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Genelec 8380A: Aktivlautsprecher im Test bei fairaudio
HiFi-Test

Test: Genelec 8380A | Aktivlautsprecher

Let's Get Physical

Im Test: Genelec 8380A | Aktivlautsprecher

UVP zum Testzeitpunkt: 20.340 Euro

Web: https://www.audiopro.de/

Na klar: Sind ja nur ein paar Kompakte, die können wir locker in ein einziges Flightcase packen – denkt sich offenbar Audio Pro (https://www.audiopro.de/), der deutsche Genelec-Vertrieb, ungeachtet der Tatsache, dass wir im Fall der 8380A von 54 Kilogramm pro Stück reden. Ich denke mir da was ganz anderes, nachdem der gutgelaunte Spediteur mir noch viel Spaß wünscht und von dannen zieht. Aber gut, man muss es sportlich nehmen.

Die Genelec 8380A im Hörraum mit Flightcase
In der Zielzone: Die Genelec 8380A sind Kompakte der etwas größeren Art – über 80 Zentimeter hoch und 48 breit. Die aktiven Dreiwegler bringen 54 Kilogramm pro Stück auf die Waage

Nachdem die Biester in der Zielzone, sprich dem Wohnzimmer, angekommen sind, zeigt sich, dass „kompakt“ wirklich ein sehr dehnbarer Begriff ist: Mit 81 Zentimetern Höhe könnten die Genelec 8380A fast kleine Standlautsprecher sein, doch nicht zuletzt um den 15-Zöllern etwas Bodenabstand zu gönnen, empfehlen sich Stands. Die die Finnen allerdings nicht im Programm haben, sie verweisen auf Drittanbieter. Meine eigenen Lautsprecherständer sind ein wenig hoch geraten für diese Kaventsmänner, das sieht ein bisschen komisch aus, ich weiß.

Worum geht es hier?

Die neuen, aktiven Dreiwege-Monitore Genelec 8380A stellen die zweitgrößten Boxen im Line-up der Finnen dar – zumindest dann, wenn wir die Sache durch die „HiFi-Brille“ betrachten. Fürs Studio gibt es noch Ausladenderes, so mit nebeneinander angeordneten Riesenbässen, aber das stellt sich daheim wohl kaum einer auf. Das Flaggschiff Genelec 8381A – ein Fünf-Wege-Standlautsprecher der anderen Art, die Finnen hatten ihn zur letztjährigen High End mit dabei – allerdings wohl schon, wenn ich Marcel Schechter, Produktspezialist bei Genelec, richtig verstanden habe. Tatsächlich werde es häufiger im privaten als im professionellen Umfeld gesichtet.

Das Genelec-Flaggschiff 8381A
Ebenfalls imposant: Das Genelec-Flaggschiff 8381A

Zurück zu unserem Probanden. Der schaut ganz anders aus als das Standmodell. Im Grunde wirkt er – wie die schon getestete Genelec 1237A – wie so ein BBC-inspiriertes Dickschiff, das von Spendor oder Harbeth kommen könnte, freilich ohne Furnier, sondern in Matt-Schwarz, wie unser Testmuster, oder Matt-Weiß gehalten. Mit dem richtigen Ständer kann das cool aussehen, tatsächlich ist meiner Frau ein „eigentlich ganz geil“ entschlüpft … Gut, Slimline-Fans kommen weniger auf ihre Kosten, das stimmt.

Die Front der Genelec 8380A vor Regal im Hintergrund
Robust und ehrlich: Der Look der Genelec 8380A hat durchaus seinen (kantigen) Charme, ist aber sicherlich nicht jedermanns Ding

Der glatte Koax

8381A wie 8380A zählen zu Genelecs „The Main Ones“-Linie, denn beide sind „Main Monitors“, sprich Hauptabhören, wie das im allerschönsten Studio-Sprech heißt, und setzen aufs koaxiale Prinzip, wie es die Finnen auch mit der „The Ones“-Serie und deren vier „Alu-Eiern“ verfolgen (von denen wir drei schon im Test hatten, hier, hier und hier).

Was oben bei der Genelec 8380A nämlich wir ein amtliches Hochtonhorn aussieht, ist ein Koaxialchassis im großen Waveguide: mittig die 25-mm-Alukalotte, und dann kommen da so hell- und dunkelgraue Bereiche, bis die eigentliche Schallführung aus Aluminiumguss beginnt. Die hellgrauen Ringe sind die inneren und äußeren Sicken, der dunklere Bereich die Carbonfaser-Membran des 5-Zoll-Mitteltöners.

