Demnächst im Test:

Billboard
Vulkkano

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Lord of the Boards
  2. 2 Innuos Stream1: Hörtest und Vergleiche

Portugal ist nicht nur für Fado, Ronaldo und Lissabon bekannt, sondern mittlerweile auch für Innuos, ein Unternehmen, das sich seit 2009 zu einer festen Größe im Bereich hochwertiger Musikserver und Streamer entwickelt hat. Die Portugiesen stellten in den letzten Monaten Streamer/Musikserver vor, die im High-End-Bereich angesiedelt sind, zuletzt hatten wir die Musikserver Zenith Next-Gen und Zen Next-Gen zu Gast. Ein Gerät für Einsteiger gibt es aber immer noch, und das haben wir hier im Test: den Innuos Stream1 für 2.250 Euro. Der lässt sich auf Wunsch auch hochrüsten – wir orderten ein Testexemplar mit zusätzlichem PerformanceDAC-Board (1.150 Euro), integrierter 2-TB-Festplatte (1.050 Euro) und Upgrade-Netzteil (Bundle-Angebot: 920 Euro). Und schwupps, schon sind wir bei 5.370 Euro.

Der Innuos Stream1, links angewinkelt

Der Stream1 ist die neue Einstiegsofferte von Innuos. In der Grundausstattung kommt er ohne Festplatte – die lässt sich optional aber dazubestellen oder selbst einbauen. Weitere Upgrade-Möglichkeiten sind in Form von DAC- und Digitalausgangs-Modulen zu haben

Alles wird teurer: Kaffee, Schokolade, Strom. HiFi bildet leider keine Ausnahme. Wobei der Basispreis des Innuos Stream1 noch human ausfällt, aber in dieser Form ist er halt „nur“ ein Streamer/Renderer im Halbformat mit Abmessungen von 24 × 20 x 8 Zentimetern (BxTxH). Bestellt man die 2-TB- oder 4-TB-Festplatte gleich mit, kommt er als Musikserver an, an den man jedes handelsübliche CD-Laufwerk anschließen kann, um CDs zu rippen. Apropos „teurer werden“: Dank des AI-Booms betrifft das auch die Kosten für Speicherplatz, mithin SSDs. Die Kosten für die entsprechenden Chips hätten sich in jüngster Zeit mehr als verdreifacht, deshalb habe man die eigenen Preise leider nach oben anpassen müssen, so Stephen Healy, Produktspezialist bei Innuos. Ein möglicher Ausweg: Man legt selbst Hand an und baut eine M.2-NVMe-SSD von einem Drittanbieter ein, laut Innuos gelingt das auch Laien – und die Garantie des Gerätes tangiert es nicht.

Standards & Aufrüstoptionen

Ein USB-Ausgang zum Anschluss eines entsprechenden D/A-Wandlers ist stets mit an Bord des Innuos Stream1. Wer keinen externen DAC oder einen Verstärker/Lautsprecher mit integriertem Wandlerboard besitzt, kann sich bei den Portugiesen gleich auch den D/A-Wandler ins Gerät einbauen lassen, zur Wahl stehen zwei Boards: das StandardDAC-Modul für 500 Euro und das bei unserem Testgerät eingebaute PerformanceDAC-Board für 1.150 Euro. „Beim StandardDAC-Board handelt es sich um ein relativ einfaches Design, das auf einem Chip von Texas Instruments basiert und eine maximale Auflösung von 24 Bit/192 kHz unterstützt“, erklärt mir Healy auf Nachfrage. „Das PerformanceDAC-Board ist hingegen ein deutlich aufwendigeres Design, das auf einem AKM-Chip der neuesten Generation basiert, über unabhängige Stromversorgungsstufen verfügt und natives DSD-Decoding sowie PCM bis zu 32 Bit/768 kHz unterstützt.“

Das rückseitige Anschlussfeld des Innuos Stream1

Das Anschlussfeld des Innuos Stream1: Standardmäßig immer mit dabei ist ein USB-Ausgang zum Anschluss an einen DAC. Links zu sehen: Der (abgedeckte) Schacht, in dem die optionalen Erweiterungsmodule Platz finden

Wer kein DAC-Board wünscht oder benötigt, kann sich ein S/PDIF-Board (650 Euro) einbauen lassen, um einen externen DAC nicht nur über USB, sondern auch über zusätzliche Digitalausgänge (AES/EBU, Koax, Toslink) ansteuern zu können. Auch die Integration des PhoenixUSB-Boards (1.200 Euro) für eine verbesserte USB-Audio-Qualität stellt eine Option dar. Es lässt sich immer nur ein einziges optionales Board integrieren, also entweder eines der beiden DAC-Module, das S/PDIF- oder das PhoenixUSB-Board – zwei oder drei gleichzeitig gehen nicht.

Optionale Module für den Innuos Stream1

Welches Modul hätten Sie denn gerne? Links oben: das Standard-DAC-Board. Rechts daneben das Performance-DAC-Modul, das wir im Test hatten. Links unten: das Phoenix-USB-, rechts unten: das S/PDIF-Board

Der modulare Ansatz entstand offenbar aufgrund des Wunsches, einen einzigen optimierten und spezialisierten Ausgang zu haben, statt mehrere Ausgänge auf Basis eines allgemeineren Designs, wie Stephen Healy hierzu anmerkt. „Die Boards profitieren von einer sehr hochwertigen, unabhängigen Stromversorgung. Würden wir mehrere Boards gleichzeitig unterstützen wollen, müsste die Stromversorgung entsprechend größer dimensioniert werden, was die Kosten erhöhen würde. Zudem stoßen wir gerade beim Innuos Stream1 schnell an die physischen Grenzen des Gehäuses.“ Die Boards lassen sich auch nachträglich installieren, hier verweist Healy allerdings auf den Händler, da die Installation für Laien zu komplex sei.

Das Upgrade-Netzteil

Durch seinen modularen Aufbau bietet der Innuos Stream1 einen klar definierten Ausbaupfad: Man kann zunächst mit der Grundversion beginnen und das Gerät gleich oder später gezielt um ein Ausgangsmodul und/oder das LPS1 erweitern.

Beim Innuos LPS1 handelt es sich um ein lineares High-End-Netzteil in einem eigenen Gehäuse (1.150 Euro), das mit seiner CNC-gefrästen Aluminiumfront optisch perfekt zum Stream1 passt und ihn klanglich deutlich aufwerten soll, indem es eine besonders saubere, rauscharme Energieversorgung bietet. Das Herzstück bilden ein 150-VA-Ringkerntrafo, AC-Filterung aus der Medizintechnik sowie hochwertige Mundorf- und Nichicon-Kondensatoren. Dank zweier 5-Volt-Ausgänge kann das Innuos LPS1 gleichzeitig den Stream1 und ein weiteres Gerät wie einen DAC, Switch oder Router versorgen. Ein integrierter Masseanschluss reduziert elektrische Störungen zusätzlich. Laut Innuos ist das Netzteil rückwärtskompatibel und soll auch den ZENmini Mk3 und PULSEmini klanglich aufwerten.

Das Netzteil Innuos LPS1

Das Netzteil Innuos LPS1 passt auch optisch perfekt zum Stream1

Sowohl das Zusatznetzteil als auch den Innuos Stream1 gibt es ausschließlich in Schwarz, während die teureren Innuos-Gerätschaften ab dem Stream3 (ab 5.799 Euro) auch in Silber bestellbar sind. Laut Stephen Healy soll die integrierte Stromversorgungsarchitektur im Stream3 noch besser sein als beim hier vorgestellten LPS1. Mit seinem aus zehn Millimeter dicken Platten aufgebauten, deutlich größeren Gehäuse und zwei weiteren Erweiterungsmöglichkeiten (PhoenixI2S-Board und PhoenixDAC-Modul) setzt sich der Innuos Stream3 von seinem kleinen Bruder ab.

Das Netzteil Innuos LPS1 von hinten

Das Innuos LPS1 kommt mit zwei 5-Volt-Ausgängen und kann deshalb neben dem Stream1 ein weiteres Gerät (wie DAC, Switch, Router) mit sauberem Strom versorgen

Innere Werte

Wie bei allen Innuos-Geräten gilt auch hier: Der Stream1 lässt sich nur kabelgebunden per LAN-Verbindung ans Internet koppeln, das muss man vor seiner Anschaffung bedenken. Neben der Ethernet-Buchse steht wie gesagt ein USB-Audio-Ausgang für die Verbindung zu einem DAC bereit, außerdem besteht die Möglichkeit, externe USB- oder NAS-Laufwerke anzuschließen. Die HDMI-Schnittstelle auf der Rückseite dient hingegen ausschließlich Servicezwecken.

Im Inneren kommt die Intel-Plattform der 13. Generation mit Intel-Quad-Core-Prozessoren und industrietauglichem DDR5-RAM zum Einsatz, die laut Stephen Healy starke Leistung mit exzellenter Energieeffizienz verbinden und einen deutlichen Leistungsschub gegenüber der vorherigen Mk3- und Pulse-Serie ermöglichen soll. „Die gesamte Plattform erreicht einen sehr niedrigen Grundrauschpegel, was der Klangqualität zugutekommt“, so der Innuos-Spezialist. Healy betont dabei, dass die Implementierung der effizienten Prozessoren die Gesamtleistung stark beeinflusst. Die Erhöhung der Anzahl der Prozessorkerne soll zusätzliche Effizienzvorteile bringen, da so Systemlasten auf mehr Kerne verteilt würden, anstatt einige wenige stärker zu belasten – außerdem seien bestimmte Kerne ausschließlich für die Verarbeitung des Audiosignals reserviert, wodurch die Wiedergabe stets höchste Priorität genieße.

Steuerung & Vergleichsmöglichkeiten

Die Steuerung des Stream1 erfolgt – wie immer bei den Portugiesen – über die hauseigene, bestens erprobte und sehr schnelle Innuos-Sense-App, die es kostenlos für Android- und Apple-Geräte gibt. Zudem besteht die Möglichkeit, das Gerät als Roon-Server oder -Player zu verwenden.

Screenshot der Innuos-Sense-App, Systemmodus-Einstellungen

In den Systemmodus-Einstellungen lässt sich zwischen Standalone- und Endpoint-Betrieb wählen – oder auch die Integration in Roon bewerkstelligen

Bis auf einen An/Aus-Schalter verfügt der Innuos Stream1 über keinerlei Bedienelemente auf seiner Vorderseite. Die Sense-App vereint in der Bibliothek auf Wunsch die eigenen Alben auf der Festplatte mit den gewünschten Streaming-Diensten, als da wären: Tidal, Deezer, Qobuz, Highresaudio oder Idagio. Für den Hörtest habe ich ein paar CDs und Downloads auf die Festplatte gespielt, um den Klang mit dem Sound meines Tidal-Accounts zu vergleichen.

Screenshot der Innuos-Sense-App, Einbindung der Streamingdienste

Natürlich lassen sich beim Innuos Stream1 diverse Streamingdienste einbinden

Da ich den inzwischen aus dem Programm geflogenen Innuos Zenith MK3 (5.399 Euro inklusive 2-TB-Festplatte) besitze, bietet sich dieser als Vergleichsmöglichkeit an, wenngleich er über keinen internen D/A-Wandler verfügt. Die Wandlung übernimmt in dem Fall das interne DAC-Board des McIntosh-Vollverstärkers MA8950 AC (13.290 Euro), das als Nachrüstmodul 1.880 Euro kostet. Womit wir auch schon beim Hörtest sind.

Innuos Stream1: Hörtest und Vergleiche

Innuos Stream1 und LPS1

Innuos Stream1 und LPS1 – im Hörtest galt es einige Konstellationen durchzuspielen

Und da reift schnell die Erkenntnis: Der Innuos Stream1 klingt in der hier vorliegenden Form nicht wie ein Gerät für Einsteiger, sondern wie eines für sehr ambitionierte Aufsteiger. Ich fange nackt an (nicht ich, sondern das Gerät) und starte ohne das Zusatznetzteil und lasse den Stream von Tidal durch den DAC in meinem McIntosh-Vollverstärker wandeln. Das entspricht dem Innuos Stream1 in seiner preiswertesten Form für 2.250 Euro. Die Unterschiede zum circa doppelt teuren Zenith MK3 sind tatsächlich nicht so groß, wie der Preisunterschied vermuten lässt. Sprich: Man hört, dass beide Geräte aus demselben Haus stammen, wenngleich es natürlich dezente Unterschiede gibt.

Health Conflict DLCBeginnen wir mit der Grobdynamik: Der Stream1 als reiner Streamer klingt lebendig und zeigt dabei ein ähnliches Wesen, wie ich es am Zenith MK3 schätze: Beide bieten einen schönen Mittelweg aus Attacke und Fluss. Der deutlich teurere Zenith MK3 geht dabei noch eine Spur zackiger und schneller vor. Das zeigt zum Beispiel das nagelneue Health-Album Conflict DLC, auf dem die amerikanische Industrial-Rock-Band dezente Synthieflächen und den fast schon zärtlichen Gesang von Jake Duzsik auf brutale Magenschwinger-Drums und Pegelsprünge treffen lässt. Diese unheimlich starke Laut-leise-Dynamik in der Eröffnungsnummer „Ordinary Loss“ stellt der Stream1 minimal runder dar als der Zenith. Anders sieht es aus, wenn das Zusatznetzteil LPS1 zum Einsatz kommt, dann geht es bei Pegelsprüngen etwas schneller und zackiger zu. Das Zusatznetzteil sollte jeder Stream1-Käufer schon mal im Hinterkopf behalten, da es nicht nur die Grobdynamik steigert (mehr dazu später). Das Ganze wird noch mal getoppt, wenn das PerformanceDAC-Board des Innuos das Ruder übernimmt, dann schließt der Stream1 in Sachen Explosivität endgültig zur Kombi Zenith MK3/McIntosh-Board auf (die zusammengerechnet bei knapp 7.300 Euro liegt, also knapp 2.000 Euro mehr kostet).

Der Innuos Stream1 von hinten

Der Innuos Stream1 von hinten – linkerhand sieht man die beiden Cinchbuchsen des PerformanceDAC-Moduls

Harmonie schlägt Hast – Feindynamik und Auflösung

Da wir nun sowohl das PerformanceDAC-Board als auch das Zusatznetzteil im Spiel haben, beziehen sich alle folgenden Beobachtungen und Einordnungen auf diese Konfiguration, sofern nicht anders vermerkt. Als Streamingdienst kommt Tidal zum Einsatz.

Pavement Crooked Rain, Crooked RainIn puncto Feindynamik zeichnet sich ein ähnliches Bild wie bei der Grobdynamik ab: Kleine Pegelveränderungen erscheinen deutlich und differenziert, wobei sich Attacke und Fluss die Waage halten. Sprich: Der Innuos Stream1 folgt feineren Impulsen weder ausnehmend rasant noch weichgezeichnet-fließend. „Cut Your Hair“, der poppige Indie-Rock-Klassiker von Pavement aus dem Jahr 1994 (Album: Crooked Rain, Crooked Rain), wirkt schnell etwas unsauber hingerotzt und verwaschen, wenn eine Quelle in dieser Hinsicht nicht spurtreu agiert. Der Innuos Stream1 stellt die Hymne lebendig und sauber dar, wenn auch nicht mit allerletzter Entschlossenheit – eine weitere Gemeinsamkeit, die er mit dem Zenith MK3 teilt.

