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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 In Seventh Heaven?
  2. 2 Kii Seven: Hörtest und Vergleiche

„Es ist nichts groß als das Wahre, und das kleinste Wahre ist groß“, sagt Johann Wolfgang von Goethe. In Zeiten, in denen alles möglich zu sein scheint, spricht nichts gegen update- fähige Anwenderfreundlichkeit und platzsparende Simplifizierung. Da passt es also ganz gut, dass von den Machern der kultigen Aktivlinge Kii Three ein kleineres, aber smartes All-in-One-Aktiv-System ins Rennen geschickt wird, dass überdies auch per WLAN operiert: die Kii Seven (8.570 Euro | https://www.kiiaudio.com/).

Ausschweifend energetisch

Erdacht und gebaut wurde die Seven von Kii Audio, einer vor gut zwölf Jahren gegründeten High-Tech-Manufaktur, die in Deutschland entwickelt und im niederrheinischen Hamminkeln vorwiegend in Handarbeit fertigt. Die neue Kii Seven ist ein kompakter, mit digitalem Processing (DSP) arbeitender, aktiver Drei-Wege-Monitor mit „direkter“ (WLAN-) Streaming-Funktionalität. Zu letzterer später noch mehr. Korrekterweise müsste man einen Weg dazu addieren, schließlich sind vier von Bruno Putzeys entwickelten Eigentakt-Class-D-Verstärkerzügen mit einer (krassen) Gesamtleistung von 600 Watt pro Box im Einsatz. Theoretisch, so lässt mich Tom Jansen von Kii wissen, käme man mit drei Verstärkern aus, aber die beiden Woofer laufen auf einem zweikanaligen Modul jeweils dediziert, wobei sie mit dem gleichen Signal angefahren werden. Somit sind tatsächlich vier Verstärker verbaut. Besagter DSP übernimmt dabei zugleich die Rolle der Aktivweiche und weist den Chassis die benötigte Leistung sowie natürlich die genau zugeschnittenen Frequenzanteile zu. Aber er kann noch mehr, nämlich ein kardioides Abstrahlverhalten bewirken.

Intelligent konzertiert – die Treiber

Einer der beiden seitlichen Tieftöner der Kii Seven

Die seitlichen, hoch bis etwa 700 Hertz in den Mittelton reichenden Tieftöner sind elementarer Bestandteil des kardioiden Konzepts

Das Abstrahlverhalten der Kii Seven benötigt viel und vor allem prompte Rechenleistung, dazu ebenso reaktionsschnelle Leistung in Form von reichlich Watt, damit den beiden seitlich angebrachten 6,5 Zoll (16,5 Zentimeter) durchmessenden Tiefton-Treibern mit Aluminiummembranen und dem 5-Zoll-Mitteltonchassis (12,7 Zentimeter) die genau berechnete, phasenversetzte Beschleunigung bzw. Verzögerung verabreicht wird. Ziel der Übung soll unter anderem sein, dass die Signale der jeweiligen Chassis mit ihren unterschiedlichen Laufzeiten absolut synchron und damit „zeitrichtig“ beim Hörer ankommen. Die Basstreiber sind übrigens die gleichen, die auch in der Kii Three werkeln, mit dem Unterschied, dass die Kii Three rückseitig zwei weitere Treiber aufweist, die Seven nicht.

Innerhalb einer Schallführung eingelassen und hinter feines Drahtgeflecht positioniert, arbeitet auf der Schallwand dann noch ein klassischer Kalotten-Hochtöner. Der bereits erwähnte Mitteltöner ist ebenfalls von einem Lochgitter geschützt. Wert auf exotische Konzepte oder Materialien legt Kii Audio bei den Treibern nicht.

