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Norddeutsche HiFi-Tage

Vorstufe Gamut D3i und Endverstärker D200i: Bedienrelevantes

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Vorstufe Gamut D3i und Endverstärker D200i: Bedienrelevantes

Klopfen wir beide Geräte – bevor wir uns weiter unten einigen technischen Besonderheiten im Detail zuwenden – zunächst einfach mal grob ab:

In Sachen Anschlussvielfalt geht es beim Vorverstärker prinzipiell anstandslos großzügig zu: Fünf Hochpegel-Eingänge weist der D3i auf, wovon einer – mit „CD“ deklariert – symmetrisch beziehungsweise als XLR-Schnittstelle ausgeführt ist.

Gamut D3i Anschlüsse

Fünf Hochpegel-Eingänge? Ja, auch der mit MM/MC beziehungsweise im Display mit RIAA beschriftete Eingang ist standardmäßig als Hochpegeleingang beschaltet. Und falls sich jemand beim Betrachten des Innenlebens des D3i wundern sollte: Das interne Mäuseklavier ist zunächst einmal ohne Funktion und kommt erst ins Spiel, sobald ein optionales Phonoteil lieferbar wird:

Gamut D3i

Der HTH-Eingang (Home-Theatre) ist mit einer Direct-Funktion ausgestattet, sprich kann in Kombination mit einem kleinen Schalter auf der Rückseite – mit welchem sich bei entsprechender Betätigung die Lautstärkeregelung umgehen lässt – zum Anschluss eines Surround-Vorverstärkers oder -Prozessors benutzt werden.

gamut

Eine solche Bypass-Funktion bietet zudem der erwähnte XLR- beziehungsweise CD-Eingang: Das Aktivieren dieser Funktion kann klanglich vorteilhaft sein – Gamut spricht vom „reinsten und kürzest möglichen Signalpfad“ -, wenn man einen regelbaren CD-Spieler (wie zum Beispiel meinen Fonel Simplicité) gamut d3isein Eigen nennt: Auch hier befindet sich ein kleiner Knebelschalter auf der Geräterückseite, zudem hat es vorne, unterhalb des Displays ein mit „Bypass“ tituliertes Knöpfchen. Und nur, wenn an beiden Stellen scharf geschaltet wird, wird die Lautstärkeregelung tatsächlich umgangen – quasi eine „Zweihandschaltung“, die Unfälle vermeiden soll: Meine Ohren erinnern sich noch mit Schrecken an den Lärm, der in meinem Hörraum beim Test des NAD M2 Amps losbrach, als ich bei laufendem vollausgesteuerten CD-Player mir nichts dir nichts die „fixed“ -Funktion aktivierte (siehe Test NAD M2).

Gamut D3i

Ausgangseitig lässt sich der D3i wahlweise via RCA oder – gleich doppelt ausgeführt – per XLR verbandeln. Ein Tape-Out hat’s zudem. Für alle, die generell zu faul sind, Bedienungsanleitungen zu lesen und gleich ohne groß Federlesens beginnen, hektisch an den beiden großen frontseitigen Drehreglern zu hantieren (der linke ist für die Eingangswahl, der rechte für den Pegel), aber das „verdammte Ding“ dennoch nicht eingeschaltet bekommen: Der harte Netzschalter befindet sich vorne rechts an der Geräteunterseite.

Gamut D3i

Auch die D200i Endstufe lässt sowohl Cinch- als auch XLR-Stecker an sich ran, zu schalten gibt es dagegen – bis auf den Netzschalter vorne am Gerät – nichts. Eine bedienrelevante Besonderheit gibt es allerdings mit Blick auf die Lautsprecheranschlüsse zu verzeichnen.

Die insgesamt acht Klemmen auf der Rückseites der D200i werden wohl zunächst einmal Bi-Wiring Freunde erfreuen:

Gamut D200i AnschlüsseBei den Lautsprecherklemmen wird zwischen Direct- und Normal-Anschluss unterschieden

Allerdings sind die äußeren und inneren Klemmen unterschiedlich beschaltet:

In der Regel setzt man Verstärkern Induktivitäten beziehungsweise Spulen vor die Ausgänge, um sie vor stark kapazitiv wirkenden Lautsprechern (zum Beispiel manche Elektrostaten) oder/und Kabeln zu schützen. Wobei es aber durchaus klangliche Vorteile haben kann, verzichtet man auf diese nur im Eventualfall tatsächlich greifende Sicherheitsmaßnahme, die dem empfindlichen Signal in der Regel lediglich ein unnötiges Hindernis entgegenstellt.

Gamut D200i

Die ausschließlich dem Normal-Ausgang vorgeschaltete Spule

Und ja, mir persönlich gefiel im Single-Wiring Betrieb in den oberen Frequenzlagen die etwas offenere, transparente Gangart der äußeren, ohne vorgeschaltete Spule auskommenden Direct-Ausgänge ein wenig besser.

Gamut D200i Normal Direct AusgängeIm Normalfall – und dies habe ich während aller weiteren Hörrunden auch so gemacht – empfiehlt Gamut folglich die Direct-Buchsen für den Single-Wire-Betrieb respektive für die Ansteuerung der Hochtonzweige beim Bi-Wiring-Anschluss. Und wenn bei Ihnen aufgrund spezieller Kabelage oder Schallwandlung doch Sorgen um das dauerhafte Wohlbefinden der Gamut-Endstufe aufkommen sollten: Fragen Sie im Zweifelsfall einfach Ihren Händler.

