Demnächst im Test:

Dual CS 600 MK II Dual CS 600 MK II Marantz SACD 30n Marantz SACD 30n Dynaudio Contour 30i Dynaudio Contour 30i AKG K361/K371-BT AKG K361/K371-BT
Billboard
Dynaudio Xeo 10

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 The Kii to Music
  2. 2 Kii Three – Hörtest und Vergleiche

fairaudios favourite Award 2020„Ich habe angebissen. Ich bin gefangen. Verführt.“ Ray Manzareks Worte zu Jim Morrisons legendärem „Moonlight Drive“ passen durchaus zur Gefühlslage, die sich während des Zusammenlebens mit den Kii Three (www.kiiaudio.com) über die letzen Monate bei mir etabliert hat. Tatsächlich sind 14.447 Euro für ein Set dieses vollaktiven, kompakten Monitors mit den maßgefertigten, ultrastabilen Ständern alles andere als leichtgewichtig, im ambitionierten High-End-Bereich und bei so manch audiophiler Karriere aber keine Seltenheit. So oder so: Ich spüre schon das Zucken insbesondere der abgeklärt-preisbewussten Profis, während der auf audiophilen Purismus ansprechende Musikfreund im Geiste sein eh zinsloses Sparbüchlein sucht.

Obwohl Kii Audio ja gerade im Studiobereich seine Wurzeln hat, gelingt es der Kii Three auch die Aufmerksamkeit der Lifestyle-Genusshörer und hartgesottenen High-Ender zu erreichen. Ungeachtet sogar der Tatsache, dass man sich Spielzeug in Form umfangreicher Gerätesammlungen oder Kabel-Arsenale mit der studio- wie wohnzimmerfreundlichen Kii Three sparen kann. Oder gerade deswegen? Purismus war ein bereits erwähnter und als solcher nicht unwesentlicher Aspekt, gleichwohl finden an der Kii Three sowohl digital wie analog zuspielende Quellen Anschluss. Und das bei unkomplizierter, intuitiver (Fern-)Bedienbarkeit. Selbst ist die Kii Three zwar nicht streamingfähig, aber dafür können Netzwerkplayer/-server oder PC/Mac etwa via USB unmittelbar digital angeschlossen werden. Bis zu 384 kHz/24 Bit und DSD 128 sind hierbei möglich. Drahtlos steht das weniger highendige, aber bequeme Bluetooth zur Verfügung.

Kii THREE Aktivlautsprecher von hinten und vorne

Die Kii Three ist als 6-Wege-System konzipiert und weist nicht nur an der Front, sondern auch seitlich und rückseitig Treiber auf

Das zunächst nur als Kurzvorstellung, gehen wir im Folgenden der Reihe nach. Und beginnen mit der Entstehungsgeschichte und den akustischen Zielsetzungen von Kii Audio sowie natürlich den Aktivlautsprechern Kii Three.

Allem Anfang wohnt ein Zauber inne

In Bergisch-Gladbach beheimatet, wurde Kii Audio von Toningenieuren, Musikern, Technikern und Programmierern gegründet. Digitalgroßmeister wie beispielsweise Bruno Putzeys gaben sich die Ehre. Bei der Entwicklung der Kii Three stand unter anderem eine maximale „Raumverträglichkeit“ im Fokus – dank kompakter Abmessungen auch in physischer, aber insbesondere in akustischer Hinsicht. Während der Direktschallanteil eines Lautsprechers unmittelbar den Hörer erreicht, trifft Diffusschall über Raumreflektionen vermittelt am Hörplatz ein. Diese Kombination aus Direkt- und Diffus-Schallanteilen in Verbindung mit ihrem zeitlichen Versatz sorgt für einen natürlichen Höreindruck – oder eben auch nicht. So können beispielsweise sehr frühe Reflektionen von unserem Gehirn nicht als solche verarbeitet beziehungsweise hinreichend vom Originalsignal differenziert werden. Ferner können Raummoden für einen unpräzisen, aufgedickten Bassbereich oder umgekehrt auch Auslöschungen sorgen. (Falls Sie solche Themen näher interessieren, sei Ihnen unser ausführlicher Grundlagenartikel über Raumakustik ans Herz gelegt.) Um solchen Problemen zu begegnen, wendet man im Studio häufig das Prinzip der „unendlichen Schallwand“ an – hier musizieren Lautsprecher flächenbündig in der Wand statt davor. Auch die Kii Three minimiert Raumeinflüsse – und zwar mittels ihrer Abstrahlcharakteristik. Direktionale Richtwirkung, sprich zielgerichtete Abstrahlung nach vorne lautet das Zauberwort.

