highfidelen Performance braucht‘s keine Drogen mehr: Nach dem Konsum der Platte wird Ihr Gemüt noch eine halbe Stunde lang im umgekehrter Wagenreihung unterwegs sein.

Das CD-Laufwerk des Kora CD140
Das CD-Laufwerk des Kora CD140

Und das ist es am Ende, was ihn nicht nur vom Denon-Player, sondern auch von meiner langjährigen Referenz C.E.C. CD5 unterscheidet: Der Zauber, das Fluidum, dass die Darbietung wirklich im eigenen Hörraum stattzufinden scheint. Auch wenn der C.E.C. Klangquellen präzise im Panorama verteilt und eine breite wie tiefe Bühne mitbringt: Erst mit dem Kora-Spieler scheinen sie regelrecht lebendig zu werden.

Mix & Match

Eines möchte ich noch ergänzen, denn ich habe den Kora CD140 in unterschiedlichen Setups gehört. Mit Valvet-Monoblöcken, passiver Vorstufe vs. Röhrenvorstufe, aber auch mit dem Röhrenvollverstärker Audio Note Cobra.

Blick auf den Gehäusedeckel des Kora CD140

Wenn Sie mich fragen: Paaren Sie diesen CD-Spieler im Zweifelsfall eher mit Transistorverstärkern. Denn das „gewisse Röhren-Etwas“ bringt er schon von Hause aus mit, weitere Röhren und/oder Ausgangsübertrager im Signalweg könnten die stupende Präzision und Feinauflösung, mit der dieses Gerät arbeitet, im Worst Case wieder einebnen. Meine absolute Traumkombi bestand aus dem CD140, einer passiven Khozmo-Vorstufe (im Prinzip ein sehr hochwertiger Lautstärkeabschwächer mit Präzisions-ZFoil-Widerstandsnetzwerk) und den Valvet-Monoblöcken. Da die im Kora CD140 verbaute Röhrenausgangsstufe extrem stabilen, guten Line-Pegel abliefert, kann man hier ganz puristisch rangehen.

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