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Heco Direkt – Klangeindruck

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Heco Direkt – Klangeindruck

Heco Direkt

Wer einmal ausprobieren möchte, wie emotionsgeladen, „echt“ und mit allen Sinnen man Musik genießen kann, der sollte sich diesen Lautsprecher anhören. Natürlich kann man dann auch zu dem Schluss kommen, dass die Heco – Achtung, Wortspiel! – zu direkt, zu lebendig auftritt. Das ist Geschmackssache und völlig legitim. Vor allem in Sachen Ansprechverhalten, Tonalität und Timing ist die Heco „Direkt“ allerdings die mit Abstand außergewöhnlichste Box, die ich seit langer Zeit gehört habe. Und das gilt für mich nicht nur in ihrer Preisklasse, deren Grenzen sie meiner Meinung nach sprengt.

Tori AmosDas fängt schon mit Tori Amos‘ spärisch-schwebendem „Bells for her“ (Album: Under the Pink, auf Amazon anhören) an, bei dem die Heco selbst die mechanischen Geräusche der Klaviatur ungemein plastisch in den Hörraum stellt. Von den glockenklar perlenden Tönen des „Bösendorfer“-Flügels, die das Auditorium ausfüllen, gar nicht zu reden. Über allem schwebt der elfengleiche Gesang der Amos, der in seinem fragilen Duktus unvergleichlich ist. Hinter dieser Darbietung verschwindet die Wiedergabeelektronik nahezu vollständig. Ich höre keine HiFi-Kette, ich höre keine Lautsprecher – ich höre einzig die Musik, die sich mit selbstverständlicher Leichtigkeit von der Heco löst. Dies bietet keine Konkurrentin ihrer Klasse mit ähnlicher Gelassenheit und Souveränität, zumindest keine, die ich kenne. Spätestens jetzt zeigt sich: So unkonventionell die Heco auch daherkommen mag, sie meint es ernst!

Heco Direkt

Obschon das Wettbewerbsumfeld hochinteressant ist: Etwa mit den beiden neuen Dali-Modellen „Rubicon 5“ (um 2.400 Euro) und „Rubicon 6“ (um 3.600 Euro) finden sich Exemplare, die in den Disziplinen Timing und Musikalität ebenfalls als sichere Bank gelten. Mit einer Phonar „Veritas P8 Next“ (um 3.000 Euro) tritt zudem eine echte „Mittenband-Spezialistin“ auf den Plan, die mit ihrer natürlichen Stimmwiedergabe nur schwer zu schlagen ist. Allerdings wärmt die Phonar Tori Amos Stimme minimal an, wodurch sie ein wenig voluminöser rüberkommt, die beiden Dalis bilden insgesamt leicht kompakter ab. Dadurch entfaltet „Bells for her“ über sie keine ganz so packende und raumgreifende Atmosphäre.

PusciferKommen elektronische Elemente ins Spiel, wie bei „Galileo“ von Puscifer, einem Sideproject des Tool-Frontmannes Maynard James Keenan (Album: Money Shot, auf Amazon anhören), stellt die „Direkt“ ihr beeindruckendes Ansprechverhalten unter Beweis. Die E-Drumbeats, die das Stück untermalen, knallen ansatzlos wie Pistolenschüsse durch den Hörraum, die Bassgitarre – überdies leicht verfremdet – begleitet mit ungemein nachdrücklichem und trocken-knarzigem Relief. Kein Gramm Fett zu viel, die Heco findet genau die richtige Dosis aus Druck und Tempo. Dabei spart sie sich die letzte Oktave in der Kelleretage, schon die etwas günstigere Dali „Rubicon 5“ schiebt unten mehr an, ihre große Schwester „Rubicon 6“ kann sogar noch ein Schippchen nachlegen. Was bassmäßig zwar durchaus mehr beeindrucken kann, indes auch einen vergleichsweise etwas schwerfälligeren Eindruck hinterlässt. Was der Heco Direkt an „Grundlagenarbeit“ fehlt, macht sie durch Attacke, Präzision und einen insgesamt kraftvollen, aber niemals überzogenen Grundton wett. So hat man eigentlich nie den Eindruck, dass es ihr an Bassperformance fehlt. Selbst enorm „schubstarke“ Musik wie „Lose yourself to dance“ von Daft Punk (Album: Random Access Memories, auf Amazon anhören) Daft Punkentfaltet über die „Direkt“ vor allem bei ambitioniertem Abhörpegel einen massiven Punch, der an hochwertige PA-Systeme erinnert. Dabei kennt die Heco grobdynamisch kaum Limits. Wer es richtig krachen lassen möchte, wird dennoch nicht erleben, dass die „Direkt“ angestrengt oder gepresst klingt. Ihre Reserven sind auf jeden Fall größer als die Ihrer Nerven. Oder die Ihrer Nachbarschaft.

Die Heco Direkt besitzt auch Abdeckungen
Die Heco Direkt besitzt natürlich auch Abdeckungen

Aber wir messen hier ja keinen Lautsprecher nur daran, wie laut er kann. Sondern unter anderem auch, wir gut er mit komplexen Arrangements zurechtkommt. Und auch dafür ist Puscifers „Galileo“ ein Prüfstein. Die einander stets überlagernden und teils verschleppten Beats und Soundeffekte ergeben ein dicht verwobenes Klanggeflecht, das über Lautsprecher mit weniger ausgeprägtem Auflösungsvermögen schon einmal „breiig“ und verwaschen tönen kann. Die Heco erlaubt hier einen sehr tiefen Einblick in die Aufnahme, erfasst alle relevanten Details und beleuchtet sie umfassend, ohne aber die „großen“ Zusammenhänge aus dem Blick zu verlieren. Sprich: Der musikalische Fluss kommt niemals ins Stocken, nur weil sich die Pulheimerin zu intensiv mit Einzelheiten beschäftigen würde.

