
Test: Innuos Stream3 | Musik-Server, Netzwerk-Player
Flott & flexibel
von Elmar Salmutter
Im Test: Innuos Stream3 | Netzwerkplayer und Musikserver
UVP zum Testzeitpunkt: ab 6.600 Euro (Testmuster: 10.900 Euro)
Web: https://innuos.com/
„Ist das ein Panzerschrank?!“, war mein erster Gedanke, als ich den Innuos Stream3 (https://innuos.com/) aus seiner Verpackung wuchten wollte. Über zwölf Kilo Kampfgewicht sind echt ein Wort für einen Streamer/Musikserver. Doch so sehr ich auch rüttelte und schüttelte: Münzgeld oder Goldbarren befanden sich nicht im Inneren. Für das hohe Gewicht sorgt unter anderem das zehn Millimeter dicke, CNC-gefräste Aluminiumgehäuse, das extrem sauber und passgenau verarbeitet ist.

„Der größte Vorteil des Aluminiumgehäuses liegt darin, dass Aluminium kein magnetisches Material ist“, erklärt Stephen Healy, Product Specialist bei Innuos, auf Nachfrage. Darüber hinaus soll sich die präzise Bearbeitung positiv auf das Schwingungsverhalten auswirken, da sich so stehende Wellen im Material wirksamer reduzieren ließen. Ein weiterer Vorteil ist laut Healy die deutlich bessere Wärmeableitung im Vergleich zu anderen Materialien. „Niedrigere Betriebstemperaturen fördern die Stabilität der Stromversorgung und der elektronischen Schaltungen“, erklärt er.
Wer die Marke Innuos nicht kennt oder nicht HiFi-affin ist, stünde wie der Ochs vorm Berg vor dem Stream3, weil er auf seiner Vorderseite im ausgeschalteten Zustand keinerlei Bedienelemente aufweist. Während mein inzwischen nicht mehr im Programm befindlicher Innuos Zenith MK3 noch einen Schlitz für CDs auf seiner Vorderseite hat, muss man beim Innuos Stream3 ein externes Laufwerk an der Rückseite anschließen, um CDs zu importieren, sofern man das Gerät nicht nur als Netzwerk-Streamer, sondern auch als Musikserver mit einer internen SSD-Festplatte mit zwei (+800 Euro), vier (+1.400 Euro) oder acht TB (+2.500 Euro) geordert hat. Man kann es auch deutlich preiswerter haben und sich nachträglich selbst eine M.2-NVMe-SSD von einem Drittanbieter einbauen, wozu man das Gerät allerdings aufschrauben muss. Das soll laut Innuos auch Laien relativ leicht gelingen und die Garantie nicht negativ beeinflussen.

High-End-DAC-Board
Mit dem Stream3 verfolgt Innuos wie schon beim Stream1 einen konsequent modularen Ansatz, bei dem sich das Gerät über verschiedene Erweiterungsoptionen an die individuellen Anforderungen des Nutzers anpassen lässt. Das Testgerät verfügt zum Beispiel über eine interne 2-TB-NVMe-SSD und das PhoenixDAC-Board, mit dem sich die Portugiesen erstmals in die Welt der High-End-DACs vorgewagt haben. Während für den Stream1 nur das relativ einfache Standard-DAC-Board (550 Euro) und das Performance-DAC-Board (1.250 Euro) zur Verfügung stehen, entschwindet das PhoenixDAC-Board mit 3.500 Euro preislich in andere Sphären. Das Testgerät kommt so auf einen Gesamtpreis von 10.900 Euro.

