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In den Hörraum gezogen: Klang Heolo Gamma

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  1. 3 In den Hörraum gezogen: Klang Heolo Gamma

tv on the radioNun, ich hab ja durchaus ein Faible für Musik, die weniger aus der Weichspülerecke stammt, als dass sie – gerne bei etwas weiter aufgerissenem Laustärkehahn – ein bisserl stärker „abgeht“. Ein Song wie „Dancing Choose“ (Album: Dear Science, 2008) der New Yorker Elektronik-Avantgarde-Soul-Postrocker TV on the Radio markiert da zwar noch nicht das Ende der Fahnenstange ;-), geht aber schon ordentlich ins Blut, wie ich finde:

Und wollte ich den zierlichen Heolo Gamma zunächst einmal auf den Zahn fühlen, ob sie trotz für Standlautsprecher eher bescheidener Physis anständig zu rocken vermögen (ja, das können sie, wenn auch mit gewissen Einschränkungen, dazu kommen wir weiter unten), zog aufs erste Hören doch insbesondere die Hochtonwiedergabe die Aufmerksamkeit auf sich.

terminal

Ob die sich auf dem linken Kanal durch das Stück ziehende prägnante Hi-Hat oder das feine, leicht zu überhörende, am ehesten noch an einen elektronischen Wecker erinnernde Hochtongeräusch, das zur Mitte des Songs über dem Rest der Musik ätherisch zu schweben beginnt:

Der obere Frequenzbereich gibt sich durchaus prägnant, wirkt tonal jedenfalls keinesfalls abgedimmt, aber auch nicht künstlich aufgefrischt. Vielmehr wird die Prägnanz, das Ohrenfällige insbesondere durch eine besondere „Ungepresstheit“ und Schlackenlosigkeit der oberen Lagen vermittelt – irgendwie fühlt es sich hochtonseitig weniger nach „Boxensound“ an, als ich das selbst von meinen deutlich teureren Arbeitslautsprechern gewohnt bin. Dabei gerät aber, um Missverständnissen vorzubeugen, die Darstellung keinesfalls besonders wolkig-raumfüllend, wie man das vielleicht mit dem Wörtchen omnidirektional in Verbindung bringen könnte, sondern, ganz im Gegenteil, klar definiert beziehungsweise höchst ortungsscharf.

Ja, die Illusionierung von sich echt „anfühlenden“ Hochtonereignissen, von deren tatsächlicher Anwesenheit im Hörraum, ist eine der großen Stärken der italienischen Probanden – und auch wenn ich’s the nationalzunächst nicht glauben wollte, auch im A/B-Kontrast mit meinen Thiel CS 3.7 gerät eine Kleinigkeit wie die aus dem rechten Kanal tönende Hi-Hat in The Nationals „Sorrow“ über die Heolos gehört etwas weniger eingeengt/weniger komprimiert, die Textur erscheint freigelegter und schlackenloser, es tönt plastischer, noch einen Tick greifbarer.

Ähnliches empfinde ich bei der Wiedergabe und für HiFi-Geräte alles anders als leichten Differenzierung der dichten Gemengelage aus Schlagzeug, Piano, Saxophon und Klarinette im Song „Scanners“ (Album: Snakeoil, 2012) des Jazz-Quartetts um den New Yorker Saxophonisten Tim Berne – es ergibt sich nicht zuletzt aufgrund der Hochtonqualität der Heolo Gamma in der Tat ein in Gänze ebenso präzise definiertes wie eingängiges, leicht verdauliches Bühnenbild, dem – um dieses leider etwas abgegriffene Wörtchen jetzt doch mal zu bemühen – etwas angenehm „livehaftiges“ anhaftet.

tim berne

Auch bei elektronischer Musik wie zum Beispiel beim von explosionsartig ins Bühnenbild schießenden und an den Ohren förmlich vorbeifliegenden perkussiven Soundeffekten geprägten „Herbalist rules“ des Kanadiers Kevin Cey (Album: Music for Cats, 1998) fasziniert, wie sauber diese vielen Puzzleteile in den Raum gezeichnet und wie (fein)dynamisch-schnell die Heolos solcher Hochgeschwindigkeitsmusik auf den Fersen bleiben. Leisehörer werden sich zudem freuen, dass die Italiener auch bei kleinen Pegeln noch einen anspringenden, lebendigen Eindruck vermitteln.

heolo gamma

Die Heolo Gamma ist als „Dreibeiner“ konzipiert

Auch mit Blick auf Lautsprecher in deutlich teureren Regionen dürfte es schwierig werden, bezüglich letztgenannter Eigenschaften etwas Besseres zu finden – ich selbstcevin key bin als Besitzer der koaxbewehrten Thiel CS 3.7 in Sachen Räumlichkeit und Feindynamik ja durchaus sehr verwöhnt. Geschmackssache dürfte dagegen sein, dass die Heolos die Bühne von der Grundlinie zwischen den Boxen aus gesehen eher nach hinten aufbauen – ich selbst schätze eher eine etwas frontalere Gangart – und diese nicht allzu sehr in die Höhe ragt. Eine den Hörer flutende Wall of Sound liefern die Italiener jedenfalls nicht, eher eine durchaus distanzierte, aber sehr schlüssig-realistische Draufsicht aufs Geschehen – mit einer zudem sehr guten Tiefenstaffelung.

Test: Heolo Gamma | Standlautsprecher

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