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Technik KEF R900

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Technik KEF R900

Die 2011 eingeführte R-Serie übernimmt vom KEF-Flaggschiff Blade die neueste Generation des Uni-Q-Treibers, und zwar fast unverändert. Auch bei der R900 besteht deshalb die Membran des Mitteltöners aus einem Flüssigkristall-Polymer und verfügt über Versteifungsrippen. Die Membran wird in einer gefalteten sogenannten „Z-Flex-Sicke“ geführt, die Schallreflektionen am Übergang zwischen Membran und Korb so gering wie möglich halten soll. Außerdem verfügt der Mitteltöner über eine sogenannte „Cone Breakup Control“ (dabei scheint es sich um eine Art Gummimanschette am Übergang zwischen dem Konus und dem Schwingspulenträger zu handeln). Die gegenüber dem Vorgängermodell vergrößerte Schwingspule wird durch einen Aluminiumring abgedeckt, der die Eigeninduktivität der Schwingspule minimieren, daneben aber auch magnetisches Übersprechen zwischen Mittel- und Hochtönerschwingspulen verhindern soll. Ziel dieser Maßnahmen ist es, den Mitteltöner erst weit jenseits der Trennfrequenz zum Hochtöner (2,9 kHz) aufbrechen zu lassen.

Uni-Q-Chassis - Prinzipzeichnung

Der Hochtöner seinerseits – identisch mit den in der Blade und der teureren Reference-Serie verwendeten Modellen – ist nach hinten, ähnlich wie bei den B&W-Nautilus-Hochtönern, mit einer geschlossenen Röhre belüftet, in der sich der rückwärtig abgestrahlte Schall quasi totläuft. Seine Membran ist mit einem zweiten Element versteift, so dass Resonanzen erst weit außerhalb des von Menschen wahrnehmbaren Bereichs auftreten, so KEF.

Koax der Kef R 900

Im Mittel-Hochtonbereich nähert sich das Uni-Q-Chassis dem HiFi-Ideal einer Punktschallquelle an. Bei entsprechend geschickter Schallführung – dazu dient unter anderem der sogenannte „Tangerine Waveguide“, der den vom Hochtöner erzeugten Schall lenkt und als angenehmer Nebeneffekt die Tweeter-Membran auch vor mechanischen Beschädigungen schützt – ergibt sich ein außerhalb der Achse unter Winkel gleichmäßig abfallender Schalldruck, bei dem die Abstrahlung nicht, wie sonst öfter anzutreffen, am oberen Ende des Übertragungsbereichs des Mitteltöners stärker bündelt, um dann am unteren Ende des Übertragungsbereichs des Hochtöners wieder sehr breit zu werden und damit in diesem Bereich mehr Energie zu den Seitenwänden des Hörraums zu lenken. Letzterer Effekt ist in vielen Hörsituationen für eine subjektive Präsenzbetonung selbst bei auf Achse mit geradlinigem Frequenzgang gesegneten Lautsprechern verantwortlich. Bei der Klangbeschreibung werden wir sehen, ob KEF das selbstgesteckte Ziel erreicht. Die zwei 20-cm-Tieftöner verfügen übrigens über eine Membran, deren von außen sichtbarer Teil aus Zellstoff besteht und von hinten von einem Aluminium-Konus angetrieben wird.

KEF R900

Das Gehäuse verfügt über Dämpfungspaneele aus gepresstem Schichtholz und wurde nach einer Analyse mit der Finite-Elemente-Methode innen verstrebt, um auch bei höheren Lautstärken kein Eigenleben zu entwickeln. Die erhältlichen Gehäuseausführungen sind Echtholzfurniere in Nussbaum und Palisander sowie Lack Schwarz und Lack Weiß (brandneu, erst ab Juli/August 2012 erhältlich und in meinen Augen todschick!). Der Frontgrill wird von in das Gehäuse eingelassenen Magneten gehalten, ohne Abdeckung gibt’s also keine unschönen Löcher.

