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Ab ins Rack: Klang Gryphon Diablo

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  1. 3 Ab ins Rack: Klang Gryphon Diablo

Gryphon Diablo

Dann wollen wir unser 500-Watt-Vollverstärker-Vieh doch zunächst einmal dahingehend abklopfen, ob es sich schlicht und einfach nur in kraftmeierische Biestigkeit versteigt oder tatsächlich auch die Feinheiten der Musik gelenk herauszuarbeiten versteht. Na ja, Kliniks „Touch“ (Album: Awake, 1996) würden die meisten spontan wohl als eher ungelenk-lärmigen Elektrokrach einstufen, vermute ich mal, strotzt aber insbesondere im Hoch-/Mitteltonbereich nichtsdestotrotz vor subtilen Sequenzerlinien, effektvollen Soundschwebeteilchen und Transienten, die von einer HiFi-Kette erst einmal in gebührlicher Feinheit aufgedröselt werden müssen.

Und ja, nach den ersten Hördurchgängen war ich schließlich schon ein wenig überrascht, dass der Gryphon Diablo das vielschichtige Treiben im Vergleich zu meinerKlinik aus Vorverstärker Funk MTX und Monoendstufen Audionet Amp bestehenden Vor/End-Kombi doch tatsächlich hörbar durchsichtiger gestaltet. Und unterschlägt mein eigentlich doch ebenfalls zu den gut auflösenden Vertretern der Verstärkerzunft zählendes Gespann keinerlei Detail wirklich, so wirken die vielen Feinheiten der Musik über den Dänen dennoch etwas klarer herausgearbeitet, eindeutiger, leichter nachverfolgbar, wenn man beide Verstärkerlösungen direkt gegenüberstellt.

Gryphon Diablo

Gryphon Diablo

XLR- und RCA-Buchsen sitzen fest am Gehäuse, die Lötstellen werden mechanisch komplett entlastet – auch bei teuren Geräten leider nicht immer selbstverständlich

Dass das offenbar ausgeprägte Gespür des Gryphon Diablo fürs Feine nicht bloße Effekthascherei ist, sondern tatsächlich authentizitätsförderlich wirkt, macht beispielsweise die in den oberen Mitten und Höhen angesiedelte metallische Perkussion klar, die mittels des über subtile Klangtexturen unmissverständlich informierenden Gryphon nicht mehr bloß als „irgendein synthetisches Musikelement“ durchgeht, sondern plötzlich so etwas wie ein – nein, ich habe während des Testhörens keine Medikamente zu mir genommen – „Gesicht“ bekommt: Habe ich doch plötzlich, in einer großen Halle befindlich, Schmiedehammer und Amboss vor Augen.
Angestrengt akademisch wirkt unser Proband, das sei betont, bei allem Sinn für Präzision und Auflösung zu keiner Zeit; vielen Hörern dürfte als spontane Einschätzung des grundsätzlichen Charakterzugs wohl vielmehr ein „musikalisch“ über die Lippen kommen:

Auch eher mittelmäßig aufgenommene Musik, wie das im Hochton schon mal hier und da zum Kratzen neigende Album Alarma Man des gleichnamigen Göteburger Math-Rock-Quartetts (für alle, die sichalarma man auch gerne mal in kantig-experimentelle Musik „hineinarbeiten“, eine echte Empfehlung) tönt beispielsweise selbst über den nun wirklich nicht des Hochtonstresses verdächtigen Fonel Emotion einen Tick rauer, belegter, etwas unnatürlicher/technischer als über den Diablo. Becken und Hi-Hat geben sich über unseren Probanden tonal zwar sogar einen Hauch exponierter/frischer, wirken zugleich aber wie feiner poliert, zerstäubt und dadurch weniger grobkörnig – was schlussendlich das ganze Klangbild verdaulicher, eingängiger, weniger eckig und dadurch fließender wirken lässt.

Ja, bei dem, was der Gryphon Diablo an Auflösung, Feindynamik und Luftigkeit abliefert, kommt, um ein kurzes Zwischenfazit zu ziehen, durchaus sowas wie – das Wörtchen „verdaulich“ fiel gerade schon – highfideles „Haute Cuisine“-Feeling auf. Und zur gehobenen Küche lässt sich auch das zählen, was der Gryphon Diablo in Sachen Bühnenabbildung anrichtet:

Vielleicht differenziert er hierbei im Bassbereich, auf den ich später noch einmal genauer zu sprechen komme, etwas weniger akkurat als meine Audionet-Blöcke, ansonsten aber ist es schon erstaunlich, dass gerade in der vermeintlichen Paradedisziplin eines Monoendstufen-Konzepts – eine optimale Kanaltrennung ist ja notwendige Voraussetzung für räumliches stereophones Hören – der Gryphon fast schon ’nen Sternchen mehr auf die Kochmütze verdient.

Gryphon diablo

Wobei ich damit gar nicht sagen will – Räumlichkeit ist ja bisweilen ein schwer fassbares und zu anderen Kriterien schwer abgrenzbares Thema – dass der Däne ein übermäßig präzise gerastertes, „ortungsüberscharfes“ Klangbild abliefert. Klar, die Bühne gibt sich tadellos organisiert, aber das ist zumindest für meine Ohren dennoch nicht das, was den Gryphon besonders macht, sprich nicht das, was man beim Musikhören spontan „erfühlt“ …

Test: Gryphon Diablo | Vollverstärker

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