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Klang Jadis JP15/JA15 (Teil 2)

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  1. 3 Klang Jadis JP15/JA15 (Teil 2)

Ich höre mich noch einige Zeit durch meine bevorzugte Musik. Dabei entdecke ich vieles neu und erlebe Bekanntes intensiver. Gerade bei Jazz bringt das Jadis-Gespann einen Swing rüber, dem man sich kaum entziehen kann. Lebendigkeit, Dynamik, Rhythmus, Timing – hier passt einfach alles. Ist es pathetisch, wenn ich am Ende des Abends von einer durch und durch „erfüllten“ Hörsession sprechen möchte?

Jadis JA15 JP15

In den nächsten Tagen und Wochen absolviere ich ein breites Musikprogramm. Und häufig können mich die Jadis-Komponenten begeistern. Konkret bei Jazz, bei dem sich die Jadis intensiv um die Stimme oder das Instrument, das im Vordergrund steht, kümmern, oder bei klassischer Musik, wo sie mit ihrer Klangfarbentreue punkten. Allerdings gibt es auch Bereiche, in denen ihre Talente nicht greifen.

Sollten Sie etwa bevorzugt elektronische Musik hören, werden Ihnen vermutlich knallharte Bässe und kristallklare Hochtoneruptionen fehlen. Aber auch an anderen Stellen kann den Jadis ihr Charakter zum Verhängnis werden. Eines meiner Lieblingsstücke ist beispielsweise „Time after Time“ von Miles Davis auf der Platte Live around the World. Cindy Laupers Titel Miles Davis Live around the worldinterpretiert Davis in gewohnt eigener Manier. Während seine Begleitmusiker die Melodie sehr leise im Hintergrund spielen und damit quasi durch den Rhythmus den regelmäßigen Gang der Zeit darstellen, setzt Davis mit der Trompete Akzente, die eher den Ereignissen im Leben entsprechen – mal passiert ganz viel auf einmal, dann kaum etwas, dann etwas Überraschendes, dann etwas im Einklang mit dem Rhythmus –, erlebte Zeit entspricht nun mal nicht dem gleichmäßigen Ticken der Uhr. Und hier ist es eher kontraproduktiv, dass die Jadis die Rhythmusgruppe vernachlässigen, um sich intensiv der Trompete zu widmen. Denn damit geht ein gutes Stück der Spannung, von der das Stück lebt, verloren.

Jadis Ja15 JP15

Überhaupt gibt es Aufnahmen, mit denen die Jadis-Komponenten nicht recht umzugehen wissen. Madonnas Stimme beim Titel „Ray of Light“ aus den umgebenden Synthie-Orgien herauszuschälen, gelingt ihnen nur bedingt. Mit der künstlichen Catarina ValenteRäumlichkeit der Aufnahme und den damit verbundenen Effekten können sie auch nicht viel anfangen. Dafür reißt mich Caterina Valente in London förmlich aus dem Sessel. Die Stimme der Valente vor der Big Band in Szene zu setzen – da ist das französische Trio voll in seinem Element. Der Fokus liegt auf der Stimme, die Big Band brilliert mit Klangfarben und der Swing scheint den Röhren quasi in die Anodenbleche gestanzt. Dazu vermitteln die Jadis eine stabile, sauber aufgefächerte Räumlichkeit, die ich ihnen nach der Madonna-Erfahrung fast nicht mehr zugetraut hätte.

Jadis JA15

Selten habe ich erlebt, dass Verstärker so unterschiedlich auf Aufnahmen reagieren. Hier beschleicht mich fast der Verdacht, dass man über Röhrenverstärker am besten Aufnahmen hört, die auch mit Röhrenequipment aufgenommen wurden. Der Wechsel Jadis JP15zum Oscar Peterson Trio, 1961 Cologne Gürzenich Concert Hall, scheint das zu bestätigen. Die Aufnahme versetzt mich quasi sofort live in das Konzert – ich habe keine Fragen mehr, genieße die Musik vollkommen. Die Jadis scheinen einen eigenen Charakter zu haben, der sich darin niederschlägt, wie sie mit der Musik zurechtkommen. Rastet es ein, ist die französische Verstärkerkombi einfach betörend und es bleiben kaum Wünsche offen. Aber es gibt eben auch Bereiche beziehungsweise Aufnahmen, bei denen die französischen Verstärker ihre Talente nicht ausspielen können.

Wie ist die Vorstufe JP15 als solche klanglich zu verorten? Nun, tonal gibt sie sich neutral, eventuell fehlt ganz oben etwas Luftigkeit, aber wenn, dann nur ein Hauch. Vom Timing her bringt die JP15 jedenfalls Tempo ins Geschehen. Kann sein, dass sie sich nicht um das letzte, allerfeinste Ausschwingen der Töne kümmert, die deshalb etwas kleiner und kürzer wirken. Dafür gibt es aber zwischen den einzelnen Tönen viel „Raum“, was einerseits konzentriert wirkt, weil die Ausläufer der einzelnen Klänge nicht ineinander fließen, andererseits auch schnell klingt, da sie sich so akzentuierter voneinander abheben. Ich kann mir gut vorstellen, dass die kleine Jadis-Vorstufe mancher eher breit auftrumpfenden Endstufe genau die Fasson gibt, die dem Klangbild sonst fehlt. Auf jeden Fall bildet die Jadis JP15 zusammen mit den JA15 ein absolut schlüssiges Team für alle, die auf klassische Röhrentugenden stehen.

Test: Jadis JP15 und Jadis JA15 | Vor-End-Kombi

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