Das MDC-Koaxialchassis der Genelec 8380A
Glatte Sache: Das MDC-Koaxialchassis der Genelec 8380A

Lässt man den Finger vom Schutzgitter des Tweeters nach außen gleiten, kann man fühlen, was Genelec mit „MDC“, Minimum Diffraction Coaxial, meint: ein völlig glatter Übergang. Insbesondere gibt’s keine gewölbten Sicken wie bei vielen anderen Koaxen, an denen Schall gebeugt oder reflektiert werden könnte, was zu Interferenzerscheinungen und damit schlussendlich zu einem unruhigen Verhalten im Übertragungsbereich führen könnte – der übrigens ab 470 Hertz aufwärts beginnt, mit 2500 Hertz als Crossover-Punkt zur Kalotte hin. Smart gemacht; Genelec will so die Vorteile der koaxialen Bauweise, wie etwa die Punktschallquellen-Charakteristik, mit einem ebenmäßigen Frequenzgang kombinieren. Der Übergang zum „DCW“ – Directivity Control Waveguide – erfolgt wie gesagt fließend, sodass der seine Vorteile, wie die gleichmäßige, ausgewogene Richtcharakteristik und das damit einhergehende linearere Verhalten auf und außerhalb der Hörachse, ohne Kompromisse umsetzen kann. Sagen jedenfalls die Finnen.

Majestätisch

Dass die neu designten, strömungsoptimierten Bassreflexöffnungen auf der Front nicht innerhalb des Waveguide-Bereichs platziert wurden, ist da natürlich kein Zufall: Das dient ebenfalls dazu, klangverfälschende Beugungserscheinungen zu verhindern – nicht zuletzt deshalb hat man von der Schlitzform, wie sie sonst bei Genelec-Monitoren oft zu finden ist, die hier aber der Schallführung des Koaxialtreibers in die Quere käme, auf eine dreieckige Öffnung umgestellt.

Dreieckige Bassreflexöffnung der Genelec 8380A
Die dreieckige Bassreflexöffnung der Genelec 8380A

Den Bassbereich verantwortet ein majestätischer 15-Zöller im 110-Liter-Volumen – er ist mit einer Papiermembran, einem Magnesiumdruckgusskorb und, so Genelec, einem üppig dimensionierten Ferritmagnetsystem ausgestattet. Die gezielte Kontrolle von Wirbelströmen und eine präzise abgestimmte Schwingspule sollen Verzerrungen im Tiefton konsequent reduzieren. Ich habe ja durchaus ein Faible für durchmesserstarke Woofer, was weniger audiophilem Machismo als dem Umstand geschuldet ist, dass ein Mehr an Treiberfläche mit höherer akustischer Impedanz einhergeht, was oft zu einer unmittelbareren Tiefton-Wiedergabe führt. Natürlich kann man auch mit 8-Zöllern Kraft und Tiefe im Untergeschoss erreichen, aber im Vergleich klingt es dann bisweilen doch eher nach Arbeit als nach lässig-souveränem Punch. Doch genug davon, wir sind hier ja noch nicht im Klangteil!

Die Staubschutzkalotte des 15-Zoll-Basstreibers der Genelec 8380A
Den Bassbereich verantwortet bei der Genelec 8380A ein 15-Zoll-Treiber

Gehäuse und Verstärker

Die Koax/Waveguide-Einheit und der Basstreiber stecken in einem soliden MDF-Gehäuse mit fünf Zentimeter starker Front. Um unbotmäßige Resonanzen zu minimieren, setzt Genelec auf gezielte Verstrebungen im Innern sowie auf eine Dämpfung, die stehende Wellen reduzieren, dabei aber die Arbeit des Bassreflexsystems nicht tangieren soll. Das Koaxialsystem besitzt ein eigenes, geschlossenes Untergehäuse und ist somit vorm „Tumult“ des 15ers sicher. So auch die gesamte Elektronik dieses Aktivlautsprechers: Die steckt zwar nicht in einer eigenen Kammer, dafür außerhalb des Lautsprecherkabinetts, nämlich auf dessen Rücken, mittels Gummidämpfern entkoppelt vom Gehäuse.

