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Jean-Marie-Reynaud Twin Signature – Kompaktbox – Testbericht – fairaudio

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Jean-Marie-Reynaud Twin Signature - Kompaktbox - Testbericht - fairaudio

Musique

The Earlies mit ihrem Album „The Enemy Chorus“ sollten den Anfang machen. Psychedelisch angehauchter Prog-Rock mit musikalischen Anleihen aus den Siebzigern – so könnte man deren Machwerk vielleicht am ehesten kurz & knapp beschreiben. Die aktuelle CD liefert statt einer leicht einsichtigen Titelliste nur einen (zumindest für mich) undurchschaubaren Buchstabenkauderwelsch auf der Rückseite des Covers.the earlies the enemy chorus Wie auch immer – Track 5 eignet sich z.B. hervorragend, um Schärfen im Hochtonbereich aufzudecken. Nach ausreichender Einspielzeit ist in dieser Hinsicht von der Twin Signature wenig Böses zu erwarten. Die bisweilen schon fast als spitz zu bezeichnenden Klänge auf der CD zeichnet die Französin mit gebotener Gelassenheit nach. Man nimmt sie deutlich wahr – aber sie pieken nicht. Schön, denn ein unnatürlich forscher Hochtonbereich ist meine Sache nun wirklich nicht. Allerdings fehlt es – wenn man streng sein will – auch ein wenig am berühmten Glanz in den obersten Lagen. Und ansonsten? Schnell ist sie, die Madame – keine Frage. Ein gutes Beispiel liefern die knackig-kurzen Schläge der Bassdrum und der Toms, die sich durch das ganze Stück ziehen: Ja so muss das klingen – rhythmisch und punchy. Mit überflüssigem Hüftspeck hat die Twin Signature nichts am Hut. Dass es dabei nicht abgrundtief nach unten geht, wird man einem Wandler dieser Größe und Preisklasse nicht ernsthaft ankreiden wollen. Nein, an den Kelleretagen gibt es für einen Lautsprecher dieser Gattung nichts auszusetzen. Druckvoll konturiert und tief genug, um es auch mal rocken zu lassen, wie eine zwischendurch eingelegte Killing-Joke-Scheibe bewies. Eine zögerliche Zimperliese ist die Jean-Marie Reynaud Twin Signature – Gott sei Dank – schon mal nicht.

Manche sollen gegenüber dem gelegentlich schon etwas elegisch wirkenden Gesang von Thom Yorke ja richtiggehend Allergien entwickeln – ich mag Radiohead. Insbesondere das Album „Hail to the Thief“ hat`s mir angetan. Abwechslungsreich, intelligent und sehr emotional. „Sail to the Moon“ ist ein ruhiges und eher spärlich instrumentiertes Stück. radiohead hail to the thiefStimme, Piano und eine „clean“ gespielte Gitarre entwickeln aber eine unglaublich dichte Atmosphäre. Warm und voll tönt es über die Twin Signature – und so muss das auch sein. Der Gesang Thom Yorkes steht bei diesem Stück besonders im Vordergrund: Weich, tragend und weit ausladend kommt dieser normalerweise herüber. Und genauso transportiert es die Französin – ohne dabei die wichtigen feinen Nuancierungen der Stimme zu unterschlagen. Ja – der vom Papierkonus zu verantwortende Mittenbereich gerät bei der Twin Signature generell sehr überzeugend: Gerade akustische Instrumente und Stimmen erhalten dadurch die notwendige Wärme, um realitätsnah bzw. organisch zu wirken – artifizielle, gar stressige tonale Ungereimtheiten fallen dagegen ausschließlich durch Abwesenheit auf.

Das bereits 1998 erschienene Album „TNT“ von Tortoise (absolute Empfehlung!!!) liefert eine weiteres Exempel für die letztgenannten Punkte: Ob Cello, Xylophon oder erneut Gitarre: Die Leichtfüßigkeit und die Wärme, mit der die Twin Signature die Musik präsentiert, machen einfach Spaß. Die Twin Signature setzt ihre Prioritäten eindeutig auf die Erzeugung eines ganzheitlichen Musikflusses und weniger z.B. auf ein überdurchschnittliches Auflösungsvermögen. tortoise tnt cdBewahre, die Französin ist beileibe kein weichzeichnender Detailschlucker. Das Herausschälen von Feinheiten ist aber ebenfalls nicht ihre Domäne, sondern schlicht und ergreifend unkompliziertes Musikhören. Gerade wohl deswegen wird sie bei einigen Hörern hohe Sympathiewerte einspielen. Die vielschichtige Klangwelt von Tortoise wird übrigens auch räumlich involvierend präsentiert. An den Boxen kleben bleibt da nichts. Und auch was die Lokalisationsschärfe, die Plastizität, die Greifbarkeit einzelner Instrument angeht – da ist doch alles „magnifique“!?

