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Klang Harbeth Super HL5 Plus (Teil 1)

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  1. 2 Klang Harbeth Super HL5 Plus (Teil 1)

Die Werbung eines renommierten Autoherstellers reklamierte beim Einsteigen in dessen Produkte das „Willkommen-zu-Hause-Gefühl“. Und genau so ging es mir beim ersten Hören der Harbeths: Da war er wieder, der Klang, den ich bereits früher sehr zu schätzen gelernt hatte. Vor ein paar Jahren nannte ich nämlich eine Zeit lang ein Pärchen Harbeth SuperHL5 mein Eigen. Diese gefielen mir ausgesprochen gut, was bei der aktuellen Version nicht anders ist.

Harbeth Super HL5 Plus

Die SuperHL5 Plus gehört zu den Lautsprechern, bei denen es dem Rezensenten besonders schwer fällt, die für HiFi-Tests übliche Einteilung der klanglichen Beschreibung in Bass, Mitten und Höhen einzuhalten. Sie spielt so sehr aus einem Guss, dass diese Aufteilung völlig unangemessen und künstlich wirkt. Martina Topley BirdInsbesondere erscheint mir der Übergang zwischen dem Tiefmittel- und dem Hochtöner ausgesprochen gut gelungen, ein Charakterwechsel ist damit nicht verbunden. Dies ist bei Frauenstimmen besonders wichtig, und die Wiedergabe von weiblichem Gesang ist denn auch eine der absoluten Schokoladenseiten der Harbeth. Die Stimme von Martina Topley Bird auf dem Titel „Phoenix“ (Album: The Blue God) gerät ihr beispielsweise zum Verlieben schön. Die Tonalität ist genau richtig, die Artikulation und Textverständlichkeit ist auch bei sehr geringen Lautstärken exzellent.

Harbeth Super HL5 PlusHarbeth macht auf seiner Website ausführlichen Gebrauch von der BBC-Heritage, der Abstammung verschiedener Modelle von Arbeitslautsprechern der BBC. Den klassischen BBC-Monitoren ist gemeinsam, dass sie überwiegend für das Abhören von Sprachaufnahmen ausgelegt waren. Dieser Klangtradition fühlt sich offensichtlich auch die SuperHL5 Plus verpflichtet: Das Klangbild baut sich aus der Mitte heraus auf. Auf dem Bereich der menschlichen Stimme lag offensichtlich ein Hauptaugenmerk des Entwicklers, die Sphären darunter und darüber schließen sich naht- und bruchlos an. Im Hochtonbereich ist die Harbeth der Gegenpol zu einem Lautsprecher wie der Elac FS 267, die ihren (sehr guten) Hochtöner auch klanglich zum Vorschein kommen lässt. Bei der Harbeth scheint nichts hervor, gar nichts. Nach Betonungen sucht man vergeblich, nach Löchern im Frequenzgang auch.

Was bei „Phoenix“ weiter sofort auffällt – man kann die Harbeth bei wirklich sehr geringem Pegel hören und sie bleibt immer noch transparent und informativ. Ich habe zum Teil im Bereich zwischen 50 und 60 dB gehört, also wirklich sehr, sehr leise; bei vielen Lautsprechern fällt dann das Klangbild in sich zusammen, tonal wie dynamisch. Die Harbeth bleibt dagegen auch bei Lautstärken knapp über dem Flüsterbereich noch breitbandig und differenziert (im Test der Neat Motive SX1 hatte ich diese Harbeth Super HL5 PlusEigenschaft besonders gelobt; die Harbeth ist mindestens so gut für geringe Laustärken geeignet wie die Neat). An Alan Shaws Versprechen geringer Verluste in der Membran des Tiefmitteltöners scheint etwas dran zu sein. Auch bei den Hörspielen meines Sohnes, die, wie manche Leser schon wissen, für mich immer einen erstaunlich guten Gradmesser für die Auflösung im Stimmbereich darstellen, war festzustellen, dass diese schon bei sehr geringen Lautstärken gut nachvollziehbar waren. Bestimmte Hintergrundeffekte bei Drei ??? Kids – Mission Maulwurf traten viel klarer zum Vorschein als zum Beispiel bei meinen JBLs. Respekt.

Am anderen Ende der Lautstärkeskala ist festzustellen, dass die Harbeth ordentlich Leistung verträgt und laut spielen kann. Allerdings merkt man ihr an, dass dies nicht die Lautstärke ist, für die sie gemacht ist; sehr gehobene Zimmerlautstärke ja, Rockkonzertpegel bitte nicht, da wird dann doch der Bass etwas ungenau und das Gehäuse scheint mehr mitzuspielen als ideal, die sonst sehr lobenswerte Präzision leidet etwas.

