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KEF R-Series

KEF Reference 1 – der Klang

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 KEF Reference 1 – der Klang

Die KEF Reference 1 haben sich gerade eingespielt, da muss ich den HiFiAkademie miniStreamer von unserer Fotografin abholen – und statt ihn direktemang zum Hersteller zurückzuschicken, integriere ich ihn in meine Kette, denn was Kollege Michael Bruß über ihn schreibt, macht mich neugierig, zumal ich ja jahrelang mit dem cdPlayer aus dem gleichen Hause zufrieden gehört habe. Und wie das dann so geht, spielt man herum.

KEF Reference 1

Zum Beispiel mit der Integration des Streamingdienstes Tidal – einmal über einen Desktoprechner mit dem Luxman DA-06 verbunden, einmal über das schmucke Alu-Kistchen per koaxialem S/PDIF. Das klanglich eine deutlich bessere Figur macht – was mich aber auch nicht wirklich wundert, schließlich ist mein PC nicht audiooptimiert und zudem liegen da über fünf Meter USB-Kabel bis zum DAC herum. Spielchen Nummer zwei: unterschiedliche Sampleraten. Herr Reith, der HiFiAkademie-Chef, gab mir den Tipp, bei CD-Auflösung mal mit variabler Taktrate und mal mit einer höheren, fix eingestellten (insbesondere der von 176,4 kHz) zu experimentieren. Interessant – auch hierbei tut sich etwas. Zwar wird es Geschmackssache bleiben, welche Einstellung man vorzieht, aber ich fand es nach dem Hochrechnen tonal minimal luftiger, vor allem aber räumlich großzügiger, weitläufiger – wenngleich die Abbildungspräzision mit nativen 44,1 kHz etwas schärfer gelingt. Schließlich fällt mir noch ein, dass ich irgendwo im Regal ja noch ein paar geregelte Trafo-Netzteile von SBooster habe, also schnappe ich mir die 9-V-Version und tausche sie gegen das Schaltnetzteil, das dem miniStreamer beiliegt – et voilà, wieder ist eine sinnvolle Tuningmöglichkeit gefunden. Sieht natürlich etwas albern aus, wenn das Netzteil doppelt so groß ist wie das eigentliche Gerät, aber wenn’s den Ohren gefällt …

Warum ich Ihnen das alles im Rahmen eines Lautsprechertests erzähle? Weil mir die Auswirkungen solcher Experimente völlig transparent offengelegt werden. Und wie mir nach einem „durchspielten“ Nachmittag auffällt, sagt das eben auch etwas über die KEF Ref 1 aus – nämlich, dass diese im wahrsten Sinne des Wortes Monitore und Durchreicher sind. Sie wollen wissen, wie NF-Kabel A klingt, welche Auswirkung Entkopplungsfüßchen B unter Quelle C zeitigt oder was sich der Tonmeister bei Aufnahme D genau gedacht hat? Dann sind Sie bei der KEF goldrichtig, deren Auflösungsvermögen ist enorm. Das sollte in dieser Preisklasse auch so sein, mögen Sie einwenden – ist es aber nicht immer. Ich würde die Ref 1 in dieser Hinsicht jedenfalls als überdurchschnittlich talentiert ansehen.

Typisch für KEFs Reference-Serie: das Bassreflexrohr ist austauschbar. So lässt sich die Bassabstimmung beeinflussen
Typisch für die Reference-Serie: Das Bassreflexrohr ist austauschbar. So lässt sich die Bassabstimmung beeinflussen

Aber ist das nicht gefährlich, sprich kann es dann auch mal wehtun? Klar. Wenn die Aufnahme nix taugt, wird hier nichts in milderndes Licht gerückt, und wenn die vorgeschaltete Elektronik zu Unsauberkeiten neigt, wird das ehrlich rapportiert, ob es einem gefällt oder nicht. Das sind die üblichen Nebenwirkungen solcher Monitore. Dass die KEF Reference 1 nun aber selbst zu ungebührlichen Härten oder auch nur Lieblosigkeiten neigt, lässt sich nicht sagen. Was auch an ihrer sehr ausgeglichenen Gesamttonalität liegt, bei der vielleicht im Hochton ein minimales Extrafunkeln am Werk ist, die sonst aber sehr neutral – keinesfalls warm, aber eben auch nicht leicht schlanker in den Mitten, wie ich das noch der Ref 3 attestiert habe – daherkommt. Und vor allem auch im Untergeschoss richtig was zu bieten hat.

