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Klang Hornmanufaktur Eurydike (Teil 2)

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Klang Hornmanufaktur Eurydike (Teil 2)

Meinen Eindruck vom Hören mit den Eurydike möchte ich mit einem Beispiel vom Autofahren veranschaulichen. Stellen Sie sich vor, Sie fahren eine Strecke, die Sie mit einer Familienkutsche a la VW Touran & Co. immer für anspruchsvoll gehalten haben, auf einmal mit einem knackigen Sportwagen. Kurven und steile Pässe verlieren plötzlich ihren Schrecken und sind mühelos zu händeln; dafür bekommen Sie dank der straffen Federung auf einmal Details des Straßenbelags mit, die Sie vorher gar nicht wahrgenommen haben.

die Hornmanufaktur Eurydike steht serienmäßig auf drei Füßen
Die Hornmanufaktur Eurydike steht serienmäßig auf drei Füßen

Besonders deutlich wird dieser Eindruck, wenn man hochauflösende Daten an den DAC schickt. Wer behauptet, mehr als CD-Qualität braucht niemand, könnte angesichts dessen, was die Eurydike einem hier zu Ohren bringen, ins Grübeln kommen. Landgren Funk UnitWobei nicht dramatisch mehr Details zu hören sind oder ähnliches, nein, eher überrascht die viel größere Selbstverständlichkeit, Aufgeräumtheit und Offenheit von guten Hi-Res-Aufnahmen – auch wenn mir hier nur Diana Krall, Glad Rag Doll sowie das Niels Landgren Funk Unit mit Funky Abba (letzteres hat wenigstes Humor) zur Verfügung standen.

Und auch wenn ich Ihnen jetzt bestimmt genug von den besonderen Qualitäten der Eurydike vorgeschwärmt habe: Etwas muss ich Ihnen noch mitgeben. Da mir Herr Hüpfel erzählt hatte, dass die eingesetzten Breitbänder im Normalfall in Elektroorgeln Dienst tun, musste ich über diese Lautsprecher die Mutter aller Elektroorgeln, die Hammond B3, hören. Und da kommt für mich Barbara Dennerleinnur Barbara Dennerlein infrage, die ich schon mehrfach live zu erleben das Vergnügen hatte. Bisher war ich mir nie ganz sicher, ob ich diese Musikerin mehr wegen ihrer Musik oder wegen ihrer geradezu artistischen Leistungen an oder vielmehr auf ihrer reichlich modifizierten Orgel bewundere. Auf alle Fälle ist diese Frau live ein Erlebnis – was nicht zuletzt daran liegt, dass sie die Wiedergabe der Musik ihrer Hammond stilecht einem Leslie überlässt. Dieser Lautsprecher mit seinen rotierenden Chassis ist quasi eine Ehe mit der Hammond B3 eingegangen und hat mit seinem durch die Rotation erzeugten Vibrato mindestens genauso zum unverwechselbaren Sound der Hammond beigetragen wie die legendäre Röhrentechnik der Orgel selbst. Und wenn es überhaupt Lautsprecher gibt, die mir das Liveerlebnis dieser Kombi vermitteln konnten – dann die Eurydike. Das hat Swing, Drive, Energie und Vibrato und was weiß ich noch, dass kein Auge trocken bleibt.

Fast ein bisschen enttäuscht bin ich von der räumlichen Abbildung der Eurydike. Von einem Breitbandkonzept hätte ich eher eine sehr plastische, fast holographische Darstellung erwartet, wie sie mir vor geraumer Zeit die Hornmanufaktur Akusmatik A90 oder zuletzt die Progressive Audio Extreme 1 mit ihrem Koaxialchassis geboten haben. Auch meine Geithain mit ihren koaxial vor den Tiefmitteltönern angebrachten Hochtonkalotten schaffen eine beachtliche Räumlichkeit, die vielleicht nicht so plastisch, dafür aber sehr involvierend ist. Die Eurydike bieten hier eher eine „Wall of Sound“, also das komplette Brett, das zwar mächtig nach vorne geht und auch eine gute Breitenstaffelung bietet, die Tiefe aber nicht so extrem ausleuchtet. Abbildungsschärfe und Lokalisierbarkeit einzelner Klangquellen gehen dabei in Ordnung.

Eine weitere Besonderheit ist, dass das Klanggeschehen zuweilen an Höhe verliert. Ok, es gibt Zeitgenossen, die sowieso bezweifeln, dass man mit je einem Lautsprecher rechts und links so etwas wie einen Höheneindruck wiedergeben kann. Trotzdem, unsere Ohren sitzen ja auch rechts und links am Kopf und wir können sehr wohl wahrnehmen, ob ein Geräusch von oben kommt. Auf jeden Fall vermitteln die Eurydike in meinem Hörraum manchmal den Eindruck, als ob Sänger oder auch Instrumente auf die Höhe der Lautsprecher begrenzt werden. Zuerst dachte ich, dieser Effekt sei von der Aufstellung abhängig – da ich die Eurydike ja in die Zimmerecken gerückt habe, ist die Stereobasis recht breit. Allerdings half das versuchsweise Zusammenrücken unter Inkaufnahme einer eingeschränkten Basswiedergabe nicht, den Effekt zu beseitigen. Letztendlich bin ich darauf gekommen, dass es an der Aufnahme liegt: Manche Einspielung wirkt mit geschrumpften Akteuren recht eigen, bei anderen bemerke ich den Effekt gar nicht. Auch hier machen die Eurydike offensichtlich einige Dinge anders. Aber es hat auch jeder andere Hörgewohnheiten. Einige Hörgäste der letzten Zeit mochten sich mit entsprechenden Aufnahmen weniger mit den Eurydike anfreunden, andere konnten den beschriebenen Eindruck erst gar nicht nachvollziehen.

Test: Hornmanufaktur Eurydike | Standlautsprecher

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