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Klang Hornmanufaktur Eurydike (Teil 1)

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Klang Hornmanufaktur Eurydike (Teil 1)

Ich muss zugeben, dass ich eigentlich gar keine Lust auf den Hörtest habe. Nein, die Hornmanufaktur Eurydike interessieren mich schon. Aber ich habe mich gerade nach einer Phase des Missvergnügens, das damit zu tun hatte, dass ich in meinem neuen Hörraum lange nicht die richtige Aufstellung gefunden hatte, wieder mit den Geithain ME 150 angefreundet. Und es gibt nur weniger was mächtiger ist als eine wieder aufgeflammte Liebe. Aber die Pflicht ruft und ich wuchte die Sächsinnen schweren Herzens in die Kammer, um Platz für die schmuckeHornmanufaktur Eurydiken Österreicherinnen zu schaffen. „Die werden es schwer haben“, denke ich mir.

Das macht den Eurydike aber überhaupt nichts aus. Sie versuchen erst gar nicht mit den Geithains in Konkurrenz zu treten, sondern machen einfach vieles anders, sodass sie sich einem unmittelbaren Vergleich regelrecht entziehen. Wobei mein erster Eindruck von den Eurydike gar nicht so anders ist. Tonal geht es vielleicht eine Nuance dunkler beziehungsweise einen Hauch wärmer zu – aber so eine winzige Freundlichkeit im Grundton hat noch nie geschadet. Fast bin ich ein bisschen enttäuscht – das noch radikalere Konzept der Akusmatik A90, die wirklich nur mit einem Breitbänder bestückt ist, hatte damals gleich vom ersten Ton an komplett eigene Akzente gesetzt. Nachdem ich mich ein wenig eingehört habe und sich die Hornmanufaktur Eurydike dabei sicher auch noch ein bisschen akklimatisieren konnten, nehme ich dann doch deutliche Unterschiede zum Klangcharakter der Geithain wahr.

Bevor es ans Eingemachte geht, gilt es erst einmal die optimale Position im Raum zu finden. Herr Hüpfel meinte dazu nur: Lautsprecher flach an die Wand und dann stückchenweise eindrehen, bis es gefällt. Und ja, etwa halb auf meinen Sitzplatz eingewinkelt gefällt mit die Tonalität am besten. Womit ich allerdings nicht so richtig zufrieden bin, ist die Basswiedergabe. Laut Aussage ihres Schöpfers sollen die Eurydike bis 40 Hertz hinunter gehen. Das ist für ein Basshorn von dieser Gehäusegröße Stacy Kenteine Ansage. Die man aber etwas relativieren muss. Meine Geithains, die angeblich bis 45 Hertz hinab reichen, machen die tiefen Bassimpulse des Stücks „Saba Savanah“ auf dem Album Dreamer in Concert von Stacy Kent beispielsweise recht eindrucksvoll hör- und fühlbar. Die Eurydike lassen sie dagegen eher erahnen.

Also rücke ich die Hornmanufaktur Eurydike in die Raumecken, da die an das Horn angrenzenden Flächen des Raumes, also Fußboden, Rück- und Seitenwände, die Wirkung des Basshornes unterstützen können. Und siehe da: Die Sache gewinnt an Tiefgang. So eindrucksvoll wie über meine Geithains klingt es zwar nicht, aber ich denke, die Wahrheit dürfte eher in der Mitte liegen. Meiner Erfahrung nach neigen Bassreflex-Lautsprecher, wie eben die Geithain ME150, dazu, am Ende ihres Übertragungsbereiches, etwa bei ihrer Bassreflex-Abstimmfrequenz, noch mal Gas zu geben. Dafür wird die Sache gerne etwas unpräziser. Die Hörner hingegen klinken sich mit abnehmendem Strahlungswiderstand einfach aus, bleiben aber präzise. Und so hat das Weniger, was die Eurydike hier in den Basslagen wiedergeben, deutlich mehr Kontur, Struktur und Details zu bieten. Dazu kommt eine ganz eigene Unmittelbarkeit, die ich in dieser Form eigentlich nur von Hörnern oder von großen Flächenstrahlern kenne. Qualität vs. Quantität, sozusagen.

L-Cao Breitbandchassis der Hornmanufaktur Eurydike
L-Cao Breitbandchassis der Hornmanufaktur Eurydike

Terez MontcalmDiese Unmittelbarkeit ist ein generelles Charakteristikum der Hornmanufaktur Eurydike. Feindynamik und Auflösung scheinen fast grenzenlos. Auch wenn einen die Musik im ersten Augenblick nicht „anspringt“ – was meist eh auf eine entsprechend vordergründige tonale Abstimmung zurückzuführen ist –, muss ich mich daran gewöhnen, mir vertraute Stücke über die Eurydike anzuhören. Einige Aufnahmen, die ich bisher für sehr dynamisch hielt, klingen über die Eurydike einfach nur grob. So etwa das Meredith BrooksAlbum Connection der kanadischen Sängerin Terez Montcalm. Andere Aufnahmen, die ich eher mittelmäßig fand, gewinnen dagegen auf einmal Kraft und Intensität, etwa das Stück „Bitch“ von Meredith Brooks. Die Eurydike lassen mich vergessen, dass ich das Stück eigentlich etwas abgedroschen finde. Richtig platt bin ich allerdings, als ich ein paar ältere Aufnahmen höre. Der Mitschnitt eines Auftritts des Oscar Peterson Trios im Kölner Gürzenich aus dem Jahr 1961 fängt auf einmal förmlich an zu strahlen. Ja, der Oscar Peterson TrioMitschnitt ist auf einem aufnahmetechnisch anderen Stand. Aber der leicht hallige Charakter der Liveaufnahme und der weiche, zurückhaltende Bass spielen keine Rolle mehr, wenn man hört, mit welcher Dynamik und welchen Feinheiten das Klavierspiel von Peterson hier eingefangen wurde. Das hat Drive, das swingt, das fetzt – ich frage mich, wo das bisher gesteckt hat.

Test: Hornmanufaktur Eurydike | Standlautsprecher

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