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Kirsch SQ8: Hochton und Bass – Test fairaudio

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dan berglundVom englischen Sheffield der wilden 80er-Jahre ins neuzeitliche, gediegenere Stockholm beziehungsweise zum Song „Gi Hop“ (Album: Tonbruket) des schwedischen Bassisten Dan Berglund, vielen vielleicht bekannt als ehemaliges Mitglied der – aufgrund eines Todesfalls leider nicht mehr existenten – Jazz-Combo e.s.t.

Das mich stets an eine Raddrehung oder Eisenbahn erinnernde rhythmische Muster aus einem wohl von einem Schlagzeugbesen stammenden „Dampfzischeln“ und einer „repetitiv klappernden“ Perkussion servieren die Kirsch SQ8 rhythmisch auf den Punkt und klangfarblich sehr organisch, aber in Sachen Auflösung etwas weniger aufgedröselt als ich das zum Beispiel von meinen Spendor oder – klar – auch meinen ehemaligen Thiel kenne. Nicht zuletzt wird das im Hochton angesiedelte „Dampfzischen“ von vielen anderen Lautsprechern noch präsenter und aggressiver vermittelt.

kirsch sq8

Die leichte Hochtondezenz stört mich persönlich – obwohl ich eigentlich schon auf offen-luftige Klangbilder abfahre – nicht groß, da die Kirsch auch bei diesem Stück ein in Gänze sehr glaubhaftes, realistisches Klangbild kreieren. Und das Ganze auch nicht so weit geht, keine Sorge, dass Einzelheiten gänzlich unterschlagen werden. Analytik-Freaks, die vor allen Dingen an der betonten Freilegung einzelner Details und/oder einem eher kristallinen, frischen Hochton besondere Freude entwickeln, könnten aber womöglich weniger auf ihre Kosten kommen. Fans von unbedingt langzeittauglichen, tonal tendenziell minimal zurückgenommenen, aber im Grunde dennoch nichts unterschlagenden Höhen dafür umso mehr.

alt jJa, sicherlich auch aufgrund der Hochtonabstimmung bekommen Stimmen etwas sehr angenehm Sonores mit auf den Weg. Bei etwas kritischen Aufnahmen wie dem mit aggressiveren Sibilanten „gewürzten“, dafür melodisch recht eingängigen Maltida der englischenMercury Music Prize“-Gewinner Alt J zischelt es etwas weniger scharf als gewohnt. Und die markante Charakterstimme von Interpols Frontmann Paul Banks tönt beim Song „Evil“ (Album: Antics) etwas weniger „kehlig“, dafür einen Deut voller, satter, und ja, etwas „entgrateter“ als sonst. Um an dieser Stelle mal etwas platt mit Klischees zu jonglieren: Auf „das sind Boxen deutscher Provenienz“ würde man durch bloßes Hören der SQ8 wohl eher nicht sofort schließen, allein aufgrund des kleinen Plus‘ an tonaler Wärme, der farbigen Stimmwiedergabe und der Langzeittauglichkeit werden sich viele bestimmt an klassische britische Studiomonitore erinnert fühlen.

Kirsch SQ8

Dafür, dass bei allem Wohlklang der Anmachfaktor nicht zu kurz kommt – wenngleich die Kirsch keinesfalls zu den sensationsheischenden Vertretern ihrer Zunft zählen – sorgt zum einen der Bassbereich:

clair obscureKlar warten Großkaliber wie meine Spendor SP100R2 mit noch mehr Druck und Tiefgang auf und transportieren zum Beispiel die tiefen Bassdrumkicks im Walzer „Saint Joseph“ (Album: Rock) der französischen Avantgarde-Combo Clair Obscure mit hörbar mehr Nachdruck. Angesichts ihrer Gewichts- und Preisklasse machen die Kirsch SQ8 aber zweifelsohne einen guten Job und lassen kleinere Kompakte wie eine Quadral Megan VIII oder – zumindest, was den Druck angeht – eine Thiel SCS4 merklich hinter sich, um bestimmt auch mit so einigen, ja, Standboxen Schritt halten zu können. In meinem fast 30 Quadratmeter großen und 3,60 Meter hohen Hörraum hatte ich jedenfalls nie das Gefühl, in Sachen Tiefton zu kurz gehalten zu werden, sprich mit einem allzu ohrenfälligen „Kompaktlautsprecher-Kompromiss“ auskommen zu müssen.

shellacZum anderen bieten unsere Berliner auch aus dynamischer Sicht genügend Spaßfaktor: Das aufnahmetechnisch in typischer Steve-Albini-Manier ziemlich rau-unmittelbare eingefangene „Mama Gina“ von Shellac (Album: 1000 Hurts), das anfangs aus nichts anderem als aus staubtrocken in Richtung Hörer knallenden Drums sowie einem schlichten, aber schön „bohrenden“ Gitarrenlick besteht, kommt jedenfalls amtlich unverschliffen-attackig daher.

Zwar würde ich unseren Probanden nun keine Formel-1-Qualitäten attestieren, viele mit Bändchen, AMT oder auch Metallkalotten bewehrte Lautsprecher – wie zum Beispiel besagte Quadral Megan oder Thiel SCS4 – vermögen feindynamisch noch „schneller“ und flirrender zu spielen. Laufen dabei bisweilen aber auch Gefahr – irgendeinen Trade-off gibt es immer -, Härten in die Musik zu tragen oder es an Geschmeidigkeit missen zu lassen. Wäre ich Entwickler, nein, ich würde bei den Kirsch ebenfalls nicht weiter an der „Dynamikschraube“ drehen: Die SQ8 bieten genügend Attack, um den Hörer zu involvieren und gehen dabei in Sachen Stressfreiheit und „musikalischer Fluss“ auf Nummer sicher.

kirsch sq8

Zudem: Wer Attack sagt, darf auch das Sustain, quasi die Substanz von Tönen nicht vergessen – und genau das ist eine weitere Stärke unserer Probanden: Einzelne Klänge nicht nur hinreichend schnell-zackig anzureißen, sondern deren Körper auch sorgfältig „auszumalen“. Meiner Erfahrung nach die Voraussetzung für eine klangfarblich reichhaltige, organisch wirkende Wiedergabequalität. Letztlich macht dies den Unterschied, ob etwa eine Hi-Hat zu einem bloßen dynamisch-zackigen Zischeln verkommt oder man über die Textur, die Beschaffenheit dieses Geräusches differenzierte Informationen erhält.

Anmachfaktor, die Dritte: Hinreichend pegelfest sind die Kirsch grundsätzlich ebenfalls, knapp über Zimmerlautstärke geht auf jeden Fall – wird der Volumehahn dann weiter in Richtung „Partylevel“ aufgerissen, verliert der Bass-/Mitteltreiber allerdings zunehmend seine Contenance, es beginnt mulmig zu werden. Große Lautstärken sind für den Hörspaß aber eh nicht unbedingt vonnöten, spielen die SQ8 doch auch leise ihre Meriten aus und sind nicht zuletzt eine gute Lösung für Hörer, die Musik spätabends auch mal auf Flüsterniveau genießen möchten.

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Test: Kirsch SQ8 | Kompaktlautsprecher

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