Während auf dem PerformanceDAC-Board ein aktueller AKM-DAC-Chip, hochwertige TCXO-Taktgeber und getrennte Stromversorgungen für den digitalen und analogen Bereich zum Einsatz kommen, verfügt das PhoenixDAC-Board über eine Dual-Mono-Architektur mit zwei separaten AKM-Wandler-Chips – je einer pro Kanal. Hinzu kommen eine hochpräzise OCXO-Masterclock sowie zwei zusätzliche Femto-Clocks für die Audioverarbeitung. Diese aufwendigere Architektur soll laut Hersteller Jitter minimieren und eine bessere Kanaltrennung ermöglichen. Darüber hinaus verfügt das PhoenixDAC-Modul neben Cinch- auch über symmetrische XLR-Ausgänge. „Die DAC-Module richten sich an Anwender, die keinen externen D/A-Wandler verwenden möchten und einen integrierten Ansatz bevorzugen“, so Stephen Healy. „Gleichzeitig eröffnet dies die Möglichkeit besonders minimalistischer Anlagen. Ein Stream3 mit PhoenixDAC, der direkt mit Aktivlautsprechern verbunden wird, hat in unseren Tests beeindruckende Ergebnisse erzielt.“
Maximal anpassbar
Wer keinen integrierten DAC braucht, kann den Innuos Stream3 auch auf andere Weise hochrüsten, etwa mit dem PhoenixUSB-Board, das ein neu getaktetes USB-Signal an einen externen Wandler schickt. Auch das PhoenixI2S-Board mit HDMI-Schnittstelle dürfte manche Audiophile ansprechen. Und last, but not least gibt es ein S/PDIF-Board für diejenigen, die sich jeweils einen koaxialen, optischen und AES-Out wünschen. Wer möchte, kann den Stream3 mit der zum Lieferumfang gehörenden Metall-Fernbedienung bedienen, die als Ergänzung zur sehr guten, stabilen Innuos-Sense-App gedacht ist. Sie wurde speziell für den Stream1 und Stream3 entwickelt und deckt Grundfunktionen wie das Ein- und Ausschalten, das Stummschalten, das Skippen oder die Lautstärkeregelung ab. Hinzu kommen zehn programmierbare Kurzwahltasten.

Aufwendiges Netzteil
In technischer Hinsicht unterscheidet sich der Innuos Stream3 vom kleinen Stream1 nicht nur durch das größere Gehäuse und mehr Aufrüstoptionen, sondern vor allem durch das deutlich aufwendigere Netzteil. Bei Innuos betrachtet man die Stromversorgung als grundlegenden Faktor für die Klangqualität – sie zählt zu den zentralen Säulen der Entwicklung. „Mit steigender Produktklasse wird dieser Bereich entsprechend weiter optimiert“, so Healy. „Beim Stream3 sorgt das Netzteil dafür, dass sowohl die Recheneinheit als auch die dedizierten Ausgangsmodule mit einem besonders niedrigen Störpegel arbeiten können.“ Das Netzteil entstand in Zusammenarbeit mit Dr. Sean Jacobs, der als Spezialist für rauscharme Stromversorgungen gilt. Konkret bedeutet dies: Ein 300-VA-Ringkerntransformator, üppige 132.000 µF Mundorf-Kapazitäten, aktive Gleichrichtung und eine medizinische Netzfilterung sowie eine DC-Spannungsregelung sorgen für eine besonders saubere und stabile Stromversorgung mit minimalen Störgeräuschen. Bei der CX-Spannungsregelung handelt es sich um eine von Innuos entwickelte Schaltung zur rauscharmen und stabilen Stromversorgung.

Mehr Leistung, weniger Verbrauch
Hinzu kommt eine neue Hauptplatine, die ein flüssigeres Nutzererlebnis garantieren soll und auf einem Intel-Quad-Core-Prozessor der 13. Generation basiert. Laut Healy zeichnet sich diese Prozessorgeneration durch eine außergewöhnlich hohe Energieeffizienz bei gleichzeitig sehr hoher Rechenleistung aus. In Kombination mit 8 GB industrietauglichem DDR5-Arbeitsspeicher bietet sie laut Innuos eine mehr als 200 Prozent höhere Rechenleistung als das Vorgängermodell und verfüge zudem über genügend Leistungsreserven für zukünftige Software- und Funktionsentwicklungen, so Healy.

