Demnächst im Test:

Billboard
Stack Audio

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Radikal Radial?
  2. 2 Harbeth M30.3 XD2: Hörtest und Vergleiche

Wenn ein Lautsprecherhersteller am Geheimrezept der Treibermaterialien schraubt, ist das nicht ohne Risiko, haben die Treiber – und vor allem die Membranen – doch einen gewaltigen Einfluss auf den Klang. Wenn’s gut geht, gelingt die Modernisierung – doch wenn nicht, droht die Gefahr, dass ein Hersteller seinen über Jahrzehnte kultivierten „Signature Sound“ verliert. Bei Harbeth (Vertrieb: https://www.inputaudio.de/) hat man trotzdem das Rezept angefasst. Freilich nicht zum ersten Mal: Inzwischen ist das berühmte RADIAL-Material der hauseigenen Tiefmitteltöner in der vierten Inkarnation am Start. Grund genug für uns, dem Dauerbrenner-Monitor „M30“ auf den Zahn zu fühlen. Vorhang auf für die brandneue Harbeth M30.3 XD2.

Anders als Bowers & Wilkins, die vor rund zehn Jahren von Kevlar auf das hauseigene „Continuum“-Membranmaterial umschwenkten, wurde der Stoff, aus dem die Membranen sind, bei Harbeth nicht komplett ausgetauscht, sondern wieder einmal verfeinert. Aber was ist sonst noch neu an der Harbeth M30.3 XD2 (Preis: 5.450 Euro)? Alan Shaw war so freundlich, uns ein Interview zu geben.

Interview mit Alan Shaw von Harbeth

Alan Shaw von Harbeth Audio

Alan Shaw von Harbeth Audio

fairaudio: Lieber Alan Shaw, seit wann haben Sie RADIAL im Einsatz?

Alan Shaw: Seit 1995, als Harbeth Fördermittel der britischen Regierung erhielt, um ein möglichst ideales Konusmaterial für Monitore zu entwickeln. Ein wesentlicher Unterschied zu fast allen anderen Herstellern ist, dass unsere Konen spritzgegossen werden. Das erkennt man an der glatten, fast glasartigen Oberfläche. Allgemein üblich ist hingegen das Vakuumformen, was zu einer matten Oberfläche führt.

fairaudio: Was ist der Vorteil beim Spritzgussverfahren?

Alan Shaw: Beim Vakuumformen ist man stark limitiert: Es stehen nur wenige Kunststoffe zur Verfügung, die als dünne Folien mit etwa 0,3 Millimeter Dicke und einer Schmelztemperatur um 220 Grad Celsius angeboten werden. Die akustischen Eigenschaften lassen sich damit nur eingeschränkt beeinflussen. Das Spritzgießen eröffnet dagegen eine ganz andere Welt. Wir können Kunststoffe in Granulatform verwenden und deren Zusammensetzung gezielt verändern. Dadurch lassen sich akustische Eigenschaften sehr viel genauer definieren.

Harbeth M30.3 XD2, ohne Bespannung, übereinander gestapelt

Die Harbeth M30.3 XD2 ist ein Klassiker im Programm der Briten. Die Zweiwege-Bassreflex-Box kommt mit einem 8-Zoll-Tiefmitteltöner, dessen RADIAL-Membran in der inzwischen vierten Evolutionsstufe vorliegt

fairaudio: Warum haben Sie nun eine neue RADIAL-Generation entwickelt?

Alan Shaw: In den vergangenen mehr als 30 Jahren haben wir das RADIAL-Material insgesamt dreimal neu zusammengesetzt – jeweils dann, wenn der vorhandene Materialbestand aufgebraucht war. Im letzten Jahr, zum 30-jährigen Jubiläum des Materials, habe ich das ursprüngliche Entwicklerteam wieder zusammengebracht und wir haben erneut eine weltweite Suche nach besseren Materialien gestartet. Nach mehreren Monaten intensiver Tests – mit entsprechendem Aufwand an Zeit, Material und Geld (und grauen Haaren) – habe ich mich schließlich für eine komplett neue Materialversion entschieden. Was alles andere als ein triviales Thema ist. So arbeitete unser damaliger leitender Entwickler von 1995 später an höchster Stelle bei einem großen deutschen Unternehmen an medizinischen Bildgebungssystemen – das zeigt, wie anspruchsvoll die Domäne der Materialforschung ist.

fairaudio: Was ist noch neu?

