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Klang Harbeth Super HL5

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  1. 3 Klang Harbeth Super HL5

Die Entscheidung, ob man mit oder ohne Abdeckung hören möchte, ist akustisch tatsächlich nahezu belanglos. Völlig unhörbar ist’s nun aber auch nicht, sondern liegt im RahmenHarbeth mit Bespannung dessen, was zu erwarten steht: mit einen Tick sanfter, ohne einen Tick luftiger. Nun denn … Da ich zu den Leuten gehöre, die Lautsprecherchassis attraktiv finden, landete der SuperGrille in der Ecke.

Nun zu einer weniger belanglosen Frage: Wie fange ich die Klangskizze an? Vielleicht mit zwei Bekenntnissen. Erstens: Je länger ich diesen Job mache, desto besser gefallen mit die balancierten, ausgewogenen Komponenten / Lautsprecher – die Allrounder-Typen. Zweitens: Je länger ich diesen Job mache, desto häufiger frage ich mich, womit ich eigentlich hören würde, wenn ich den Job nicht machte … was wären meine Kriterien? Zweifellos das Preis-/Leistungsverhältnis – natürlich -, aber sicherlich auch der absolute Preis. Ich schätze, meine Anlage würde so in der 10kEuro-Klasse liegen. Eine erschreckend hohe Summe nach Ansicht „normaler“ Menschen – ein müdes Lächeln für jemanden mit einer waschechten HighEnd-Biografie. Ich würd‘ sagen: eine realistische Größenordnung. Und klanglich betrachtet, könnte ich durchaus eine Schippe mehr Spaß dulden, selbst wenn dies mit einer leichten Abweichung von der (sowieso immer nur gedachten) 100%-Neutral-Linie einherginge, solange nach wie vor – siehe 1.) – die Balance gehalten würde …

Wie auch immer: Die Harbeth Super HL5 käme jedenfalls auf meine Shoot-Out-Liste in Sachen Lautsprecher, ganz klare Sache. Und diese Vorschusslorbeeren werden hier auch nur deshalb überreicht, damit die im Folgenden anzutreffenden abwägenden und einschränkenden Zwischentöne ins rechte Licht gerückt werden: Selten war bei uns ein Lautsprecher zu Gast, der in Anbetracht des Preises derart überzeugte. Was nicht heißt, dass er alles kann und nicht einen gewissen Charakter besäße … na denn mal los:

Harbeth Super HL5Beginnen wir mit dem Tonalen und behalten die Gesamtperspektive für einen Moment bei – dieser Harbeth-Lautsprecher spielt wie aus einem Guss. Irgendwie scheinen die Frequenzbereiche bestens aufeinander abgestimmt zu sein – Brüche und Alleingänge sind jedenfalls nicht auszumachen, eine hieraus entstehende Irritation beziehungsweise ein unschlüssiges Gefühl wird beim Hörer nie aufkommen. Es tönt sehr geschlossen und glaubhaft. Und gleichzeitig gönnt sich die Super HL5 einen Fingerbreit mehr Freude im „Wärmebereich“ als andere Lautsprecher, was die Sache mit der ausnehmend schlüssigen Gangart aber überhaupt nicht tangiert.

Die etwas wärmere Note resultiert meiner Meinung nach nicht daraus, dass in den obersten Oktaven etwa sanft ausgefadet würde. Nö, kein Stück, da geht‘s einfach geradeaus weiter, entgegen meinem Vorurteil bezüglich Brit-HiFi. Einen Mangel an Luftigkeit oder Glanz kann ich nicht feststellen, was wohl auch dem Super-Tweeter zu verdanken sein dürfte. Klischee ade.

