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Hornmanufaktur Marimba im Soundcheck

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Hornmanufaktur Marimba im Soundcheck

Hornmanufaktur Marimba

Tatsächlich kommt mir nach den ersten Hörrunden zum Thema Bass schnell in den Sinn: „Von der Fülle her eher wie eine Kompakte, qualitativ dagegen wie ’nen Dickschiff mit hart aufgehängtem Woofer von mindestens 10 Zoll Durchmesser.“ Die KEF Reference 1 beispielsweise gibt sich als 3-Wege-Bassreflexbox konzeptionell vergleichsweise klassisch – und im Tiefton ungewöhnlich kompetent für einen Kompaktmonitor. Die etwas günstigere Marimba kann, was Bassvolumen und -tiefgang angeht, nicht wirklich mehr als sie. Doch auch, wenn die KEF konturiert und fein strukturiert wie nur was vorgeht, diese andere Qualität – die im Grunde auch nur mit viel Treiberfläche, sei’s mit Flächenlautsprechern, mit großen Pappen oder eben Basshörnern erreichbar ist –, die hat sie so nicht drauf. Klar, man muss das „Andere“ auch wollen beziehungsweise wertschätzen. Ich kenn‘ Leute, die zucken desinteressiert mit den Achseln, wenn ich von leichtfüßiger, federnder Basswiedergabe spreche, von einem Tiefton, der so ansatzlos „da“ ist wie man’s eher von Mittellagen kennt – und der Gott sei Dank auch genauso schnell wieder verschwindet, nie gemütlich nachwabert oder gar aufs Ohr drückt.

Hornmanufaktur Marimba

Wer aber auf so etwas steht, dem wird die Marimba sehr gefallen. Und sie ist insofern etwas Besonderes, als dass sie diese Qualität in halbwegs bezahlbarer Form anbietet: Natürlich können beispielsweise eine Dynamikks Monitor 8.12 oder eine Blumenhofer Genuin FS1 MK2 noch mehr Substanz und abgründige Basstiefe in den Raum stellen – aber das Federnd-leichte, was die beiden in hohem Maße auszeichnet, hat unsere Testkandidatin auch in petto. Dabei kostet sie nur die Hälfte beziehungsweise ein Viertel.

Marimba
Bei unserem Testmuster trifft Hochglanz-Weiß auf Asteichen-Furnier – ein sehr geschmackvoller Kontrast

Und so kommt der gezupfte Kontrabass zu Anfang des Stückes „Origin of Species“ vom Andy Sheppard Quartet (Album: Surrounded by the Sea, typischer „ECM-Jazz“, als 24/96-Download bei Highresaudio) auch sowas von locker-flockig-live in Andy Sheppard Quartetden Hörraum, wie man sich das nur wünschen kann und wie es „normale“ Boxen üblicherweise einfach nicht schaffen, seien sie auch noch so trocken untenrum. Auch das Volumen des Instruments ist völlig realistisch, mehr wäre moppelig, weniger zu mager – aber vor allem ist da die erwähnte Ansatzlosigkeit, die definitiv fürs Basshorn spricht.

Gegenbeispiel: Der inzwischen für diese Zwecke obligatorische Tiefsttontrack „Limit to your Love“ in der Version vom James Blake (gleichnamiges Album auf Amazon anhören): Wenn da das Synthibassgewobbel anfängt, ist’s über die Marimba eher ein informatives Briefing, dass da sehr tiefe Töne (ich spreche hier vom Sub-50/40-Hertz-Stoff) mit im Spiel sind. Eine richtige Bauchfellmassage de luxe geht anders und ist für dieses James BlakeGeld – und auch weniger – über andere Boxen eher zu bekommen, die dann aber leider nicht so federnd spielen … Man sollte also wissen, was für einen Bass man denn haben möchte beziehungsweise welche Qualitäten einem besonders wichtig sind. „Alle zusammen!“ – das lässt sich in dieser Preisklasse meiner Erfahrung nach nicht so leicht realisieren.