Alan Shaw: Im letzten Jahr haben wir zusätzlich in ein neues Spritzgusswerkzeug für 8-Zoll-Konen investiert, Kostenpunkt rund 35.000 Euro. Dieses Werkzeug erzeugt Konen mit leicht veränderter Geometrie und Masseverteilung, insbesondere im Bereich des Übergangs zur Schwingspule. In Kombination mit dem neuen Material ergaben sich dadurch andere akustische Eigenschaften als bei den bisherigen Konen.

Der Radial-Tiefmitteltöner der Harbeth M30.3 XD2

Dass der RADIAL-Tiefmitteltöner der M30.3 XD2 so glänzt, ist auch dem speziellen Herstellungsverfahren zu verdanken, so Harbeth-Chef Alan Shaw

fairaudio: Das heißt, Sie mussten auch die Frequenzweiche anfassen?

Alan Shaw: Genau. Wenn man die Sache konsequent zu Ende denkt, reicht es nicht, nur den Konus zu verändern. Deshalb habe ich mich entschieden, die gesamte Frequenzweiche neu zu entwickeln, um das neue Treibersystem optimal zu integrieren. Bevor Sie mich nun nach der Trennfrequenz fragen … eines ist mir wichtig zu betonen: Die Trennfrequenz ist zwar relevant, aber die tatsächlich wirkenden Flankensteilheiten lassen sich so alleine kaum exakt festlegen. Das liegt daran, dass nicht allein die elektrischen Filterwerte entscheidend sind – also etwa Angaben wie „18 dB pro Oktave, Butterworth“, wie man sie häufig liest. Was wirklich zählt, sind die akustischen Systemflanken. Diese ergeben sich aus dem Zusammenspiel der elektrischen Filter mit dem natürlichen Abfall des Tieftöners und dem Anstieg des Hochtöners: In der Realität verläuft der akustische Abfall eines Tieftöners nicht gleichmäßig. Er verändert sich mit der Frequenz deutlich. Bei höheren Frequenzen schwingt der Konus nicht mehr als geschlossene Einheit. Der wirksame Bereich wird zunehmend kleiner und konzentriert sich auf den Bereich nahe der Schwingspule – ein komplexer Prozess, der sich nicht in einer einfachen Zahl ausdrücken lässt. Aber (lacht) wenn Sie eine haben möchten: Wir trennen bei ungefähr 3 kHz mit effektiven akustischen Flanken zwischen 12 und 18 dB/Oktave. Übrigens haben wir auch den Stoff für die Frontbespannung erneuert – denn die Bespannung gehört bei uns bekanntermaßen zur akustischen Abstimmung.

Ein Paar Harbeth M30.3 XD2 mit Bespannung

Die Bespannungen gehört beim Harbeth zur akustischen Abstimmung – was nicht heißt, das man nicht auch ohne hören darf

fairaudio: Wie schafft man es, einen Lautsprecher immer weiterzuentwickeln?

Alan Shaw: In den letzten Jahren haben wir unsere akustische Testumgebung deutlich modernisiert. Wir arbeiten nun ausschließlich mit 4191-Messmikrofonkapseln der Klasse 1 aus dem Hause Brüel & Kjaer, die praktisch vollkommen linear messen. Ein vielgelobtes „Studio-Mikrofon“ wie das U87 ist meilenweit davon entfernt. Zusätzlich haben wir einen neuen, quasi-schalltoten Messraum gebaut. Dadurch können wir heute sehr viel besser unterscheiden, ob kleine Unregelmäßigkeiten in den Messungen vom Raum, vom Mikrofon oder tatsächlich vom Lautsprecher selbst stammen. Solche Effekte lassen sich nun noch gezielter identifizieren und entweder durch Anpassungen am Treiber oder durch Änderungen an der Frequenzweiche – meist durch beides – beheben. Sie sehen: Kunst ist schön, macht aber auch viel Arbeit.

fairaudio: Danke für das Interview, Mr. Shaw!

Kurz und gut: Das Einzige, was bei der M30.3 XD2 nicht verändert wurde, ist, neben dem Hochtöner, das Gehäuse. Und das ist würdig und recht, denn wer einmal eine Harbeth – egal welcher Größen- und Preisklasse – live gesehen hat, der weiß: Diese Lautsprecher sind auf einem Qualitätslevel gefertigt, das man woanders lange suchen muss. Null Fertigungstoleranzen, nicht vorhandene „Spaltmaße“, was so weit geht, dass man die Frontbespannung eigentlich nur dann beschädigungsfrei entfernen kann, wenn man Magnete an ihrem metallenen Rahmen „pappt“ – obwohl sie nur gesteckt ist. Die Hölzer sind edel, die Terminals bester Güte: Ja, eine Harbeth wirkt ganz generell, als könnte sie die nächsten Jahrzehnte locker wegstecken.