Sound mit Herz

Die Kii Seven auf einem Boxenständer

Vier Treiber, vier Verstärker, drei Wege, kein Bassreflexsystem: die Kii Seven

Bei der kardioiden Schallabstrahlung wird, so muss man sich das vielleicht grob vorstellen, dem nach hinten und zur Seite hin strahlenden Schall ein Tritt in Richtung des Hörers versetzt, so dass der Schall zielgerichtet ausschließlich nach vorne strahlt. Von oben betrachtet, erinnert die Abstrahlcharakteristik in ihrer Form tatsächlich an ein Herz. Das birgt den Vorteil, dass so der rückwärtige Raum weniger angeregt wird und frühe Schallreflektionen an schallharten Flächen (Seitenwände und Rückwand) vermindert auftreten. Letztlich verlieren raumakustische Probleme (siehe unser Artikel „Raumakustische Grundlagen“) ein Stück weit ihren Schrecken, was Hörer, die keine Absorber oder Diffusoren in ihrem Raum aufhängen können/wollen, sicherlich sehr erfreut. Generell ist die Kii Seven unkritisch, was den Raum angeht. Das gesamte Abstrahlungskonzept klingt (im wahrsten Sinne des Wortes) einfach, war in der technischen Umsetzung aber en détail durchaus komplex. Bruno Putzeys, verantwortlich für die technische Entwicklung bei Kii Audio, ist hier mit langjähriger Erfahrung am Werk.

Mit sehr ähnlichem Formfaktor wie die Kii Three aufwartend, teilt die Seven die Breite von 20 Zentimetern. Platzsparender, kompakter und damit optisch dezenter wird sie durch die im Vergleich zur Kii Three kleineren Abmessungen von 31 Zentimetern statt 41 Zentimetern bei Höhe und Tiefe. Weiche, fließende Linien anstelle eines harten, strengen Box-Designs dienen hüben wie drüben nicht nur der organischen Wohnraumintegration; der breite Frontradius soll vielmehr unerwünschte Kanteneffekte verhindern, die allerdings auch schon die kardioide Schallabstrahlung der Kii Seven in Grenzen hält.

Stereo mit Monocoque

Ein Parr Kii Seven in Weiß

Das monocoqueartigen Gehäuse der Kii Seven bestehen aus Polyurethan

Und wo wir gerade bei Äußerlichkeiten sind: Verarbeitungsseitig gibt es nichts zu beklagen. Die Seven ist – wie in dieser Preislage zu erwarten – absolut hochwertig verarbeitet und selbst nach genauer Begutachtung finde ich keine einzige Nachlässigkeit. Das monocoqueartige Gehäuse besteht aus Polyurethan, einem Kunststoff, dem Elastizität, gute Dämmeigenschaften sowie hohe mechanische Haltbarkeit nachgesagt werden. Einziger Wermutstropfen: Die Kii Seven kommt ohne üppige Farbpalette, lediglich eine weiße und schwarze Ausführung sind zu ordern. Gerüchteweise könnten zukünftig noch weitere Farben dazukommen, aber von mir haben Sie das nicht. Und, ach ja: Trotz des sichtbaren, ausgeklügelten Belüftungssystems für die Verstärkungsmodule auf der Gehäuseoberseite handelt es sich bei den Kii Seven um ein geschlossenes Boxen-Konzept.

Ob daheim oder in der Bar …

Ob als Nahfeldabhöre im Studio, als Genussspieler im Wohnzimmer oder als integrierter Bestandteil einer innenarchitektonischen Konzeption, alles ist möglich. Einkaufsläden, Bars oder anspruchsvollen High-End-Wohnräumen spielt die Kii Seven unkompliziert zu. Sie kann im privaten Wohnumfeld im Grunde überall da platzsparend zum Einsatz kommen, wo große Standboxen typischerweise weniger ideal erscheinen. Einfallen würden mir hierzu das TV-Sideboard im Wohnzimmer, das vielleicht dortig platzierte USM-Haller Regal oder ein nicht minder zeitloses Kallax-Exemplar eines schwedischen Möbelherstellers. Fürs Arbeits-, Schlafzimmer oder die Küche empfehlen sich statt der auf Maß gefertigten Kii-Seven-Boxen-Ständer (790 Euro) die optionalen Decken- und Wandhalterungen. Kompakt genug, findet sich wohl in jeder Stube eine Positionsmöglichkeit für die Kii Seven, allerdings ist der Lautsprecher mit 14 Kilogramm kein Leichtgewicht. Und: Multi-Zone-Systeme oder synchron spielende Multi-Room-Lösungen sind überdies genauso denkbar wie der Einsatz im Heimkino.