Andy Sheppard QuartetIch sitze vorm Rechner und arbeite, die Anlage dudelt vor sich hin, ein 24/96-Download aus dem ECM-Katalog läuft – das Andy Sheppard Quartet, Album: „Surrounded by Sea“–, toll klingende Belanglosigkeiten, gerade richtig, wenn man nicht abgelenkt werden möchte. Man muss nur aufpassen, dass man nicht einschläft. Dann aber erregt doch etwas meine Aufmerksamkeit, denn plötzlich steht da ein Kontrabass mitten im Raum! Also lasse ich den Rechner Rechner sein, setze mich in den Sweetspot und drehe lauter.

KEF Reference 1 - der Uni-Q-Treiber

Hammer. Dass man das Schnalzen der Saiten und die ganze „Fingerarbeit“ beim das Stück „Origin Of Species“ einleitenden Solo haargenau hören kann – sehr schön. Aber geschenkt. High-End-Monitore dieser Klasse sollten so etwas beherrschen. Dass der Kontrabass sehr plastisch-griffig und völlig frei exakt mittig zwischen die Boxen projiziert wird und diese scheinbar nur optisch im Raum anwesend sind, nicht aber akustisch – noch besser. Ein Toast auf gut gemachte Kompaktboxenkonzepte, die sich beim Bühnenaufbau nicht selbst im Weg stehen, wie es bei Standmodellen in gewisser Weise fast immer der Fall ist. Das eigentlich Frappierende ist jedoch, dass das Instrument substanziell, holzig und mit völlig überzeugendem Volumen diese Bühne betritt. Der Tiefton ist hier mitnichten „verkopft“, also schön strukturiert, aber irgendwie dann doch Andeutung bleibend. Nein, das ist der echte Stoff. Die letzte Kompakte in meinem Raum war die BMC PureVoice. Und auch wenn sie mir nicht mehr zur Verfügung steht und Quervergleiche aus der Erinnerung so eine Sache sind – da bin ich mir ziemlich sicher, dass sie bezüglich Auflösung und Abbildungsgenauigkeit das Gleiche kann wie die KEF, aber nicht so substanziell aufspielt. Die Reference 1 spricht Bauch und Kopf an, während die BMC eher ein intellektuelles Vergnügen darstellt (so zumindest in meinem Raum mit seinen 30 m² Fläche und 100 m³ Volumen).

Ben HarperAkustischer Bass funktioniert also schon mal hervorragend – also will ich wissen, wie’s aussieht, wenn man das Instrument elektrifiziert. Ich steuere eine Liveaufnahme von Ben Harper an. „Fight For Your Mind“ wird von einem prominent und „tight“ eingefangenen E-Bass nach vorne geschraubt. Schau an, schau an, so etwas kann das kleine, britische Luxusgeschöpf also auch. Und ich dachte, es rümpft jetzt das Näschen. Denkste! So langsam fühle ich mich sportlich herausgefordert – also müssen die Math Rockler von PVT ran, die PVTzur Zeit der Aufnahme von „O Soundtrack My Heart“ noch Pivot hießen. Elektronisches Gebräu, das sich recht hübsch zu einem wahren Gewitter auftürmen kann, gespickt mit Synthibässen und rotzigen E-Gitarrensamples – macht Spaß. Und was macht die KEF? Haut das ungerührt raus. Inzwischen schüttele ich nur noch den Kopf. Pegel kann sie also auch.

So zwischen 80-85 dB am Hörplatz (gemessen mit einem handelsüblichen dB-Meter) sind jedenfalls ohne wirkliche Kompressionseffekte, ohne das Gefühl „jetzt macht sie dicht“ zu haben. Geht’s Richtung Disco- und Rockkonzertlevel, beruhigt mich die Erkenntnis, dass meine dreieinhalbmal so teure und zehnmal so große Blumenhofer Genuin FS 1 MKII doch noch mal zeigt, wie man bei gehörschädigenden Pegeln dynamisch einen raus haut und dabei ganz lässig bleibt. Was umgekehrt aber auch nicht heißt, dass es mit der KEF Reference 1 bei – sagen wir – 90 bis 95 dB richtig ungemütlich wird und Verzerrungen überhandnehmen. Nein, ihr geht dynamisch dann nur langsam mal Nicolas Jaardie Puste aus. Triviale Erkenntnis – und eine fürs vorhergesehene Einsatzfeld eines solchen Monitors wohl theoretisch bleibende.