Kii THREE Aktivlautsprecher seitlicher Treiber

Die als 6-Wegler (!) konzipierte Kii Three realisiert die direktionale Richtwirkung zunächst über die Anordnung ihrer Treiber sowie einer ausgefuchsten, vom DSP mit speziellen Algorithmen realisierten gegenphasigen Ansteuerung nebst speziell berechneter Verzögerung der jeweiligen Tiefton- wie auch des Mittelton-Chassis. So wird eine gebündelt nach vorne gerichtete, nierenförmige Abstrahlcharakteristik forciert. Klingt unkonventionell, ist es auch, wenngleich andere Anbieter (beispielsweise ME Geithain) zum Teil ähnliche Lösungen anbieten. Die Abstrahlcharakteristik muss man sich so vorstellen, als ob der sich ausbreitende Schall von hinten und von jeder Seite einen kräftigen Tritt bekommt, um sich gefälligst nach vorne zu bewegen. Da diese Bewegung des Schalls von oben betrachtet letztlich in Form einer Doppelniere oder eines Herzens geschieht, spricht man auch von einer kardioiden Schallführung. Stellt man sich hinter die Kii Three, bemerkt man, dass sich im Bassbereich in Sachen Schall kaum etwas tut. Weiterer Vorteil: Eine platzsparende Aufstellung in Wandnähe ist hier kein Beinbruch und dank integrierter Ortsfilter sogar fein justierbar.

Kii Three – die Specs …

Wesentliches Designmerkmal ist die schmale Front der Kii Three, die gerade mal 20 Zentimeter misst, während Höhe und Tiefe auf jeweils 40 Zentimeter kommen. Die auf harte Kanten und Ecken verzichtende Linienführung des resonanzarmen, mehrfach versteiften, zweiteiligen Gehäuses aus speziellem Kunststoff verhindert klangtrübende Kantenbrechungen. Zur wohnraumfreundlichen Dimensionierung kommt eine zeitlos-progressive Designsprache. Nicht zu vergessen steht neben dem Standardfinish Hochglanz-Weiß oder Graphite gegen Aufpreis entweder eine ausgesuchte Farbkonzeption oder schlicht die ganze RAL-Farbtonpalette parat.

Kii THREE BXT Aktivlautsprecher

Kleine Ergänzung am Rande: Wer es optisch nicht minder konsequent mag, in Sachen Bassgewalt aber noch druckvoller und eine zusätzliche Oktave tiefer hinab möchte, der greife gerne auf das optionale BXT-Modul zurück (links im Bild, Foto von Kii Audio). Jederzeit nachrüstbar, erhöht sich die Investition auf insgesamt 30.345 Euro für ein Paar aktive Standlautsprecher. Bevor nun wie bei Kaiser Augustus mit bebenden Klageliedern die am Leib getragenen Togen zerrissen werden: Die letzten Zentimeter zum absoluten Gipfel waren noch nie günstig. Gleichwohl vermögen die Kii Three auch ohne BXT-Bassunterstützung für amtliche Tieftonautorität zu sorgen, wie wir noch hören werden …