Werfen wir noch einen Blick auf die Rückseite: Hier stehen zwei USB-A-Buchsen für den Anschluss eines USB-Speichers oder eines CD-Ripping-Laufwerks bereit. Hinzu kommt eine USB-C-Schnittstelle für entsprechende Geräte, während die HDMI-Buchse nur für den technischen Service gedacht ist. Grundsätzlich gibt es immer – unabhängig von der gewählten Konfiguration – einen USB-DAC-Ausgang für externe Wandler sowie einen Chassis-Ground-Port. Über die LAN-Schnittstelle verbindet sich der Innuos Stream3 mit dem Internet, während sich mit der Ethernet-Buchse ein weiterer Player einbinden lässt. Und natürlich sehen wir auch die Cinch- und XLR-Ausgänge des PhoenixDAC-Boards.

Innuos Stream3: Hörtest und Vergleiche
Normalerweise lasse ich ein bereits benutztes und dadurch eingespieltes Testgerät wie dieses erst mal ein, zwei Tage vor sich hindudeln, bevor ich bewusst auf seinen Klang achte. Manchmal geschieht es aber auch, dass mir bereits beim Nebenbeihören gewisse Dinge ins Ohr stechen, die mich dann doch gleich aufs Sofa vor die Stereoanlage ziehen. Genau das geschah im Fall des Innuos Stream3. In Kombination mit dem McIntosh-Vollverstärker MA8950 AC (13.290 Euro) und den Sonus Faber Olympica Nova 3 fielen mir drei Dinge im Vergleich mit meinem mir bestens bekannten Innuos Zenith MK3 (verbandelt mit dem DAC-Board des McIntosh-Vollverstärkers, dieses Setup liegt bei circa 7.000 Euro) und dem vor ein paar Monaten getesteten Stream1 mit seinem integrierten PerformanceDAC-Board (circa 5.400 Euro) auf. Und diese Unterschiede bestätigten sich beim weiteren Hören.
Aller guten Dinge sind drei

Zweitens: Die Bühne erstreckt sich weiter zum Hörer hin, als es mit dem Stream1 mit seinem PerformanceDAC-Board und dem Innuos Zenith MK3 in Kombination mit dem McIntosh-DAC der Fall ist. Man könnte auch sagen: Sie geht ein, zwei Schritte weiter auf den Hörer zu und wirkt dadurch involvierender. Ich bin fast ein bisschen erschrocken, als mir plötzlich Leonard Cohen „If you are the dealer, I‘m out of the game“ ins Ohr brummelt (aus „You Want It Darker“ vom gleichnamigen Album), so nah schien er mir plötzlich zu stehen. Auch die seitliche Bühnenausdehnung legt im Vergleich mit den beiden genannten Innuos-Geräten eine kleine Schippe drauf und lässt die Bühne insgesamt beeindruckend groß wirken.

Mit A.A. Williams auf Spurensuche


Doch wie sieht es mit der Auflösung aus, wie gut arbeitet das Gerät kleine Details heraus? Bleiben wir noch ein Weilchen bei A.A. Williams: Das relativ karge Abschlussstück „The Gentle Harm“ lebt vom Zusammenspiel aus Stimme und Piano. Mittelmäßig auflösende HiFi-Geräte verschlucken beziehungsweise verhuschen die feinen Hallfahnen des Pianos gerne mal, während höherwertige Komponenten das Abebben präzise nachzeichnen. Zu Letzteren zählt eindeutig der Stream3, der das Ausklingen der Töne sehr sauber darstellt und das auch preisklassenbezogen exzellent hinbekommt. Das reicht in puncto Auflösung fast an den teureren Moon 681 heran, der in dieser Hinsicht wahnsinnig gut ist.
Tiefgang & Transparenz
Bei der Beurteilung des Basses darf mal wieder der Tieftonklassiker von James Blake ran: „Limit To Your Love“ (Album: James Blake), ein Song, der mit seinem massiven Tiefbass gerne mal Möbelstücke zum Mitvibrieren anregt. Einerseits zeigt das Stück, wie tief Lautsprecher oder HiFi-Geräte wirklich herunterkommen, andererseits lässt sich so auch überprüfen, wie kontrolliert und tonal differenziert die untersten Oktaven wirken. Ich war positiv überrascht, als das Bassgewitter einsetzte: Ja, es geht mit dem Innuos Stream3 sehr tief, aber das Ganze bleibt präzise und dickt auch bei höheren Pegeln kaum auf. Das Stück habe ich in anderen Kombinationen schon deutlich schwabbeliger und dröhnender gehört, hier bleibt es stets gut durchhör- und nachvollziehbar. Sowohl Bassheads als auch Hörer, die den Tiefton agil und mit viel Durchzeichnung mögen, kommen auf ihre Kosten. Im Vergleich mit dem Stream1 und dem Zenith MK3 ist das echt eine andere Hausnummer, wobei der Innuos Stream3 pegelseitig nicht über die Stränge schlägt. An den Métronome AQWO 2 (ab 19.990 Euro) kommt er jedoch nicht heran, da der im Bass noch mehr Selbstverständlichkeit und Autorität an den Tag legt. Aber der kostet ja auch fast das Doppelte. Im Vergleich mit dem Moon 681 befindet er sich auf Augenhöhe und steigt sogar noch einen Hauch weiter runter in den Tieftonkeller.

