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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Neue Gipfel
  2. 2 Innuos Zenith Next-Gen: Hörtest und Vergleiche

Bei den Digital-Spezialisten Innuos (https://innuos.com/) ist ordentlich Dampf auf dem Kessel. Nicht nur, dass man inzwischen gut 50 Mitarbeiter inklusive eigener Software-Abteilung beschäftigt, auch der Produktnachschub ist „im Flow“: Kurz vor der Veröffentlichung unseres Tests zum Innuos Zen Next-Gen kam die Info rein, dass eine neue Musikserver-Serie namens „Stream“ (ab 2.250 Euro) am Start ist – und kurz danach, auf der im doppelten Sinne letzten Münchner High End, gab es das neue Flaggschiff der Portugiesen zu bewundern, den Innuos Nazaré, der im dreiteiligen Vollausbau schwindelerregende 70.000 Euro erklimmt. Aktuell schlug nun aber der Zenith Next-Gen bei uns auf, die derzeitige „Nummer 3“ im Innuos-Portfolio und dementsprechend alles andere als eine Sparnummer: Günstigstenfalls ist man mit 15.600 Euro dabei, im Testausbau mit 2 TB SSD-Festplatte und zusätzlichem I2S-Ausgang werden 17.670 Euro aufgerufen.

Der Innuos Zenith Next-Gen von oben-rechts

Der Zenith Next-Gen ist die Nummer 3 im Line-up der Musikserver von Innuos – und ein veritabler Panzerschrank. Seine Behausung ist aus zentimeterstarken Aluminiumplatten aufgebaut

Déjà-vu

Als ich den Innuos Zenith Next-Gen aus dem Karton hebe und aufs Rack wuchte, stellt sich ein Déjà-vu-Erlebnis ein: Der aktuelle Proband sieht exakt so aus die der Zen Next-Gen, der vor einigen Monaten hier zu Gast war – wenn man einmal vom goldenen Wimpel in der linken Ecke des Deckels absieht, der beim Zen grau ist. Sonst ist alles gleich. Einerseits gefällt mir das nicht, denn bei der diesen Test begleitenden Bildstrecke sorgt es nicht gerade für Abwechslung – anderseits aber schon, zeugt es doch von recht mutigem Understatement: Die Unterschiede zwischen den beiden Servern befinden sich tatsächlich allesamt unter der Haube, also im Verborgenen, man geht damit nicht hausieren.

Goldener Wimpel des Innuos Zenith Next-Gen

Nur echt mit Goldkante: Der einzige äußere Unterschied zwischen dem Innuos Zenith Next-Gen und dem kleineren Geschwister Zen Next-Gen ist die Farbe des Wimpels in der linken vorderen Ecke. Beim Zen ist er grau, beim Zenith in Gold gehalten

Zu den Unterschieden gleich mehr, zunächst zu den Gemeinsamkeiten, die ich hier aber nur kurz skizzieren möchte, um nicht immer das gleiche zu schreiben – wer mehr wissen möchte, findet im Zen-Next-Gen-Test Weitergehendes. (Apropos: Zen-Next-Gen-Besitzer können ihr Gerät jederzeit aufs Zenith-Next-Gen-Niveau upgraden lassen.)

Also: Besagte identische Behausung ist von der Art eines Panzerschranks. Hervorragend verarbeitete, zehn Millimeter starke Aluminiumplatten sorgen für Highend-Feeling vom Feinsten – sowie für Resonanzarmut, auf die auch die „lustige Platzierung“ der Standfüße sowie die Isolationsplattform für den Trafo einzahlen sollen. Vibrationen und Mikrofonieeffekte sind bekanntermaßen nicht nur im analogen Bereich unerwünscht.

Die Bodenplatte des Innuos Zenith Next-Gen

Lustig platziert? – Die Gerätefüße des Innuos Zenith Next-Gen wurden nicht einfach symmetrisch auf der Bodenplatte verteilt, sondern nach Überlegungen zur Resonanzoptimierung

Das Anschlussfeld auf der Rückseite des Innuos Zenith Next-Gen bietet ebenfalls dasselbe was der Zen Next-Gen bereithält. Neben zwei RJ45-Buchsen ist unter anderem ein USB-Ausgang zur Anbindung eines externen D/A-Wandlers stets mit an Bord. Optional dagegen sind folgende drei Zusatz-Digitalboards: USB mit Reclocker, S/PDIF oder I2S. Ebenfalls nur wahlweise – manche streamen ja ausschließlich aus der Cloud – werden SSD-Festplatten verbaut. Mit bis zu 16 TB kann der Zenith Next-Gen bestückt werden.