Die von renommierten Herstellern zugelieferten Treibersysteme (Aluminiummembranen allesamt bis auf die Gewebekalotte im Hochton), im Vorfeld aufeinander abgestimmt, bieten beste Voraussetzungen für die weitere DSP-Linearisierung, weswegen ihre Materialbeschaffenheit hinsichtlich Klirrverhalten letztlich kaum eine Rolle spielt. Hoch- und Tiefmitteltöner auf der Front werden von vier Basstreibern – einer je Seite – sowie einem Doppel-Array auf der Rückseite flankiert. Jedes Chassis verfügt über einen eigenen Schaltverstärker, der mit jeweils vorgefilterten Frequenzbereichen und perfekter angepasster Gruppenlaufzeit vom rechenstarken, sechskanaligen, 40-Bit-Floating-Point-DSP angesteuert wird, der auf digitaler Ebene die Weichen stellt. Exakt definierte und realisierte Phasenlagen sind oberstes Gebot. Dazu kommt noch, dass jedem Chassis ein separater D/A-Wandler (24 Bit/192 kHz und DSD) zur Verfügung steht. Und wertig geht es weiter: Die Kii-Three setzt auf internes Reclocking des eingehenden Signals. Die präzise zeitkohärente Neutaktung eliminiert klangtrübenden Jitter, der bei der Rekonstruktion der digitalen Impulswerte für hörbares Ungemach sorgen kann.

Bei den verwendeten Schaltverstärkern handelt es sich übrigens nicht um Stangenware, sondern um eine eigens für die Kii Three von Bruno Putzeys konzipierte, spezielle Hypex-NCore-Variante. Diese Kraftwerke liefern jeweils 250 Watt. Es macht diesen „putzeygen“ Schaltendstufen auch nichts aus, dass sie innerhalb eines geschlossenen Gehäuses ihren Dienst verrichten. Auf Effizienz getrimmt, bleiben sie schön kühl, so dass es kein Hitzeproblem gibt – selbst ohne Kühlrippen und Luftaustausch durch ein Bassreflexrohr. Zwar bedingt ein geschlossenes Gehäuse einen geringeren Wirkungsgrad im Bass, aber diesen Umstand und ihre kompakte Bauform kompensiert die Kii Three mittels ihrer potenten Aktiv- und intelligenten DSP-Technik, die per Entzerrung für ultratiefe 20 Hz sorgen soll. Zudem wird geschlossenen Lautsprechern im Vergleich zu Bassreflexlern ein per se präziserer Bass nachgesagt.

Kii Three – Anschlussmöglichkeiten

Kii THREE Aktivlautsprecher Anschlussfeld

Mittels XLR-und-AES/EBU-Kombi-Eingang kann die Kii Three unmittelbar angesteuert werden, aber …

Die Kii Three agiert ohne das mitgelieferte Kii-Control-Modul wie ein Aktivmonitor-Set ohne Lautstärkeregelung und bietet mit dem rückseitigen XLR-und-AES/EBU-Kombi-Eingang eine variable, das heißt wahlweise analoge oder digitale Ansteuerungsmöglichkeit. Den eleganteren Weg seine Quellen mit der Kii Three zu verbinden ermöglicht aber die mitgelieferte Kii Control. Angeleint per RJ-45-Netzwerkkabel an der Masterbox (von dort geht es ebenfalls per Netzwerkkabel zur Slave-Box), wird sie zum fernbedienbaren, ausschließlich digital ansteuerbaren Preamp, ist mithin Einstell- und Schaltzentrale. Je ein koaxialer sowie optischer S/PDIF-Anschluss, Bluetooth sowie ein asynchroner USB-B-Eingang stehen bereit. Erfahrungsgemäß stellt sich insbesondere USB als bequemer und audiophiler Zugang dar. Übrigens: Verantworten die Kii Three über den optischen Eingang den highendigen Ton bei Video/TV-Anwendungen, lassen sich eventuelle Latenzen, also ein zeitlicher Versatz zwischen Bild und Ton, leicht per Tastendruck ausmerzen.