Gamut Endstufe In Sachen Spaltmaße und bündigen Verbaus der Kühlrippen mag sich manch ein Hörer bei der Endstufe vielleicht ein wenig mehr Penibilität wünschen


Vorverstärker Gamut D3i und Endstufe D200i:
Unter der Haube

Gamut D200i

Recht zünftige zweimal 240 Watt an 8 Ohm deklariert Gamut für seine in Doppelmono gehaltene D200i. Grundlage für so viel Schmackes sind – klar, neben einer entsprechend ausgelegten Energieversorgung – recht „muskulöse“ Ausgangstransistoren:

Denn davon hat es in der D200er lediglich einen pro Halbwelle, insgesamt also vier – Gamut spricht hierbei etwas missverständlich von einem „Single MOSFET“- Design, was aber nichts mit einem „echten“ Single-Ended-Konzept (siehe dazu unser Lexikon) zu tun hat, sondern schlicht das Minimalprinzip einer Push-Pull-Schaltung darstellt: Je weniger von den immer mit ein wenig Toleranz behafteten, somit nie in völligem Einklang arbeitenden Transistoren zum Einsatz gelangen, desto weniger Verzerrungen sind zu befürchten, so die üblicherweise zu hörende Grundüberlegung hierzu (siehe dazu zum Beispiel auch Test Denon PMA-2010AE)

Gamut D200i Transistor

Einer der vier Ausgangs-MOSFETS

Will man auf Basis eines solchen Konzepts, sprich mittels eines nur kleinen Halbleiter-Teams dennoch für genügend „Saft“ am Ausgang sorgen, braucht’s eben jeweils etwas kräftigere Mitstreiter: Dauerhafte 100 Ampere und in der Spitze bis 300 Ampere soll jeder dieser von Motorola stammenden, ursprünglich für den Einsatz in Schweißgeräten konzipierten MOSFETS stemmen können. Was in praxi – zumindest, wenn wir den Baustelleneinsatz mal außer Acht lassen – aber nie der Fall sein wird: Die Stromlieferfähigkeit der D200i ist – den üblichen Limitierungen der Energieversorgung insgesamt geschuldet – in der Spitze auf immer noch ganz ordentliche 47 Ampere begrenzt. Laut Gamut können auch fiesere, bis 1,5 Ohm hinunterreichende Lautsprecherlasten problemlos gehändelt werden, danach setzt sicherheitshalber die Schutzschaltung ein.

Die Vorstufe D3i kommt ebenfalls in Doppelmono einschließlich kanalgetrennter Trafo-Unterstützung daher. Neben einer akkuraten Energieversorgung legt Lars Goller, Chef und Entwickler bei Gamut, insbesondere auf die Qualität der Output-Buffer wert:

Gamut D200i

Die Hauptaufgabe solcher Buffer liegt darin, mittels Impedanz-Transformation sicherzustellen, dass zum einen die Verstärkerschaltung möglichst isoliert, also unabhängig von der ihr anhängigen Komponente arbeiten kann und zum anderen auch kabelseitig über größere Längen hinweg möglichst wenig Verzerrungen/Qualitätseinbußen zu befürchten sind. Die in der D3i verwendeten Buffer seien, so Lars Goller, das Ergebnis langwährender Hör- und Messversuche – die Vorstufe soll sich universell, das heißt mit den verschiedensten Kabeln, Endstufen oder Aktivlautsprechern vertragen und sei nicht nur für den Einsatz mit hauseigenen Komponenten optimiert worden.

Gamut

Abschließend noch ein paar Wort zum bisweilen ja recht heftig diskutierten Thema „Sinn und Unsinn symmetrischer Signalführung“. Dass man dieses Thema offensichtlich auch in Dänemark kontrovers behandelt, wird nicht zuletztThomas Sillesen deutlich, erinnert man sich an einen erst vor kurzem erschienenen Densen-Bericht (Test Densen B-130 und Densen B-420): Densens Mastermind Thomas Sillesen gehört zum Lager der Entwickler, die die symmetrische Signalführung als „klanglich nachteilig“ einstufen – es sei „ein Problem, dass das hierfür notwendige invertierte Signal eben nie perfekt invertiert sei“, was letztlich nichts weiter als einen zusätzlichen Störeinfluss darstelle.

Dagegen ist Lars Goller überzeugt, dass „der Fehler zwischen den gegensätzlichen Signalen im Vergleich zu den Störeinflüssen, die dem Signal auf dem Weg zwischen den Komponenten drohen, extrem winzig ist.“Lars Goller Obwohl die Gamut Komponenten dabei nicht mal ein vollsymmetrisches Schaltungsdesign (lediglich die Kanäle der Eingangsstufen sind jeweils zweifach aufgebaut) aufweisen, schwört Lars Goller also zumindest auf eine symmetrische Signalführung zwischen den einzelnen Geräten. Ein typisches Vorgehen bei häufig über lange Kabelstrecken verbundenen Studiogeräten – passend dazu waren die ersten Gamut-Amps (die bereits in den frühen 80er Jahren das Licht der Welt erblickten) auch tatsächlich Entwicklungen für den professionellen Bereich.

XLR vs. RCA/Cinch

Test: Gamut D3i und D200i | Vor-End-Kombi

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