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Genug der Vorrede: Klang Fonel Royal

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Genug der Vorrede: Klang Fonel Royal

Genug der Vorrede, wenden wir uns wieder dem eigentlichen Gegenstand dieses Artikels zu. Klangbeschreibungen fangen bei mir üblicherweise mit der Stimmwiedergabe an. Das liegt einerseits daran, dass dieser Bereich der für mich wichtigste ist. Ohne eine ansprechende Wiedergabe von Stimmen kann eine Audio-Komponente noch so große andere Meriten haben, für mich wäre sie nicht geeignet. Ein bisschen liegt es auch daran, dass ein gewisser Teil der Hörzeit bei mir mit Programmmaterial gefüllt wird, das ich mir nicht selber aussuchen darf. Da zu unserem Haushalt ein kleines Kind gehört, wurden die Fonel Royals auch zur Wiedergabe von Kinder-CDs und Kinder-Hörbüchern verwandt. Auch bei diesem Material kann man glücklicherweise eine Menge über die Klangeigenschaften von Audio-Komponenten lernen (für Kenner: Bobo Siebenschläfer und Rita das Raubschaf – gelesen von der wunderbaren Mechthild Großmann, einem breiten Publikum als Staatsanwältin aus den Münster-Tatorten bekannt – waren in den rund acht Wochen, die die Fonels in meiner Kette liefen, die meist angesagten CDs).

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Was auch beim Hören von Kinder-CDs über die Fonel Royal sofort auffällt, sind große Stärken in den Bereichen Auflösung, Sprachverständlichkeit, Klangfarben und Transparenz. Ich empfinde Sprachwiedergabe als einen wunderbaren Test für die Auflösung, die eine Audio-Komponente zu liefern in der Lage ist. Sprache ist das, was die meisten von uns am häufigsten hören und worauf unser Gehör durch die Evolution besonders ausgelegt ist. Im Bereich der menschlichen Sprache ist unser Gehör am empfindlichsten und differenziert am genauesten. Was die Fonels hier leisten, ist schlicht und einfach großartig. Konsonanten, auch die schwierigen Guttural- und S-Laute, werden mit einer Differenzierung und Verständlichkeit wiedergegeben, die ich noch von keinem transistorisierten Verstärker, wenn ich die Fonels wegen ihrer Ausgangsstufe mal zu dieser Kategorie zählen darf, in den letzten Jahren gehört habe. Wow.

Einstürzende NeubautenDas gilt natürlich nicht nur bei Hörbüchern. Blixa Bargelds Gesang auf dem Stück „Nagorny Karabach“, von der 2007er LP Alles wieder offen der Einstürzenden Neubauten, zeigt eine beeindruckende Eindringlichkeit. Mein Verhältnis zu Herrn Bargelds Texten ist durchaus gespalten. Der Grat zwischen poetischem Anspruch und prätentiösem Geschwurbel ist ein schmaler. Über die Fonels fällt es ihm ein wenig leichter, auf der richtigen Seite dieses Grates zu bleiben. Im direkten Vergleich klingt Bargelds Stimme edda moser mozartüber meinen Bryston 4B SST etwas topfig, über die Fonels wie von einer Lage Verfärbungen befreit. Bargeld singt mit weiter geöffnetem Mund und mit mehr Inbrunst und Enthusiasmus. Auch Opernaufnahmen, zum Beispiel Edda Mosers Interpretation der Arie der Königin der Nacht (Mozart, Zauberflöte, Sawallisch/Chor und Orchester der Bayerischen Staatsoper München), werden mit begeisternder Eindringlichkeit, Verständlichkeit und einer mit Worten schwer zu beschreibenden Leichtigkeit wiedergegeben. Sehr beeindruckende Vorstellung der Fonels.

Auflösung, Transparenz, Durchzeichnung – das bieten die Fonel Royal auch in Bass und Höhen. In den höchsten Lagen sind sie weniger enthusiastisch abgestimmt als der mir bekannte Durchschnitt der Verstärker; von einer Zurückhaltung in den Höhen zu sprechen, wäre aber schon zuviel.

Meine JBL-Monitore bieten die Möglichkeit, die Höhen um 1 dB abzusenken. Das hat mir in meinem Hörraum bei den meisten anderen Verstärkern, zum Beispiel auch meinem Bryston 4B SST, besser gefallen als die neutrale Stellung. Die Fonel Royal klangen mit der 1-dB-Absenkung jedoch minimal gedeckt. In der Neutral-Stellung klangen dexter gordonsie etwas frischer und glanzvoller. Auch der Hochtonbereich ist außergewöhnlich sauber, substanzreich und klar durchgezeichnet. Wo und mit welchem Material Billy Higgins ein Becken auf dem Stück „Call Sheet Blues“ anschlägt (LP: The Other Side of Round Midnight, ein Begleitalbum zum Soundtrack des Bertrand-Tavernier-Films Round Midnight – u.a. mit Dexter Gordon, Tony Williams, Wayne Shorter, Herbie Hancock, Ray Brown), machen die Fonels so deutlich, wie ich das ganz, ganz selten gehört habe. Die Hochtonwiedergabe war die mit Abstand beste, die meine JBLs bisher abgegeben haben. Die Fonels machten deutlich, dass Effekte, die ich bislang als Limitierungen der Lautsprecher gesehen hatte, in Wirklichkeit den Verstärkern anzulasten waren.

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Auch am anderen Ende des Frequenzspektrums, bei Ron Carters Bass, um beim gerade erwähnten Jazzstück zu bleiben, zeigten die Fonels eine wirklich außergewöhnliche Klarheit. Anschlaggeräusche, das Nachschwingen einzelner Saiten, Begleit-Gebrummel der Musiker, das habe ich selten so deutlich gehört wie über die Fonels. Die Tonhöhe war jederzeit exakt definiert. Über die Bryston wirkt diese Basslinie tonal prominenter. Nach der Erfahrung mit anderen Verstärkern würde ich sagen, dass die Bryston gegenüber dem Durchschnitt eine Schippe an Bass drauflegt, die Fonels dagegen einen Tick zurückhaltender abgestimmt sind. Tonal gesehen, ist dies keine Frage von richtig oder falsch, sondern eine des persönlichen Geschmacks und der Kombination mit den Lautsprechern. Die Fonels dürften an Lautsprechern mit einem jedenfalls nicht anämischen Bass entwickelt worden sein.

Test: Fonel Royal | Endstufe

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