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KEF X300A Wireless: Wie klingt’s?

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Ich halte nicht damit hinter dem Berg, dass ich das extrem scharf umrissene und sehr präsente Klangbild früher „UniQ“-Versionen überhaupt nicht mochte. Es war mir, vor allem im Hochton, zu viel des Guten. In der Folge habe ich mich stets erfolgreich vor KEF-Tests gedrückt. Bis ich, es mag etwa um 2007 gewesen sein, für das Printmagazin „Stereo“ die Standbox „XQ 40“ in die Finger und vor meine Ohren bekam. Mit ihrer Mischung aus anspringender Agilität, ausnehmender Präzision in den oberen Mitten und einem staubtrockenen, reliefartig strukturierten Bassfundament spielte die sich sofort in mein Herz. Fortan waren wir Freunde. Und sind es bis heute geblieben. Weshalb ich natürlich unbedingt wissen musste, ob und wie viel die kleine „X300A Wireless“ neben ihren ohnehin beeindruckenden Digital- und Netzwerkfähigkeiten von den klanglichen Tugenden ihres „Stalls“ transportieren kann.

KEF X300A Wireless

Noch immer – und das sollten Interessenten vorab wissen – liegt die große Stärke eines jeden „UniQ“-Chassis, egal in welcher Modellreihe des Hauses, in der hochpräzisen, zuweilen messerscharfen Abbildung des Mitteltonspektrums. Was vor allem für exzellente Sprachverständlichkeit und einer fast dreidimensionalen Darstellung von Gesangsstimmen sorgt. Wer hier von einer „konventionellen“ Kompaktbox eines anderen Herstellers kommt, mag zunächst irritiert sein. Deren Mittenband dürfte sich gegenüber dem der KEF fast abgesoftet und zurückhaltend darstellen. Daran ist nichts falsch. Das stets sehr unmittelbar und plastisch präsentierte Mittenspektrum ist ein Charakterzug aller KEFs, die ich über Jahre kennenlernen durfte. Und man gewöhnt sich sehr schnell daran.

KEF X300A Wireless

Bei einer atmosphärisch sehr dichten Produktion wie dem neuen Springsteen-Album „High Hopes“, aus dem ich mir das abwechslungsreiche „Ghost of Tom Joad“ als Test-Starter herausgesucht habe, wirkt die Stimme des „Bosses“ wie aus dem Gesamtgeschehen herausgeschält, steht unmittel- und greifbar vor dem Hörplatz, kommt mit ihrem typisch heiseren Timbre sehr natürlich, aber keinesfalls „angewärmt“ zu Gehör. In ähnlicher Weise konnte das auch die preislich sowie von ihren Größen- und Volumenverhältnissen vergleichbare Nubert nuVero3, die ich vor einigen Monaten zu Gast hatte. Natürlich handelt es sich bei der Schwäbin um eine Passivbox, weshalb sie technisch mit der KEF nicht vergleichbar ist, einen Abgleich verschiedener Klangattribute halte ich aber dennoch für statthaft.

Wie also angedeutet, ist das mittlere Frequenzband ebenfalls ein Feld, auf dem sich die kleine Nubert sehr wohl fühlt, sie bettet indes den Gesang mehr ins Gesamtgeschehen ein, hebt ihn nicht so plastisch, mit fast holografischer Tendenz, hervor. Jetzt springsteenkönnte man anmerken, dass diese Eigenschaft doch dem musikalischen Fluss dienlicher sei. Dem ist erstaunlicherweise aber nicht so. Ich würde es auf „reine Geschmacksache“ reduzieren und nicht in „Besser“- oder „Schlechter“-Kategorien pressen wollen. Wenn Sie allerdings Hörbuch-Fan sind – und davon gibt es ja einige –, werden Sie die KEF für ihre Mittenpräsenz lieben. Wird es der „X300A Wireless“ zu laut, zeigt sie das übrigens zuverlässig damit an, dass Stimmen eigentümlich nasal werden. Natürlich habe ich sie dafür aber auch – ich darf das, ich bin Tester! – provozieren müssen und bis deutlich über Zimmerlautstärke ausgesteuert.

Jetzt ist es aber auch nicht so, dass man der handlichen Britin Mittenzentrierung vorwerfen möchte. Um die Frequenzlagen darunter und darüber kümmert sie sich ebenfalls sehr engagiert, wobei sie ihre physikalischen Grenzen in der Kelleretage ziemlich daft punkgeschickt kaschiert. Nehmen Sie einen Chartkracher wie „Get Lucky“ von Daft Punk (Album: Random Access Memories), von dem man ja annehmen könnte, dass der nur so richtig Spaß macht, wenn die elektronisch generierten Subbässe und Elektrodrums so richtig Vibration ins Hörzimmer bringen. Was man von einer 4,7-Liter-Volumen-Box nicht erwarten sollte.

Dies nun ins „Gut“- oder „Schlecht“-Schema einzuordnen, fällt mir einigermassen schwer. Es gibt preisklassenbezogen Wettbewerber – etwa die neue „nuPro A 300“ von Nubert, die ich kürzlich hören konnte –, die bassmäßig wuchtiger und fulminanter aufspielen. Die Schwäbin ist aber nicht nur größer, kann also auf mehr Volumen setzen, sondern auch grundsätzlich etwas anders abgestimmt als die KEF X300A Wireless, die so, wie sie agiert, einfach glaubwürdig auftritt. Und deshalb finde ich es gut, dass sich die kleine KEF auch alles, was sie nicht kann – nämlich Tiefbass – spart und das mit kräftigem und staubtrockenem Punch im Oberbass ersetzt.

KEF X300A Wireless

Test: KEF X300A Wireless | Aktivlautsprecher, Kompaktlautsprecher

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