Die Verstärkereinheit der Genelec 8380A auf der Rückseite des Lautsprechers
Ausgelagert und entkoppelt: Die Elektronik bzw. die Verstärkereinheit der 8380A befindet sich auf der Rückseite des Lautsprechers, das Signal wird über XLR zugespielt – analog oder digital

Der Audiophile mag sich hier über die Minimierung von Mikrofonieerscheinungen freuen, die Finnen denken in erster Linie an etwas anderes: Im Studio werden solche Monitore gerne einmal in die Wand eingebaut, und da dort wenig Luftzirkulation herrscht, könnten die Verstärkereinheiten zu warm werden – deshalb lassen sie sich schnell von ihrer rückseitigen Verankerung lösen, in ein Rack verfrachten und mit entsprechenden Kabel wieder mit den Lautsprechern verbinden. Frontplatten und Winkel für den Rack-Einbau der Elektronik liegen bei. Profis halt.

Apropos Verstärker: Natürlich hat es derer drei pro Kanal, denn wir haben hier ja einen Dreiwege-Aktivling vor uns stehen. Für den Tief- und den Mittelton stellen Class-D-Amps 500 Watt respektive 250 Watt bereit, der Hochtöner wird von einem klassischen Class-AB-Verstärker mit 200 Watt Leistung angetrieben. Ein Stereopärchen kommt mithin auf 1900 Watt, was sich durchaus nach passablem Hubraum anhört. Ein großer Dynamikbereich war ein Ziel bei der Entwicklung der Genelec 8380A, die dauerhaft 115 dB SPL und kurzfristig gar 122 dB SPL raushauen können. Auch schön: Das Rauschlevel bei 1 Meter Entfernung beträgt 0 dB. Leiser geht‘s nicht, was leisen Signalen gefallen sollte.

Die Genelec 8380A in Weiß
Zweite Farbvariante: Die Genelec 8380A ist auch in Weiß zu haben

Angesteuert wird die Genelec 8380A so, wie es im Studio üblich ist: symmetrisch via XLR, analog oder digital. „Analog-Philosophen“ müssen tapfer seiner: Beschickt man die 8380A mit einem entsprechenden Signal, wird erst mal digitalisiert, schließlich geschieht die Frequenzaufteilung und die optionale Raumeinmessung via DSP, und danach geht’s wieder zurück ins Analoge. Wer meint, da bleibe man doch besser gleich in der digitalen Sphäre, sollte sich andererseits nicht vor einer digitalen Lautstärkeregelung fürchten. Die man entweder quellseitig oder, vermittelt über Genelecs GLM-Kästchen, im Lautsprecher selbst vornehmen kann.

Genelec 8380A: Hörtest und Vergleiche

GLM – das steht für Genelec Loudspeaker Management und umfasst besagtes Kästchen (ein Netzwerkadapter), ein Mikrofon, ein paar Kabel und natürlich die Software, die man auf einem Rechner seiner Wahl installieren kann. Möglich wird damit die Einmessung der Lautsprecher auf den Raum und den Hörgeschmack, die wesentlichen Parameter sind der Frequenzgang, Laufzeitdifferenzen und die Pegelbalance.

Screenshot der Genelec-Loudspeaker-Management-Software
Screenshot von der Genelec-Loudspeaker-Management-Software

Das Prozedere wurde in unseren Genelec-Tests nun schon öfter beschrieben und auf der Homepage der Finnen findet man ebenfalls Hinweise, deshalb will ich mich hier kurz fassen. Nur so viel: Nachdem man zwei Sinus-Sweeps hat laufen lassen, berechnet die Software Korrekturfilter, die theoretisch bis 2 kHz hinauf eingreifen, in praxi aber im Wesentlichen bis circa 300 Hertz „bügeln“, sprich die einschlägigen Peaks von Raummoden im Bass begradigen und dann eben noch Pegel- und Laufzeitdifferenzen gerade ziehen. Danach habe ich manuell noch ein wenig eingegriffen, damit aus „messtechnisch-neutral“ (klanglich so lala) „gehört-neutral“ (finde ich gut) werde. Normalerweise pushe ich dafür den Bass um drei Dezibel hoch und die Höhen um drei runter, in diesem Fall bin ich nach längerem Hin und Her bei +2/-2 gelandet. Fertig. Ist kein Hexenwerk und bringt einen wirklich voran. Also fangen wir mal an.