Jein. Solange dunkel timbrierte Klangfarben das Bild beherrschen, schon. Die Gestaltung des Hochtons und der obersten Mitten gerät allerdings nicht gerade zu einem Ausbund an exakter Ortbarkeit bzw. präziser Raumdefinition. Da funkelt es – um es ein wenig übertrieben auszudrücken – bisweilen schon mal überall und nirgendwo. Zudem kann man mit etwas gespitzteren Ohren durchaus erhören, dass die oberen Frequenzgefilde einer Schallquelle entstammen, die räumlich unterhalb des Bass-Mitteltreibers angesiedelt ist. Nicht unbedingt dramatisch – aber für den einen oder anderen mag dies in Anbetracht seiner anerzogenen Hörgewohnheiten vielleicht etwas ungewöhnlich erscheinen.

Fazit

Die Jean-Marie Reynaud Twin Signature ist eine wirkungsgradstarke Kompaktbox …

  • die, bis auf die von mir gemessenen, aber akustisch wenig ins Gewicht fallenden kleinen Frequenzschlenker im Bereich der unteren Höhen, als sehr neutral zu bezeichnen ist.
  • die über einen knackigen bzw. präzisen Bass verfügt, der in Anbetracht der Größe und Preisklasse für überzeugendes Tiefenfundament sorgt.
  • mit einem warm und organisch wirkenden Mitteltonbereich.
  • mit einer sich schön von den Boxen lösenden Bühnendarstellung.
  • die frei von akustischen Härten ist und damit auch im Rahmen längerer Hör-Sessions ermüdungsfrei spielt.
  • mit guter Verarbeitung und eher zurückhaltendem Design.
  • mit einer hohen Spielfreude und einem Klangbild, dass die Ganzheitlichkeit der Musik und deren Fluss priorisiert.
  • deren Hochtonbereich sicherlich keine Meisterschaften in puncto „Lokalisationsschärfe“ und „Glanz in den obersten Lagen“ für sich entscheiden würde
  • deren „auf den Kopf gestellte“ Treiberanordnung für den Einen oder Anderen ein etwas ungewohntes Klangbild abgeben mag.

Meine Empfehlung: Erst mal hinsetzen und entspannen. Im eingespielten Zustand gewinnt die Jean-Marie Reynaud Twin Signature bei der richtigen Musikauswahl schnell an Sympathie. logo jean marie reynaud twin signatureSie ist beileibe kein audiophiles Kleinod, das in gewissen Bereichen magische Momente vermittelt, um dann an anderen Stellen wiederum rumzuzicken. Nein, Ganzheitlichkeit und Spielfreude sorgen für ein unkompliziertes sowie involvierendes Hörvergnügen. Achten Sie nach einigen Testhörrunden mal auf den Hochtonbereich. Vielen Hörern wird – in Abhängigkeit ihrer bisherigen Hörgewohnheiten – nichts auffallen. Ist dem so, dann gilt: Einfach weiterhören und freuen. Kopf ausschalten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Twin Signature der geeignete Lautsprecher ist, wird dann tatsächlich kontinuierlich ansteigen …

Test: Jean-Marie Reynaud "Twin Signature" | Kompaktlautsprecher

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Über den Autor

Equipment

Digitale Quellen: D/A-Wandler: Linnenberg Telemann, Electrocompaniet ECD 2 CD-Player: Fonel Simplicité Streamer: SOtM sMS-200 ultra & SOtM sPS-500, Auralic Aries Computer/Mediaplayer: Laptop mit JRiver MC

Vollverstärker: Abacus Ampino

Vorstufen: Hochpegel: MTX-MONITOR.V3b-4.2.1 (Upgrade von V3b), Funk LAP-2.V3 (Upgrade von Lap-2.V2)

Endstufen: Bryston 7B³

Lautsprecher: Sehring 903, Quadral Megan VIII

Kopfhörer: Audeze LCD-2, AKG K812, AKG K712 Pro, RHA T20, Soundmagic E80, Shure SRH 1840, AAW Q

Kopfhörerverstärker: NuPrime DAC-10H, Reußenzehn Harmonie III

Mobiles HiFi: Onkyo DP-X1, iBasso DX-80

Kabel: Lautsprecherkabel: HMS Armonia, WSS Platin Line LS4, Real Cable BW OFC 400, HMS Fortissimo NF-Kabel: Straight Wire Virtuoso Digitalkabel: USB-Kabel: BMC Pure USB1, AudioQuest Carbon, Boaacoustic Silver Digital Xeno Netzkabel: Furutech FP-S022N: konfektioniert mit FI-E 50 NCF & FI 50 NCF, Tellurium Q Black, Quantum-Powerchords, Swisscables Reference Netzleiste: HMS Energia MkII

Rack: Lovan Classic II

Zubehör: Stromfilter: HMS Energia MkII Sonstiges: AudioQuest Jitterbug

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 29 m² Höhe: 3,3 m

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