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Technik Harbeth Super HL5

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Technik Harbeth Super HL5

Kann man unseren Testkandidaten eigentlich noch Kompaktlautsprecher nennen? Da alles, was auf einen Ständer kommt, so genannt wird – ja. Aber mit Abmessungen von 64 x 32 x 30 cm (HxBxT) ist dies wahrlich kein kleiner Lautsprecher; das Basschassis arbeitet in einem 50 Liter-Gehäuse, manchem schlanken Standmodell wird da weniger Volumen zugestanden.

Harbeth Super HL5

Da die Harbeth recht hoch gewachsen ist, sollten die Lautsprecherstative kleiner als üblich ausfallen – so circa 40cm Höhe passen ganz gut, dann zielt der Hochtöner aufs Ohr. Der Hersteller empfiehlt übrigens eine freie Aufstellung mit ungefähr 70-80cm Platz zwischen der Box und den umliegenden Wänden. Wer also mit der Super HL5 liebäugelt, dem sollte klar sein, dass er diesen Wandler nicht verstecken kann – er ist locker so präsent im Raum wie ähnlich gepreiste Standmodelle. Was kein Nachteil sein muss, wenn man’s kantig mag …

Die Super HL5 ist so alt wie Harbeth selbst, besitzt also eine verdammt lange Tradition. Früher wurde sie einfach „HL5“ genannt – mit ihrer jetzigen Variante, der sechsten inzwischen, kam das Präfix „Super“ hinzu. Da fragt man sich schon ein wenig, wo das britische Understatement geblieben ist, doch steckt mehr dahinter, als plattes Eigenlob – man möchte unter anderem auf den Neuzugang in der Schallwand hinweisen:

Harbeth Super-Tweeter

Bei dem kleinen Tweeter oben handelt es sich nämlich um einen Super-Hochtöner (20mm / Titankalotte), der dem 25mm-Alu-Modell eine Etage tiefer ab circa 10kHz aufwärts unter die Arme greift. Beide Kalotten werden von Seas bezogen.

Harbeth Super HL5 Hochtöner

Der Bass-/Mitteltontreiber hingegen stellt ein „proprietäres Design“ dar, wie das heutzutage genannt wird: Es handelt sich also um eine Harbeth-Eigenentwicklung, bei der man fürs Membranmaterial sogar Patente hält.

Harbeth Super HL5 - Bass-/Mittentreiber

Produziert wird das Chassis vorort in Lindfield / West Sussex. Der 20cm messende Konus spielt hoch bis circa 3kHz und gibt dort an die größere Kalotte ab – ins Untergeschoss dringt man mit der Super HL5 bis 40Hz (-3dB) vor, so Harbeth.

Das patentierte Material dieses Treibers nennt sich RADIAL, ein Akronym für „Research And Development In Advanced Loadspeakers“. Unter diesem Titel lief ein mehrjähriges Forschungsprojekt – übrigens unterstützt seitens der britischen Regierung – mit dem Ziel, einen akustisch überlegenen Membran-Werkstoff zu finden. Überlegen auch dem bisher bei Harbeth Verwendung findenden Polypropylengemisch (welches Firmengründer Mr. Harwood seinerzeit im Rahmen des BBC-Projektes (mit)eingeführt hatte), das zwar ebenfalls seine Vorteile habe – insbesondere im Mittenbereich klänge es meist „angenehm weich“ -, aber eben auch Nachteile: Es sei schwerer und weniger steif als der neue Komposite-Kunststoff, so Alan Shaw, der Unternehmens-Chef. Die klangliche Folge von RADIAL sei, dass die Wiedergabe von Transienten überzeugender gelinge (denn der Kunststoff ist leichter als Polyprop) und leise Mikro-Details der Musik nun nicht mehr materialbedingt in Wärme umgewandelt werden würden (was bei Polyprop geschehe, und zwar durch Reibung auf molekularer Ebene), sondern dank hoher Steifigkeit der Membran eben in Schall – sprich: Es soll wesentlich detaillierter tönen. Und angeblich ist die Dämpfung auch noch besser … es hört sich an wie ein wilder Entwickler-Wunschtraum beziehungsweise Marketing-Blabla. Und da man so überzeugt von diesem Membranmaterial ist, kommt es gleich auch noch für den Korb des Chassis zum Einsatz …

Harbeth Bass-/Mittentreiber

Super ist an der Harbeth nicht nur der Vorname und der obere Tweeter, sondern auch der Gehäuseaufbau: Von einer „SuperTunedStructure“ ist hier nämlich die Rede. Das „Tuned“ deutet an, wohin die Reise geht: Man möchte das Gehäuse des Lautsprecher quasi analog dem Korpus eines Musikinstruments „abstimmen“, nur mit dem umgekehrten Ziel: Die unvermeidlichen Resonanzen des Körpers sollen in einen Bereich gelenkt werden, in dem sie möglichst kaum oder am besten gar nicht mehr wahrzunehmen sind. Und das heißt: raus aus dem Mittenband, hin zu den unteren Oktaven.

Der Einwand, dass würden alle Entwickler sagen, stimmt nicht ganz. Es gibt wohl grundsätzlich zwei Schulen. Der gängigste Ansatz lautet: Gehäuseresonanzen sollten unterdrückt werden – durch zentimeterstarke Wände, durch Verstrebungen, durch Bedämpfung, durch sand- oder stahlkugelgefüllte Kammern im Innern usw. Die Gegenschule sagt: Resonanzen können nicht vollständig unterdrückt werden. Sie lassen sich aber lenken und abstimmen. Dieser Ansicht ist man auch bei Harbeth. Zwei Grundüberzeugungen kommen beim „Gehäuse-Tuning“ zum Einsatz.

Überzeugung Nr. 1: Mit mehreren kleinen Resonanzen lässt sich besser arbeiten als mit einer großen. Daher sei das Gehäuse der Harbeth-Lautsprecher auch kein geschlossener Korpus wie bei verleimten MDF-Konstruktionen der Fall, sondern „resonanztechnisch aufgebrochen“ in kleinere Einheiten: Schallwand und Rückwand sind auf Vollholzleisten verschraubt, diese Leisten sitzen wiederum in einem Kasten (Seitenwände, Boden, Decke) aus MDF-Wänden. Um sich das Prinzip zu veranschaulichen, sollte man an eine Glocke denken, so Herr Hömke von Input Audio. Zitat: „Diese hat eine sehr starke und laute Resonanz, wenn sie zum Schwingen angeregt wird. Wenn die Glocke einen Riss hat, ist sie viel leiser, weil die große Resonanz in viele kleine zerlegt wird. Diese lassen sich dann wesentlich leichter bedämpfen. Das Prinzip der verschraubten Gehäuse-Wände der Harbeth Lautsprecher wirkt hier also wie der Riss in der Glocke, denn das Lautsprecher-Gehäuse schwingt sich dadurch per se nicht mehr so stark bei seiner Resonanzfrequenz auf.“ Das Bild hat seinen suggestiven Charme, muss man zugestehen, auch wenn es mir ein wenig zu arg suggestiv ausfällt …

Harbeth Super HL5 - Gehäuseaufbau

Überzeugung Nr. 2: Dünne Wände lassen sich besser abstimmen als dicke. Auch diese Theorie lässt sich veranschaulichen. Man stelle sich zwei Holzplatte vor, die eine 2mm und die andere 20mm stark, mit ansonsten gleichen Ausmaßen. Nun wird die gleiche Menge Dämpfungsmaterial an beide Platten angebracht. Der anteilig höhere Dämpfungseffekt wird logischerweise bei der dünneren Scheibe festzustellen sein. Dies ist a) banal und b) vielleicht der springende Punkt, wenn es um die Lenkbarkeit von Resonanzen gehen soll – und das soll es ja laut Harbeth. Bei dünneren Wänden besitzt man einfach einen „längeren Tuninghebel“ als bei dicken – auch wenn die von sich aus eigentlich weniger resonanzanfällig sein sollten.

Abschließend „Super“, die Dritte: Die Stoffabdeckung sei akustisch völlig durchlässig, so dass man sie „SuperGrille“ getauft habe … das hören wir uns doch gleich mal an …

Test: Harbeth Super HL 5 | Kompaktlautsprecher

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