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Test: Furutech Evolution II | Kabel

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Test: Furutech Evolution II | Kabel

Frank Hakopians / Mai 2016

„Hey, es ist doch okay, wenn du noch mal ein paar Kabel zum Testen bekommst? Sind übrigens schon unterwegs zu dir …“ So ähnlich verlief die Vorbesprechung zu diesem Bericht. Logisch, wahrscheinlich haben die lieben Kollegen mitbekommen, dass ich daran denke, meine nicht mehr ganz taufrischen Magnankabel in absehbarer Zeit zu ersetzen und sind jetzt der Meinung, dass hier ein wenig mehr „Feldforschung“ nicht schaden könne.

Na herzlichen Dank auch. Erst drücken sie einem die exzellenten, aber nicht eben billigen Tellurium Black Diamond-Kabel in die Hand, deren Erwerb leider in direkte Konkurrenz zur Buchung des anstehenden familiären Skiurlaubs geriet.

Nun steht mir also ein kompletter Satz aus der Kabelserie Evolution II des japanischen Herstellers Furutech (deutscher Vertrieb: www.padis-furutech.de) ins Haus. Die Netz-, NF- und Lautsprecherkabel der Japaner befanden sich bisher eher nicht auf meiner Agenda. Vielleicht aus unbewusster Sorge, das Image des in meinen Augen überaus korrekten, aber auch ein wenig steif auftretenden Produzenten könne sich womöglich am Ende durch mangelnde Spielfreude bemerkbar machen. Ein typisches Aus-dem-Bauch-heraus-Vorurteil, das jetzt darauf wartet, überprüft zu werden.

Immerhin machen die Jungs bei Furutech im Gegensatz zu manchen Konkurrenten kein großes Geheimnis um den Aufbau ihrer Kabel, der sich letztlich nicht sonderlich komplex gestaltet. Allerdings liegt die Herausforderung wohl auch mehr in der hohen Präzision der Fertigung und der hervorragenden Güte des Materials. Beim Evolution Power II und dem Evolution Speaker II kommt als Leitermaterial ein extrem sauerstoffarmes Kupfer der Güteklasse OFC zur Anwendung. Richtig edel geht es dann bei den Evolution-NF-Kabeln zu. Die verfügen über Leiter aus hochreinem PCOCC, einem Kupfer, welches mit 99,9998 % nahezu sauerstofffrei ist. Aber das wirklich Besondere an diesem Leitermaterial ist, dass das Kupfer nach einer Methode des japanischen Metallurgen Dr. Atsumi Ohno vom CHIBA Institute of Technology in Japan in eine quasi monokristalline Form gebracht wird und sich elektrisch wie ein einziges Kupferkristall verhalten soll. Durch diese Behandlung sollen sich die Übergangswiderstände zwischen einzelnen Kupferkristallen signifikant verringern.

Furutech Evolution II
Familienbild: Furutech Evolution II

Die Furutechs sind Litzenkabel. In einem aufwändigen Arbeitsprozess werden dafür massive Kupferdrähte von etwa vier Millimeter Dicke mittels eines sogenannten Ziehsteins zu dünnen Einzeladern mit einem Durchmesser von nur noch 0,1 – 0,2 mm gelängt. Anschließend erhalten die jetzt dünnen Drähtchen im Tauchbad eine isolierende Lackschicht. Danach werden sie maschinell verseilt. Die entstanden Litzen bekommen nun einen Mantel, der nach Art der vorgesehenen Verwendung aus Polyethylen oder Polypropylen bestehen kann. Bei den NF-Kabeln folgt noch ein Schirm aus Kupfergeflecht, der beim Lautsprecherkabel entbehrlich ist. Anschließend werden die Kabel straff in grünes PVC gehüllt und so mechanisch stabilisiert. Den Schutz vor äußeren Einwirkungen gewährleistet schließlich ein robuster Geflechtschlauch aus Nylon.

NF- und Lautsprecherkabel sind jeweils zweiadrig ausgeführt, während das symmetrische NF-Kabel natürlich über drei Leiter verfügt. Die Zahl der Einzeldrähte pro Litzenleitung variiert dabei zwischen 80 beim NF- und 120 für das Lautsprecherkabel. Laut Furutech gelingt es so, die Kapazität und Induktivität der Kabel ungewöhnlich niedrig zu halten, was unter anderem eine größere Bandbreite bei der Übertragung der Audiosignale ermögliche.

Furutech Evolution II Cinchkabel
Das Cinchkabel Furutech Evolution II

In der Firmenhierarchie stellen die Furutech Evolution II den Einstieg in die fertig konfektionierten Kabelserien des Herstellers dar, zwar oberhalb der günstigeren Rollenware, aber doch ein ganzes Stück unter den finanziell recht anspruchsvollen Topleitern der Serien Reference III und Flux.

120 Zentimeter eines NF-Kabels mit Cinchsteckern schlagen beim Evolution II mit 849 Euro zu Buche, während die symmetrische Variante den Einsatz von 949 Euro erfordert. Das Netzkabel Evolution Power II mit der stattlichen Länge von 180 Zentimetern kommt für 799 Euro ins Haus. Geradezu verlockend günstig erscheinen da die zwei mal drei Meter des Lautsprecherkabels, welche bereits für 998 Euro zu bekommen sind.

Furutech Evolution II Phonokabel
Das Phonokabel AG-12 von Furutech

Mit dem Phonokabel AG-12 hat mir Padis-Chef Ralf Koenen, der den deutschen Furutech-Vertrieb verantwortet, ein richtiges Kuckuksei ins Nest gelegt. Es entstammt nicht wirklich der Evolution II-Familie, die nämlich ein ausgewiesenes Phonokabel vermissen lässt. Das AG-12 ist mit 549 Euro zwar ein ganzes Stück preiswerter als das normale NF-Kabel, muss dafür allerdings auch mit einer geringeren Anzahl an Kupferlitzen auskommen. Doch sollte das wegen der erhöhten Flexibilität bei den grundsätzlich für Mikrofonie anfälligeren Phonokabeln klanglich nicht unbedingt von Nachteil sein. Die Tatsache, dass Furutech für sein günstiges Phonokabel versilbertes OFC-Kupfer nutzt, statt des OCC-Kupfers, könnte sich da schon eher bemerkbar machen.

Eine erste nähere Inspektion zeigt, dass alle Furutech-Strippen sauber und penibel mit schwarzen, im Fall des Evolution Power II mit dunkelblauen Geflechtschläuchen aus Kunststoff überzogen sind, so dass von Seiten der mechanischen Belastbarkeit auch langfristig keine Probleme ins Haus stehen dürften. Einen erwähnenswerten Punkt stellen die Stecker dar, denn diese stammen durchweg aus dem hochgelegenen Furutech-Regal.

Furutech Evolution II Netzkabel
Das Netzkabel Furutech Evolution II

Allein die beim Lautsprecherkabel eingesetzten verriegelbaren Bananenstecker kosten im Handel 20 Euro pro Stück. Ein Luxus, den sich der japanische Hersteller wahrscheinlich nur deshalb leisten kann, weil er den direkten Zugriff auf diese Produkte hat und keinerlei zusätzliche Handelsspannen die Kalkulation verderben.

Das ist noch nicht alles, denn dem Speaker-Kabel spendiert Furutech auch noch höchst dekorative, aus massivem Aluminium gefertigte Verkleidungen, aus denen an den Enden des Kabels die jeweiligen Zuleitungen für die Lautsprecherterminals herausgeführt werden.

Furutech Evolution II Lautsprecherkabel
Kabelführung aus Aluminium am Evolution-II-Lautsprecherkabel

Natürlich bemisst sich der eigentliche Wert eines Signalleiters am Klang und nicht unbedingt am Materialwert, aber ich habe rein gar nichts dagegen einzuwenden, wenn man einem Kabeln seinen 1.000 Euro Einstandspreis wenigstens ein bisschen ansehen kann.

Bezüglich des Qualitätseindrucks lassen sich auch bei den übrigen Kabeln keine Einschränkungen verzeichnen. Bereits das AG-12 wartet mit Alugehäusen an den Aufteilungsstellen des Kabels und sehr ordentlichen, rhodinierten Cinchsteckern auf. Bei Bedarf hat Furutech das AG-12 auch mit exzellenten Fünfpol-DIN-Anschlüssen im Programm. Offensichtlich markiert es lediglich preistechnisch den Benjamin unter den Probanden, denen es qualitativ – nicht nur auf den ersten Blick – kaum nachzustehen scheint.

Furutech Evolution II lautsprecher-Bananas
Bananenstecker am Furutech-Evolution-II-Lautsprecherkabel

Doch bevor wir ob des erfreulichen ersten Eindrucks die imaginären Sektkorken jetzt allzu laut knallen lassen, wäre da noch die klitzekleine Frage zu klären, ob die Pretiosen von den japanischen Inseln auch klanglich einlösen können, was die schönen Hüllen zu versprechen scheinen.

Test: Furutech Evolution II | Kabel

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