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Inklang Ceterra 70R Black Edition

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Black Magic Speaker
  2. 2 Inklang Ceterra 70R Black Edition: Hörtest und Vergleiche

fairaudio's favourite Award 2026Ist Ihnen der Begriff „Boutique-Hifi“ geläufig? Analog zu den Boutique-Hotels bezeichnet er (eher kleine) Hersteller, die sich durch ein gewisses „Je-ne-sais-quoi“ auszeichnen. Im Gegensatz zu den „Großen“ schauen sie misstrauisch auf Standardisierung, legen eher Wert auf Exklusivität und Individualisierung. So wie die Hamburger Manufaktur Inklang. Die gibt mit ihren brandneuen Referenzlautsprechern Ceterra 70R Black Edition (13.000 Euro | https://www.inklang.de/de) ein Statement ab, das es in sich hat. Wir hören exklusiv rein.

Zur Einordnung: Die Inklang Ceterra 70R Black Edition ist ein auf 30 Paare limitiertes Sondermodell, bevor die reguläre – und wie bei Inklang üblich im Design weitgehend frei konfigurierbare – Ceterra regulär an den Start gehen wird. Für die Serienmodelle der Ceterra 70R verspricht Inklang wieder das gewohnte Maß an Individualisierung, die sich durch verschiedene Hölzer, Oberflächen und Sockelplatten in mehreren Finishes realisieren lässt.

Einfach schön

Die Schallwand der Inklang Ceterra 70R Black Edition

Cool – und ein bisschen Wärme: Das Design der Inklang Ceterra 70R Black Edition mutet angenehm balanciert an, dafür sorgen unter anderem die Walnuss-Phase-Plugs, die in einem gelungenen Kontrast zum Anthrazit des Gehäuses stehen

Die hinteren Seitenteile der Inklang Ceterra 70R Black Edition aus geöltem Walnussholz

Die Inklang Ceterra 70R Black Edition zeigen sich in Teilen geradezu liebevoll verarbeitet: Die rückseitigen Seitenteile mit Inklang-Logo bestehen aus geöltem Walnussholz

Bleiben wir kurz bei der Optik. Je länger die mattschwarz-anthrazitfarbene Black Edition mit ihrem entzückenden Rücken in meinem Hörzimmer steht, desto besser gefällt sie mir. Sie ist im besten Sinne unaufdringlich, die fünffach lackierten satinierten Oberflächen wirken luxuriös und der ganze Lautsprecher stimmig in seinen Proportionen. Die minimal geneigte Front verleiht den Ceterra 70R eine gewisse Schnittigkeit und die etwa fünf Zentimeter breiteren, spikebewehrten und aus massivem Aluminium gefrästen Sockel geben dem Auftritt das nötige Maß Erdung. Die Rückwand und die hinteren Seitenteile aus geöltem Walnuss-Vollholz mit eingefrästem Inklang-Logo sowie die passenden Phase-Plugs muten edel und naturverbunden an. Beim Pärchen 01/02, das wir hier im Test haben, fehlen noch die Bespannungen, die der Serie selbstverständlich beiliegen und ebenso selbstverständlich magnetisch haften. Aber ganz ehrlich: Angesichts des detailverliebten Auftritts wäre es nahezu ein Frevel, die Sicht auf die Treiber und ihre Phase-Plugs zu verdecken.

Technisch soll in der Serie alles so bleiben wie bei der limitierten Black Edition – und das, so viel vorab, ist auch gut so. Übrigens: Die 70R soll nicht die einzige Ceterra bleiben, zwei weitere Modelle sind für 2026 angekündigt.

Treiber: SEAS-Mittel- und Tieftöner

Der Tieftöner der Inklang Ceterra 70R Black Edition

Die auffällige, wulstige Sicke des Tieftöners der Inklang Ceterra 70R Black Edition soll auf Impulsstabilität einzahlen

Zwar treibt man bei Inklang die technische Exklusivität nicht gleich auf die Spitze und verzichtet etwa auf die Entwicklung eigener Treiber, doch von der Stange sind die verwendeten Chassis auch nicht. Für den Tief- und Mitteltonbereich setzen die Hamburger nämlich auf individualisierte SEAS-Treiber mit steifen Aluminiummembranen, deren Formen die Resonanzfrequenzen in einen Frequenzbereich außerhalb des Einsatzbereichs verschieben sollen. Titan-Schwingspulenträger und lange Kupferwicklungen, hölzerne Phase-Plugs und radial verstärkte Sicken aus Gummi ermöglichten den Chassis überdies eine hohe Impulstreue sowie einen großen linearen Hub, so Inklang.

Dazu kommt ein per Finite-Elemente-Analyse optimiertes Magnetsystem, bei dem Kupferelemente im Antrieb für stabile, symmetrische Kräfte über die gesamte Hublänge sorgen sollen. Der massive Druckgusskorb verschafft dem Ganzen eine solide mechanische Grundlage, außerdem reduzieren dessen große Öffnungen rückwärtige Reflexionen und Verwirbelungen. Überdies verhindere die auffällige Gummisicke des Tieftöners mit ihren Wülsten laut Inklang effektiv Instabilitäten bei großen Hüben (sogenanntes „Sickenflattern“).

Unterm Strich streben die Hanseaten eine stets kontrollierte Bewegung der Membranen an – und Verzerrungen, die durch Magnetfeldmodulation entstehen könnten, würden bereits im Ansatz minimiert, so Thomas Carstensen, Geschäftsführer und CEO von Inklang.

Hochtöner: Scan-Speak Illuminator Ringradiator

Der 19-mm-Ringradiator der Inklang Ceterra 70R Black Edition von Scan-Speak

Der 19-mm-Ringradiator der Inklang Ceterra 70R Black Edition stammt von Scan-Speak

Der Hochtönertechnologie zeigt sich ebenso alles andere als unterkomplex: Sie kommt von Scan-Speak und manifestiert sich in einem Modell aus der legendären Illuminator-Serie. Der 19-mm-Ringradiator mit typischem Phase Plug und dem patentierten SD-2-Antrieb (Symmetrical Drive) gehört sicherlich mit zum Feinsten, was man auf dem Markt für noch erträgliches Geld erwerben kann. Er besitzt einen Phase-Plug aus Metall, der störenden Interferenzen vor dem Zentrum der Membran entgegenwirkt, während das symmetrische Magnetfeld des Motors die Induktivität möglichst konstant hält und der Membran so mehr Stabilität, gerade bei hohen Pegeln, bieten soll. Auch hier geht es also um eine lineare, gleichmäßige und dynamisch möglichst freie Bewegung der Membran, was abermals auf die Reduzierung von Verzerrungen einzahlt.

„Klangreinheit“ dürfte also ganz oben im Lastenheft der Entwickler gestanden haben – das finde ich gut, schließlich lässt sich nur so eine detailreiche, klare Abbildung ohne unnötige Härten realisieren. Die obere Grenzfrequenz gibt Inklang mit 40 Kilohertz an – zwar bei -10 dB, doch das ist trotzdem eine Hausnummer für solch ein Hochtöner-Konzept.

3½-Wege führen zum Ziel

Die Treiberanordnung der Mitteltöner und des Hochtöners der Inklang Ceterra 70R Black Edition

Die Treiberanordnung der Mitteltöner und des Hochtöners ist D’Appolito-inspiriert, die Inklang Ceterra 70R Black Edition wurde aber bewusst nicht als echtes D’Appolito-System konzipiert

Der Ringradiator sitzt bei den Ceterra 70R Black Edition im Zentrum der akustischen Abstrahlung. Symmetrisch darüber und darunter angeordnet sitzen die Mitteltöner und Basstreiber. Es handelt sich also um ein Quasi-D’Appolito-System. Die von Joseph D’Appolito streng definierte Chassis-Anordnung mit einem zentralen Hochtöner, der von zwei (Tief-)Mitteltönern flankiert wird, soll den maximalen Wirkungsgrad des Mittel-Hochtonsystems steigern, ohne dabei Qualitätseinbußen in Kauf nehmen zu müssen. Weitere Details dazu finden Sie beispielsweise auf Wikipedia. Das Problem: D’Appolito-Anordnungen sind zwar theoretisch technisch elegant, in praxi jedoch unter anderem aufgrund der erforderlichen kleinen Abstände zwischen den Treibern notorisch schwierig zu handhaben. Zudem können sie in realen Räumen akustische Nebenwirkungen verursachen. Und zwar durch das Abstrahlungsprinzip bedingte Mitteltonanteile („Nebenkeulen“), die über Decke und Boden an den Hörplatz reflektiert werden und das Klangbild verfärben.

Inklang setzt bei seinem an die D’Appolito-Anordnung also lediglich angelehnten Layout auf einen Trick: Die Ceterra 70R arbeitet als 3½-Wege-Konstruktion, bei der die beiden Mitteltöner bei verschiedenen oberen Trennfrequenzen – 2200 beziehungsweise 2400 Hertz – aus dem Spiel genommen werden. Dieser Kniff reduziert die Energie im kritischen Bereich, sorgt für ein ausgeglicheneres Abstrahlverhalten und löst so ein typisches D’Appolito-Problem – auch wenn wir hier, wie gesagt, sowieso kein lupenreines D’Appolito-System vorliegen haben.

Innenverkabelung und Weiche

Die Frequenzweichen der Inklang Ceterra 70R Black Edition

Freier Blick auf die Frequenzweichen der Inklang Ceterra 70R Black Edition. In ihrem Arbeitsalltag sitzen die Boards aber in dedizierten, luftdicht abgeschlossenen Kammern

Der Aufwand, den Inklang bei der Modifikation der Treiber und der Optimierung der technischen Grundkonzeption betreibt, setzt sich im Inneren fort. Die Frequenzweichen sitzen in einer eigenen, luftdicht abgeschlossenen Kammer. Das schützt die Bauteile vor Druckschwankungen und Resonanzen im Hauptgehäuse – ein Detail, das nicht selbstverständlich ist. Ich erinnere mich an Lautsprecher dieser Klasse, auf deren Frequenzweichen ich durch die Woofer-Öffnungen oder gar das Bassreflexrohr schauen konnte. Diese Möglichkeit habe ich bei den Inklang Ceterra 70R Black Edition (zum Glück oder leider?) nicht – ich vertraue also auf die Aussagen des Herstellers, dass hier unter anderem Z-Cap-Folienkondensatoren von Jantzen Audio sowie verbackene Spulen, die mechanisch stabil und vibrationsfrei sitzen, zum Einsatz kommen. Man will Mikrofonieffekten also wirklich keine Chance geben, sich akustisch bemerkbar zu machen. Der Vollständigkeit halber: Als Innenverkabelung komme ein 2,5-mm²-Kupferkabel deutscher Fertigung zum Einsatz, so Inklang. An der Frequenzweiche sind dessen Kontakte gelötet, an den Treibern gesteckt.

Gehäuse und Anschlüsse

Das in meinen Augen wie gesagt sehr attraktive, an den Kanten stark abgerundete (vermindert Kantenreflexionen) und hervorragend verarbeitete Gehäuse besteht aus 38 Millimeter starken, hochdichten Faserplatten. Das ist enorm: Allein die Dicke des Materials lässt mich wundern, wie viel Volumen angesichts des relativ schlanken Baus der Lautsprecher eigentlich noch übrig bleiben kann – die Bauhöhe der Ceterra 70R kommt also nicht von ungefähr. Und dann wäre da noch das Material selbst: HDF ist kein gewöhnliches MDF, das außen stärker verpresst ist als im relativ weichen Kern, sondern besitzt eine durchgehend homogene Dichte. Strömungsoptimierte interne Verstrebungen und separate Kammern für Mitteltöner, Hochtöner und Weichen verleihen dem Gehäuse zusätzliche Stabilität und Ruhe.

Das Terminal der Inklang Ceterra 70R Black Edition mit Bi-Amping-Anschlüssen und Pegelmöglichleiten für den Hoch- und Mittelton

Bi-Amping-Anschlüsse und Pegelmöglichleiten für den Hoch- und Mittelton kennzeichnen das Terminal der Inklang Ceterra 70R Black Edition

Die Bi-Amping-Anschlüsse sind vergoldet und werden ab Werk über hochwertige Kabelbrücken verbunden statt über dünne Blechstreifen, die bei frühen Inklang-Modellen wie den Inklang 13.3 Advanced Line durchaus ein klanglicher Flaschenhals waren. Direkt oberhalb dieses Terminals sitzen zwei weitere Klemmen, die allerdings nicht für das eingehende Signal vorgesehen sind, sondern eine Möglichkeit bieten, den Mittel- und Hochton in sehr engen Grenzen an die räumlichen Gegebenheiten anzupassen – oder sagen wir, feinst zu tunen. Die Mitteltontreiber lassen sich um ein Dezibel absenken, der Illuminator um jeweils ein Dezibel anheben oder absenken.

Ungewöhnlich groß fällt die Bassreflexöffnung der Inklang Ceterra 70R Black Edition aus. Mein genereller „Geheimtipp“ zur leichten Absenkung des Basspegels von Lautsprechern mit Bassreflexsystemen, der Verfärbungen meist vermeidet: lose gewickelte Wollknäuel statt Schaumstoffstopfen. Dieser Trick lässt sich bei der Ceterra aber nur mit weiteren Tricks anwenden, sonst riskiert man im Gehäuse verschollene Strickwaren. Zur Frage, ob das überhaupt nötig ist, gleich mehr.

Die ungewöhnlich große Bassreflexöffnung der Inklang Ceterra 70R Black Edition

Das basstopfenverschlingende „Schwarze Loch“ aka die ungewöhnlich große Bassreflexöffnung der Inklang Ceterra 70R Black Edition

Nun genug der Theorie – jetzt müssen die Inklang Ceterra 70R Black Edition in der Praxis ran!

Inklang Ceterra 70R Black Edition: Hörtest und Vergleiche

Ich sollte vielleicht nicht mit der Tür ins Haus fallen, will es aber doch tun: Diese Lautsprecher klingen richtig gut. Und das mit jeder Art von Musik, die ich ihnen zugemutet habe. Aber erst klären wir das Setup. Als Quellen kommen der Plattenspieler J. Sikora Initial Max mit passendem KV12 VTA-Tonarm und einem Aidas Cu-MC-Tonabnehmer an der Linnenberg Bizet-Phonovorstufe sowie die Streaming Bridge Métronome DSS 2 zum Einsatz. Die Vorverstärkung inklusive D/A-Wandelung übernimmt die Norma Audio REVO SC-2 DAC, und die nötige Power liefert die Endstufe Norma Audio REVO PA-150. Verkabelt ist das Ganze mit Kimber Carbon-NF- und Lautsprecherverbindern.

Rumms mit Stil

Die Inklang Ceterra 70R Black Edition im Hörraum

Die Inklang Ceterra 70R Black Edition im Hörraum

Der Bass der Inklang Ceterra 70R Black Edition benötigt zwei Dinge: eine ordentliche Einspielzeit und einen stabilen Stand der Lautsprecher. Die mit höhenverstellbaren Filzgleitern ausgestatteten Testmodelle (in der Serie gibt’s Spikes mit Untertellern) tönten, frisch aus der Kiste und eher lieblos für einen ersten Check auf der Standardposition meines Hörraums aufgestellt, ein wenig boomy und hölzern. Die präzise, kippelfreie Nivellierung bringt bereits deutlich mehr Präzision, und die hölzerne Unbeweglichkeit der ersten Minuten weicht wenig später einer eher straffen Grundabstimmung. Hier geht es um Kontrolle, Präzision und Agilität. Sie denken jetzt sicher: „Ah, also schlank im Bass.“ Nee, falsch gedacht, denn die Inklang Ceterra 70R Black Edition schafft es nach weiteren zehn, zwölf Stunden tatsächlich, ihre sportliche Disziplin so mit einer dermaßen druckvollen, energiegeladenen und auch noch sehr tiefreichenden Basspräsenz zu vereinen, dass sie im Tiefton als neutral durchgeht – und mir ganz blümerant wird: Zum ersten Mal schickt sich ein (noch dazu günstigerer!) Lautsprecher an, meine geliebten ATC SCM50PSL (16.680 Euro) in einer ihrer Paradedisziplinen zu toppen.

Protect Your Light Irreversible EntanglementsDas machen zwei Stücke deutlich: „Svanrand“ von Heilung, das mit seiner ultratiefen Trommel gerne für beeindruckende Subwoofer-Demonstrationen herangezogen wird. Und außerdem das mit knackiger Bass Drum und einem besonders farbstarken Kontrabass gespielte „Free Love“ von Irreversible Entanglements. Die Trommel in „Svanrand“ klingt über die Ceterra 70R straffer, kontrollierter und energetisch fokussierter als mit meinen SCM50PSL, breitet sich weniger diffus im Raum aus und konzentriert den körperlich spürbaren Druck des Trommelschlags effizienter, pointierter. Das klingt fast so ähnlich wie über die gut 23.000 Euro teure aktive ASL-Version der ATC und erinnert mich ein bisschen an eine sehr, sehr hochwertige und doch domestizierte PA – und das will ich absolut als Kompliment verstanden wissen.

Die Art und Weise, wie die Inklang Ceterra 70R hier mit viel Hubraum locker nach unten durchzieht, ist richtig appetitanregend und macht Gedanken an einen Subwoofer obsolet. So tief runter (ohne aktive Entzerrung oder bewusste Überhöhungen im Frequenzgang) haben bei mir bisher höchstens eine Dynaudio Contour 60 (10.000 Euro) oder die Revel Performa F328Be (19.800 Euro) gespielt. Beide fallen gehäuseseitig deutlich voluminöser aus und bringen ungleich mehr Membranfläche mit – bei Weitem aber nicht die Kontrolle, Struktur und Agilität der Hamburgerinnen. Letzteres beweist der Track „Free Love“. Das nervös-jazzige Stück zeigt, dass die Inklang verdammt gut Akzentuierungen im Bass aufspüren, auch federnd leichte Melodieverläufe nachzeichnen und transparent Strukturen aufzeigen können.

Die Sockelkonstruktion der Inklang Ceterra 70R Black Edition

Mechanische Stabilität zählt zum A und O des Lautsprecherbaus. Die stabile Sockelkonstruktion erlaubt überdies eine kippelfreie Justage bei der Aufstellung der Inklang Ceterra 70R Black Edition

Mitten? Makellos!

Auch die Anbindung an den schön kernig-kräftigen Grundton (nein, ebenfalls nicht über Gebühr dicklich) hat Inklang gut hingekriegt. Da höre ich keinerlei Bruch oder Versatz; der Kontrabass in „Free Love“ bewahrt ebenso seine Integrität wie das Cello in Agnes Obels „The Curse“.

Chilly Gonzales Jarvis Cocker Room 29In den Mitten können die Inklang Ceterra 70R Black Edition meinen ATC-Götzen ebenfalls das Wasser reichen, klingen fast genauso klar und offen – sie gehen sogar noch den Hauch eines Hauchs artikulierter und sensibler mit der Stimme und Artikulation von Jarvis Cocker und den feindynamischen Abstufungen des Pianos von Chilly Gonzales auf dem Album Room 29 um. Das ist schon eine Leistung, kommen die Mittelton-Kalotten der ATC (die berühmten „Bärennasen“) doch auch in den Topmodellen der Engländer in genau dieser Form zum Einsatz und sind für mein Dafürhalten bis in den mittleren fünfstelligen Preisbereich kaum zu schlagen. Ein wenig fällt auf, dass Stimmen über die D’Appolito-Mitteltöner der Inklang etwas frischer und präsenter als mit den ATC oder ihren Vorgängern in meiner Kette, den Lansche No.3.1 (18.000 Euro) klingen. Ich würde hier aber höchstens von einer Tendenz sprechen, nicht von einer Färbung.

Ach so, habe ich erwähnt, wie explosiv, schwerelos und zugleich körperhaft Xylophonklänge aus den Treibern platzen? Das wirkt fast, als stünde das Instrument direkt im Gehörgang. Diese Unmittelbarkeit ohne Aufdringlichkeit ist vielleicht die positivste Überraschung der Inklang Ceterra 70R – so eine anmachende Impulswiedergabe gerade in den Mitten habe ich bei Schallwandlern der Sub-20K-Klasse bisher nur sehr, sehr selten erlebt. Auch die Bläser in Count Basies „88 Basie Street“ glänzen strahlend, offen und mit der nötigen Friktion. Im selben Stück staune ich angesichts der unmittelbaren Impulsivität der Drums, die mit einem für diese Preisklasse ungewöhnlichen Realismus, vorzüglicher tonaler Balance sowie einem tollen Gespür fürs swingende Timing aus den Treibern kommen. Und – wieder – beeindruckt die klare Durchzeichnung des Kontrabasses, der die Transparenz der Mitten in keinster Weise überdeckt, und dennoch einen wunderbaren Klangfarbenreichtum an die Ohren des Hörers bringt.

Der Wallnuss-Phase-Plug der Inklang Ceterra 70R Black Edition

Nur echt mit Wallnuss-Phase-Plug: die Inklang Ceterra 70R Black Edition

In den höchsten Tönen

Bei so viel Kompetenz in Bass und Mitten muss jetzt doch so was wie Ernüchterung folgen, oder? Nein. Die Inklang Ceterra 70R Black Edition ist im Wettkampfmodus aus der Manufaktur entlassen worden und nimmt keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten ihrer Wettbewerber – meine treuen ATC SCM50PSL eingeschlossen. Deren 25-mm-Textilkalotten bezaubern nach wie vor mit ihrer seidigen Auflösung und feinfühligen Feindynamik. Nur: Das kann die Inklang auch. Nicht unbedingt viel besser, aber sie liefert eine grundsätzlich etwas frischere Hochtonperformance und gefühlt einen Hauch mehr Details. Die Becken in „Jazzik“ von Alexei Aigui & Ensemble 4’33“ flirren jedenfalls minimalst leichter, zarter, mit etwas mehr Luft drumherum. Klare Grenzen setzen den Ringradiatoren Kaliber wie die Magico A1 mit ihrem Beryllium-Tweeter oder die B&W 805 mit der Diamantkalotte. Die Magico spielt mit einer leichten tonalen Zurückhaltung, die frische B&W mit dem Gegenteil – aber beide zeigen auf, dass in der Preisklasse im Hochton noch etwas mehr geht, wenn man nicht in große Gehäuse, Bassmembranen und entsprechenden Mehraufwand bei der Frequenzweiche investieren muss.

Dynamisch dramatisch

Machen wir’s kurz: Dynamisch haben es die Inklang Ceterra 70R Black Edition ebenfalls drauf. Grobdynamisch sowieso (ich erinnere an „Svanrand“ von Heilung). Sie können in Sachen Wucht mit den ATC oder auch einer Horns Symphony 10 (14.900 Euro) mithalten – und noch kontrollierter und pointierter in der Attacke sowie im Ausschwingverhalten bleiben als beide Genannten. Aber auch wenn es um subtilste Schwankungen des Pegels, um Intonation und Flexion geht – bei Stimmen genauso wie bei Instrumenten –, brillieren die Ceterra 70R. Hören Sie mal das katalonische Volkslied „El cant dels ocells“ gespielt von Pablo Casalls mit leidendem Cello – das ist Gänsehautmaterial. Genauso wie „La Mamma Morta“, gesungen im Jahr 1954 von Maria Callas und vielen wahrscheinlich durch den Soundtrack zum Film Philadelphia bekannt. Die alte Mono-Aufnahme besitzt eine dynamische Intensität, die sich im Kleinen ebenso wie im Dramatischen abspielt.

Raum frei

Die Walnussrückwand der Inklang Ceterra 70R Black Edition

Die Inklang Ceterra 70R Black Edition sind auch seitlich und rückwärtig Augenweiden

Damit wären wir beim Thema Räumlichkeit. Dass dies offenbar eine der grundsätzlichen Schokoladenseiten von Lautsprechern aus der Hamburger Manufaktur ist, haben unsere bisherigen Tests bereits belegt – selbst die der ganz frühen Modelle. Die Inklang Ceterra 70R machen da keine Ausnahme, im Gegenteil. Sie verschieben das in der Klasse Erwartbare gar noch ein wenig weiter. Ich muss mich mehrfach rückvergewissern, dass die Hamburgerinnen wieder einmal mit meinen teureren ATC mithalten können und sich in Einzelbereichen sogar einen minimalen Vorteil erspielen. Die Callas tritt noch klarer aus dem Orchester hervor, das sich wiederum minimal differenzierter in der akustischen Singularität dieser Mono-Aufnahme ausbreitet. Die Inklang verschwindet dabei physisch gänzlich aus dem Raum, nagelt das Geschehen felsenfest in die Mitte und zeichnet Umrisse generell wie mit dem Swarovski-Objektiv gezoomt nach. Nicht ganz überraschend streckt sich die Inklang Ceterra 70R Black Edition auch in dieser Disziplin in Regionen jenseits ihrer Preisklasse.

Dass die Inklang Ceterra 70 R Black Edition bei ähnlich großzügiger Bühnenbreite und -tiefe auch einen höheren Raum aufmacht, liegt sicherlich vor allem am höher platzierten Hochtöner der 117 Zentimeter aufragenden Standlautsprecher. Wenn das Material es hergibt, projizieren die Ceterra 70R das Geschehen auch seitlich über die Lautsprecherbasis hinaus. In der Tiefe hinter den Lautsprechern entsteht ein Raum, der nicht unendlich wirkt, sondern realistisch – ob in gotischen Kirchen mit Orgelmusik oder in intimen Jazzclubs. Skalierung ist das Zauberwort, nicht Standardisierung.

Ergo

Da stellt sich mir (und eventuell auch Ihnen) die Frage: Müssen meine ATC SCM50PSL den Inklang Ceterra 70R Black Edition weichen? Die Antwort ist … mmmmmmmhhh …. nein. Denn die Unterschiede sind in den relevanten Disziplinen gering genug, um treu zu bleiben, und charakterlich sind sie sich gar nicht so unähnlich – auch wenn die ATC etwas satter und weicher, die Inklang etwas knackiger, direkter und nochmals klarer definiert spielen. Zudem mag ich den Formfaktor der Britinnen, und ich habe mich schlicht und einfach an sie und ihren Klang gewöhnt. Alte Liebe rostet nicht, und Trennungen wegen einer Jüngeren sind meistens messy. Wäre ich allerdings unbelastet auf der Suche nach neuen Lautsprechern in der Klasse bis 20.000 Euro – es würde mir schwerfallen, angesichts des herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnisses der Inklang Ceterra 70R Black Edition nicht den Bund der audiophilen Lebensgemeinschaft mit ihr einzugehen.

Die Inklang Ceterra 70R Black Edition in der Seitenansicht

Die Inklang Ceterra 70R Black Edition in der Seitenansicht

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Marantz Model 10

Test: Inklang Ceterra 70R Black Edition | Standlautsprecher

  1. 1 Black Magic Speaker
  2. 2 Inklang Ceterra 70R Black Edition: Hörtest und Vergleiche

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