Tonales

Natürlich kann man sich die tonale Gesamtbalance mittels GLM so einstellen, wie man möchte, und banaler Weise wirkt es bei mir neutral, weil ich es halt so justiert habe. Trotzdem noch ein paar Anmerkungen: Neutral ist bei mir nicht „Code“ für schlank. Neutral ist neutral. Namentlich der Bass hat Power und Durchsetzungsvermögen, wenn gefordert – das ist kein Widerspruch, sondern logische Konsequenz von Neutralität bei solch einem potenten Lautsprecher.

Genelec 8380A, rechts angewinkelt

In den Tiefen

Zum Bass noch ein paar Worte mehr: Man wird von dieser Genelec nicht per se überwältigt, wie man ob ihres martialischen Looks annehmen könnte, sondern nur, wenn die Produktion das so vorsieht. Das hier ist ein Studiomonitor, und eingemessen agiert er entsprechend. Trotzdem: Es hat mit der 8380A immer etwas Physisches, wenn eine Bassdrum kickt, eine Orgel spielt, elektronische Bassflächen präsentiert werden – bei aller Neutralität ist das einfach eine andere Qualität als sagen wir mal mit einem Standard-Standlautsprecher mit ein bis zwei Achtern. Es wirkt „weniger theoretisch“, wenn Sie wissen, was ich meine.

Soviet Kitsch Regina SpektorUnd dass es so ist, dass es weniger „wie nachskizziert“ rüberkommt als vielmehr nach dem „echten Stoff“ schmeckt, liegt wohl an zwei Dingen: Zum einen an dieser anderen Art der Raumankopplung, die große Membranen ermöglichen – gerade bei Impulsen scheint sich das bezahlt zu machen. Eines meiner Stück, die ich dafür gerne nehme, ist „Poor little rich boy“ von Regina Spektor (Album: Soviet Kitsch), und das ist nun wirklich mal Hammer, wie „tight“ hier die Kopplung vom prägnanten Schlag mit dem Drumstick auf den Stuhl/Hocker und der einsetzenden „Bassresonanz“ über den Boden erfolgt. Zum anderen darf natürlich nicht vergessen werden, dass hier insgesamt 1000 Watt direkt – da aktiv – an den Woofern hängen und sie auf Kurs halten, egal, was passiert. Der Dämpfungsfaktor Richtung Chassis ist konzeptionell nun einmal höher, wenn die Weiche vor dem Amp liegt.

Nick Cave No More Shall We PartBeides, in Kombination mit der Einmessung, sorgt nun für eine solch kompromisslose Durchzeichnung der tiefen Töne, dass es im tonalen Untergeschoss tatsächlich Neuland zu entdecken gibt, wie mir während des Testzeitraums immer wieder auffällt. So etwa bei Nick Caves „Fifteen Feet of Pure White Snow” (Album: No More Shall We Part), wo ich teils Basslagen wahrnehme, die ich in dieser Klarheit beziehungsweise relativen Lautstärke (zu anderen Bass-Tonhöhen) eben noch nicht vernommen habe. Interessant! Verdeckungseffekte werden hier radikal minimiert, so scheint es mir.

Jetzt habe ich schon den halben Platz verbraucht und bin immer noch beim Bass – und kann trotzdem noch nicht aufhören. Ein Wort zum Tiefgang: Vor die Aufgabe gestellt, ähnliches mit einer Kombination aus Endstufe und Passiv-Lautsprecher fürs gleiche Geld zu erreichen, wird man länger suchen müssen. Mir fällt spontan nicht viel ein. Das heißt wiederum nicht, dass es nicht doch noch tiefer in den Subbereich hinabgehen könnte – mit meinem Setup aus Acapella + Electrocompaniet geht das beispielsweise schon. Muss man halt nur willens sein, das Dreifache auf den Tisch zu legen … Aber halt, es gibt ja auch andere Aktivlautsprecher wie etwa die Abacus Oscara 212, die in der aktuellen Version das gleiche wie die Genelec 8380A kostet, und, wenn man sie denn frei laufen lässt, schon noch etwas tiefer hinablangt. Dafür allerdings nicht ganz so super-abgestuft und trocken-präzise das Geschehen durchzeichnet wie die Genelec, sie spielt ein klein wenig softer, verrundender. Das mit dem Tiefgang ist übrigens kein Wunder: Genelec selbst gibt an, dass der -6-dB-Punkt bei 29 Hertz liegt, man lässt die 8380A bewusst nicht tiefer buddeln. Und ganz ehrlich: Das ist schon verdammt weit unten, kaum einer wird je mehr benötigen, auch Filmtoneffekte kommen richtig massiv rüber.