Harbeth Super HL5 - Die Frequenzweiche
Die Frequenzweiche der Harbeth Super HL5

Im Grundtonbereich geht es einfach etwas saftiger zur Sache und, wenn mich nicht alles täuscht, im Bass auch – und zwar eher an dessen oberer Kante. Definition und Präzision bleiben hierbei allerdings erhalten: Der Bassbereich ist informativ, aber eben mit erstaunlich viel Impact versehen – erstaunlich auch in Anbetracht dessen, dass es sich um eine große Kompakte handelt. Eine Bassdrum kommt jedenfalls mit wesentlich mehr Schmackes als ich erwartet hätte. Ja, stimmt schon: Bisweilen mit so viel Schmackes, dass sie sich – räumlich betrachtet – etwas nach vorne schummelt (so gehört bei Ringsgewandl / Vogelwild: Apokalypse Berlin). Man darf das, je nach Gusto, aber ohne weiteres auch „involvierender als üblich“ nennen, es handelt sich dabei sozusagen um eine kleine Extra-Portion gute Laune, die mit einem Augenzwinkern daherkommt, wenn Sie wissen, was ich meine … Ringsgewandl / VogelwildNun, im richtig ernsthaften Tiefbassbereich fehlt dafür was – dies ist allerdings eine triviale Erkenntnis angesichts von Größe, Konzept und Preis der Harbeth.

Ich hoffe, ich bin richtig verstanden worden – vielleicht ein kleines Zwischenfazit: Die Harbeth SHL5 gehört für mich im Bassbereich zu den vollständigsten Kompaktlautsprechern, die ich seit langem gehört habe. Den Fingerbreit mehr im Oberbass nehme ich gerne mit, da sie gleichzeitig noch zwei Handbreit von dem Niveau entfernt liegt, wo ich „boomy“ sagen würde und müsste. Diese Kompakte klingt überhaupt nicht kompakt, sondern ausladend und angenehm voll – manches Standmodell spielt dagegen mager. Und diese angenehme Fülle herrscht eben auch im Grundtonbereich, was der Mittendarstellung ein tragfähiges Fundament verleiht: Ein Klavier klingt nach Klavier, nicht nach Saite plus Filzhammer, der warme Ton eines Cellos kommt voll zu Geltung und Johnny Cashs Stimme hinterlässt einen physischen Eindruck statt eines ausgedünnten.

Wie ich schon sagte, spielt der (obere) Hochton „geradeaus weiter“, sprich: Er gibt sich unverrundet am Ende des Frequenzschriebs, wird dort freilich aber auch nicht gerade geboostet. Das kann man mit Recht neutral nennen. Auch in Sachen Auflösung und Feindynamik habe ich hier wenig zu beklagen, wiewohl mir beispielsweise meine Thiel SCS4 bei einigen Aufnahmen noch etwas detaillierter vorkommt. Nun denn. Jedenfalls gehört zum unheimlich geschlossenen und harmonischen Gesamtklangbild der Harbeth Super HL5 auch ein unverhangener und offener Hochtonbereich mit angenehm viel, aber auch nicht zu viel Air – die obersten Oktaven fügen sich nahtlos ins klangliche Geschehen ein.

Harbeth Bass-/Mittentreiber

Der Mittenbereich gerät der Harbeth erstklassig: wunderbar fließend, völlig Artefakte- und Härte-frei, dabei sehr detailreich und natürlich wird er dargeboten. Wirklich etwas für Feinschmecker. Aber „erstklassig“ heißt für mich nun nicht automatisch auch „völlig auf Linie“, 100%-neutral. Nö, würde ich so nicht unterschreiben: Die mittleren Lagen der Super HL5 besitzen nämlich eine angenehm sanfte Note, ja, für meine Ohren tönt sie so, als wären die oberen Mitten/die unteren Höhen tatsächlich ein klein wenig zurückgenommen. Mit der Folge, dass beispielsweise manch lieblose Aufnahme genießbarer wird und manches zu gewissen Härten neigende Stück Equipment ebenfalls. Aber gleichwohl fällt dieser Charakterzug der Harbeth so minimal unter „Normlevel“ aus, dass die Musikpräsentation lebendig und das tonale Differenzierungsvermögen erhalten bleibt – ja, Letzteres gehört gerade zu den Meriten dieses Wandlers: Es herrscht Durchlässigkeit hinsichtlich des vorgeschalteten Equipments respektive einzelner Aufnahmen, aber die akustischen Fingerzeige werden eben von einer gnädigen, nicht von einer strengen Hand ausgeführt. Ein Beispiel mag erläutern, wie ich zu der Annahme über den Präsenzbereich komme …

Test: Harbeth Super HL 5 | Kompaktlautsprecher

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