Analog, digital und mit Streaming: die Schnittstellen

Die rückwärtigen Schnittstellen der Kii Seven

Die physischen Schnittstellen der Kii Seven: Sowohl digital wie analog werden symmetrische Anschlüsse geboten

Der Blick auf die Rückseite Kii Seven macht ihre Profi-Gene deutlich. Hand hoch, wer hat eine „Dante“-Anschlussmöglichkeit in der Stube? Meine Wenigkeit bisher jedenfalls nicht. Hierbei wird Musik via IP gestreamt, interessanter Studiokram, der auch öfter fürs Custom Installment oder Heimkino (etwa Lyngdorf-Prozessoren) genutzt wird. Dann gibt es eine AES/EBU-Schnittstelle (110 Ohm) sowie einen analogen XLR-Eingang. Beide eröffnen, je nachdem, ob eine digitale oder analoge Vorstufe zum Zuge kommt, unzählige Anschlussmöglichkeiten.

Und das berühmte „one more thing“ natürlich zum Schluss: Die anfangs erwähnte und für Kii fast schon untypische, direkte Wireless-Anbindung ins heimische Netzwerk via WLAN, die bis 24 Bit Wortbreite und 192 kHz Samplerate vollkommen synchron und vor allem störfrei spielen soll. Es wird herstellerseitig zwar empfohlen, den WLAN-Router im gleichen Raum zu positionieren oder andernfalls mit einem Repeater zu arbeiten, aber in meinem Fall klappte das trotz massiven Mauerwerks auch raumübergreifend absolut störfrei. (Gesteuert wird das Ganze dann über die kostenlos erhältliche Kii Home App.). Bei alldem pflegt Kii einen gewissen Purismus: UpNP/DLNA, direkte Bluetooth-Zuspielung und Roon Readyness bleiben leider außen vor. Dafür sind Spotify, Tidal und Qobuz von Haus aus in den jeweiligen Connect-Varianten integriert. Aber: Nimmt man die optionale Kii Control (um 800 Euro) in die Pflicht, sind Bluetooth und Roon (bei Anschluss via USB) mit im Boot. 

Aus der Praxis

Das rückwärtige Bedienpanel der Kii Seven

Cool: das selbsterklärende Bedien-Touchpad auf der Rückseite

Soweit so gut – und wie versprochen noch ein paar kleine Anmerkungen aus der Praxis. Wie ich nach einiger Zeit des Experimentierens feststellen konnte, gilt bei der Kii Seven der Grundsatz „sowohl als auch“. Wer es puristisch mag, der bleibt via Qobuz, Tidal und Spotify und deren Apps mit ihren Connect-Ablegern auf der drahtlosen, bequemen Seite – inklusive Lautstärkeregelung (die Kii Home App regelt parallel aber auch). Außer dem Stromkabel bedarf es keiner weiteren Strippen. Es kann nach selbsterklärender Einbindung der Kii Seven ins eigene WLAN mittels Kii Home App (die das System zudem updatefähig hält) dann sofort losgehen. Eine direkte Ansteuerung via Bluetooth gibt’s ohne Kii Control nicht, Bluetooth dient dann ausschließlich der Steuerung für die Kii Home App.

Eine andere Möglichkeit, ich nenne sie die „elegante Option“, ist die Einbindung der bereits erwähnten Kii Control (zirka 800 Euro), welche gleich vier weitere digitale Schnittstellen (USB, koaxial/optisch und Bluetooth) plus physische Fernbedienbarkeit der Lautstärke einbringt. Die Control kostet allerdings zusätzlich und setzt eine Ethernet-Verkabelung zwischen Control und den beiden Seven voraus. Vorteil: Sie bindet über USB beziehunsgweise Streamer oder Laptop beispielsweise entweder Roon oder Audirvana Studio ein und gewährt damit Zugriff auf die im eigenen Netzwerk hinterlegte eigene Musikbibliothek.