Zwischenfazit: Wer auf durchsetzungsstarken, sehr unmittelbar-echten und vor allem auf fast schon extrem zu nennende Differenzierung im Tiefton steht, kriegt’s hier vollumfänglich geboten. Auch in Relation zum Geld ist das deutlich mehr als das Übliche. Eine klare Stärke.

Ein Paar der Genelec 8380A in Weiß

Mitten und Höhen – Auflösung und Dynamik

Zur tonalen Mischung von Mitten und Höhen muss ich hier wenig sagen – „gehörmäßig neutral“ will ich es nennen, was ich eingestellt habe. Kein Vorschmecken oder Mildern im Präsenzbereich oder Grundton, nach oben heraus linear, auch im Superhochtonbereich. Das ist der Vorteil von einmessbaren Aktivlingen: Man kann sie abstimmen, wie es einem gefällt. Bei Passivlautsprechern ist man meist auf den jeweiligen Charakter festgelegt und muss ihn mögen oder damit „arbeiten“.

Doch ob nun neutral oder einen Ticken wärmer oder heller, das scheint mir eh nicht das Wesentliche bei der Genelec 8380A zu sein. Was Mitten wie Höhen auszeichnet, sind vielmehr hohes Auflösungsvermögen und vor allem diese tolle Dynamik, die ich für die zentrale Stärke neben dem mustergültig durchgezeichneten Bassbereich halte.

Griet de Geyter Il Gardellino Stille KlagenNachzuerleben ist das etwa bei der Stimmdynamik, die keine Grenzen zu kennen scheint. Auch wenn man schon sehr laut hört, man hat immer genug Headroom – egal ob nun mit St. Vincent bei „Masseduction (piano version)“ oder der belgischen Sopranistin Griet De Geyter (Album: Stille Klagen). Tatsächlich hat das fast etwas Hornmäßiges, so nachdrücklich wie es rüberkommt; auch die leiseren, feineren Stimm-Modulationen wie die von Joe Newman bei „Tessellate“ (Alt-J/An Awesome Wave) werden sehr überzeugend nachgezeichnet. Man ist als Hörer wirklich „nah dran“.

Wo solches gelingt, ist meist auch das Auflösungsvermögen beachtenswert hoch. Auflösung ist freilich der umfassendere Begriff und meint mehr als nur das Vermögen, Lautstärkedifferenzen akkurat wiederzugeben. Die Genelec 8380A ist hier weit vorne mit dabei, sie klingt absolut verzerrungsminimal, ja, rein – und deshalb lässt sie auch spektral „die Wahrheit“ durch, oder weniger verklausuliert formuliert: Klangfarben und Texturen von Instrumenten klingen authentisch, nicht nachkoloriert, nicht ausgedünnt, sondern – hier sind wir wieder – wie „der echte Stoff“. Einfach mal ein gut eingefangenes Piano oder Cello anhören. Es ist beeindruckend.

Gleichwohl scheint mir das heutzutage auch nicht sooo ungewöhnlich für einen Aktiv-Lautsprecher dieser Liga zu sein. Die ebenfalls aktive Lyravox Karlotta (seinerzeit ab 26.800 Euro) ist in der Hinsicht bestimmt nicht schlechter – und zumindest im (Super-)Hochtonbereich kitzelt der sehr große AMT besagter Abacus Oscara eher noch ein wenig mehr heraus. Insofern sortiert sich die Genelec in Sachen Detailversessenheit sauber in ihre High-End-Klasse ein.

Genelec 8380A in Schwarz, frontal und angewinkelt
Großer Waveguide, 15-Zöller, knapp 2000 Watt Leistung – die 8380A weiß vor allem auch dynamisch zu gefallen

Was aber anders ist als mit der Abacus oder Lyravox ist ihr dynamischer Drive: Nicht dass der der Mitbewerber schlecht wäre, doch die Genelec geht schon noch einmal anders zur Sache. Sei‘s grob, sei‘s fein, sei‘s laut oder leise, im Bass, in den Höhen oder im weiten Feld dazwischen – die 8380A liefert kompromisslos ab. Wie gesagt, das hat ein bisschen was Hornmäßiges mit ihr. Und obendrauf gibt’s dann noch Auflösung, Verzerrungsarmut, diesen superdifferenzierter Power-Bass – plus eine Pegelfestigkeit, die einem Club gut zu Gesicht stünde. Wahrlich keine schlechte Mischung.