Wer die Hornmanufaktur Marimba hört und sich in ihren Klang verliebt, dürfte vor allem von zwei Dingen angefixt worden sein: ihrer sehr kohärenten, fast schon ganzheitlichen Art und ihrer ungezügelten Direktheit. Beides geht hier Hand in Hand, und beides ist wesentlich abhängig vom Thema „Zeitrichtigkeit“, dem akustischen Phasengang eines Lautsprechers. Zur Erinnerung: Hierbei wird ja nicht der Pegel über die Frequenzbandbreite gemessen (das wäre ja der Amplituden-Frequenzgang; Ideal: Alle Frequenzen haben die gleiche Amplitude), sondern der zeitliche Zusammenhang der unterschiedlichen Frequenzen zueinander (Ideal: kein Zeitverzug zwischen verschiedenen Frequenzebenen, frequenzunabhängige Gruppenlaufzeit). Hier haben Breitbänder konzeptbedingt Vorteile: Es gibt keine unterschiedlichen Orte der Schallabstrahlung wie bei Mehrwegesystemen, was geometrisch bedingt zu Laufzeitdifferenzen am Ohr des Hörers führen kann. Es gibt auch kein ungleiches Ansprechverhalten unterschiedlicher Chassis – denn es gibt ja nur eines. Mehrwegesysteme benötigen zudem Frequenzweichen, die ihrerseits Phasenverzerrungen verursachen können – zwischen den Klemmen des Verstärkers und dem Breitbänder der Hornmanufaktur Marimba hängt aber nur ein Kabel, und sonst gar nichts. Logisch, muss man doch keine Weichen stellen, wenn ein Treiber alles alleine macht (wir vergessen hier mal den Supertweeter, der ab 17 kHz einsetzt, der dürfte fürs Phasenverhalten recht unerheblich sein).

Terminal der Hornmanufaktur Marimba

Wenn ich oben von Kohärenz sprach, dann meine ich: Instrumente, Stimmen, Klänge wirken in sich stimmig, aus einem Guss, weil es „nur ein Tempo“ gibt. Das zeigt sich nicht nur im Frequenzuntergeschoss, von dem schon genug die Rede war, sondern auch bei der Transientenwiedergabe: Angerissene Gitarrensaiten, Klavieranschläge, Percussion aller Art kommen so plastisch-plötzlich-unzerfasert rüber, dass es schon ’ne Show ist. In dem Zusammenhang auch immer wieder erstaunlich, wie realistisch scheinbar nebensächliche Geräusche (Stuhlknarren Hope Sandoval & The Warm Inventionsirgendwo im Orchester) oder arg simple Töne (Spieluhr) wirken. Bei „Sets the Blaze“ von Hope Sandoval & The Warm Inventions (Album: Throug the Devil Softly, auf Amazon anhören) ist eine solche Spieluhr zu hören und die „Plings“ der kleinen Metallfedern … nun, die wirken einfach authentischer im Vergleich zu weniger zeitrichtigen Konzepten, die das nämlich diffuser und milchiger nachzeichnen, nicht so konzentriert auf den Punkt, mehr nach dem Motto „ist ja nicht so wichtig“. Fast würde ich dem sogar zustimmen – was soll das denn nun alles mit diesen Plings!? –, aber wenn man sich an den echten Stoff einmal gewöhnt hat, will man irgendwie auch nicht mehr zurück. Was bei diesem Song zugegebenermaßen aber vor allem auch an der sehr lebensechten Stimmwiedergabe liegt, Frau Sandoval wird mit fast schon pornografischer Direktheit ins Zimmer gebeamt und genauso unmittelbar kommt die Gitarre rüber, dann mischen sich die Streicher ein, oh yeah … Freunde akustischer Instrumente und Gesang kommen mit der Marimba voll auf ihre Kosten.

Golfi d'ombraNatürlich funktioniert das nicht nur bei „Girl with a guitar“-Zeugs. Wessen Musikgeschmack experimenteller und Nervenkostüm stabiler ist, der darf auch gerne einmal das Album Golfi d’ombra (auf Amazon anhören) mit Werken von Trevisi, Agostini, Romitelli, Grimaldi und Dufourt anhören. Neue Musik für einen Perkussionisten, nämlich Simone Beneventi, der an seinem Arbeitsplatz …

Schlagzeug

… Unerhörtes vollbringt. Die Energie, die von den Hornmanufaktur-Lautsprechern hier im wörtlichen wie übertragenen Sinn filterfrei losgelassen wird, dürfte manchem Hörer wohl fast schon zu viel des Guten werden. Aber das liegt nun mal an dieser etwas speziellen Musik, nicht an den Marimba – es sei denn, Sie verlangen von ihrem Lautsprecher, Impulse charmant zu verrunden. Ja dann … dann ist dieser Lautsprecher wohl eher nix für Sie.