Das bringt mich zur „luxuriösen Variante“, beispielsweise der Einbindung einer analogen Vorstufe oder einer Streaming-Vorstufe wie etwa der von mit getesteten Eversolo DMP-A10. Diese gewährt dann Zugriff zum eigenen Netzwerk, zur eigenen Musikbibliothek, zu Roon, BT, UPnP etc. pp. An die Kii Seven geht es dann wahlweise analog (XLR) oder via digitalen AES/EBU-Ausgangs. Benutzt man letzteren, gilt es die beiden Seven mithilfe eines CAT-Kabels via KiiLink miteinander zu verbinden, denn Heimgerätschaften geben AES/EBU nicht wie Studioequipment kanalgetrennt, sondern stereosummiert heraus. Daher muss die mit dem AES/EBU-Summensignal bespielte Seven der anderen Seven das Signal zuweisen.

Das Kii-Logo auf der Schallwand der Kii Seven

Kii-Lautsprechern lässt sich eingangs auf vielen Wegen beikommen …

Steht ein Signal an, schalten sich die Kii Seven selbstständig ein. Über die Lautstärkeregelung muss man sich keine Gedanken machen, denn die lässt sich bei allen Anschlussvarianten entspannt von den Kii Seven selbst umsetzen. Und zwar per Kii Home App oder – sofern vorhanden – via Kii Control.

Bleiben wir bei der Kii Home App, welche die üppigen und auf individuelle Vorlieben justierbaren Einstellmöglichkeiten der Kii Seven per Fingertipp quasi on the fly bereitstellt. Die Usability der Kii Seven sowie der Kii Home App in einem Wort: easy. Von Tone-Control über Raumanpassung und Audiolatenz bis hin zur Eingangsempfindlichkeit und Bild-Ton-Synchronisation ist alles dabei. Das ist eindeutig bequemer als über die externe Kii Control und erspart einem auch den Griff an die Lautsprecher, was zumal ungeschickt ist, sofern sie an der Decke hängen sollten. Zentrales Element der App ist die Regelung der Lautstärke mittels eines fein animierten und haptisch feedbackgebenden Drehrades – inklusive Anzeige des Pegel-Levels, versteht sich. Über die App können mehre Zonen verbunden und gesteuert werden, während dabei jede Kii Seven einzeln konfigurierbar ist.

Kii Seven: Hörtest und Vergleiche

Um vorhandene Quellen anzutesten, ist neben der optionalen, externen Kii Control auch mein RME-ADI 2 DAC samt seiner XLR-Ausgänge mit von der Partie. Der Wattson Emerson Digital und das MacBook Air (in Kombination mit der Musiksoftware Audirvana Studio) sind am Mutec MC-3+USB angeleint, der via AES/EBU ausgibt. Der Wattson Emerson spielt via AES/EBU übrigens auch solo direkt an die Kii Seven, so kann ein platzsparendes Roon-Ready-Konstrukt (via Emerson Digital, Praxistipp für Preisfüchse: WiiM Ultra) realisiert werden, sofern gewünscht, denn die Kii Seven verzichtet im Solobetrieb wie erwähnt komplett auf Roon. Auf den Unterschied zwischen der direkten Qobuz-Connect Zulieferung via WLAN- und der kabelbasierten Anbindung mittels Streamer an die Kii Seven bin ich ebenfalls gespannt.

Die Kii Seven von vorne und von hinten

Die Schnittstellen der Kii Seven regen zum Experimentieren an

Meine Hörtests habe ich hauptsächlich in der Wattson-Audio-Konstellation vorgenommen. Die anderen Möglichkeiten kamen zwar auch alle zum Zuge, sollen aber Ihnen, liebe Leser, vor allem die Möglichkeiten aufzeigen, die vorstell- und umsetzbar sind.