Das rückseitige Anschlussfeld des Innuos Zenith Next-Gen

Das rückseitige Anschlussfeld des Innuos Zenith Next-Gen – vorne-links zu sehen: Der Schacht, in dem die optionalen Ausgangsmodule montiert werden. In unserem Fall war das das I2S-Modul

Keinerlei Unterschiede lassen sich auch bei der Software ausmachen: Es ist das proprietäre Sense-System wie bei allen Innuos-Produkten, das aus meiner Sicht eine kluge Balance aus Bedienkomfort und Klangperformance darstellt. Wer will, kann auch auf Roon oder den HQPlayer switchen.

Unter der Haube

Kommen wir zum Spannenderen, zu den Unterschieden zwischen Zenith und Zen Next-Gen.

Der passive gekühlte Intel Core i7 des Innuos Zenith Next-Gen

Im Zenith Next-Gen steckt ein Intel Core i7, dessen Rechenkerne gemäß der „AudioCore“-Technologie von Innuos speziellen Aufgaben zugeordnet werden, was sich klanglich positiv bemerkbar machen soll. Der Prozessor wird passiv gekühlt

Zwar besitzt der Zenith Next-Gen das gleiche „PreciseAudio“-Mainboard wie der Zen, in ihm steckt aber ein leistungsfähigerer Prozessor, nämlich Intels Core i7 statt des i3. Das sei nicht allein wegen der höheren Rechenleistung von Vorteil, so Innuos-Produktspezialist Stephen Healy, sondern vor allem aufgrund der höheren Anzahl von physischen Rechenkernen im i7 – acht statt derer vier. So ließe sich die hauseigene „AudioCore“-Technologie, bei der bestimmte Prozessorkerne speziell für die reine Audiowiedergabe reserviert werden, während andere für Systemaufgaben zuständig sind, noch besser ausreizen – was zu weniger Systemlatenz führe und sich klanglich bezahlt mache.

Blick ins Innere des Innuos Zenith Next-Gen

Blick ins Innere des Innuos Zenith Next-Gen

Auf eine geringere Latenz zahle auch die Verwendung einer sogenannten pSLC (Pseudo Single Level Cell) SSD für das Betriebssystem des Zenith Next-Gen ein. Die reagiere nämlich nochmals flotter als die im Zen Next-Gen verbaute vom TCL-Typ. „Beide zeichnen sich jedoch durch eine hervorragende Langlebigkeit, einen minimalen Stromverbrauch und einen Stromausfallschutz aus, der zur Robustheit und Ausfallsicherheit des Systems beiträgt“, so Healy weiter.

Der Ringkerntrafo im Zenith NG besitzt 300 VA

Der Ringkerntrafo im Zenith NG besitzt 300 VA, 130000 µF Siebkapazität stehen ihm zur Seite

Den im Wortsinn gewichtigsten Unterschied – der Zenith Next-Gen wiegt gut anderthalb Kilo mehr als der Zen NG – stellt aber wohl die nochmals deutlich aufgebohrte Stromversorgung dar. Der spezielle Ringkerntrafo im Zenith NG besitzt mit 300 VA die doppelte, die mit Mundorf-Kondensatoren bestückte „Siebung“ gleich mal die dreifache Kapazität (130000 µF) des im Zen Next-Gen verbauten. Size matters also durchaus.

Die Stromversorgungsschaltung des Innuos Zenith Next-Gen

Die Stromversorgungsschaltung des Innuos Zenith Next-Gen leitet sich vom Statement-Musikserver ab

Doch das ist nicht alles, es gibt zudem Unterschiede im Schaltungsdesign. Während beim Zen Next-Gen eine passive Gleichrichtung verfolgt wird, kommt beim Zenith „ARC6 NGaN Power Supply“ – also die aktive Gleichrichtungstechnik, die auch in Innuos‘ Nummer 2 am Start ist – zum Einsatz, wenn auch in einer etwas einfacheren Ausführung als beim zweiteiligen Innuos Statement. Das stelle sicher, dass der vom Zenith Next-Gen benötigte Strom stets mit sehr niedriger Impedanz „bereitgehalten“ wird, was insbesondere der Transienten-Wiedergabe förderlich sein soll.