Das Anschlussterminal der Harbeth M30.3 XD2

Made in England: Das Anschlussterminal der Harbeth M30.3 XD2

Nun hat Alan Shaw uns schon eine Menge zum Hintergrund verraten, daher an dieser Stelle nur noch die Basisdaten: Wie bisher auch, bestellt ein 20-cm-Tiefmitteltöner die Frequenzen bis roundabout 3 kHz, danach übernimmt traditionsgemäß ein Ferrofluid-gekühlter 25-mm-Aluminium-Hochtöner aus dem Hause Seas, der nach Harbeth-Vorgaben gefertigt wird. Mit 85 dB/W/m ist die Harbeth M30.3 XD2 nicht gerade wirkungsgradstark, dafür soll sie aber aufgrund der über den gesamten Frequenzbereich recht linearen Impedanz von 6 Ohm insgesamt eine gutmütige Verstärkerlast darstellen.

Harbeth empfiehlt eine Mindestverstärkerleistung von 25 Watt – das ist aber recht vorsichtig gedacht, denn bereits mein Röhrenverstärker Audio Note Cobra mit seinen 27 Watt pro Kanal lässt die Harbeth ganz ausgezeichnet musizieren – und über die 12-Uhr-Stellung des Lautstärkepotis bin ich bei meinen Hörsessions nicht hinausgekommen. Sagte ich „Hörsessions“? Ja, hören wir rein!

Harbeth M30.3 XD2: Hörtest und Vergleiche

Als langjähriger Besitzer des Vorgängermodells M30.2 XD war ich natürlich neugierig: Klingt die „Neue“ jetzt nicht mehr nach Harbeth? Nun, keine Sorge: Die grundsätzliche DNA des Sounds ist erhalten geblieben, hat allerdings an der einen oder anderen Stelle positiv hinzugewonnen.

Zwei Harbeth M30.3 XD2, aufeinander stehend

Evolution statt Revolution: Die neue Harbeth M30.3 XD2 bleibt der Tradition verpflichtet – und klingt dennoch anders als die Vorgängermodelle

Paint it black

Die Tonalität der Harbeth ist weiterhin ausgewogen und natürlich, mit einem kleinen Stich ins „Warme“ und eben nicht ins Klinisch-Kühle. Der Klang baut auf einem saftig-erdigen Grundton, sonoren Mitten, samtiger Stimmwiedergabe und einem luftig-milden Hochton ohne Schärfen auf. Allerdings hat die Harbeth M30.3 XD2 gegenüber ihrer Vorgängerin etwas mehr „Pfeffer im Hintern“, um es mal salopp zu sagen. Das resultiert hauptsächlich aus zwei Dingen: Erstens hat der Tieftonbereich nun in Sachen Tiefgang und Schwärze etwas mehr Autorität als vorher, natürlich ohne den Lautsprecher gleich zur vordergründigen „Boom Box“ zu machen. So gibt es im Track „Pollyanna“ der irischen Post-Punk-Band Just Mustard ein geradezu furchterregendes Intro, wo wilde Samples tieffrequenter Gitarrenfeedbacks zu hören sind. Das hat über die M30.3 XD2 merklich mehr Schwärze, Druck und Energie im Bass als ich es von ihrer Vorgängerin her kenne.

Mellon Collie and the Infinite Sadness Smashing PumpkinsZweitens und ebenfalls neu ist für mich, dass der Bass jetzt mehr Elastizität und Spannkraft besitzt. Gut zu hören ist das bei „Galapogos“ von den Smashing Pumpkins (Album: Mellon Collie and the Infinite Sadness). D’arcy Wretzky spielt bei diesem über weite Strecken eher elegischen Stück als Kontrapunkt einen herrlich profunden Bass, bei dem die Töne lange stehenbleiben und durch den massiven Einsatz von Kompressoren auch fast nicht ausfaden. Erstaunlich, wie die neue Harbeth diese Grundierung durchreichen. Und als die Bassistin im weiteren Verlauf des Tracks hier und da Punktierungen hinzufügt, sind die fast wie tektonische Verschiebungen spürbar. Wer jetzt denkt, dass Alan Shaw einfach eine raffinierte Oberbassbetonung – wie ich sie beispielsweise von einer B&W 705 S3 Signature (4.000 Euro) her kenne – eingebaut hat, der irrt. Der Bassbereich wirkt eben nicht angedickt oder angehoben, aber er hat mehr Schwärze und Kontur als die M30.2. Sehr gut ist das – und vermutlich dem Einfluss des neuen Membranmaterials zu verdanken, am Gehäuse hat sich schließlich nichts getan.

