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Die Größe des Geräts steht in umgekehrtem Verhältnis zu der Länge seines Namens: Ideon Audio 3R USB Renaissance mk2 Black Star. Puh! Doch nicht allein deshalb nimmt es eine Sonderstellung im Line-up der Digitalspezialisten Ideon Audio ein (Vertrieb: https://www.cm-audio.net/). Mit 390 Euro ist es vor allem das bei weitem günstigste Stück Elektronik der Griechen, deren zweitgünstigste Komponenten (der Ayazi-DAC und der Master Time Black Star) gleich mal das Neun- bis Zehnfache kosten.
Doch womit haben wir es hier eigentlich zu tun? Mit einem USB-Reclocker, der so groß wie zwei Streichholzschachteln ist, also um ein Kistchen, das man zwischen einem Computer beziehungsweise dem Streamer und dem darauffolgenden DAC mit USB-Eingang einschleift, wodurch sich der Klang verbessern soll. Ideon Audio ist ein wenig besessen, was USB-Reclocker angeht – gleich fünf Stück hat das Unternehmen aus Athen im Angebot. Der 3R USB Renaissance bildet den Einstieg, wer es an dieser Stelle so richtig krachen lassen will, kann aber auch ihre Absolute Time Signature erwerben – für 21.000 Euro. Kein Scherz.

Der 3R USB Renaissance mk2 Black Star ist der günstigste von fünf USB-Reclockern im Programm der griechischen Digitalspezialisten Ideon Audio
Dass sich etwas Aufwand an dieser Stelle lohnen könnte, wird natürlich der nicht glauben, der „weiß“, dass man ein Excelsheet per Mail dreimal um die Welt schicken kann und die Zahlen in den Zellen sich trotzdem nicht verändern – und daraus schließt, dass es bei digitaler Musikwiedergabe auch keine Unterschiede geben kann, denn Nullen sind Nullen, Einsen Einsen. Wenn das auch Ihr Leitspruch ist, können Sie an dieser Stelle das Lesen einstellen. Die anderen werden schon einmal etwas von Jitter, Rauschen und dem entscheidenden Faktor Zeit bei der D/A-Wandlung gehört haben – oder aber keiner Philosophie anhängen, sondern pragmatisch-experimentierfreudig an die Sache herangehen. Für mich laufen USB-Reclocker unter „Tuning-Zubehör“ – kann man mal mit experimentieren, und wenn es was bringt, ist es schön, aber Weltbewegendes erwarte ich nun auch nicht gleich.
Außen Kunststoff, innen RRR
Der Ideon Audio 3R USB Renaissance steckt in einer grundsoliden, aber prosaischen Kunststoffbehausung, dessen zur Quelle (Computer, Streaming Bridge etc.) weisende Eingangsseite mit einer USB-B-Buchse sowie dem Anschluss fürs Netzteil, und dessen Ausgangsseite mit einer USB-A-Buchse und zwei LEDs ausgestattet ist. Die eine leuchtet, wenn die Spannung anliegt – zum Lieferumfang gehört ein einfaches Schaltnetzteil – die andere, sobald es eine Verbindung mit dem DAC gibt.

Die Eingangsseite des Ideon 3R USB Renaissance: Der Reclocker empfängt das Signal über eine USB-B-Buchse

Das aufbereitete USB-Signal kann sodann von der USB-A-Buchse auf der gegenüberliegenden Seite abgegriffen werden
Das Kürzel „3R“ in der Produktbezeichnung zielt auf die dahinterliegende Technik des USB-Reclockers: regenerating, redriving, reclocking. Also mal der Reihe nach:
„Regeneration“ stellt darauf ab, dass der Ideon Audio 3R USB Renaissance nicht allein als passives Filterelement dient, sondern das ankommende Signal mit aktiver Elektronik quasi neu aufbaut – dabei wurde der im Ideon Renaissance eingesetzte Chip von den Athenern selbst programmiert, da sie ihren eigenen Fähigkeiten in diesem Bereich offenbar mehr zutrauen als Software von der Stange. Nach dem Regenerating-Schritt soll das Gros des mit dem Signal eingehenden Rauschens dezimiert worden sein, während der eigentliche Datenstrom bitperfekt erhalten bleibt.
Was mit „Redriving“ genau gemeint wird, ist weniger klar – es geht unter anderem wohl um die Pufferung des regenerierten USB-Signals und um eine adäquate Impedanzanpassung in der Ausgangsstufe des kleinen Kistchens, auf dass auch längere Kabelstrecken kein Problem darstellen. Ich sehe allerdings nicht, warum die überhaupt nötig sein sollten, schließlich dürfte der kleine Reclocker der Griechen eh meist hinterm Rack, in direkter Nähe zum DAC, zu finden sein.
Bleibt noch das „Reclocking“ selbst, was ja eigentlich selbsterklärend ist. Im 3R USB Renaissance mk2 Black Star steckt ein „Femto-Oszillator höchster Taktgenauigkeit“, der das Signal neu taktet, erfahre ich vom deutschen Vertrieb. Und da diese „Uhr“ wohl genauer laufen dürfte als die in den meisten Sendern (vulgo: Digitalquellen), mit denen der Renaissance verbandelt wird, soll es sich segensreich auf den empfangenden DAC auswirken. Besagte Femto-Clock ist übrigens die gleiche, die auch im zehnmal so teuren 3R Master Time steckt – wie dessen Schaltungsarchitektur überhaupt vom Renaissance abgeleitet wurde. Freilich kommt der Master Time mit dem deutlich größeren und besseren Linear-Netzteil, hochwertigeren Spannungsreglern – und er besitzt ein massives Gehäuse im vollen Rack-Format.
Ideon Audio 3R USB Renaissance im Hörtest
Ja, der Ideon Audio 3R USB Renaissance mk2 Black Star „bringt es“, soviel kann ich jetzt schon verraten. Die klangliche Vorteile, die er bietet, überraschen mich zwar nicht, denn letztlich sind das die üblichen, wenn man am Digitalequipment seiner Anlage „feilt“. Erstaunlich ist aber, wie konstant das in unterschiedlichen Setups klappt, doch dazu später mehr. Zunächst zu den einzelnen Effekten.

Der Ideon 3R USB Renaissance mk2 Black Star wird mit einem Stecker-Schaltnetzteil geliefert. Wer will, kann an dieser Stelle natürlich noch tunen und mit höherwertigen Netzteilen experimentieren
Tonal tut sich eigentlich nicht wirklich viel, wie das mit heute gängigem Digitalequipment ja meist der Fall ist. Wobei man „aufs schnelle Ohr“ glatt meinen könnte, dass es einen Tick leichter/heller im Mittenband wird, wenn man den Ideon einschleift, doch das halte ich eher für einen psychoakustischen Nebeneffekt eines anderen Umstands: Der Bass-/Grundton-Bereich gewinnt nämlich an Kontur, durchaus auch in räumlicher Hinsicht. So wird beispielsweise der Körper einer Gitarre (so gehört bei „Sleepwalker“ von Julie Byrne (Album: Not Even Happiness)) mit dem 3R USB Renaissance eindeutiger dem Instrument selbst zugeschlagen, mithin klarer umrissen – während er ohne das dem DAC vorgeschaltete Helferlein mehr in den Raum hinein diffundiert und als „breite Wärmestrahlung aus dem Off“ rüberkommt, wenn ich um des Kontrastes willen mal ordentlich übertreiben soll. Manche werden das sogar als „irgendwie angenehm sonor“ wertschätzen, ich aber schätze die höhere Genauigkeit mit dem Ideon-Kistchens vorm D/A-Wandler – im Grunde belässt es die Gesamtenergie in diesem Frequenzbereich gleich, bildet sie aber punktgenauer ab. Funktioniert so übrigens auch im echten Tiefton, nicht nur mit Akustikgitarren, der Reclocker bringt auch bei E- und Synthie-Bässen mehr Struktur, Grip und räumliche Eindeutigkeit zum Vorschein.
Damit ist indirekt schon der wesentlichste Klanggewinn, der sich mit dem 3R USB Renaissance einfahren lässt, angesprochen: Die Abbildungspräzision einzelner Klangereignisse steigt, die Bühne wirkt „schwärzer“ und damit aufgeräumter und transparenter. Das macht sich nicht nur mit dünn instrumentierter Musik bezahlt – wobei es bei Solostimmen am eklatantesten ist –, auch dichtere Kost wie etwa „Baboon Moon“ von Nils Petter Molvær profitiert. So kommt etwa die Drumarbeit klarer rüber, die einzelnen Schläge fließen weniger zusammen, wirken impulsiver, zackiger und eben sauberer platziert in dieser Wall of Sound. Und weil es weniger Nebel auf der Bühne gibt, lässt sich die Tiefendimension etwas besser erleben.
Neben der konkreteren, griffigeren Bühnenabbildung sind die Gewinne bei der Auflösung das entscheidende Argument, das kleine Ideon-Audio-Tool einmal auszuprobieren. Das betrifft die gesteigerte Klarheit von einzelnen Elementen – leise Ticks am Schlagzeugbecken, ein Shaker im Hintergrund, Details des Saitenanrisses –, aber auch die Wahrnehmung von Klangfarben und Obertönen. Das ist zwar nicht ganz so offensichtlich wie zuerst Genanntes, doch wenn man es einmal vernommen hat, ist der Schritt zurück dann doch einer ins leicht Profanere und hebt die Laune nicht. Der 3R USB Renaissance sorgt für etwas feiner ausdifferenzierte Timbres, und es hat den Anschein, dass auch das Verklingen der Noten etwas länger und akkurater nachgezeichnet wird. Nicht zuletzt deshalb wirkt das Mittenband mit ihm etwas natürlicher und authentischer.
Für wen lohnt sich das?
Hm, die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Zunächst einmal zum Ausmaß der klanglichen Gewinns: Zu meiner Kabelsammlung gehört der USB-Verbinder Boaacoustic Silver Digital Xeno in anderthalb Metern Länge – preislich ist es in einem ähnlichen Bereich wie unser Proband angesiedelt. Wechselt man von einer 08/15-USB-Strippe zum Boaacoustic, macht man klanglich schon einen vernehmbaren Schritt nach vorne. Mit dem Ideon 3R USB Renaissance fällt dieser Schritt eher noch größer aus. Freilich benötigt man mit dem Reclocker dann noch ein zweites USB-Kabel, das muss man im Hinterkopf haben.
Und dann ist da die Frage, in welcher Anlagenkonstellation dieser Ideon-Audio-Reclocker Sinn ergibt. Ich habe den Ideon 3R USB Renaissance an meinem Antipodes K22 G4 ausprobiert, sowohl am dedizierten Audio-USB-Out wie an den „schlechteren“ USB-Buchsen, die eigentlich für CD-Ripping und Backups gedacht sind. Da mir das alleine aber etwas schräg vorkam – schließlich ist das ein 10-kEuro-Server/Streamer und wer will so eine Maschine denn noch weiter tunen? –, habe ich auch meinen profanen Büro-Computer als Signallieferanten zweckentfremdet. Der besitzt keinerlei audiophile Optimierung, und da mein Schreibtisch ein wenig von der Anlage entfernt steht, musste ich auch noch – Schock schwere Not! – ein zehn Meter langes USB-Verlängerungskabel der Marke „Ganz billig aus Taiwan“ hernehmen.
Die Erkenntnis? Nun, natürlich ist der relative Klanggewinn mit der einfachen Computerlösung am größten. Wo viel im Argen liegt, lässt sich offenbar auch viel reparieren. Andererseits musste ich auch beim Zusammenspiel mit dem highendigen Antipodes nicht groß herumraten, wann der Ideon vorm DAC hängt, sprich auch in diesem Setup sind die Unterschiede vernehmbar – nur eben in Relation zur „Ausgangsbasis“ kleiner. Dass ich das Kistchen nach dem Test nicht behalten habe, liegt nur daran, dass ich meinen Rockna-DAC standardmäßig über die I2S-Verbindung anleine, die mir noch ein wenig mehr aus dem Signal herauszukitzeln scheint. Doch wer die nicht hat/nutzt und über USB hört, sollte solche Reclocker-Experimente nicht von vornherein ablehnen. Es könnte gut sein, dass sonst zu viel liegen bleibt.
Testfazit: Ideon Audio 3R USB Renaissance mk2 Black Star
Seit Computer-Audio von circa 15 Jahre so richtig abhob, hat sich einiges getan – nicht zuletzt im audiophilen Zubehörhandel. Der ein oder andere mag darob mit den Augen rollen, insbesondere dann, wenn Preise allzu steil nach Norden weisen. Aber hey, sind Plattenwaschmaschinen für mehrere Tausend Euro denn „rationaler“? Wie auch immer, so richtig steil will mir der Kurs des Ideon Audio 3R USB Renaissance eh nicht erscheinen.

Der Ideon Audio 3R USB Renaissance mk2 Black Star bringt fürs Geld handfeste klangliche Vorteile auf der USB-Audio-Strecke
Ideons kleiner USB-Reclocker kann in relativ günstigen wie hochwertigen Ketten segensreich wirken: Er bringt ein höheres Maß an Detailauflösung, feiner gezeichnete Klangfarben und vor allem ein aufgeräumter und griffiger wirkendes Bühnenbild mit. Allein schon die gesteigerte Plastizität bei Stimmen und Instrumenten im Verbund mit der transparenteren Bühnenstaffelung ist ein Austesten des digitalen Helferleins wert – was übrigens recht leicht gemacht ist, bietet der Vertrieb doch kostenfreie Testpakete an, damit man selbst daheim erleben kann, ob das der richtige Schritt für die eigene Anlage ist. Ich wünsche viel Spaß beim Probehören.
Fakten:
- Produkt: Ideon Audio 3R USB Renaissance mk2 Black Star
- Kategorie: USB-Reclocker
- Preis: 390 Euro
- Farbe: Silber
- Maße & Gewicht: 75 x 55 x 17 mm (BxTxH), circa 70g (ohne Stecker-Netzteil)
- Ein- und Ausgänge: USB-B-Input, USB-A-Output, Netzteil-Buchse (6-8 Volt)
- Sonstiges: Stecker-Schaltnetzteil im Lieferumfang
- Garantie: 2 Jahre
- Weitere Informationen auf der Webseite des Vertriebs
Vertrieb:
CM-Audio – Studio Neuss (Nähe Düsseldorf)
Kölner Straße 48 | 41464 Neuss
Telefon: +49 (0) 2161-6782451
E-Mail: info@cm-audio.net
Web: https://www.cm-audio.net/
Test: Ideon Audio 3R USB Renaissance mk2 Black Star | USB-Reclocker