Innuos Zenith Next-Gen: Hörtest und Vergleiche

Kennst du einen, kennst du alle? Von wegen! Ich habe in meiner HiFi-Karriere schon einige Innuos-Server und -Streamer gehört und bilde mir ein, den „Haussound“ der Portugiesen ganz gut im Kopf zu haben. Doch auch wenn der Zenith Next-Gen ein echter Innuos ist, er geht doch eigene Wege – ähnlich wie seinerzeit schon der Zen Next-Gen im Test, aber noch konsequenter, will mir scheinen.

Das I2S-Ausgangsmodul des Zenith Next-Gen

Das I2S-Ausgangsmodul des Zenith Next-Gen

Tonalität

McCalla A day for the hunter, a day for the preyWas die tonale Richtung anlangt, spielen Innuos-Musikserver gerne ins leicht Gefällig-Sonore. Das liegt unter anderem an etwas milder gehaltenen Höhen, die ich auch beim Zenith Next-Gen wiedererkenne, wenngleich es bei ihm wirklich nur um ein Jota geht. Gleichwohl: Beim Song „Far from your web“ von Leyla McCalla (Album: A day for the hunter, a day for the prey) wirken Streicher, Stimme und Banjo nach obenraus eben doch minimal heller beziehungsweise offener, wenn ich über den Antipodes-Musikserver K22 G4 (circa 10.000 Euro) höre. Groß ist der Unterschied aber nicht, es ist nur so, dass sich der Innuos Zenith Next-Gen im Zweifel eher für die Langzeittauglichkeit als die allerstrengste reine Lehre entscheidet.

Das war es dann aber auch schon mit den tonalen Ähnlichkeiten gegenüber seinen Geschwistern – insbesondere die leichte Grundtonanhebung, mit der die Portugiesen sonst gerne mal kokettieren und die auch dem Zen Next-Gen noch zu eigen war, kann ich beim Zenith Next-Gen nicht ausmachen. Er gibt sich hier so neutral wie der erwähnte Antipodes – gegenüber dem er es allenfalls eine Etage tiefer, im Bass/Tiefbass, um ein Mü weniger satt rollen lässt, etwa bei Spains wahrlich üppigen Basslauf in „Love at first sight“ (Album: Sargent Place). Dafür wird er aber noch besser durchgezeichnet.

Der Innuos Zenith Next-Gen von rechts-oben

Auflösung

CocoRosies Elevator AngelsÄhnliches lässt sich bei „When it’s going wrong“ von Marta feststellen, der Innuos Zenith Next-Gen teilt den Bassbereich neutral-straff aus – und wunderbar abgestuft. Hohe Auflösung zeigt er freilich nicht nur in diesem Frequenzbereich, sondern generell: Zu meiner nicht geringen Verwunderung zeichnet mein Antipodes den Körper des Klaviers beim Cocorosies „Terrible Angles“ (Album: Elevator Angels) tatsächlich etwas weicher-runder-üppiger, während der Zenith Next-Gen es sehniger-straffer-differenzierter erklingen lässt – was ich auf seinen besser strukturierten Grundton zurückführe. Das ist schon etwas überraschend für mich, da Innuos an dieser Stelle sonst gern mit einer Prise Charme und Laissez-faire arbeitet, hier nun aber für maximale Durchzeichnung sorgt.

Und während ich beim Test des Zen Next-Gen den Eindruck hatte, dass mein Antipodes im Mittel-/Hochtonbereich schon noch ein Fitzelchen mehr Auflösung liefert, sind die Verhältnisse hier umgekehrt: Ob es nun um Klangtexturen einer gestrichenen Cello-Saite geht oder ums Verklingen eines zart angeschlagenen Beckens weit hinten im Raum – mit dem Innuos Zenith Next-Gen scheint mir das tatsächlich etwas akkurater gezeichnet zu werden. Und gleichzeitig, das ist das wirklich Besondere und Schöne, „höflich eingebunden“. Man erinnere sich, der Hochton strahlt einen ja nicht mit der Kraft von zehn Sonnen entgegen, sondern ein klein wenig milder, eher Golden Hour als High Noon – und trotzdem hat man das Gefühl, mehr „Informationen“ geliefert zu bekommen. Das ist ein Unterschied nicht nur zum im Hochton stoisch linearen Antipodes, sondern erst recht gegenüber einer Maschine wie dem Grimm MU1, die insgesamt etwas schlanker unterwegs ist, weshalb ihr gleichfalls superbes Auflösungsvermögen für manche Ohren eine leichte „Studionote“ besitzen dürfte. Das ist beim Innuos Zenith Next-Gen nicht der Fall.

Die Front des Innuos Zenith Next-Gen

Einfach richtig

Wenn eine Komponente hohe Auflösung bietet, ist meist auch die Feindynamik ein Erlebnis – und der Zenith Next-Gen macht da keine Ausnahme. Groben Lastwechseln folgt er ebenfalls ansatzlos. Aber ganz ehrlich: Das Thema Dynamik hätte ich fast vergessen zu erwähnen. Warum? Weil der Innuos das „sowieso“ draufhat und was die „Attack/Decay-Waage“ angeht perfekt balanciert ist. Er spielt so fließend wie flott, man kann ihm keine Tendenz in ein bestimmte Richtung attestieren.

Zur Einordnung: Im Test des Zen Next-Gen schrieb ich, dass der Antipodes ein klein wenig impulsiver wirkt – das kann ich im Vergleich zum Zenith Next-Gen nun nicht mehr behaupten, die beiden sind auf Augenhöhe. Heißt natürlich auch: In Relation zum Zen ist der Zenith zackiger unterwegs. Bei grobdynamischen Attacken wirft sich der Zen Next-Gen allerdings mit etwas mehr „Masse“ in den Bass-/Grundtonbereich hinein – schneller in der Umsetzung des Pegelsprungs ist aber der Zenith Next-Gen.

Anders & besser – Der Bühnenraum

Was nun Raumdarstellung und Abbildungsqualität angeht, ist der Innuos Zenith Next-Gen einerseits anders und andererseits besser als das, was ich von den Portugiesen bisher gehört habe.

Der Innuos Zenith Next-Gen von links-oben

Als „anders“ geht für mich der Umstand durch, dass der Zenith Next-Gen zwar schon mit der virtuellen Bühne vor der Stereobasis starten kann, wenn es die Aufnahme erfordert – aber dieser quasi-automatische (halbe) Schritt nach vorne, den viele Innuos-Geräte gehen, der ist bei ihm nicht so ausgeprägt. Meist geht’s dann doch eher auf oder knapp vor der Lautsprecherlinie los. Ob einem das besser gefällt oder nicht, ist Geschmackssache.

Klar „besser“ ist für mich dagegen dreierlei: die „Hintergrundschwärze“ und Transparenz der Bühne, die Tiefenstaffelung und die Plastizität und Präzision der Abbildung. Was der Innuos Zenith Next-Gen hier leistet, ist enorm. Das ist noch einmal ein klarer Schritt nach vorne im Vergleich zum Zen Next-Gen und auch der Antipodes K22 G4 kommt da nicht mehr mit. Klar, der Zenith Next-Gen hat seinen Preis. Aber er liefert.

Die Front des Innuos Zenith Next-Gen ist charakteristisch facettiert

Die charakteristisch facettierte Front des Innuos Zenith Next-Gen

Liz Durrett HuskSo modelliert mein K22 G4 die einzelnen Klänge tatsächlich etwas breiter und mit weicherem Rand – etwa Liz Durretts Stimme und die E-Gitarre bei „Vine“ auf dem Album Husk –, während unser Proband etwas kompakter, vor allem aber akkurater zeichnet und dabei einen griffigeren, 3D-hafteren Eindruck hinterlässt. Vor allem ist dieser Innuos-Server hervorragend darin, Klänge Klänge und Nichts Nichts sein zu lassen – sprich: Zwischen den einzelnen Akteuren herrscht Stille, kein Nebel, kein Grauschleier versperrt die Sicht, und weil’s so ist, staffelt er wunderbar transparent nach hinten weg, so zu erleben mit der spartanischen Percussion in diesem Song, die wie aus einem anderen (Aufnahme-)Raum hineinimportiert wirkt. Okay, ich drifte langsam ins Poetische ab, aber es klingt auch wirklich hervorragend! Noch relevanter sind solche Tugenden natürlich bei dichter instrumentierter Musik, komplexer Electronica etwa oder (größeren) klassischen Werken. Die absolute Schwärze des Hintergrunds sorgt dafür, das noch kleinste Soundsprengsel sich klar abheben, eine transparente, durchsichtige Bühne geboten wird – und die Musik insgesamt sehr frei und griffig im Raum steht, nichts an den Lautsprechern kleben bleibt. Wenn Sie Ihren „audiophilen Kick“ vor allem aus der räumlichen Darstellung von Musik ziehen – das hier ist Ihr Musikserver. Ein bisschen Kleingeld sollten Sie allerdings übrig haben.

Billboard
Genelec 8381A

Test: Innuos Zenith Next-Gen | Musik-Server

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  2. 2 Innuos Zenith Next-Gen: Hörtest und Vergleiche

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