Klangliche Unterschiede zwischen den Anschlüssen

Machen wir es kurz: Im Vergleich zur in Roon eingebetteten Qobuz-App und den restlichen kabelgebundenen Variationen, empfinde ich tatsächlich die native, direkte WLAN-basierte Qobuz-Connect-Anbindung an die Kii Seven über die Connect-App stets ein Quäntchen losgelöster und unmittelbarer. Um nicht falsch verstanden zu werden, wir reden hier über Nuancen. Und was die weiteren genannten unterschiedlichen Varianten anbelangt, halten sich die Unterschiede ebenfalls in homöopathischen Grenzen, da meiner Vermutung nach die Kii Seven ohnehin alles intern per DSP aufbereitet, reclockt und so auf eine einheitlichere Linie trimmt. Möglicherweise bringt eine Röhrenvorstufe einen Hauch mehr Wärme ins Spiel, sofern man das möchte, aber ich persönlich habe hier keinerlei Bedürfnis verspürt. Dafür überkommt mich das Bedürfnis ein wenig zu spoilern: Die Spielfreude und das Beherrschen der Klaviatur von zart bis hart, von leise bis hin zu eruptiven Konzertpegeln nehmen mich von den ersten Takten an für die Kii Seven ein. Der staunende offene Mund führt zwangsläufig zu einer trockenen Kehle, weswegen hier pflichtbewusst ein 2022er Meisterwerk Cuveé vom Weingut Escher lindernd zu Hilfe eilt.

Leinen los: die Pegelfestigkeit

Bill Kwan The Music of SadeGenerell auffällig ist die stoische Gelassenheit und Übersicht der Kii Seven, wenn es mal komplexer zugeht. Die Seven will mal so rein gar nicht nach Kompaktbox klingen, was mich stets umso mehr irritiert, wenn ich sie pegelseitig von der Leine lasse. Wenn sich also beim Stück „No Ordinary Love“ von Bill Kwan (Album: The Music of Sade) dynamischer Gesang, E-Piano, Streicher und treibendes Schlagzeug zum Crescendo aufschwingen und obendrein in Sachen Lautstärke die Post abgeht, dann verschmieren keine Impulse. Weder sind hörbare Kompression noch irgendwelche Nervosität herauszuhören – und das hoch bis zu meiner eigenen Belastungsgrenze. Kompliment, das muss man bei der Gehäusegröße erst mal hinkriegen.

Zackig statt betulich: die Feindynamik

Johann Strauß II Neujahrskonzert 2014 Daniel BarenboimIn Sachen Feindynamik spielen die Kii Seven auf einem preisklassenadäquaten, mithin sehr hohen Niveau, sie zählen eher zur impulsfreudigen, zackig-wendigen und weniger schwelgerisch-gemütlichen Fraktion. Streicher – wie etwa bei der „Waldmeister: Ouvertüre“ von Johann Strauß II (Album: Neujahrskonzert 2014 / Daniel Barenboim) – kommen mit ungebremstem Tempo und entsprechend präsenter Lebendigkeit, ohne sich dabei von den rückwärtig herannahenden Bläsern stören zu lassen. Mit diesen Qualitäten kann eine Elac Navis ARB-51 (2.000 Euro) freilich nicht mithalten. Andererseits zeigt wiederum die Kii Three BXT, dass in Sachen feindynamischer Abstufung halt in höheren Preisklassen auch noch mehr geht.

Schwarze Schokolade: Bass und Grobdynamik

The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble MutationsVon höheren Preisklassen zu tiefen Frequenzen. Für einen Lautsprecher dieser Größenordnung ist die Basswiedergabe geradezu verblüffend erwachsen ausgeprägt. Nehmen wir den Opener „Caos Calmo“ von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble (Album: Mutations), bei dem die Bassimpulse nicht nur sauber (eher halb- als staubtrocken) konturiert rüberkommen, sondern vor allem unerwartet tief hinab reichen und dabei herrlich druckvoll anmuten. Ja, vielleicht sogar einen Tick druckvoller als streng-neutral –  „präzise und für die Größe wuchtig“ beschreibt das Gehörte schon sehr trefflich. Bei manchen Tracks ist man tatsächlich versucht nachzuschauen, ob nicht irgendwo noch versehentlich ein Subwoofer mitläuft. Und das Tempo? Impulse flutschen durchweg flott, da wirkt nichts betulich, nicht mal die üblicherweise vor sich hin mäandernden Basswogen in den Alben von Bohren & Der Club of Gore. Geraten Bassimpulse auch nicht übermäßig hart, empfinde ich die grobdynamische Wirkung der Kii Seven doch als ziemlich überdurchschnittlich und außerordentlich gelungen für ein solch kompaktes Konzept. Kurz, der Tieftonbereich gerät zur Schokoladenseite, übrigens ebenso bei sehr leisen Pegeln, die Kii Seven eignen sich dadurch grundsätzlich auch gut fürs Hören zu späten Stunden.

Kii Seven und Kii Three BXT im Vergleich

Kii Seven und Kii Three BXT im Vergleich

Meine ebenfalls tieftonstarken Elac Navis ARB 51 können da bei alledem nicht mithalten, gerade in Sachen Tiefe und Druck nicht. Anders wiederum, meine Abacus Mirra 14 Mk2 (klassisch analoge Aktivbox, 4.190 Euro), die hier mit vermehrtem Tiefgang etwas mehr Energie als die dafür unterm Strich leicht präziser wirkenden Seven in dem Raum pumpen, und dadurch eine kleine Schippe sonorer wirken. Was die Kii Seven wiederum nicht kann: Den Tiefton ebenso lässig wie brutal in meinen Hörraum schieben wie meine good old Isophon Vertigo mit ihren doppelten 38er-Treibern … Aber das war wohl erwartbar. Meine persönliche Benchmark ist letztlich das große Kii-Three-BXT-System, das noch deutlich tiefer nach unten langt und mit schier unendlich wirkenden Reserven bei aller Präzision voluminöser spielt. Absolut amtlich.

Die Mitten: Was geht (nicht)?

Kommen wir zu den mittleren Registern, mit einem erneuten Stück von Bill Kwan, diesmal „The Moon and the Sky“, vom gleichen Album. Klar und transparent geht’s hier zu – und tonal neutral. Oder halt: Irgendwie meine ich gar den leichten Anflug einer organisch-warmen Grundhaltung zu verspüren, die dem Ganzen eine eingängige Natürlichkeit mit auf den Weg gibt. Was es nicht gibt, sind betont intensive Farben, sprich eine besondere Vollmundigkeit in den Mitten, auch kein euphonisches Abrunden, die Kii Seven gehören nicht zu den abmildernden Schmeichlern. Sie liefern klare, gleichzeitig lebendig anmutende Mitten, die einen sofort in den Bann ziehen, eine weitere Stärke der Seven. Und der Vergleich zur großen Schwester? Die Lautsprecher liegen in den Mitten überraschend nah beieinander, die firmentypische Signatur in diesem Frequenzband hört man hier wie dort heraus. Was als wirklich großes Lob für die Seven durchgeht …