Bühne

Und was macht die Genelec 8380A in räumlicher Hinsicht? Nun, was ein „Weltmarktführer für Studio-Monitore“ (Eigenbezeichnung) halt so macht: Die Aufnahmesituation durchlassen. Gerade bei Jazz- und Klassik-Aufnahmen passiert es einem mit der 8380A regelmäßig, dass nicht nur die Musik zu hören ist, sondern auch der Raum, in dem sie eingefangen wurde. Klar, irgendwie geschieht das wohl immer, die Frage ist halt, wie deutlich dieses „Raum-Feeling“ rüberkommt. Mit dieser Genelec: sehr deutlich. Wahrscheinlich spielt ihr hier das quasi nicht vorhandene Rauschlevel in die Karten, der akustische Hintergrund gerät jedenfalls tiefschwarz, davor können sich allerleiseste Signalanteile – wie Raumhall und das spezifische Verklingen der Instrumente im jeweiligen Raum – einfach klar abheben. Das ist die eine Sache, die ich an der Bühnen-Darstellung der 8380A schätze.

Genelec-Schriftzug auf der 8380A

Die andere: Das Klangbild löst sich von den Lautsprechern und es traut sich durchaus mal nach vorne. Nein, nicht gleich pushy und frontal, dafür ist die Genelec zu sehr Monitor. Aber wer denkt, das Studio-Lautsprecher nur bieder-brav auf der Grundlinie verbleiben, damit man sich das als unbeteiligter Tonmeister in aller Ruhe angucken kann, der sollte sich mal eine Hörsession mit dieser 8380A gönnen. Und es ist nicht so, dass sie nur zentral gemischte Stimmen nach vorne zöge, sie kann die gesamte Bühne einen Schritt vor die Stereobasis stellen, wenn die Aufnahme das verlangt. Angenehm involvierend ist das.

Was die Aufnahme ebenfalls vorgibt, sind die Bühnendimensionen. Es kann sehr üppig werden, es geht aber auch kompakt. „One size fits all“, ist gerade nicht das Motto der Finnen. Tatsächlich hätte ich angesichts der Größe dieses Lautsprechers vermutet, dass manche Orchesterwerke noch ausladender präsentiert werden, aber dazu ist die 8380A wohl zu sehr der Studiolehre verpflichtet: „Groß? Gerne doch, aber wir wollen ja nicht auf Kosten der Wahrheit übertreiben!“ Das klingt schon eher nach ihrem Motto. Und es steht in keinem Widerspruch dazu, dass sie mit entsprechendem Programm und Pegel den Raum regelrecht fluten kann. Ab und zu steht Ihnen der Sinn nach einem musikalischen Vollbad in der heimischen High-End-Disco? Geht! Und zwar sowas von easy, dass einem die Spucke wegbleibt. Doch die Genelec pumpt nicht per se gleich alles auf.

Detail von der verschraubten Mittel-/Hochton-Einheit der Genelec 8380A

Auch einzelne Stimmen und Instrumente nicht, die vielmehr realistisch dimensioniert und präzise eingefasst auf die Bühne gestellt werden. Das erinnert mich wieder an die Genelec 1237A, die ähnlich akkurat und plastisch, aber auch nicht so „holographisch“ wie die Aluminium-Speaker der Finnen, die ein wenig nach rundgelutschtem Bonbon aussehen, vorgeht. Dito die 8380A. Klar – wie randscharf man einzelne Klänge präsentiert bekommen möchte, ist letztlich ebenfalls Geschmackssache. Doch manch einem ist „Hyperrealismus“ (sprich eine extrem akkurate Randeinfassung der Klänge) auf die Dauer nicht geheuer, da oft etwas Artifizielles mitschwingt. In diese Gefahr läuft man mit der 8380A bei aller vorhandenen Präzision nicht, sie wirkt nicht scharfkantig, sondern eher organisch-natürlich.

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