Diese Fähigkeit tritt umso deutlicher zu Tage, je hochwertiger die „Software“ abgemischt ist. Passend zur Jahreszeit habe ich mit dem Klassiker „Carol of the Bells“, allerdings eingespielt von den britischen Prog-Rock-Ikonen Marillion für ihr 2014er Weihnachtsalbum A Collection of recycled Gifts abwechslungsreiches Futter gefunden. Die Briten setzen hier nämlich alles ein, was Festtagsstimmung verbreitet: Schellenkränze, Glocken, kanonische Gesänge und eine sich immer weiter steigernde Instrumentierung, die am Ende des Stücks in einer Interpretation des berühmten James-Bond-Themas ihren Höhenpunkt findet. Kurzum: prallvoll gepackte knapp sieben Minuten, die vor lauter raffinierten Details nur so strotzen. Die „Direkt“ spürt jeder Feinheit akribisch und wieselflink hinterher, verliert dabei nie die Übersicht und ordnet jedem Einzelereignis seinen festen Platz zu. So bleibt jede „Schallquelle“ sehr gut ortbar. Dennoch stellt die Rheinländerin stets das Gesamtbild in den Vordergrund, verliert sich nie ins Seziererische. Eine akustische „Lupe“, der Auflösung über alles geht, ist sie nicht.

Hochtöner mit kleinem Hornvorsatz
Hochtöner mit kleinem Hornvorsatz

Was sie wie kaum eine Zweite in dieser Klasse beherrscht, ist das Erzeugen einer realistischen Atmosphäre. Das Gefühl, das musikalische Ereignisse die Luft zum Vibrieren bringen können. Die Kölner Formation AnnenMayKantereit etwa spielt ihr Stück „3. Stock“ (Album: Wird schon irgendwie gehen, auf Amazon anhören) mit einer Gänsehaut erzeugenden Intensität, wie ich sie lange nicht gehört habe. Henning Mays kratzig-raue Stimme berührt tief, sein Klavier klingt so echt und unverfälscht, wie ein Klavier eben klingt, wenn es in einem spärlich bedämpften Raum steht. Gesang, Klavier und das später einsetzende Schlagzeug Editorserfüllen den gesamten Hörraum, umflirren das Publikum und vermitteln den Eindruck, ein Teil dieser Aufführung zu sein. Nicht mehr und nicht weniger soll ein hochwertiges Lautsprechersystem vermitteln können. Dabei bilden die Hecos recht groß ab, das sowieso schon episch komponierte „Salvation“ der Editors (Album: In Dream, auf Amazon anhören) vermittelt einen in allen Dimensionen der virtuellen Bühne insbesondere zum Ende hin fast schon zu großzügigen Eindruck. Gleich einer (akustischen) Welle, die nur so gerade eben nicht über den Köpfen der Zuhörer zusammenfällt. Das muss man mögen. Die dänischen Wettbewerberinnen von Dali und die Phonar sind hier mit ihrer kompakteren Darstellung möglicherweise etwas näher an der Realität. Aber: Trotz der opulenten Abbildungen verzerrt die Heco Direkt nie die Relationen auf der Bühne, die Musiker stehen untereinander immer in nachvollziehbaren Abständen. Sie haben nur etwas mehr „Bewegungsfreiheit“, wenn man so will. Insgesamt ergibt sich durch diese Eigenart aber auch ein insgesamt sehr lässiges und entspanntes Klangbild.

Heco Direkt

Beim Timing zeigt sie der Konkurrenz indes bei stark rhythmusbetonter Musik wieder, wo der Hammer hängt. Die neue Single „Name drauf“ der Fantastischen Vier (Album: Vier und Jetzt 1990 – 2015, auf Amazon anhören) ist ein Partykracher ersten Ranges, bei dem jeder Takt auf den Punkt sitzen muss. Für die hellwache und schnelle „Direkt“ ein Paradestück, mit dem sie sich inszenieren Fantastischen Vierkann. An ihre sprichwörtliche Trittsicherheit und sprühende Emotionalität wie fesselnde Lebendigkeit kommt keine der Wettbewerberinnen heran. Am ehesten noch die „Rubicon 6“ von Dali, die mit ihrem zackigen Zeitverhalten und ihrer sehr agilen Spielweise nahezu aufschließt, dazu im Bass mit mehr Wucht zulangen kann. Die Phonar „Veritas P8 Next“ punktet dagegen im Hochton, schmettert die Bläsersätze mit einer Nonchalance, mit einem Detailreichtum und einer Attacke in den Hörraum, die die Heco Direkt obenheraus nicht ganz erreicht. Sie rundet am oberen Frequenzende ganz sanft ab, was insgesamt angenehm ist und Strenge wie Bissigkeit vermeidet. Aber: Auch wenn Dali und Phonar in Einzeldisziplinen Teilerfolge erzielen können, ist die Heco einfach ein enorm stimmiges Gesamtpaket. Zumindest in ihrer Klasse und auch ein gutes Stück darüber hinaus.

Test: Heco Direkt | Standlautsprecher

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