Nach dem Gesagten dürfte klar sein, dass die Hornmanufaktur Marimba ein dynamisch-rhythmisches Talent sondergleichen besitzt. Für einen passiven Lautsprecher dieser Preisklasse spielt sie weit überdurchschnittlich lebendig auf. Ein kleines „Aber“ will ich jedoch nicht verschweigen: In der Marimba arbeitet ein einziger Achtzöller – sind Durchschnittspegel und/oder Tiefbassanteil hoch und wird die Musik sehr komplex, sei’s bei Großorchestralem oder Elektronischem, so stoßen weitere Hornmanufaktur MarimbaDynamiksprünge an natürliche physikalische Grenzen. Unter solchen Bedingungen können Lautsprecher mit mehr Treiberfläche und Gehäusevolumen grobdynamisch sattelfester wirken, obwohl sie bei „normalem“ Musikprogramm respektive normalen Pegeln dynamisch komprimierter rüberkommen.

Dem mit der Hornmanufaktur vorherrschenden Eindruck von großer Unmittelbarkeit spielen noch zwei weitere Sachen in die Hände. Zum einen die Art der Raumdarstellung. In aller Kürze: Es geht nach vorne! Und das passt gut zum Gesamtkonzept. Ich sagte ja schon, dass die Hornmanufaktur Marimba durchaus näher an Begrenzungsflächen aufgestellt werden darf – dass heißt aber zumeist auch: weiter weg vom Hörplatz. Diesen Abstand macht sie dann wieder gut, indem sie die Bühne „nach vorne wirft“. Tatsächlich saß ich in circa vier Meter Entfernung von ihr und fühlte mich prächtig ins Geschehen eingebunden. Diese Gangart ist auch deshalb sinnig, weil so eine echte Tiefenstaffelung überhaupt erst möglich wird – verharrte sie auf der Grundlinie, bliebe für die Tiefenausdehnung wenig Raum, da die Rückwand des Zimmers dem einen Strich durch die Rechnung machen würde. Was aus dem Gesagten konzept- und aufstellungsbedingt folgt: Das hier ist eher der „Musik im Raum“-Ansatz ist – breit, raumfüllend, lebendig, involvierend – als das „Fenster zur Musik“: hinter den Boxen, quasi in einem getrennten Raum, werden die Musiker hochakkurat beim Musikmachen „beobachtet“. Um es einmal pointiert zu sagen.

EMS-Treiber

Zum anderen ist die Tonalität des Hornmanufaktur-Lautsprechers auch etwas „unmittelbarer“. Die Gesamtbalance tendiert mehr ins Leichtere denn Schwerere, was daran liegt, dass die Hornmanufaktur Marimba den Tiefbass nicht final auslotet, während sie obenheraus linear durchzieht, sozusagen limitfrei luftig vorgeht. Das Tandem aus EMS-Achtzöller und magnetostatischem Supertweeter macht einen außergewöhnlich offenen und klarzeichnenden Job, keine Spur vom Klischee eines „belegten“ Breitbänders. Schließlich sind da noch die Mitten: ziemlich balanciert, aber eben doch mit einem kleinen, prickelnden Peak im Präsenzbereich versehen. Der dürfte mitverantwortlich dafür sein, dass es nach vorne geht, vor allem bei Frauenstimmen, angeschlagenen Becken etc. Aber wohlgemerkt: Es ist eher eine kleine Betonung, bei Weitem keine Lästigkeit. Tatsächlich bin ich erstaunt darüber, wie neutral so ein weichenloses Backloaded-Horn aufspielen kann, dahinter steckt mit Sicherheit einiges an Abstimmarbeit. Die Allegro aus dem gleichen Hause wich da, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, deutlicher vom Pfad der Tugend ab, meine verflossene ZU Druid ebenfalls (wenngleich in eine andere Richtung).

Test: Hornmanufaktur Marimba | Standlautsprecher

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