Nach dem Auspacken der einzeln in Kartons verpackten Lautsprecher sieht man sich zuerst einmal die Bedienungsanleitung an. Die spart sich Übersetzungen in viele verschiedene Sprachen und kommt, Ikea-mäßig, als Abfolge von Bildern daher. Was die Anleitung verschweigt: Will man Lautsprecherkabel mit Bananensteckern anschließen, lassen diese sich zunächst nicht in die Klemmen reinstecken. Das Hindernis sind kleine Plastik-Stöpsel (in rot und schwarz, damit man sie auch nicht verwechselt), die auf die Stecker aufgeschoben sind. Man muss dann das äußere Teil der Buchse abschrauben, die Stöpsel herausnehmen und das Teil wieder dranschrauben, dann passen auch Bananenstecker.

Anschlussfeld der Kef R900

Ein sehr nachahmenswertes Feature des Abschlussfeldes sind integrierte Metallbrücken für Single- oder Bi-Wiring. Zwischen den oberen und unteren Anschlüssen sind Schrauben: Schraubt man die rein, sind die internen Brücken aktiv, man braucht also nur ein Paar Kabel. Schraubt man sie heraus, ist die Brücke nicht mehr im Signalweg und man kann klassisches Bi-Wiring betreiben.

Bei der Aufstellung eröffnet sich für den Abstand der Lautsprecher zur Rückwand eine breite Spielwiese. Auf der Rückseite der Box finden sich für jedes der beiden Basschassis je zwei Bassreflexkanäle, aerodynamisch innen und außen sauber verrundet, so dass Strömungsgeräusche zuverlässig vermieden werden. Wenn die Abstimmung nicht passt, können aber mitgelieferte Schaumstoff-Pfropfen verwandt werden, um die Reflexkanäle ganz oder zum Teil zu verschließen. Als die R900 bei mir neu aufgestellt wurden, war der Bassbereich etwas zu prominent und ungelenk. Für die ersten Stunden der Einspielzeit habe ich deshalb die Reflexkanäle verschlossen, was den Tiefton merklich schlanker daherkommen ließ. Nach einer Woche regelmäßigen Betriebs waren die Basstreiber eingespielt, von da an habe ich die Lautsprecher offen betrieben, was sich auf die Spielfreude im Untergeschoss positiv auswirkte.

Basstreiber der Kef R900

Der Bass der R900 ist durchaus kräftig (dazu gleich mehr). Je nach Raum dürfte deshalb ein bisschen Abstand zur Rückwand zu empfehlen sein; KEF empfiehlt 65 bis circa 100 cm. Den saubersten Bassbereich erzielte ich am oberen Ende dieser Bandbreite, der Unterschied war aber nicht riesig. Ein Mimöschen in Sachen Aufstellung ist die KEF nicht, ganz im Gegenteil.

KEF R900 - Fuß und Spike

Noch ein letzter Punkt hierzu: Beigepackt sind Alu-Druckguss-Füße, die unter den Lautsprecher geschraubt werden. Die sollen dann mit ebenfalls beigepackten, gut handhabbaren Spikes versehen werden. Wer keine Spikelöcher im Parkett haben möchte, wird von KEF auf den Zubehörfachhandel verwiesen, um dort entsprechende Untersetzer zu erwerben.

Outtrigger-Füße der Kef R900
Outrigger-Füße der KEF R900

Nicht verschwiegen werden soll eine etwas unangenehme Eigenart der KEFs: Während der ersten paar Wochen in meinem Wohnzimmer sonderten sie einen deutlich wahrnehmbaren „chemischen“ Geruch ab, der von den Membranen der Basstreiber herzurühren schien. Produktmanager Christian Stamms vom deutschen KEF-Vertrieb GP Acoustics meinte, es handele sich um einen Einzelfall, ihm seien von Händlern und Endverbrauchern keine diesbezüglichen Beschwerden bekannt.

Ansonsten ist die Verarbeitung makellos. Das Niveau, das in der Preiskasse der KEF R900 – rund 3.600 Euro das Paar – mittlerweile erreicht wird, ist unglaublich.

Test: Kef R900 | Standlautsprecher

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