Faible für Zwischentöne: Die Höhen

Der Hochtöner der Kii Seven

Hinter Gittern: der Hochtöner der Kii Seven

Die Kii Seven liefert ganz monitorlike einen Hochton, der nichts unterschlägt und im Grunde jede Kleinigkeit ehrlich offen legt. Zu hell abgemischte Aufnahmen, reicht sie auch genauso rüber. In den höchsten Frequenzlagen zeigt die Seven keinerlei gefälliges Abdimmen, dennoch ebenso eine zweifelsfreie Langzeittauglichkeit. Die allzu nüchterne, fast schon unbarmherzig-lineare Gangart einer Adam Audio A8H AMTs, die noch strahlender agiert und feinste Nuancen ostentativer ausprägt, ist der musikalischeren Seven fremd. Wem es nach noch sanfterem Hochtonglanz trachtet, ähnlich der Signatur einer Abacus Mirra 14 Mk2 vielleicht, der wird möglicherweise den justierbaren HF-EQ der Kii Seven bemühen oder sich nach Alternativen umschauen müssen. Eine Kii Three mag obenrum eine Nuance feingliedriger, nuancierter und letztlich ätherischer wirken, die Seven betreibt dennoch eine ganz ähnliche Hochtonpolitik.

Trotz ihrer Frische und ihres hohen Detaillierungsgrad bewahrt die Kii Seven durchweg ihre Natürlichkeit, klingt nie seziererisch oder gekünstelt. Angeschlagene HiHats muten hochenergetisch an, wenn gefordert, besitzen überdies den in dieser Preisklasse zu Recht erwartbaren feinen metallischen Schimmer, der in Sachen Authentizität aufhorchen lässt. Ihre im Vergleich zur Abacus Mirra 14 Mk2 etwas höhere Auflösung ist auch bei den lang ausklingenden Hallfahnen der eruptiven Klavieranschläge im Stück „War Pigs“ von Jazz Sabbath (Album: The 1968 Tapes) gut zu hören. Es beeindruckt die Vehemenz in der Attack, diese ansatzlose Umsetzung des Anschlags, ebenso die schienbar mühelose Spurtreue beim Nachverfolgen feinen Ausklangs. Diese Durchhörbarkeit bis hinein in jede noch so feine Zwischenlage ohne unangenehm analytischen Beiklang unterscheidet die Kii Seven von vielen anderen Lautsprechern auf dem Markt.

Zeig aufs Glöckchen! Die räumliche Abbildung

Die Schallwand der Kii Seven

Raumabbildung? Erste Reihe …

Nicht selten verfügen gerade Kompaktboxen über hervorragende „Bühnenqualitäten“. Das trifft in besonderem Maße auf die Kii Seven zu – ich kenne sogar ehrlich gesagt keine andere Kompaktbox in dieser Preisklasse, die das so überzeugend und ohne künstlichen Anklang rüberbringt. Das hohe Auflösungsvermögen im Mittelhochtonbereich spielt den räumlichen Fähigkeiten, insbesondere der Lokalisationsfähigkeit, geradezu in die Karten. Jedes noch so feine Glöckchen, jede schüchterne Triangel ist räumlich so präzise bestimmbar, wie es die Aufnahme nur zulässt. Ausflüge in den rückwärtigen Raum, sprich eine allzu ausgearbeitete Tiefenausleuchtung verkneift sich die Kii Seven allerdings vornehmlich, hier erinnert sie mich an meine Abacus Mirra 14 Mk2.

Die Seven klingt mehr nach erster Reihe als beispielsweise ihre große Schwester Kii Three BXT, die „den Blick auf die Bühne“ mit größerer Übersicht, sprich aus der Empore heraus und mit mehr Ausdehnung in Tiefe, Höhe und Breite gewährt. Nichtsdestotrotz zeigt die kompakte Kii Seven durchaus authentisch auf, was sich der Toningenieur bei der Aufnahme hinsichtlich der Breite und Tiefe des Raumes wohl so gedacht hat, und das eben sehr ortungs- und randscharf.

Die Kii Seven – und das dürfte sicher Befürworter finden – zieht von der gedachten Boxengrundlinie aus das Geschehen minimal in Richtung des Hörers, was zu einer direkten Abbildungsgenauigkeit führt und vor allem einen zusätzlichen Anmachfaktor bietet.

Die Kii Seven als Stereopaar

Billboard
IOTAVX SA3, PA3 und NP3

Test: Kii Seven | Aktivlautsprecher

  1. 1 In Seventh Heaven?
  2. 2 Kii Seven: Hörtest und Vergleiche

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