Zum Abschluss des Bass/Grobdynamik/Pegel-Tests gebe ich mir weitere Electronica, aber eher solche der sphärisch-beruhigenden Art: Nicolas Jaar. Dessen 2011-Album Space Is Only Noise lotet den Tiefbass ganz gut aus und zeigt mir, dass KEF die untere Grenzfrequenz mit 45 Hz bei -3dB offenbar ziemlich wahrheitsgetreu angibt. Sprich: Ganz, ganz unten geht natürlich nicht mehr alles – bis dahin ist es aber wirklich überzeugend.

Zwischenfazit – zwei Tugenden treten klar hervor: Die KEF Ref 1 spielt sehr detailreich und hochauflösend, und sie besitzt eine gelungene, da balancierte Tonalität. Das meint insbesondere auch, das es im Untergeschoss konturiert und substanziell zur Sache geht, auch in mittleren bis größeren Hörumgebungen verhungert sie nicht so leicht wie manche andere Kompakte. Was eine glückliche Fügung ist, denn so gehen die Einzeltugenden eine harmonische Ehe ein: „Schlank und hochauflösend“ ist eben nicht ganz so mehrheitsfähig wie ein Auftritt, der Herz und Verstand anspricht. Was nun Grobdynamik und Pegelfestigkeit angeht, darf man angesichts von Größe und Konzept sehr zufrieden sein, aber natürlich trickst die Reference 1 die Physik auch nicht aus – und Gleiches gilt für den absoluten Tiefgang, die unterste Oktave bleibt Andeutung, wie das bei passiven Kompakten dieses Formats halt der Fall ist. Weitere Meriten? Aber klar doch – Feindynamik und Bühneneindruck sind zu nennen.

KEF Reference 1

Erstgenanntes versteht sich ja fast von alleine bei einem hochauflösenden Lautsprecher, trotzdem sei’s noch mal erwähnt. Denn es macht (beziehungsweise hält) die Musik lebendig, wenn Impulse und Transienten direkt und unverschliffen rüberkommen, subtile Variationen der Stimme 1:1 dargestellt werden. So etwa zu erleben bei Sufjan Stevens New-Folk-Platte Seven Swans von 2004. Stevens Stimme wurde hier recht präsent aufgenommen, und genau so steht sie auch im Raum. Dazu die flirrende und offene Akustikgitarre – großartig. Und sozusagen der Gegenentwurf (vom Klischee?) einer „britischen“ Abstimmung. Dass mit Hörnern oder Flächenstrahlern noch mehr von dieser „Flirrigkeit“ zu erreichen ist, stimmt – genauso, wie es hellere und dunklere tonale Abstimmungen gibt. Die Reference 1 Sufjan Stevenspräsentiert sich als lebendiges und neutrales Hörwerkzeug; und nie habe ich den Eindruck, dass ich etwas fürs Geld vermissen würde.

Die Art und Weise der Raumdarstellung passt da gut zum Gesamteindruck, den die KEF hinterlässt. Irgendwie lehrbuchartig. Soll heißen: Die Musik „passiert“ ziemlich genau auf beziehungsweise leicht vor der Linie, auf der die Boxen stehen, und die Bühnenbreite hört auch ziemlich genau bei der äußeren Kante der Lautsprecher auf, es sei denn, bei der Aufnahme wurde mit der Phase herumgespielt oder so. Das Panorama ist realistisch-üppig, aber nicht ausufernd. Tief geht es nach hinten, und diese Bühnenausleuchtung gelingt auch an den Rändern, nicht nur in der Mitte. Das Ganze kombiniert sich mit hoher Abbildungspräzision (der „Randeinfassung“ der einzelnen Klänge) und ziemlich guter Plastizität (der dreidimensionale, körperliche Eindruck jenseits der reinen „Randlinie“). Das Wichtigste für meinen Geschmack ist und bleibt aber das schon erwähnte akustische Zurücktreten dieses Monitors. Die Musik spielt frei im Raum. Augen zu – Boxen weg.

Test: KEF Reference 1 | Kompaktlautsprecher

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Magnat MTT990