Bei der Auflösung legt der Innuos Stream1 eine ähnliche ausgeglichene Vorstellung aufs Parkett: Er arbeitet feine Details sehr schön heraus, ohne diese zu betonen – sie erscheinen natürlich eingebettet ins Gesamtgeschehen. Auch leise Feinheiten gehen im großen Ganzen nicht unter, sondern bleiben erhalten. Das ruhige Singer-&-Songwriter-Album There Is Nothing In The Dark That Isn’t There In The Light von Editors-Frontmann Tom Smith macht trotz aller Melancholie Hoffnung in der dunklen Jahreszeit und liefert einige echte Perlen. In „Endings Are Breaking My Heart“ ertönen beispielsweise gegen Ende hin dezente Pianotöne, die authentisch nachhallen und sich wunderbar ins Gesamtbild schmiegen. Das wirkt sehr harmonisch-ausbalanciert und mehr als angemessen für ein HiFi-Gerät dieser Preisklasse – Applaus! Natürlich geht in dieser Hinsicht schon noch mehr, etwa beim wunderbaren Streaming-DAC Moon 681, doch der kostet ja auch ein Vielfaches, nämlich 13.500 Euro.

Screenshot von der Sense-App, Album "There Is Nothing In The Dark That Isn’t There In The Light" von Tom Smith

Geschmeidigkeit statt Schärfe – die Höhen

Sie haben es sicher schon bemerkt: Der Innuos Stream1 ist ein sehr musikalischer Vertreter seiner Art, der nicht auf Effekthascherei setzt. So sind dem Stream1 überbetonte, aggressive Höhen völlig fremd, das hat er mit dem Zenith MK3 gemein. Beide zeigen einen minimal milden, geschmeidigen Hochton ohne Anflüge von Schärfe, was selbst bei hohen Pegeln lange Hörsessions ermöglich, etwa beim Alternative-Metal der Deftones. Deren 2025er-Album Private Music führt viele Jahresbestenlisten an, was neben der einzigartigen Mischung aus Shoegaze, Post-Rock, Alternative Rock und Metal auch an der außergewöhnlich transparenten Produktion liegt. Wenn im atmosphärischen „Ecdysis“ die schneidenden E-Gitarren einsetzen, kann es bei obenherum offensiv abgestimmten Komponenten schnell in den Ohren klingeln. Nicht so beim Innuos Stream1, der die crunchy Gitarren eher luftig als aggressiv-silbrig darstellt. Das erinnert mich angenehm an meinen schon etwas betagten Musikserver NAD M50.2 (damals 5.000 Euro), der allerdings wie mein Innuos Zenith MK3 auf einen externen Wandler angewiesen ist. In Kombination mit dem DAC im McIntosh-Vollverstärker ergibt sich eine sehr ähnliche Höhendarstellung wie mit dem Stream1 in der hier getesteten Ausbaustufe inklusive PerformanceDAC.

In den Tiefen

Im Vergleich mit dem Streaming-DAC Auralic Vega S1 (1.999 Euro) bietet der Stream1 im Bass mehr Punch und Volumen. Bei „Angel“ von Massive Attack (Album: Mezzanine, 1998) baut sich der Tiefbass langsam, aber gewaltig auf – das Stück eignet sich bestens dazu, um Druck und Sauberkeit zu beurteilen. Hier zeigt der Innuos Stream1 spielerische Abgeklärtheit, die ganz selbstverständlich einen entspannten Mittelweg aus Präzision, Druck und Tiefe findet. Die Kombination Zenith MK3 + McIntosh-DAC-Board lässt in puncto Tiefgang allerdings noch etwas stärker die Muskeln spielen. Ohne das Zusatznetzteil LPS1 fällt der Unterschied freilich größer aus, es bringt also definitiv etwas.

Innuos Stream1 und LPS1 (unten), aufeinander stehend

Das Innuos LPS1 (unten) macht sich im Zusammenspiel mit dem Stream1 klanglich bezahlt

Übrigens: Die Unterschiede zwischen aus der Cloud gestreamten Inhalten einerseits und Alben auf der Festplatte des Innuos Stream1 andererseits halten sich in Grenzen, wenngleich Veränderungen schon wahrnehmbar sind. Aufnahmen auf der internen Festplatte des Testgeräts vermitteln etwas mehr Ruhe und einen schwärzeren Hintergrund, allerdings muss man da schon genau hinhören.

Gänsehaut statt Glasigkeit

Halestorm EverestStimmen und Instrumente wirken mit dem Innuos Stream1 natürlich, kein bisschen verfärbt, und weisen eine sehr gute Durchzeichnung auf. Zu dieser Transparenz gesellt sich ein Fünkchen Wärme, das beispielsweise das mächtige Organ von Halestorm-Frontfrau Elizabeth Hale mitten ins Herz treffen lässt. Wenn die Dame sich in „Everest“, Titelsong des gleichnamigen 2025er-Albums, immer mehr steigert und gegen Ende stimmlich mit immensem Druck wahrlich den Everest erklimmt, klingt das zwar schon auf „nüchternen“ Anlagen beeindruckend, aber erst ein Schuss Wärme sorgt für Gänsehaut. Trotz dieser kleinen Zugabe erscheinen Stimmen jedoch klar und präsent im Mix, sie vermitteln also eine angenehme Wärme, ohne dabei vordergründig zu wirken. Das teurere Gespann aus Zenith und McIntosh-DAC kann das auch nicht wirklich besser, dito das Duo NAD M50.2 und McIntosh-Wandlerboard.

Mit Blick auf die Gesamttonalität lässt sich festhalten, dass der Innuos Stream1 sehr natürlich klingt und ganz leicht zum Warmen tendiert. Seine organische, saubere, niemals scharfe oder zu helle Abstimmung ist sehr langzeittauglich und eignet sich für alle erdenklichen Musikstile. Mag sein, dass Fans eines extrem hohen Auflösungsvermögens oder Tiefbassfanatiker sich noch mehr wünschen, aber dafür werden Liebhaber schöner Stimmen hier bestens bedient. Die US-amerikanischen College-Rocker Buffalo Tom haben 1993 mit „I’m Allowed“ (Album: Big Red Letter Day) eine jener unvergesslichen Midtempo-Hymnen geschrieben, die tief unter die Haut gehen und von emotionaler Abhängigkeit und Selbstzweifeln erzählen. Sie verzichtet auf große Effekte, glänzt aber mit einer melancholischen Stimmung und dichten Dynamik. Der Innuos Stream1 hält die innere Spannung aufrecht, während stärker zum „Analytischen“ neigende Komponenten den Kern des Songs gerne mal verfehlen.

Die rechte Seite der Front des Innuos Stream1

Räumliche Expansion mit Tiefenwirkung

Den größten Nutzen bringt das Innuos-Zusatznetzteil in puncto Räumlichkeit: Es dehnt die Bühne seitlich weiter aus und bewirkt auch bei der Tiefenstaffelung etwas. Das soll nicht heißen, dass die Bühne ohne LPS1 einbricht, nein. Sie reicht dann immer noch ein Stückchen seitlich über die Lautsprecher hinaus, was der Preisklasse absolut angemessen ist. Mit dem LPS1 dehnt sich die Bühne aber auch weiter zum Hörplatz hin, geht also offensiver nach vorne, was den Sound etwas anspringender und direkter gestaltet.

Jon Hopkins / ImmunityDas zeigt sich beispielweise beim rein elektronischen „Open Eye Signal“ von Jon Hopkins, das mit extrem präzisen, unterschiedlich platzierten Ebenen arbeitet. Bei Komponenten, die in dieser Hinsicht keine überdurchschnittlichen Fähigkeiten besitzen, klingt es recht flach. Beim Innuos Stream1 drückt die Kickdrum hingegen körperlich nach vorne, während die pulsierende Hauptsequenz hinter ihr zurückbleibt. Noch weiter hinten, auf der Lautsprecherbasislinie, wabern breite Synthie-Flächen. Da wirkt es fast schon überflüssig zu erwähnen, dass sich Ortungsschärfe und Dreidimensionalität auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau bewegen und sehr greifbar erscheinen.

Billboard
EarAudio

Test: Innuos Stream1 | Musik-Server, Netzwerk-Player

  1. 1 Lord of the Boards
  2. 2 Innuos Stream1: Hörtest und Vergleiche