Kii Control

…  die mitgelieferte Kii Control kann noch mehr

Aber die Kii Control kann neben Quellenanwahl und Lautstärkeregelung, die verlustfrei vom DSP selbst innerhalb der Box umgesetzt wird, weitaus mehr. Mute- und Standby-Modus erwähne ich nur mal der Vollständigkeit halber. Viel interessanter sind speziell die Möglichkeiten bei aufstellungskritischen Situationen. Statt nun auf der Rückseite der Box per Boundary-Regler die Parameter der internen Ortsfilter für die erforderlichen Raum- und Positionsanpassungen bei wandnaher, freier oder einer Eckaufstellung von Hand durch sage und schreibe 16 voreingestellte Werte durchzuschalten, lässt sich das alles auch bequem von Hand über die Kii Control regeln. Persönliche Hörvorlieben beziehungsweise die Anpassungen an spezielle Aufstellungssituationen können in Form von 14 Presets – basierend auf Anhebung oder Absenkung entsprechender Frequenzbereiche – gespeichert werden. Künftige Updates? Lassen sich ebenfalls per Kii Control aufspielen.

Kritikpunkte bis hierhin? Da wäre die zusätzlich zur Kii Control optional einsetzbare Fernbedienung (Apple Fernbedienung) zu erwähnen. Hier dürfte es ruhig ein wenig mehr sein. Massiver und exklusiver.  Eine dedizierte Kii-App wäre ebenfalls etwas Feines.

Kii Three – Hörtest und Vergleiche

 

Kii THREE Aktivlautsprecher komplett mit StänderNoch bevor der Linn Sneaky DS die obligatorische Playlist hochgeladen hat, greife ich zu einem Lemberger von Karl Haidle, der als 2017er Stettener Gehrnhalde seinen Weg ins Glas findet. Erste Hörproben lassen Großes erahnen und ich ertappe mich nach einiger Zeit des Hin- und Herkonfigurierens nicht nur den 2008er Maghani Canet Valette (absoluter vinophiler Geheimtipp), sondern klanglich auch den USB-Zugang mit dem MacBook Air zu bevorzugen. Zum Seligwerden genügt im Grunde und speziell in meinem Falle ein Tablet, ein Netzwerk-Player wie der Linn Sneaky DS und das MacBook Air, das als Roon Core dient, weil es zum Roon Nucleus + Server leider immer noch nicht gereicht hat.

Kurz zu den justierbaren Ortsfiltern: Im normal möblierten Wohnbereich überzeugte mich die neutrale Einstellung, aufgefallen ist mir jedoch, dass die Kii Three – so paradox es klingt – trotz amtlicher Tieftonkompetenz den Raum lange nicht so extrem im Bass anregt wie andere Lautsprecher. Die dezenter als sonst ausfallende, raummodenbedingte Bass-Überhöhung in meinem Keller-Kino zügelte ein gezielter Eingriff sehr effektiv. Es ergab sich ein konturscharfer und diszipliniert-gezügelter Tiefton. Umgekehrte Problemstellung: Mein tieftonenergieabsorbierendes Dach-Studio bekam ich ebenfalls in den Griff, ein satteres, fülliger wirkendes Klangbild stellte sich ein.

Potent niederfrequent

Raime - Quarter Turns Over A Living LineHat man die richtige Einstellung gefunden, gilt: Volumen, Druck und Präzision stehen bei der Kii Three keineswegs im Widerspruch. Kultiviert, aber dennoch mit deutlich mehr spürbarer Schubkraft als bei diesen Gehäusedimensionen zu erwarten stünde, präsentieren sich die unteren Lagen ebenso involvierend wie neutral, ohne sich dominant in den Vordergrund zu drängen. In der direkten Gegenüberstellung mit der Nubert nuPro X-8000 (3.370 Euro), die zu meinen persönlichen im Hörraum residierenden Highlights zählt und gerade auch im Bass Außergewöhnliches leistet, zeigt sich der Unterschied. Die Kii Three entfliegt der ebenso potenten wie präzisen Schwäbin hier schon nahezu. Nehmen wir das Stück „Soil And Coilts“ der Elektro-Combo Raime (Album: Quarter Turns Over A Living Line; auf Amazon anhören). Die Kii Three steigt absurd tief hinab, die angegebenen 20 Hz erscheinen als kein leeres Versprechen, und zeichnet zudem präziser, sehniger und schärfer im Umriss, begleitet von einer Schubkraft, die man gemeinhin ausgewachsenen Standlautsprechern zusprechen würde. Weiterer Vergleich: Während in Sachen Bassumfang und Bassvolumen die knapp 90 kg schwere Isophon Vertigo etwas wuchtiger, gleichzeitig aber auch behäbiger wirkt, ist es ist im Grunde nicht zu fassen, mit welcher Mühelosigkeit die 20 Kilogramm leichte und kompakte Kii Three ihr in Sachen Definition sowie „Schnelligkeit“ schlicht davon eilt. Ebenfalls interessant: Auch bei geringen Pegeln wirkt der Tiefton rechtschaffen präsent und prägnant, für Leisehörer sind die Kii Three ebenfalls gut geeignet.