Tränen lügen nicht

Abstract Emotions Randy CrawfordDas Mittenband wiederum können wir an dieser Stelle fast schon überspringen, denn hier ist – wie immer bei Harbeth – alles wunderbar im Lot. Sie alle können es mitbeten, in jedem Harbeth-Testbericht wird es genannt: Die Stimm- und Sprachwiedergabe ist zum Niederknieen schön und detailreich / gut auflösend, was bei einem Lautsprecher mit Rundfunkmonitor-Genen vielleicht auch nicht verwundert. Man muss es wahrscheinlich selbst erlebt haben. Legen Sie die Kitschnummer „Almaz“  von Randy Crawford (Album: Abstract Emotions) auf: Obwohl die Produktion mit reichlich Glanz, Glitzer und Zuckerguss daherkommt, werden Sie spätestens beim Gesangseinsatz von Randy Crawford eine kleine Träne ins Knopfloch rinnen lassen: Das hier ist so klar, so rein, so feinzeichnend und wohlklingend, dass es eine Freude ist. Ist aber nichts Neues, abgehakt.

Dezent detailliert

Interessanter für mich ist der Hochton – unter Einschluss der „Mitten ganz oben“ beziehungsweise des Präsenzbereichs. Hier wirkt es, als hätten die Entwickler den Kunstseide-Vorhang, der den Harbeth-Höhen immer etwas „Gnädig-Verzeihendes“ mitgab, durch echte Seide ersetzt: Die M30.3 spielt obenrum zwar nicht so forsch auf wie die oben erwähnte Kompakte B&W 705 S3 Signature (4.000 Euro), aber sie wirkt trotzdem nochmal etwas transparenter, feinstofflicher, mithin durchlässiger. Ja, vielleicht immer noch nicht auf der gedachten „Normal Null“-Linie, sondern etwas darunter, aber doch näher dran als das Vorgängermodell M30.2 – und eben anders als die B&W, deren gewisser Extraglanz in den Höhen fast schon zur Marken-DNA gehört.

Hochtöner der Harbeth M30.3 XD2

Ab circa 3000 Hertz übernimmt bei der Harbeth M30.3 XD2 ein 25-mm-Aluminium-Hochtöner von Seas

Man hört das gut bei Schlagzeugbecken, aber auch bei obertonreichen Blasinstrumenten: Bei „At Once“ von Beirut zum Beispiel erklingt eine vielstimmige Schar an Blechbläsern, die sich über einen relativ kurzen Zeitraum von einer knappen Minute zu immer wieder neuer Höhe und Intensität aufschaukeln. Das strahlt, das atmet, das lebt – und es wirkt, als würde es direkt im Hörraum stattfinden, ungemein livehaftig und realistisch. Noch dazu zeigt sich hier eine mustergültige Auflösung: Flügelhörner, Trompeten, Posaunen – alle diese Instrumente sind mühelos unterscheidbar, auch wenn sie zugleich erklingen oder sogar dieselben Noten spielen.

Zackig mit Stil

Blicken wir auf die Dynamik. Das Thema Grobdynamik ist normalerweise nicht der zentrale Beritt bei Harbeth. Eine „schnelle, große Pappe“, gerne in Verbindung mit einem Hornkonzept, oder auch die flinken Koax-Chassis aus dem Hause Tannoy oder Fyne Audio – das ist üblicherweise das Material, aus dem Tempo, Wumms und Dynamik geschnitzt werden.

Schallwand der Harbeth M30.3 XD2

Der Bassreflexkanal der Harbeth M30.3 XD2 hat seine Austrittsöffnung auf der Front

Die neue Harbeth M30.3 XD2 ist ebenso wie ihre Vorgängerin keine grobdynamische Wuchtbrumme – aber sie hat, so scheint es mir, ein nicht wegzuhörendes Quantum an Geschwindigkeit dazugewonnen. Ich sage nur: Hüllkurven! Es ist wirklich spannend, wie exakt und flink diese – laut wie leise – nun dargeboten werden.

Thom Yorke The EraserMein privater Prüfstein dafür ist Thom Yorkes Track „Cymbal Rush“. Hier hören wir mit sachtem Aufbau des Spannungsbogens eine Vielzahl perkussiver Elemente, die noch dazu in ganz unterschiedlichen Frequenzbereichen unterwegs sind: Da gibt es zappelige Sequencer-Blobs, die später von piksenden TR-909-Nadelstichen flankiert werden, im weiteren Verlauf findet noch ein echtes Schlagzeug hinzu – und neben diesem polyrhythmisch-nervösen Klangteppich hören wir flirrende Synthies und das Wehklagen von Thom Yorke. Die Harbeth M30.3 schafft es, dass man als Hörer alle rhythmischen Elemente exakt nachverfolgen kann, während zeitgleich das flüssig-emulsive Flirren der Synthesizer als Parallelspur läuft und Yorke mit seiner klaren und zuweilen kehligen Stimme wiederum eine ganz eigene Klangwelt aufbaut. Hinzu kommt noch eines: Für mich heißt Dynamik Lastwechsel – aber eben nicht nur von leise nach laut, sondern auch umgekehrt. Wie ein Lautsprecher das „Abreißen“ einer Klangflut darstellt, gehört für mich untrennbar dazu. Und so ist es auch bei „Cymbal Rush“. Bei Timecode 04‘40“ reißt der Mahlstrom an Synthies und Drums mit einem Mal plötzlich ab. Und dieser Moment erzeugt bei der Harbeth fast einen kleinen Phantomschmerz am Trommelfell, als würde es in die falsche Richtung schwingen. Das ist schon ziemlich cool.

Harbeth M30.3 XD2 aus Vogelperspektive

Trotzdem ist die Harbeth M30.3 XD2 naturgemäß kein Lautsprecher für alle diejenigen, die harte Grobdynamik und/oder Tieftonmassage brauchen. Auf so etwas wurde sie einfach nicht gezüchtet – und da geht für ähnliches Geld (und auch in der Größenklasse) mehr, das ist keine Frage. Eine Fyne Audio Classic VIII SM (4.200 Euro) oder auch eine XTZ Divine Delta (3.990 Euro) können die Bude noch mehr wackeln lassen; dafür kriegt man aber eben nicht diesen wunderbar langzeit-, ja, ewigkeitstauglichen Harbeth-Sound.

Bühne frei

Blicken wir noch auf das Talent als Raumausstatter: Hier zeigt sich die Harbeth M30.3 XD2 im Prinzip sehr ähnlich wie ihre Vorgängerin M30.2, allerdings mit einer kleinen Verbesserung. Geblieben ist ihr Talent, die Bühne glaubhaft und „richtig“ darzustellen und hier eine recht große Bandbreite aufzuzeigen, die sich an dem zu orientieren scheint, was bei der Aufnahme oder der Mischung beabsichtigt war: Sie macht aus Quasi-Mono-Aufnahmen (Frühwerk der Wipers) keine raumfüllende Show. Und sie zieht die Instrumente bei weitläufigen Panoramen („You and your friend“, Dire Straits) auch nicht so weit auseinander wie beispielsweise meine Fyne Audio Classic VIII SM, sondern eher so, wie es sich „normal“ (wenn auch nicht übermäßig beeindruckend) anfühlt.

Die Harbeth M30.3 XD2 von hinten

Schöner Rücken: Die Harbeth M30.3 XD2 von hinten

Aber: Die Harbeth scheint mir jetzt nach hinten raus, in die „Tiefe des Raums“ (Günter Netzer), etwas weiter zu spielen. Wenn man beispielsweise den einen oder anderen immersiven Pink-Floyd-Track abspielt, wo hinter der Musik noch eine Art Film-Soundtrack liegt („Paranoid Eyes“ oder „The Gunner’s Dream“), dann erscheint jener Soundtrack noch weiter hinten, noch traumwandlerischer. Auch Aufnahmen mit viel Raumhall (Orgel in Kathedrale) gewinnen hinzu, weil der Raum subjektiv größer wirkt. Es liegen hier jedoch keine ganz großen Welten zwischen der M30.3 XD2 und ihrer Vorgängerin, vielmehr geht‘s einen kleinen Schritt nach vorne (qualitativ) beziehungsweise nach hinten (räumlich).

Billboard
Dynaudio Contour 20 BE

Test: Harbeth M30.3 XD2 | Kompaktlautsprecher

  1. 1 Radikal Radial?
  2. 2 Harbeth M30.3 XD2: Hörtest und Vergleiche

Das könnte Sie interessieren: