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Über Technik und Energie: Fonel Royal

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Über Technik und Energie: Fonel Royal

fonel royal

Die Fonel Monoblöcke sind Hybridkonstruktionen; die Eingangsverstärkung findet mit einer Röhre statt, die Ausgangsstufe verwendet hingegen je zwei Paar gematchter Transistoren. Der Trafo ist mit 160 VA deklariert.

fonel royal innen

Auf der Rückseite jedes Monoblocks finden sich eine Kaltgerätebuchse mit einem „harten“ Ein-Aus-Schalter, je eine Cinch– und XLR-Buchse für das Eingangssignal (ich habe die asymmetrische Variante genutzt, wobei durch einen Schalter festgelegt wird, welche Schnittstelle aktiv ist), Lautsprecheranschlüsse, die sowohl die Verwendung von Bananensteckern als auch von Kabelschuhen erlauben und ein weiterer Schalter, der eine Absenkung der Eingangsempfindlichkeit der Endstufe in zwei Stufen um je drei dB ermöglicht.

fonel royal

Das fand ich sehr praktisch, weil es mir erlaubte, im unteren Einstellungsbereich meiner Tom-Evans-Vorstufe, wo die Lautstärkesprünge des mit Einzelwiderständen arbeitenden Reglers schon mal größer sind als gewünscht, eine feinfühligere Regelung des Pegels vorzunehmen. Schließlich gibt es eine Buchse für den sogenannten Fonel-Link, der eine Ferneinschaltung der Endstufe durch eine Fonel-Vorstufe erlaubt. Man kann die Fonel Royals also direkt neben den Lautsprechern positionieren, ohne jedes Mal vom Rack zu den Lautsprechern laufen zu müssen, um auch die Endstufen einzuschalten.

fonel link

Auf der Vorderseite findet sich der Fonel-„Swoosh“, der hier als Standby-Schalter ausgelegt ist. Nach dem Einschalten der Endstufe hinten oder wenn man den Verstärker zuvor wieder in Standby geschaltet hatte, muss man den mondsichelförmigen Taster drücken. Dann blinkt der Schalter ein paar Sekunden, bis die Röhre vorgeheizt ist. Der Schalter wechselt dann in eine dezente Dauerbeleuchtung, deren Helligkeit in drei Stufen geregelt werden kann, und zeigt die Betriebsbereitschaft des Gerätes an.

fonel royal front schalter

Das Gehäuse besteht aus einer Stahlblechkonstruktion, die zum Gesamtgewicht von knapp 30 Kilo pro Monoblock erheblich beitragen dürfte, und aufgesetzten, in verschiedenen Farben erhältlichen Holz-Applikationen. Die Royals fügen sich damit in das etablierte Fonel-Design ein. Die eigentliche Elektronik nimmt nur gut die Hälfte des zur Verfügung stehenden Raumes ein. Jedoch verbraten Class-A-Verstärker eine Menge Strom. Die Leerlauf-Leistungsaufnahme der Fonels habe ich mit gut 130 Watt pro Monoblock (bei 237 Volt Netzspannung) gemessen. Da wird einiges an Wärme abgegeben, bei der Aufstellung muss unbedingt auf ausreichende Belüftung geachtet werden. Die Gehäusegröße dürfte zur sicheren Wärmeabfuhr beitragen. Ob wirklich die vollen 90 Watt, die das Datenblatt als Class-A-Leistung an 4 Ohm verspricht (45 Watt an 8 Ohm), ohne einen Wechsel in Class-B erreicht werden, sei dahingestellt. Bei 99% aller Leistungsanforderungen dürften die Monoblöcke aber jedenfalls in Class-A arbeiten.

fonel royal rückseite

2010 geisterte durch die einschlägige Presse die Meldung, dass Class-A-Verstärker demnächst verboten werden könnten. Die Europäische Union hat bekanntlich das Energiesparen als Thema für sich entdeckt und beglückt uns mit mehr oder minder sinnvollen Regulierungen, die zum Beispiel dazu geführt haben, dass die konventionelle Glühbirne auf der Liste der bedrohten Arten landete und wir jetzt Energieeffizienz-Klassen nicht nur für Backöfen und Kühlschränke, sondern auch für Autos haben (mit gelegentlich überraschenden Ergebnissen, da die Lobbytätigkeit der Autoindustrie dazu führte, dass nicht die absolute, sondern die relative Effizienz bewertet wird und ein schweres Geländefahrzeug, das absolut gesehen mehr Energie verbraucht als ein Kleinwagen, dennoch eine bessere Bewertung erhält. Nun ja).

Bislang sind für den Bereich der Unterhaltungselektronik nur wenige Vorschriften verbindlich geworden (nachzulesen beim Umweltbundesamt). Aus Anlass dieses Artikels habe ich deshalb den Vorstandsvorsitzenden der High End Society, Kurt Hecker, kontaktiert, um nachzufragen, wie denn der Stand der Planung sei.

fonel trafo

Herr Hecker teilte mit, ab 2013 träten Vorschriften zum Power Management in Kraft, also vor allem eine Begrenzung der Energieaufnahme während der Zeit „in welcher der eigentliche Zweck des Geräts nicht mehr erreicht wird“ – was auch immer das sei. Ansonsten sei für den Audio-Bereich in den nächsten zwei bis vier Jahren nichts zu erwarten. Es stehe jedoch fest, dass auch dieser Bereich irgendwann reguliert werden solle. Die High End Society arbeite daran, Ausnahmereglungen für den High-End-Bereich zu erreichen, damit auch in Zukunft Röhrengeräte (die bekanntlich eine Heizspannung brauchen) und Verstärker mit höheren Ruhestromeinstellungen, also insbesondere Class A, zulässig blieben. Das Problem sei die Definition des High-Ends; der Preis könne sicherlich nicht das Kriterium darstellen. Wie genau die Lösung aussehen könne, wisse im Moment noch niemand.

Für Abgesänge auf Class-A-Verstärker ist es also jedenfalls zu früh. Wir können hoffen, auch in Zukunft eine Auswahl an unterschiedlichen Verstärkertechnologien anzutreffen und nicht allein auf Class-D angewiesen zu sein.

Test: Fonel Royal | Endstufe

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