Für die Beurteilung der Mitten durfte ein anderer Klassiker ran: „Don’t Give Up“ von Peter Gabriel (Album: So, 1986), das er im Duett mit Kate Bush singt. Die Besonderheit der Ballade besteht im Zusammenspiel zweier völlig unterschiedlicher Stimmen. Peter Gabriels Stimme ist tief und sonor mit viel Energie im Grundton- und unteren Mittenbereich, während Kate Bush mit ihrer helleren und emotionalen Stimme eher die oberen Mitten abdeckt. Im Idealfall sollten beide Stimmen authentisch und gleichwertig klingen – die von Gabriel nicht zu schwer und die von Kate Bush nicht zu scharf. Und voilà, das passt! Die Männerstimme hat einen schönen Körper, die Frauenstimme wirkt klar und offen. Das spricht für eine sehr transparente, differenzierte Mittenwiedergabe mit einem ganz leichten Schuss Wärme, die mir sehr vertraut vorkommt und typisch für Innuos ist.
Alte Bekannte
Auch die Hochtondarstellung kommt mir bekannt vor – minimal zurückhaltend, seidig und geschmeidig. Okay, hohe Töne wirken minimal angriffslustiger und frischer als bei meinem Innuos Zenith MK3, aber immer noch weit davon entfernt, ins Helle, Betonte oder Offensive abzudriften. Die Höhen erinnern stark an den tollen Moon 681, der ja in dieser Hinsicht auch sehr langzeittauglich und seidig performt. Meine Ohren meldeten nie Überforderung an, sofern es sich nicht um mittelmäßig aufgenommene Rockmusik in Konzertlautstärke handelte. Der Hochton stellt sich im besten Sinne als unauffällig heraus, weil nie das Gefühl einer Unter- oder Überbelichtung aufkommt. „Schism“ von Tool kann schnell etwas anstrengend wirken, da es – wie das gesamte Album (Lateralus, 2001) – eher hell klingt. Bei einer obenherum etwas offensiv abgestimmten Komponente kommen die Becken von Drummer Danny Carey schnell zu spritzig oder zischelnd rüber, doch das bleibt beim Stream3 aus. Auf der anderen Seite verlieren sie aber auch nicht ihren natürlichen Glanz.

Gesamttonalität
In puncto Gesamttonalität schälte sich im Laufe der Zeit die Feststellung heraus, dass der Innuos Stream3 weder vollmundig noch dunkel klingt, aber auch nicht hell oder dünn. Vielmehr lässt er sich ziemlich genau in der neutralen Mitte verorten – mit einer ganz leichten Tendenz ins Warme. Diese Tendenz ist – zumindest in der Konfiguration mit dem teuersten integrierten DAC-Modul – allerdings weniger stark ausgeprägt als beim Stream1 mit seinem optionalen und beim damaligen Test verwendeten PerformanceDAC-Modul.
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