Noch mal zurück zu dem Topley-Bird-Album: Der Titel „Snowman“ wird von einem wunderbar vollen, runden Bass getragen. Den gibt die Harbeth hervorragend wieder, der Titel geht richtig schön nach vorne. Die Bassabstimmung empfinde ich als äußerst gelungen; er geht tief runter, bis knapp unter 40 Hz, und bleibt lebendig und konturiert.

Die tonale Balance der Harbeth liegt insgesamt immer noch ein ganz klein wenig auf der langzeithörtauglichen, zurückhaltenden Seite, aber wirklich nur ein ganz klein wenig. Wie Kollege Ralph Werner schon für die Vorgängerversion feststellte, hat diese Langzeithörtauglichkeit nichts mit einem nach oben abfallenden Pegel zu tun. Der Superhochtöner scheint vielmehr dafür zu sorgen, dass auch nach oben heraus viel Frische und Luftigkeit im Klangbild festzustellen sind. Insgesamt scheint der Hochtonbereich im Pegel aber immer noch eine Spur niedriger zu liegen als der von dem Tiefmitteltöner verantwortete Bereich.

Harbeth Super HL5 Plus

Die Abstimmung des Vorgängermodells hatte Alan Shaw mit der (vermuteten) besonderen Klassiktauglichkeit begründet. Das hat mir schon bei der Vorgängerversion nicht so recht eingeleuchtet. Ja, eine Rücknahme des Pegels im Präsenz-Bereich in Verbindung mit einer Überhöhung im Grundton und Bass (die „Wärme“, die Alan Shaw erwähnte) machen bei orchestraler Klassik einen bestimmten Effekt. Auch im normalen Wohnraum ergibt sich daraus eine eher distanziertere Perspektive auf das Orchester, es wird ein künstlicher Abstand zum musikalischen Geschehen erzeugt, verbunden mit der Illusion einer gewissen orchestralen Wucht. Aber erstens besteht Klassik nicht nur aus großem Orchester, sondern auch aus kleinen Besetzungen, bei denen „Abstand“ und „Wucht“ jedenfalls meinem Eindruck beim Hören des Originals keineswegs entsprechen. Und zweitens haben diese kleinen Abweichungen von der geraden Linie tonale Auswirkungen, die sich bei breitbandigen Instrumenten auch als Verfärbung äußern.

Ein sehr breitbandiges Instrument ist das Klavier, deshalb war ich natürlich neugierig, wie sich die SuperHL5 Plus mit diesem Instrument schlagen würde. Meine Hoffnungen wurden nicht Klavierkonzert Nr. 14 von Mozartenttäuscht. Das Klavier von Maria Joao Pires beim Klavierkonzert Nr. 14 von Mozart (Wiener Philharmoiker/Abbado) wurde ganz hervorragend wiedergegeben. Die Perspektive auf die Aufnahme ist angemessen, von einer die Illusion räumlicher Nähe erzeugenden Präsenzbetonung sind wir hier weit entfernt, und im Ton des Klaviers hört man nicht (wie bei manchen anderen Lautsprechern) vor allem das Metall der Saiten, sondern auch das Holz des Korpus‘. Auch das Verhältnis zwischen Solistin und Orchester dürfte genau so wiedergegeben werden, wie der Tonmeister sich das vorstellte: Räumlich abgesetzt vom Orchester, aber doch mit Bezug zu diesem, tönen die Anschläge klar und eindeutig, mit korrektem Verhältnis von Anschlag und Ausklingen und mit dieser stupenden Leichtigkeit, die die Pianistin auszeichnet und die sie gerade auch für Mozart zu einer meiner Lieblingsinterpretinnen macht. Das perlt und strahlt, ohne dass wir es hier mit einem aufgesetzten tonalen Effekt zu tun hätten; vielmehr kommt die Leuchtkraft eindeutig vom Instrument (und ein bisschen auch von der Mikrofonpositionierung, die man auch ohne Weiteres nachvollziehen kann). Das oft gehörte Klavierkonzert fesselt mit natürlichem musikalischem Fluss und beeindruckt mit der detailfreudigen Darstellung des Orchesters. Klasse.

Test: Harbeth Super HL 5 Plus | Kompaktlautsprecher

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