Kii THREE Aktivlautsprecher Logo

Klare Sache – die Mitten

Till Brönner - The Good LifeMit Till Brönners Stück „The Good Life“ – unzählige Male und auch live gehört – aus dem gleichnamigen Album (auf Amazon anhören) soll es um die Qualitäten des Mittenbandes gehen. Also bezieht die noch anwesende, ebenfalls aktive Bowers & Wilkins Formation Duo noch mal Stellung. Die günstigere, angenehm entspannte Engländerin (4.000 Euro) gibt sich in den mittleren Lagen mit viel Schmelz und Grundsubstanz einer angenehm organischen, sehr langzeittauglichen Spielweise hin. Elegant und schön – und dennoch „echt“. Noch näher an der Wahrheit – ja, so nah wie derzeit kein anderer mir bekannter Lautsprecher – ist allerdings die Kii Three. Nehmen wir Körper und Glanz von Till Brönners Blasinstrument. Über die Kii Three stehen beide in einem wunderbar ausbalancierten Verhältnis, das Instrument wird mit außerordentlicher Natürlichkeit, frei von jedweden wärmer oder kälter intonierten Verfärbungen dargeboten. Ja, die Kii Three muten äußerst neutral und stimmig an, liefern bei aller Neutralität dennoch kein nüchtern emotionsloses, sondern ein sehr ausdrucksstarkes, lebendiges wie farbenfrohes Mittenband ab. Oder nehmen wir das Klavier. Frei von übertünchender Grundtonwärme sind feinste Ausprägungen der Anschlagstöne wahrnehmbar. Eine solch delikate Mischung aus Durchzeichnung und natürlicher Färbung in den Mitten ist mir in dieser Ausprägung in all den Jahren bei kaum einem anderen Schallwandler untergekommen. Außer an einer großen Focal Utopia, aber die hing an einem Naim „Statement“ Verstärker. Kostenpunkt: jenseits 100K.

Einen Track weiter besingt Till Brönner seine „Sweet Lorraine“. Klopfen wir also die Stimmwiedergabe ab: Die B&W lenkt den eher hohen, fast nasalen Gesang in wärmere Gefilde. Ohne die stimmliche Intonation kühl oder körperlos darzustellen, verfolgt die Kii Three einen anderen Ansatz. Nennen wir es den linear-neutralen Gegenbeweis, ohne akademisch über richtig oder falsch zu sinnieren. Das Zusammengehen von überragender Klarheit und verführerisch organischem Timbre macht den Barden im Hörraum im Grunde so leibhaftig, dass ich ihm fast ein Gläschen Wein anbieten möchte, wäre doch gerade ein 2014er Confronto Rosso aus den Abruzzen zur Hand. Auch die bruchlosen Übergänge in obere als auch tiefere Lagen muten herausragend stimmig an. Mühelos erklimmt die Kii Three jede noch so zarte tonale Variation des Gesangs, ohne dass an irgendeiner Stelle Abstriche bei der Substanz der Stimme festzustellen wären. Selbstverständlich kommt das auch weiblichen Stimmen zugute: Charlotte Gainsbourg wirkt derart lebensecht und organisch, dass ich betört und berauscht innehalte. „Verunfallte“ Aufnahmequalitäten hingegen werden sehr eindeutig als solche dargeboten, dennoch bleibt die Kii Audio Three in dem Sinne gnädig, dass sie nicht artifiziell oder sezierend scharf geraten.

Kii THREE Aktivlautsprecher Hochtöner

Wenn wir schon mal dabei sind: Die Kii Three spielt unumwunden transparent, hochauflösend, geht dabei sehr direkt und verbindlich zur Sache. Von einer eher auf Seidigkeit trainierten, wärmeren Abstimmung, wie ich sie von einer Manger S1 kenne und schätze, hebt sie sich ab. Die Kii tönt eher „ungefiltert“ akkurat, hängt so unmittelbar am Gas, wie es nur geht. Dennoch hat sie ein auffallend gutes Händchen für eine stimmige Balance aus Unmittelbarkeit, Durchhörbarkeit, Luftigkeit und Langzeittauglichkeit. Das diese Vier gute Freunde sind, ist keine Selbstverständlichkeit. Überscharfe, kristalline Härten und jedwede Art von Glasigkeit glänzen durch Abwesenheit, selbst wenn die Kii Three allerhöchste Höhen und Pegel hochtransparent erklimmt. Nicht die Spur von irgendeinem Eigenklang, wie ihn zuweilen selbst gute AMTs oder Bändchen aufweisen.

Zeitrichtig explosiv

Avishai Cohen Trio - From DarknessKommen wir zu den Themen Pegelfestigkeit und Grobdynamik: Die zierliche Kii Three ist in der Lage dynamische Tsunamis abzuliefern. Sie feuert bei „C#-“ vom Avishai Cohen Trio (Album: From Darkness; auf Amazon anhören) das Spiel aus Schlagzeug, gezupften Bass und Klavier in Lautstärken ab, bei denen ich vorzeitig kapitulieren muss. Dann das Timing – nennen wir es „zeitrichtige Explosivität“. Streichkonzerte beispielsweise mit ihren dynamischen Wechselbädern aus Adagio und plötzlichem Fortissimo werden über meine Referenzkette – trotz externen Mutec-Reclockings und dem hochauflösenden Mytek Brooklyn DAC + – nicht annähernd so ansatzlos unmittelbar verabreicht. Das tut mir schon fast ein bisschen weh.

Lost in Space

Abschließend noch ein paar Worte zur Räumlichkeit und Abbildung. Instrumente zeichnet die Kii Three sehr maßstabsgetreu. Was man ihr auf den ersten Blick vielleicht nicht per se zutraut – um dann schlagartig von einem imposant authentisch dimensionierten Schlagzeug eines Besseren belehrt zu werden. Die involvierende, von der Boxengrundlinie aus vorgezogen wirkende Bühne ist sehr direkt und mag anfangs verwirren. Die Kii Three wirken, als wollen sie noch die letzte Barriere zwischen Musik und Hörer beseitigen. Man schaut nicht einfach auf eine Bühne, sondern blickt dreidimensional zwischen den Musikern in den Raum hinein, spürt und „erhört“ deren Abstände und Positionen zueinander. Etwas übertrieben ausgedrückt, sieht man direkt aufs Griffbrett, während man die weit hinten stehenden Backgroundsängerinnen nicht minder mühelos realisiert. Analytisch ja, aber dabei hochemotional und verblüffend langzeittauglich. In gewisser Hinsicht erinnert mich die Kii Three sogar an den Kopfhörer Meze Empyrean mit seiner Kombination aus räumlicher Weite sowie zeitrichtigen und härtefrei präzisen Spiel.

Kii THREE Aktivlautsprecher Fuß

Billboard
Lyravox Karlos

Test: Kii Three | Aktivlautsprecher

  1. 1 The Kii to Music
  2. 2 Kii Three – Hörtest und Vergleiche

Das könnte Sie interessieren: